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Rr. 92.

Marburg, Donncrstag, 21. April 1887.

XXII. Jahrgang.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- Lbonnements-Preisbei der

D«rch eigene Schuld.

Ei« Original > Roman ans der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Nein, nein, Herr Samten,* ries der Grei» in leiden­schaftlicher Erregung.Ich will Ihren Gnadenlohn nicht, ich brauche ihn nicht denn ich bin reicher als Sie. Oh, hätte ich das ahnen können, hätte ich mein Geld hier be­halten, ich würde Sie retten und Ihnen zeigen, daß ich nicht mein Interesse verfolge. Herr Damken, lassen Sie das Geschäft in meinen Händen*, fuhr er mit bewegter, fast flehender Stimme foit, indem er auf den Handelsherrn zutrot und dess n Hand ergiiff,nur kurze Zeit noch lassen Sie es mir, bis ich es durch die jetzige schwere Krisis hiudurchgeführt habe. Dann will ich gern zurücktreten und Sie selbst werden den Augenblick segnen, in dem Sie Ihren Entschluß geändert haben.*

Ich bin kein Kind, welches Entschlüsse faßt, ohne sie zuvor überlegt zu haben," erwiderte Damken ungeduldig. Es bleibt dabei, wie ich gesagt habe. Sie haben mein HauS nicht vor der Krisis bewahren können, ich mag Ihnen feine Rettung noch weniger anvertrauen."

Er trat an das Fenster. In diesem Augenblick suhr ein Wagen vor der Villa vor und die ersten der zur Abend­gesellschaft geladenen Gäste stiegen aus. Er grüßt- freundlich hinab und wandte sich dann rasch zu seinem Geschäftsführer: Ich werde morgen selbst in die Stadt kommen, um Ihren Nachfolger einzuführen und zu instruieren. Sind die Haupt­bücher in Ordnung?"

Sie find stets in Ordnung gewesen und find es auch jetzt," gab der Alte mit größter Anstrengung zur Antwort.

Um so befler," entgegn, te der Handelsherr und wandte fich der Thüre zu, um das Zimmer zu verlafleu und die angrkommenen Gaste zu begrüßen.

Noch einmal ergriff der alte Steider die Hand seines Herrn, Thräncn traten ihm in die Augen und mit bebender Stimme bat er noch einmal, ihn an feinem Platz zu lassen.

Lassen Sie dar, Herr Steider,* unterbrach ibn der Handelsherr, indem er ihm die Hand entzog,es geht nicht

Expedition 2*/4 Ml., bei dar Postämter 2 Ml. 50

Wir mit so eifriger Sorge strebten ist nach Beseitigung der. langdauernden Verwaisung für die Verwaltung mehrerer Diözesen gesorgt; die Pfarreien besitzen wieder in großer Zahl ihre Vorsteher; die Hinderniffe, welche die bischöfliche Gewalt bei der Handhabung der Zucht und bei der Aus­übung der Gerichtsbarkeit hemmten, sind beseitigt. Schon seit einem Jahre sind vier Klerikalseminare wieder er­öffnet, und demnächst können zwei weitere in Limburg und Osnabrück eingerichtet werden; die Alumnen der­jenigen Diözesen, welche noch kein eigenes Seminar be­sitzen, können nach einem anderen Seminar innerhalb der Grenzen des Reiches geschickt werden. Sind ferner ein­mal wenigstens einige Ordensgenossenschaften zurückberufen, so wird die Uebung des christlichen Lebens sich weiter ver­breiten und viele werden ungehindert zur vollkommenen und höchsten Tugend streben können. Dadurch ist einem höchst berechtigten Wunsche der Katholiken Genüge ge- schehen, da es feststeht, daß sie sich innig nach den geist­lichen Orden sehnten; und auch dem Staate selbst ist eine nützliche Beihülfe erworben für die Werke der Liebe, für die Sittlichkeit des Volkes und für alle Zier menschlicher Bildung.

Hieraus also, ehrwürdiger Bruder, erkennst Du leicht, daß von jenen harten Gesetzen so viel abgeschafft ober doch geändert wird, daß sie weniger schwer ertragen werden zu können scheinen. Immerhin wird der Aposto­lische Stuhl stets alle Vorsorge und Umsicht verwenden, daß ein solcher Stand der Dinge, der noch nicht der beste ist, noch weiter und umfaffender verbessert werde. Anderer­seits mahnen UnS das Bewußtsein Unseres Apostolischen Amtes, sowie auch die Regeln der praktischen Klugheit, em gegenwärtiges und sicheres Gut der zweifelhaften und unsicheren Erwartung eines größeren Gutes vorzuziehen. Denn wie auch die Zukunft den Ging der deutschen An­gelegenheit gestalten mag, gewiß sind es große und der Kirche ersprießliche Dinge: daß Bischöfe mit ihrer gehei­ligten Gewalt der Geistlichkeit und dem Volke vorstehen; daß das katholische Volk die Vorschriften des Glaubens und der Sitten von seinem Hirten empfangen kann; daß die zukünftigen Diener des Heiligtums in Seminaren heilig zur Hoffnung des Priestertums erzogen werden; daß die Mitglieder einiger geistlichen Orden öffentlich und vor den Augen des Volkes nach jeder Zierde der evan­gelischen Tugenden streben können.

Es bleibt noch übrig die Benennung der für die Pfarrstellen bestimmten Personen. Aber in dieser Hinsicht bezeugen die von eurer Geistlichkeit unter den schwierigsten Umständen erbrachten Beweise der Gewissenhaftigkeit und und es dl tbt dabei, wie ich 3bnen gesagt habe. Noch eine Frage! Wer hat Ihnen die Anweisung heute präsentiert?*

Herr von Letztngen selbst."

Und unter welchem Vorwande haben Sie die Zahlung verweigert?* fragte er weiter.

»Ich gab vor, daß nach der Geschäftsordnung nur des Morgens Zahlungen geleistet würden.*

.Auf wann haben Sie die Zett der Zahlung festgesetzt?* Auf morgen ftüh.*

Gat, so kann ich diese Angelegenheit sogleich selbst ordnen,* sprach der Handelsherr.Ich werde morgen früh in die Stadt kommen und Sie Ihrer Stellung entheben.*

Er verließ rasch und ohne Gruß das Zimmer.

Wie ein Träumender stand der greife Geschäftsführer da, die Augen starr auf die Thür geheftet, ans welcher Damken soeben geschritten war. Er schien der Wirklichkeit ent'ückt zu sein, weil er nicht im Staude war, das Ent­setzliche derselben zu foffen.

Als aber seine Gedanken zurückkehrten zu den letzten Worten seines Herrn, sank er erschöpft auf einen Stuhl und barg fein Gesicht in den Händen.Es bleibt bob-il* tönte eS ihm laut und wie Hohngelächter in den Ohren wieder, und das Blut wich aus seinen Wangen und drängte sich mit aller Gewalt dem Herzen zu.Es bleibt dabei!* hallte eS wieder und wieder und alles ringsum schien in diesen Ruf einzustimmen, der 8oKen schien zu wanken und die Decke deS ZtmmerS immer tiefer und tiefer herabzu- finken, bis sie auf dem Haupt deS Greises ruhte und dieses bis aus die Brust hinabdrängte. Wilder und wilder ward J.3 in feinen Gedanken und in seiner Brust stürmte eS h sttg. Finstere, höhnende Gestalten zogen arinfei b an ihm öorfiber und riefen ihm lachend ins Ohr:Es bleibt dabei!* ®r wollte ihnen entfliehen, aber sie folgt-n ihm, sie hi Iteu ign an den Kleidern fest, zogen ihn zu Boden, fetzten fich schwer auf feine Brust und riefen lachend:Es bleibt 1 dabei! ES bleibt dabei!* ;

Ja, eS bleibt dabei! Nickt, weil du stolzer Verschwen­der eS so beschloffen hast, sondrn weil eS der Wille deS 1 Schicksals ist, das dich selbst zu dem Verkünder deines Verderbens macht. Noch stehst du stolz, reich, angesehen

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen.Bnreanx von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. SR., Cassel, Magdeburg und Wie« Rudolf Messe in Frankfurt a. SR., Berlin München und

Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. SR.,

Das päpstliche Schreiben an ven Erzbischof von Köln

Leo XIII., Papst.

Ehrwürdiger Bruder, Gruß und Apostolischen Segen!

Aus Deinem Schreiben vom 20. März haben Wir leicht erkannt, daß Dir wovon Wir bereits überzeugt waren der Stand der katholischen Sache in Deinem Vaterlande sehr am Herzen liegt. Und dies rechnen Wir Dir gern zum Lobe an; denn dieser so eifrig auf das Gemeinwohl gerichtete Sinn ensspricht der Höhe Deiner Würde sowohl als den Zeitverhältnissen, unter welchen gegenwärtig bei euch die Kirche lebt. Wir hinwiederum halten es für Unsere Aufgabe, indem Wir Dir auf die Fragen, über welche Du Auskunft verlangst, Antwort er- tellen, zugleich öffenttich kund zu thun, was der Apostolische Stuhl über den jüngsten, auf die Ordnung der katholischen Angelegenhett im Königreich Preußen bezüglichen Gesetz- Entwurf denkt, bezüglich dessen Wir die Ansicht einiger Kardinale der heiligen römischen Kirche eingeholt haben. tzSchon seit dem Anfänge Unseres Pontifikates be­gannen Wir viel und ernstlich euere Angelegenheiten zu erwägen und beschlossen, wie die Natur Unseres Amtes es mit sich brachte, alles zu versuchen, um, wenn irgend ! möglich, den Katholiken die friedliche Ruhe mit der recht­mäßigen Freiheit wieder zu verschaffen. Diese Unsere Willensmeinung haben Wir zum Ausdruck gebracht in Unseren Briefen an Se. Majestät den Kaiser und an den durchlauchtigsten Fürsten, sowie in Unserem Schreiben an Deinen unmittelbaren Vorgänger im Kölner Erzbistum.

Deshalb begannen Wir, wie es natürlich war, von der langwierigen Sorge aufzuathmen und fteudige Hoff­nung zu fassen, als Wir die Geneigtheit bemerkten, die der Freiheit der Katholiken entgegenstehenden Gesetze zum Zwecke der Verbesserung einer Durchsicht zu unterwerfen, indem dadurch sich der Weg zu Beilegung der Zwistig. ketten eröffnete. Was weiterhin folgte, war mehr geeignet, die Hoffnungen zu vermehren als zu schwächen. Zum Teil hat man fich bemüht, zum Teil bemüht man sich noch, jene Gesetze zu mildern; und wenn aydj noch nicht alles erreicht ist, waö die Katholiken zu erreichen mit Recht wünschen, so ist doch manches festgestellt, wodurch ihre Lage besser wird. Gewiß siehst Du ein, wie bedeu­tungsvoll es ist, daß die Machtvollkommenheit des römischen Papstes sich frei äußern und entwickeln kann in den viel­fachen und mannigfaltigen Beziehungen, welche der Apo­stolische Stuhl mit der Staatsgewalt, sowie mit den Bischöfin und dem katholischen Volke besitzt. Außerdem wonach

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--------------------- -------Berlin, Hannover u. Pari-

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt

______ Markt 21. Redaktion, Druck nnb Berlag von Joh. Aug. Loch. " *

Standhaftigkeit, wie streng dieselbe an der Heiligkeit ihres Amtes festhalt. Von den jüngeren Geistlichen aber darf man mit Recht hoffen, daß sie, unter eurer Leitung und ' 4u.mr priesterlichen Amte erzogen, dereinst eben jene

Tugendbeispiele erneuern werden. UebrigenS haben Wir Beziehung schon vor sieben Jahren erklärt und noch im vorigen Jahre wiederholt, daß Wir in diesem Punkte unter Umstanden die Forderungen Preußens nicht ablehnen wollten; und deshalb war es, als die Abänderung und Verbesserung der betreffenden Gesetze begonnen halft, ÄÄ" ^sp^n zu erfüllen. Auch ist zu beachten, daß dies die einzige Bedingung ist, welche Wir schließlich nicht zuruckgewiesen haben. Da endlich diese ganze Ange­legenheit, betreffend die Benennung der für die Pfarrstellen bestimmten Personen zwischen UnS und den Ministern des preußischen Reiches verhandelt wird, wie sich aus den beiderseitigen Schreiben ergiebt: so werden Wir uns be­mühen, eine gütliche Vereinbarung herbeizuführen, wie die Sache gedeutet und welche Norm befolgt werden muß, wennemmal der Bischof etwas anderes will, als derOber- Praftdent erstrebt. Und zwar enthalten eben jene Schreiben im wesentlichen den Vorschlag des Bischofs von Fulda in Bezug auf die Befugnis und die Begründung des zu er­hebenden Einspruches. 9 8

Da nun, besonders mit Rücksicht auf die vom Herren­haus- angenommenen Anträge des Bischofs von Fulda beschlossene Gesetz ein nicht heuchlerisches noch auJeS achtendes Heilmittel vieler Uebel darstellt und den Zugang zu dem so lange und mühsam angestrebten Frieden er» öffnet, so halten Wir es für angezeigt, daß die Katholiken einem solchen Entwurf, mit welchem der andere gesetzge­bende Körper sich zu befassen haben wird, zuzustimmen Nicht verweigern.

Du aber, ehrwürdiger Bruder, und desgleichen Deine AmtSgenossen, bemühet Euch, durch Euere Mahnung und Autorität nach Möglichkeit zu bewirken, daß alle Katho« liken Eueres Landes volles Vertrauen auf den Apostolischen Stuhl setzen und bei dessen Entschließungen sich beruhigen: denn er wird pflichtmäßig die katholische Sache in Preußm stets mtt derselben Wachsamkeit und demselben Geiste der Liebe schützen. Unser Geist erfreuet sich in dem Gedanken, bQ6 "ach Beseitigung der Ursachen der Zwistigkeiten die gesamte katholische Geistlichkeit und das gesamte Volk be­ständig eines Sinnes sind mit den Bischöfen, und daß sie wie bisher, besonders den römischen Papst achten und

Kirche das Prinzip der Eintracht ist und das Band der Unversehrtheit.

und mächtig da, noch bendben dich Taufinde; dennoch bist bu nicht im Staube, bas Rab beS Schicksals aufzuhalten, bas langsam unb schwer daher rollt, das dich zermalmen ">ird, als einen eitlen unb eleubeu Erdenstaub? Ja Dn unglücklich Verblendeter, laß deine Schritte auf b.n war" mornen Treppen nur laut erschallen, wiege dich auf den schwellenden, sammtbeschlagenen Möbeln, weide deine Auaen an vergoldeten Kronleuchtern! Greif jede Minute, welche noch dir gehört, mit fieberhafter Hast auf, suche sie zu ge- uießen, denn schon lassen fich die Tage unb Stunden zählen, alles noch dir gehört. Aber sie kommt, sie kommt die Zeit, wo bu elender sein wirst wie ein Bettler ^r sein Haupt auf grünem Rasen zur Ruhe bettet; ste kommt die Zeit, wo du aus diesen stolzen Räumen hinweg, getragen wirst, arm unb vernichtet, von nitmanbem beneibet. von niemandem bedauert! *

Langsam und schwer athmete die Brust des Greises, der regungslos und verlassen noch auf dem Stuhle saß, auf den er uiedergesuuken war. Der Abend war herein- öjbrockeN' das Haus hatte fich mit Gästen gefüllt, er hatte nichts davon gewerkt. y

Draußen vor der Villa brannten die Fackeln unb Pech, Iran je auf ben Statuen, wirbelten schwarze Rauchwolken zum gestirnten blauen Himmel empor unb ft urig rot strahlte bie Flamme an bet Decke bes Zimmers, in welchem ber Alft saß, wieder.

Endlich erwachte er, fuhr erschrocken in bie Höhe unb erzitterte, als er erkannte, wo er fich befanb. Rasch, mit bebender Eile, verließ er baS Zimmer uub das Haus. We­nige Minuten später saß er in bem Wagen unb fuhr wteber ber Stabt zu. K<iu Wort kam über feine Lippen unb in seinem H rzeu war eS still unb öbe wie auf der Braud, statte eines Schlosses. Nur ber eine Gebauke, ber eine Schmerz lebte noch in ihm, daß er scheiben sollte von dem Hause Damken, in bem er so lange geweilt; nur ber eine Ton klang in feinen Ohren, bie Worte seines Herrn:Es bleibt dabei l*

(Fortsetzung folgt.)