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Marburg, Dienstag, 3. Mai 1887.
XXII. Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt
_______ Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck nnd Verlag von Joh. Ang. Koch. O '
weil sie der Ausführung seiner
ermächtigt, die Verwaltung der letzten beiden Bahnen nach Maßgabe der Etats für das Jahr 1887 zu führen — Dem Abgeordnetenhaus ist der am 2. März d. Js. abqe- fchlonene Vertrag, betreffend die Forfführung der Verwaltung der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont durch Preußen zugegangen. Der neue Vertrag, der von dem gegenwärtigen, am 31. Dezember d. Js. ablaufenden nur in wenigen Punkten abweicht, hat bereits die Zustimmung der Waldeck- Ichen Stände erhalten. Eine beigefügte Denkschrift bemerkt: Die Gründe für das bisherige staatsrechtliche Verhältnis zwischen Preußen und den genannten Fürstentümern bestehen auch gegenwärtig noch unverändert fort, indem einer- seits nach wie vor Wert darauf gelegt werden muß, die staatliche Selbständigkeit der Fürstentünier und damit die Stellung derselben im Reiche erhalten zu sehen, andererseits auch jetzt noch die finanziellen Kräfte der Fürstentümer zur Bestreitung ihrer eigenen Bedürfnisse und zur Erfüllung der Anforderungen des Reiches nicht ausreichen.
Mw- Die „Nordd. Allg. Zig." veröffentlicht heute die am 28. April seitens der kaiserlichen Regierung an den hiesigen französischen Botschafter Herbette gerichtete Note des Fürsten Bismarck. Darin ivird zunächst gesagt, daß Fürst Bismarck die Angelegenheit Schnäbeles einer sorgfältigen Prüfung unterzog und die dem französischen Botschafter auch abschriftlich mitgeteilten Beweisstücke ein- forderte. Dann heißt es: „Dieselben ergeben zweifellos, k tun8 'm 9nn3en Verlauf ausschließlich auf
deuffchem Gebiet ohne Ueberschreitung der französischen Grenze , gegangen ist. Das gerichtliche Verfahren gegen Schnäbele hat das Verbrechen des Landesverrates, begangen ,m Gebiet- des Deuffchen Reiches, zum Gegenstände, und gründet stch auf vollgültige Beweise seiner Schuld, be- stehend m Geständnissen des in gleicher Sache angeklagten. Reichsangehongen Klein und in eigenhändigen, in Metz zur Post gegebenen von Schnäbele seitdem anerkannten Briefen Steren. Auf Grund der erwiesenen von Schnäbele selbst emgestandcnen Schuld, hat das Reichsgericht befohlen, denselben zu verhaften, sobald er auf deutsckem Gebiete sich wurde betreten lassen. Dies ist der Fall gewesen am 20. April, bei Gelegenheit einer zwischen Schnäbele und dem deuffchen Polizeikommissar Gautsch verabredet gewesenen geschäftlichen Znsammenkunft auf der Grenze. Eine gerichtliche Verurteilung Schnäbeles wird unter diesen Umständen nicht zweifelhaft sein können und voraussichtlich um so strenger ausfallen, als Schnäbele bei seiner strafbaren Thätigkeit sein
berichtete in der heutigen Kommissioussitzung, daß die Vertrauensmänner der Kommission aus den vertraulichen Mitteilungen des Kriegsministers die Ueberzeugung gewonnen haben, daß Mitteilungen über die Einzelheiten der Forde- rungen für die Operations- und Schlagfertigkeiten des Heeres, für die r^estungsbauten und für die Eisenbahnbauten öffentlich nicht gemacht werden könnten, bi- Vertrauensmänner seien aber von der Notwendigkeit der Bewilligung überzeugt. Es handle sich bei der ersten Forderung teils um Vorbereitungen für die Mobilmachung, die schon im Frieden getroffen werden müßten, weil sie nach Eintritt der Mobil- machung nicht mehr gut möglich seien, teils um Maßregeln zur Erhöhung der Operationsfähigkeit, die auch schon im Frieden getroffen werden müßten, ferner um Verbesserung der Ausrüstung, Steigerung der Marschfähigkeit der Truppen, Ausstattung von Festungen, Einrichtung von Werfftätten und Verbesserung des Lazarettwesens. Die Position wurde daraus ohne Widerspruch bewilligt und der Kriegsminister teilte mit, daß damit das Bedürfnis, soweit es sich jetzt übersehen lasse, befriedigt sei, und Forderungen für diese Zwecke in den nächsten Jahren bis aus Kleinigkeiten nicht zu erwarten ständen. Auch die Forderungen für Festunqs- bauten wurden ohne Widerstand genehmigt, nachdem Freiherr von Huene mitgeteilt hatte, daß d.e Verttauensmänner sich von der Notwendigkeit überzeugt hatten, daß die Re- glerung sich nur auf'die notwendigsten Festungen beschränke und daß die betreffenden Einrichtungen im einzelnen sehr kostspielig seien. Ebenso wurden die Forderungen für Eisenbahnen genehmigt, weil sie auf andere Weise, als durch den verlangten Reichszuschuß nicht durchführbar seien __
Der dem Abgeordnetenhause zugegangene Nachtragsetat betragt m Emnnahmen und Ausgaben 12 775 689 Mark Drunter 5300 einmalige. Die Haupffache davon ist der Bettag von 11 296 829 Mattikularbeiträge als Folge des Nachttagsetats im Reich. Zur Deckung soll eine Anleihe Don 11 997 783 Mark ausgenommen werden. __ Infolge
des Konsolidationsgesetzes für den Regierungsbezirk Wiesbaden wird das^ Gehalt für einen Sekretär, 8 Vermessungsbeamte, einen spezial - Kommissar und außerdem werden 19 450 Mark zur Remunerierung der nicht dauernd be- schaftlgren Spezialkommissare gefordert. Ferner werden die Mittel zur Einrichtung des Impf- und Lymphinstituts in Berlin gefordert. Außerdem sind als Anlage die Etats der Berlm-Dresdener, Nordhausen-Erfurter, Aachen-Jülicher Estenbahn sur 1887/88 beigegeben, und die Regierung wird
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Geschäftsführers vorzüglich gegen ihn gerichtet sei. Der Agent hatte sich nämlich zuerst an den alten Steider ge- wandt um ihn unter einem anderen Vorwande auszuforschen, allein der Alte war viel zu verschwiegen, um irgend etwas zu verraten. Nach diesem fehlgeschlagenen Versuche hatte er mit Kleuser selbst eine Verbindung angeknüpft, und bei ihm war es ihm leichter geworden zu durchschauen, daß sowohl Damken wie Kleuser gegen Buchmann feindlich gesinnt waren und gegen ihn zu handeln beschlossen hatten.
Buchmanns größte Stärke bestand nämlich darin, daß er niemand, selbst den zahlreichen Werkzeugen nicht, deren er sich zur Erreichung seiner Zwecke bediente, einen Einblick in ferne Pläne gestattete. Fest verschlossen trug er sie in sich unb verfolgte sie zugleich mit einer eisernen Konsequenz. Selbst geringfügigeren Sachen widmete er eine zeitlanq all feine Kraft, bis er sie erreicht hatte, dann that er sie schnell ab und ergriff eine neue mit demselben Eifer und derselben strengen Konsequenz. Ehe er indeß irgend einen Plan oder ^uffchlutz faßte, überlegte er ihn reiflich und ruhig, und in dieser Ruhe, in der er sich nicht durch andere Gegenstände ablenken ließ, bestand ein zweiter wesentlicher Zug seines Charakters. Ein dritter war der, daß er feine Pläne mit einer strengen, egoistischen Rücksichtslosigkeit gegen Andere durchführte, und hierin konnte er so weit gehen, daß er keinen Augenblick Anstand genommen haben würde, seinen besten Freund ins Verderben zu stürzen, wenn derselbe ihm hindernd im Wege gestanden hätte.
Buchmann hatte sich durch glückliche Börsenspekulationen m kurzer Zeit -in außerordentlich großes Vermögen erworben und zugleich den Namen eines „Börsenkönigs". Es l'ch Nicht ableugnen, daß er bei seinen Unternehmungen viel Gluck gehabt hatte, aber dieses wurde von seinen Gegnern überschätzt, weil sie seine eben angeführten Eigenschaften, welche wesenllich zum Erwerbe seines Reichtums beigttragcn hatten, viel zu wenig in Anschlag brachten. Buchmann wußte dies und er leistete dieser Ansicht in £ber Beziehung Vorschub, weil sie der Ausführung seiner Plaue forderlich war.
Daß er seines höchst rüsichtslosen Charakters wegen wenig Freunde besaß, kümmerte ihn wenig: sein Streben war allein ans Geld gerichtet und das erreichte er nach SSun^. Nur wenn er glaubte, daß jemand seinen Interessen zu nahe trete, sah er ihn als seinen Freund an. Es lag m dem Wesen Buchmanns etwas Dämonisches und wenn man einen rohen Ausdruck gebrauchen wollte, etwas Stier- maßiges, denn wie ein Stier ging er rücksichtslos auf das oin^Q r-i9 -tecfte $’eI toS' nur mit einer weniger blinden Leidenschaft.
®am{en war ihm bis dahin eine gleichgültige Persön- udjfeit gewesen. Hatte er sich auch öfter über dessen Stott geärgert, so hatte er diesem Gefühle doch nie einen weiteren Jiaum m sich gegeben, weil sein Interesse weder bedrobt noch verletzt war. Er war ihm deshalb stets artig entgegen gekommen und erst von jetzt an sah er ihn als seinen Gegner an Er verhehlte sich nicht, daß das alte mächtige Haus Damken unter der Leitung Kleisters, der in seinen Spekulationen kühn und mit Geschick zu Wege ging ihm em gefährlicher Gegner werden könne, und dies reichte hin seine ganze, starre, feste Energie gegen dasselbe wach zu rufen. Damken hatte kein Recht, sich stolz Über ihn zu er- - $e&en, denn daß fein Geschäft älter war, war nicht fein Verdlenst und er selbst hatte noch nicht das Geringste zur Vergrößerung desselben beigettagen. Buchmann hatte zum wenigsten das Verdienst und Bewußtsein für sich, daß er der Schöpfer seines Vermögens war, und das gab seinem Wesen eine gewisse äußere Festigkeit, und er trug es aucb gern zur Schau.
Um gegen das Haus Damken irgend etwas zu unternehmen, war es erforderlich, mit ihm selbst Verbindung anzuknüpfen, und dies konnte ihm nicht schwer werden Er hotte den Vorteil für sich, daß er seines Gegners Absichten kannte, während niemand von den feinigen eine Ahnung hatte. Außerdem durfte er hoffen, Kleuser leicht sich günstiger zu stimmen, da er die Eitelkeit dieses jungen Mannes kannte und wußte, em wie mächtiges Werkzeug sie für ihn werden tonnte, wenn er sie gehörig benutzte. (Fortsetzung folgt.)
Dr»rch eigene Schnld.
Ein Original»Roman ans der Handelswelt von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
Freundlich schied er von seinem jungen Kompagnon. Kaum hatte er indeß das Haus verlassen, als seine Stirn sich ui ernste, nachdenkliche Falten zog. Sein Auge war scharf genug, um zu erkennen, daß Kleusers Ruhe nur eine erjttmngene roar. Er fühlte, daß nie ein offenes Vertrauen zwischen ihnen obwalten werde, und daß er sich vor fernem Kompagnon zu hüten habe. Er glaubte zwar ein geistiges Uebergewicht über ihn zu haben, erkannte aber doch, daß es notig fern werde, dem Geschäfte eine größere Aufmerksamkeit zu widmen, als bisher.
Die Entfernung des alten Steider aus dem Haufe Damken hatte m der näher stehenden Handelswelt manche Vermutungen hervorgerufen. Man war seit langen Jahren gewohnt, mit ihm zu verkehren, und er genoß bei Allen nie ct)e ihn kannten, die größte Achtung. Seine Rechtschaffenheit und Zuverläfftgkeit, sowie fein klarer Blick in Handelsangelegenheiten waren bekannt, und mit Recht zog man A/^'^ngabe des Handelsherrn, daß er den alten Geschäftsführer seines Alters und der damit verbundenen Schwäche wegen habe entlasten mästen, in Zweifel.
Namentlich roar es Buchmann, den Steiders Enffernung lehr zu interessieren schien. Er hatte zwar nie Geschäfte mit ihm abgeschlossen, weil er ganz andere Handelsprin- zipien verfolgte, aber er kannte ihn hinreichend, um ihn zu schätzen. Er würde dieser Sache weniger Gewicht beigelegt haben, wäre nicht noch der Umstand hinzugekommen, daß Damken einen Mann an des Alten Stelle gesetzt hatte, den er selbst von früher genau kannte und nicht mit Unrecht einen ihm gefährlichen Rivalen anfah, wenn Kleuser ihm auch für den Augenblick wenig gefährlich erschien.
Buchmanns Auge war viel zu scharf, als daß er in diesem Verfahren Damkens nicht irgend einen geheimen Plan hätte vermuten sollen, und bald hatte er durch einen in seinen Diensten stehenden Agenten erfahren, daß dieser Wechsel des
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Deutsches Reich.
Beeliu, 30. April. Der Kaiser empfing heute vormittag den General von Dereuthal aus Sttaßburg, konferierte darauf mit dem Chef des Militärkabiuetts General von Albedyll und dem Minister von Bötticher und machte nachmittags eine Spazierfahrt. — Aus Anlaß des neunzigsten Geburtstages des Kaisers sind nach einer soeben er- folgten amtlichen Zusammenstellung beim hiesigen Kabinetts- Postamt m den Tagen vom 16. März bis zum 23. März für Heu Kaiser eingegangen: 7481 eingeschriebene Briefe 187 gewöhnliche Pakete, 45 eingeschriebene Pakete, 3 Wertpakete. Davon entfielen allein auf den 21. und 22. März: ^09 bezw. 2916 Einschreibbriefe, 47 bezw. 85 gewöhn- , Pakete und je 15 Einschreib- und Wertpakete. Die Zahl der Glückwunsch-Telegramme, tv-lche. dem Kaiser aus dem gleichen Anlaß in den Tagen vom 21. bis 23. März jugegangen sind, betrug 1542 mit zusammen 75159
77 ..Der „Reichs - Anzeiger" publiziert heute das' Gefetz, betreffend die Abänderung der kirchenpolitischen Ge- fetze. — Dem Bundesrat ist noch eine Nachttagssorderunq etwas über 100 000 Mark zugegangen zum Zweck emes Botschaftsgebäudes in Paris. Der Bundesrat hatfür die neu ^errichtete Stelle eines Vizepräsidenten beim Reichs- bankdirektorlum dem Kaiser den Geheimen Oberfinanzrat Bose vorgeschlagen, welcher jetzt als erstes Mitglied des Direktoriums fungiert. — Die Budgetkommission des Reichstages hat heute, also in der zweiten Sitzung, den gesamten Nachtragsetat erledigt und ihn unverändert genehmigt. Das Ordinarium desselben wird bereits auf die Tagesordnung . r nächsten Sitzung des Reichstages gesetzt werden. Von einer „Beratung" war in der Kommission eigentlich kaum die Rede, denn über die Begründung und Verwendung der wichtigsten Forderungen ist der Kommission gar nichts nutgeteilt worden. Der Abgeordnete Freiherr von Huene