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Werktagen nach Sonn« und

(JJrunö Jhies Hauses erschüttern, ete haben nicht daraus gehör!"

»Ich habe nicht darauf gehört!" erwiderte der HandelS- herr mit bitterem Tone. .Soll ich mir etwa von meinen Kommis Sorschr ften machen lassen, wie ich zu leben habe? ®°n iM mir von ihm meine Ausgaben zumessen lasten, ober

Rechen!chaft darüber ablegen? Sind Sie der Herr des Geschäfts oder bin ich es?"

.Sie sind es," erwiederte der Alte mit Nachdruck, .aber mir hat das Geschäft mehr am H rzen gelegen, als Ihnen. Mein ganzes Leben habe ich d>m einen Zwecke gewidmet, die Ehre des Hauses rein und unbefleckt za erhalten, und mein Leben würde ich freudig hingeben, wenn ich sie retten konnte."

.Wer hat Ihnen die Ehre meines Hause» anvertraut?" rief bet Hanbelsherr heftig, .für bie werbe ich allein sorgen, wenn ich es für nötig erachte. Nur bie Leitung bes Ge< schäfts habe ich in ihre"be gelegt, aber Sie scheinen meinen B.rteil weit weniger im Auge m haben, als ben Ruf meines Hauses, der Sie nichts ang-hl!"

.Als wenn e8 mein eigenes Geschäft gewesen wäre, so habe ich für bas Ihrige gesorgt," entgegn te ber Alte.

.Sie haben es vielleicht zu sehr als Ihr eigenes be­trachtet," warf jetzt der Handelsherr mit einem spöttischen Bucke ein.

Eine flüchtige Röte überzog die tief gefurchten Wangen des alten Geschäftsführers, seine Augen waren fest und glühend aus den Handelsherrn gerichtet und tu seinem Innern stürmte eine heftige Erregung. Die Worte seines Herrn hatten ihn auf das Tiefste verletzt, sie hatten das angegriffen, was sein Stolz, ja die Grundvcste seine» Lebens war.

.Herr Damkeu," sprach er mtt vor innerer Aufregung zitternder 'Stimme, .Herr Damkeu," wtederhofte er, »ich will Ihre Worte nicht gehört haben, well ich zu stolz dm, einen solchen Verdacht zurückzuweisen. Aber das schmerzt mich, daß dies der Dank für meine fünfzigjährigen

Ausl««-.

Bern, 16. April. Der Bundesrat teilte den Beitritt der Vereinigten Staaten von Amerika zu ber Konventton jum schütze des gewerblichen Eigentum» ber übrigen be- Schn^ ®taatcn Heute herrscht hier ein starker

Rom, 16. April. Der Deputierte Guiceardini zog

Deutsches Reich.

Berlin, 16. April. Der Kaiser nahm heute die Vorträge des Hofmarschalls Grafen von Pe"poncher, des Oberstkämmerers Grafen zu Stolberg, des Generaladju­tanten Grafen v. Walcersee und des Generals von Albedyll entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staats­sekretärs des Innern, von Boetticher abgehaltenen Plenar­sitzung erteilte Der Bundesrat dem Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung der Gesetze über die Quartierleistung und über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden und dem Anträge Hessens, betreffens die Aende- rung der Statuten ber Bank für Süddeutschland, die Zu- stimmung. Mit ber bereits erfolgten Ueberweisung der Gesetzentwürfe wegen Feststellung eines Nachtrages zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1887/88 und be­treffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Per- Wallung des Reichsheeres und für die Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse ber Landesver­teidigung an die Ausschüsse für Rechnungswesen, für das Landheer und die Festungen und für Eisenbahnen, Post und Telegraphen erklärte sich die Versammlung einverstanden. Endlich wurde noch über die Sr. Majestät dem Kaiser wegen Besetzung der Stellen zweier ständigen Mitglieder des Reichs-Lersicherungsamtes zu unterbreitenden Vor­schläge sowie auf mehrere Gesuche um Zulassung zur Schifferprüfung Beschluß gefaßt. - Der Nachtragsetat tst m der gestrigen Sitzung des Bundesrates noch nicht zur Annahme gelangt, wirb aber dem Reichstage doch wahrscheinlich schon nächsten Dienstag zugehen. Was wir über den Gesamtbetrag desselben, 134 Millionen mitgeteilt Haben, bestätigt sich. Die Festungsumdauten, für die der Nachtragsetat erhebliche Mittel auswirft, werden haupt­sächlich in der Herstellung neukonstruiter granat- und bombensicherer Entdeckungen, zunächst der westlichen und östltchen Festungen, bestehen. Die Kasernenbauten, die der Nachtragsetat ebenfalls vorsieht, sind für die Orte bestimmt welche infolge der letzten Dislokationen und der Heeres- vermchrung neue Garnison erhalten. Der Magistrat beschloß, dem Anträge des VereinsBerliner Presse", ihm zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Uhlands 5en großen Feftsaal des Rathauses zur Verfügung zu stellen, zu entsprechen. Die Feier soll entweder am 24. April ober am 1. Mai staltfinden, je nachdem die Vorbereitungen sich dazu erledigen lassen. Alle Nachrichten, welche von irgend welcher Verzichtleistung des Herzogs von Edinburg aus den Thron von Sachsen - Koburg zu Gunsten seines Sohnes rc. wissen wollen, werden, wie dieMagd. Zlg." mitteilt, von bestunterrichteter Stelle als völlig unglaub« hast bezeichnet. Von hier aus ist bezüglich einer Entschei-

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. i>. Kreise Marburg u. Kirchhain. -

____ Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

düng in dieser Richtung nichts geschehen; auch hat man sich derartigen Wünschen und Hoffnungen in keiner Weise hm gegeben, geschweige denn gar, wie vielfach behauptet wird, Verhandlungen geführt, um eine Übertragung der Erbfolgerechte in Sachsen-Koburg auf den Erbprinz von Sachsen-Meiningen herbeizuführen; es wird dies alles mit besonderer Betonung alsmüßiges Gerede" bezeichnet.

Posen, 16. April. Der längst erwartete Sozialisten­prozeß hat gestern begonnen. Von den 23 Angeklagten werden neunzehn aus der Untersuchungshaft vorgeführt; unter den vier freien Angeklagten befinden sich auch die be­kannten sozialtstischen Buchdruckereibesitzer Harnisch und Schönfeld aus Dresden, Im Saale find sieben Schutzleute anwesend. Der Präsident verkündet den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Anklage lautet auf Verbreitung ver- botener sozialistischer Schriften und auf sozialistische Ge- hennbündelei. Heute wurde das Urteil gefällt. Es wurden verurteilt: Buchbinder Janiszewski (Dresden) zu zwei Jahren und einer Woche, die Zigarrenarbeiter Velke und Gaul zu je neun Monaten, Vergolder Rogowicz zu drei Monaten, Stellmachermeister Grzeskiewicz zu einem Jahre unb drei Monaten, Zigarrenarbeiter Zietkowski zu zwei Monaten, Schuhmacher Komernietzki zu zwei Wochen, Zigarrenarbeiter Tomaszewski zu zwei Monaten Gefängnis. Der Buchdruckereibesitzer Harnisch (Dresden) wurde wegen Vergehens gegen das Preßgesetz zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Die übrigen vierzehn Angeklagten wurden freigesprochen.

Offenbach, 14. April. In ber am 5. er. stattge­fundenen Sitzung ber hiesigen Handelskammer wurde über euu vomVerein gegen Unwesen in Handel und Gewerbe" zu Köln überreichte Denkschrift, betreffend gesetzliche Maß­regeln zur Bekämpfung der Wanderlager und Abzahlungs­geschäfte referiert. Es wurde mit Bezug auf die Waren­abzahlungsgeschäfte, denen die Raten- und Losgeschäfte gleichzustellen seien, beschlossen, dafür einzutreten, daß die Ntchtigkeitserklärung des Vorbehalts, daß das Eigentum des Gegenstandes dem Verkäufer verbleibe und ersterer ^mgemäß beim Unterlassen der Ratenzahlung seitens des Käufers diesem, ohne eine entsprechende Rückvergütung auf die bis dahin geleisteten Zahlungen, wieder entzogen werden könne, gesetzlich ausgesprochen werde.

Feiertagen. Qnartal- AbonnemrntS-Preis bei der Expedition 2/t Mk.. bei den Postämter 2 Mk 50 Bffl. (excl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.

feine 3nterpeaation über die Politik der Regierung be- jugltdj Afrikas zurück. Behufs Regelung ber deutschen katholischen Mission in Ostafrika verweilen DrBeterS pajon Gravenrenth und Pater am Rhein aus Reichen­bach fett Donnerstag hier. Die Verhandlungen führten zu etnem günstigen Resultate. Ein Vertrag zwischen Peters und der Missionsanstalt Reichenbach wurde abq" schlossen. Der bisher vermißte DampferVenedig" ist von dem britischen DampferBretwalde" ins Schlepptau genommen worden und traf gestern in Suez ein. Der­selbe mußte wegen Bruchs der Schraube bis Montag vor Suakin verbleiben. 8

Paris, 16 April Der internationale Astronomen- k?ngreß wurde heute eröffnet. Minister Floatens begrüßte die Versammlung namens der Regierung, Admiral Mouchv bie auswärtigen Teilnehmer noch besonders. Struve (Pulkowa) dankte. Zum Präsidenten wurde Struve, zu Vizepräsidenten Anvers, Christi« und Faye erwählt. 4 n m' AP"!' 3" der gestrigen Sitzung des Unterhauses entstanden bei Beratung der irischen Sttaf- r^htsnovelle sehr tumultuarische Szenen, indem Healy das Mitglied Saunderson wegen dessen Aenßerung, die PärnMten hatten nut Leuten Verbindung, welche ihnen als Mörder wohl bekannt seien, einen Lügner nannte. Healy wurde wegen dieses Ausdrucks auf Beschluß des Hauses ausgeschlossen und verließ das Haus unter dem Beifall, «r P«E.

S"e" Mgmr. Schließlich wn toi6e ch beleidigenden Aeußerungen zurück.

Stockholm, 16. April Nach ben bisher bekannt gewordenen Resultaten der Wahlen zur zweiten Kammer sind 110 Freihändler unb 46 Schutzzöllner gewählt

v6. Apiil. DasBureau Reuter- Meldes Nach Nachrichten, welche aus den Kreisen der Eingeborenen stammen, sollen die Truppen des Emirs von Afghanistan die Ghilzais in dem Distritte Shilfus nachts angegriffen, gegen 200 getötet und viele verwundet haben. Mehrere Dörfer stehen tn Flammen. *

Washington, 16. April. Alexander Lawton aus dem Staat Georgia wurde zum Gesandten der Vereiniaten Staaten tn Wien ernannt. °

Durch eigene Schuld.

Ein Original»Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Was haben Sie mtr zu sagen?" fragte Herr Damkeu ungeduldig, al» er mtt dem Alten auf feinem Zimmer au- gekommen war.

Einen Augenblick schwieg der Greis, dann sprach er ruhig:Sie haben dem Herrn von Letzingen eine An­weisung auf Ihr Haus ausgestellt."

Da» weiß ich. Wozu soll dies?" unterbrach ihn der Handelsherr.

Dte Anweisung ist mir heute präfentle.t, aber* Der Alte stockte, die folgenden Worte vermochte er nicht über feine Lippen zu bringen.

Nun!" mahnte Damkeu ihn zum Fortfahren.Was haben Sie an ber Anweisung auszusitzen? Sie war von meiner Hanb geschrieben unb ich hoffe, Sie werben Sie bezahlt haben."

Ich habe Sie nicht bezahlt," erwiderte der Grei».

WeShuld nicht?" fuhr der Handelsherr heftig heraus. Weshalb find Sie meinem Wunsche nicht aachg. kommen?"

Der Alte rang nach Fassung, um schwere Wor.e au»« ßusp echen.Well weil Ihr Haus nicht mehr im Stande ist, zu zahlen. Die Kaffe ist erschöpft, nur mit Muhe hält e» sich noch aufrecht."

Mit hastigen Schlitten ging Damken im Zimmer auf ab, um ben Eiubrnck, welchen diese Worte tu ihm hervor- gerufen, zu bekämpfen und sich Fassung zu erringen.

Weshalb haben Sie mtr nicht früher davon gesagt?" rief er hastig.

Weshalb haben Sie e» so weit kommen lassen? In Ihren Händen hat die Leitung meine» Geschäft» geruht."

Ich habe Ihnen oft Vorstellungen gemacht, daß bas Geschäft bie enormen Summen, bie Sie ihm entzogen, nicht tragen könne," erwiberte der Alte.Ich habe Ihnen vor» gestellt, daß Sie durch Ihre Verschwendung den festen

H-ffe« - Nassau.

Marburg, 18. April. Gestern nachmittag 4 Uhr fand unter sehr zahlreicher Beteiligung aus den verschie- densten Standen das Leichenbegängnis des Herrn Geh Rat Lieber kühn statt. Dem reich mit Blumen und Franzen geschmückten Trauerwagen folgten auch die in Folge der Ferien in geringerer Anzahl anwesenden Ver- treter ber studentischen Korps und Verbindungen mit ihren £)ien|te letn foU, der Dank für di. mur, voll n T ue unb "Nachte, bie ich Ihrem Geschäfte gewidmet habe." Sind Sie nicht dafür bezahlt worden?" fragte ber Handelsherr mit v rletz ndrm, wegwerfenden Tone.

Ich bin bafur bezahlt worben, Herr Damken, gl Id mb T"ülohner für bie Arbeit bezahlt wirb, die er gleichgültig unb interesselos verrichtet."

Wenn Sie glaub n, baß Ihr Gehalt ein zu geringer gewesen ist, so trifft mich keine Schuld," erwiderte ber Handelsherr,sie haben nie mehr beansprucht."

,34) habe nie mehr gewünscht unb nie mehr gebraucht. Herr Damkeu," entgegnete ber Alte.Ich habe nicht um mit hm" nearbrteUOnrbern aui 2iebc zu ihrem Häuft, ?1"/ 3B,nJd,e und Hoffnungen zu einem festen Ganzen verwachsen find. Ihm habe ich meine eigenen ßebe^boffnunflen unb Pläne zum Opfer gebracht, aus Liebe und Sluliänglichkeit zu ihm bin ich mein ganzes fob n yitu durch Dien r g blieben, währenb ich mtr selbst eine selbst­ständige St llung hätte erringen können."

r ß*ethaiteJ4®tefl,a Still ertrug er diese Kränkung, weil ", ^nßi war, sie nicht verdient zu haben, weil er wußte, daß von allen, welche ihn kannten, nur der Handels» berr allein ihm die Achtung v 1 sagte, auf welche er mit vollem Rechte Anspiuch machen konnte. Und weshalb v?r- sagte er sie ihm, weshalb war er über ihn erzürnt? Well er es zu ehrlich unb treu mit ihm gemeint, well er ihn vom Ser» berben zu erretten versucht hatte, dem er in blindem Leicht­sinn entgegen geeilt war.

3a, ber Handelsherr haßte ihn, weil er e» war, der menn er f ine eig-n n Befürchtungen für die Zukunft und "e stimme des Gewissens, dte zuweilen tn ihm erwachten, durch 3 iftreuungen und Vergnügungen glücklich verscheucht und zum SDweigeu gebracht halte, sie aufS Neue in ihm hrrvoriief. Weil er es war, der sein üppige» vr schwell» derische» Leben zu beschiänken suchte, well er von dem alten Damkeu die Ansicht angenommen, das Geschäft diene nnr lhul- (Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureantz von Haasensteiu undVogler in Frantiurt a. SW., Gaffri, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Daube und Eo. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover u. Paris