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Rr. 89.

Marburg, Sonntag, 17. April 1887.

XXII. Jahrgang.

OWeWk Mm«.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annvncen-Bureanx von Haasenstein unrBoaler in Fianliurt a. M, Caffel, Äiagdeburg und Wien; Rudolf 'I^vffe in Frankfurt a. Berlin München und

Erscheint täglich außer an Werktagen nach L onn- und Feiertagen. Quartal- LbonnementS-Breis bei der Expedition 2</4 Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gehaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für Ne Zeile 25 Pfg.

Köln; G L. Daube und Co. in Frankfurt a. SR., m --------------------------- Berlin,Hannoveru.Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sountaasblatt. _______ ____ ' Erred-non Markt 21 Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Äug. Koch.

Erstes Blatt.

lawrn schienen: als fich vor ihm die stolz. V Ua erhob und olles fast wie zum Spotte ein Zeuge der leichtsinnigen Ver­schwendung des Handelsherrn w>r, da tauchte eine dem Herzen des Greists fremde Empfindung in ihm auf, und er hätte ewporspringend, die Hand ausstiecken und wie zum fluche der Pracht uud Verschwendung ringsum entg gen- rufen mögen:Ihr seid der Fluch des alten Haus, s Dawk-n, hr habt sein Herzblut ausgesogen und in leichtsinniger, sündhafter Werse vergeudet! Was in Jahehund rt-n durch Fleiß und Mühen erwoi den ist, habt ihr in wenigen Jahren verzehrt! Aber wiegt euch nur in dem Sonnenschein, ihr » .umm^Ilb diesen, -.hebe dich noch so hochmütig, du stolze Villa, nicht ungerecht habt ihr zerstört, was schon Jahrhunderte vor euch gestanden! Und wehe euch, wenn ihr nicht zuruckzug'ben vermögt, was ihr einst empfangen! Der Pflag wird noch über die Stätte ziehen, wo ihr jetzt so stolz p,angt!"

Der Wagen hielt vor der Villa still und der greise Ge. schäslsfuhrer stieg aus. Ein reges, l bendigeS L.ben herrschte hier, Diener eilten geschäftig hin und her innn die Vor­kehrung zu einer großen und glänzenden Gesellschaft, welche der Hanselsberr an dem Ab-nde gab, wurde g-iroff n. Lag nicht em ent'etzlicher, bitterer Hohn in dies nVork hinnan? Während das G, schäft am Rande eines Abgiund s stand so daß es Menschenhände kaum zu retten vr mochten; während das Herz deS alten treum Stet er den Soigen und dem Grame fast unterlag, gab der Besitzer di ses G - schäfts große und glänz-nde Gesellichafteu, herrschte hier das lustigste, so «loseste L den!

Ja, eS lag ein Spott in diesen Vorkehrungen, und nie­mand empfand ihn sch verrr als der alte Steider. Erschien n vicht die Pechfackeln, welche die weißen Statuen vor der Villa in den Händen trugen, nnb die Peck kränze, w-lche

ih 'N Kopf geschlungen waren, um am Abende die P acht

8 zu erleuchten erschienen sie nickt wie Todes- sack'Iu, die über dem Grabe des alten Handelshauses leuch- t-ten? Es lag ein entsetzlicher Spott in diesem Leben, eS , » J?,e.ein Tanz auf der düuueu uud trügerischen Decke ein, s Vulkans.

SIS ein Fremder stand der Alte inmitten dieses bewegten lustigen Lebens, und doch war es seine Hand, welche die Mittel, zu all dieser Pracht hatte erwerb« n helfen. Er ttagte einen Diener nach Herrn Damken, aber dieser war

Militärgesetzes von rund 47 Millionen, außerdem nahezu 90 Millionen einmalige Ausgaben für Kasernen, Festungen,! Ausrüstung der Truppen mit neuem Gepäck. Der Ge­samtbetrag beziffert sich auf etwa 134 Millionen. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Plenarsitzung unter an­derem dem Gesetzentwurf betreffend Abänderung der Gesetze über die Quartierleistungen und über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, und den Antrag Hessens, betreffend die Aenderung der Statuten der Bank für Süddeutschland, genehmigt. Der Entwurf der Brannt­weinsteuer war bis heute mittag dem Bundesrate noch nicht zugegangen, wenigstens waren die Mitglieder noch nicht im Besitze desselben. DiePost", welche bekannt­lich in der letzten Zeit im Verein mit derKonservativen Korrespondenz" dafür agitiert hatte, daß die nationale Majorität des Abgeordnetenhauses die vom Herrenbause beschloffenen Aenderungen des kirchenpolitischen Gesetzes ablehnen und lediglich die Regierungsvorlage annehmen sollte, bringt heute folgende auffällige Erklärung: Mit Bezug auf unsere neulichen kirchenpolilischen Ausführungen, welche im Hinblick auf die bevorstehenden Verhandlungen im Abgeordnetenhause wesentlich die dort bestehenden An­schauungen wiedergeben, sind wir in der Lage zu erklären, daß m einflußreichen Kreisen unserer Parteigenoffen aus höheren politischen Gründen die Aufrechterhaltung der Herrenhausbeschlüsse zur Erhaltung des vollen Friedens für notwendig erachtet wird." Diese Erklärung läßt ver­muten, daß ein sehr Mächtiger der scheinbaren Oppositions­lust der Konservativen und Nationalliberalen gegen die Herrenhausbeschlüsse ein plötzliches Ende bereitet hat. Es wird dadurch auch in hohen Grade wahrscheinlich, daß nunmehr eine Verständigung mit dem Papste erzielt ist daß dieser sich durch die Beschlüsse des Herrenhauses für befriedigt erklärt und das Zentrum anweist, von der Ein­bringung weiterer Anträge abzusehen und das Gesetz in der jetzigen Fassung anzuneymen.

Deutsches Reich.

Bertt«, 15. April. Der Kaiser empfing heute vor­mittags den zum Vizeoberschloßhauptmann ernannten Grasen Dönhoff, hierauf den Oberhofprediger Kögel, den öster­reichischen Militärbevollmächtigten Oberst v. Steininger und eine Reihe militärischer Meldungen, darunter 4 säch­sische Generale, später den Grafen Höchberg. Nachmittags halte der Geheime Kabinettsrat v. Wilmowski Vortrag; hierauf machte der Kaiser eine Spazierfahrt. Der preu­ßische Kuttusminister hat neuerdings eine allgemeine Ver­fügung an sämtliche Provinzialschulkollegien erlassen, welche die Stellung der Zeichenlehrer an den höheren Schulen zu heben bestimmt ist. Danach sollten diejenigen Zeichen­lehrer, welche mit der vollen Zahl der Pflichtstunden eines ordentlichen, bezw. Elementarlehrers an einer Schule be­schäftigt und an derselben definitiv angestellt sind, mag nun die Gesamtheit ihrer Pflichtstundenzahl dem Zeichen­unterricht oder ein Teil derselben ninem anderen wissen­schaftlichen Lchrgegenstande zugewiesen sein, an den allge­meinen Konferenzen des Lehrerkollegiums teilnehmen. , Stimmberechtigt in denselben sind sie für alle Fragen der Disziplin; bezüglich der Beurteilung der Schüler sind sie stimmberechtigt für die von ihnen vertretenen Lehrgegen­stände. Auf die Entscheidung der Frage über die Ver­setzung eines Schülers in die nächste höhere Klasse ist an den Gymnasien schon mit Rücksicht darauf, daß der obli­gatorische Unterricht im Zeichnen nur bis zur Quarta reicht, dem Urteile über die Leistungen im Zeichnen ein Einfluß nicht beizumeffen. Dagegen kann an realistischen Anstalten und an den höheren Bürgerschulen diesem Ur­teile eine bestimmte Bedeutung für die Frage der Ver­setzung zugewiesen werden; da das Maß dieser Bedeutung nicht allein durch die Verschiedenheit der Anstalten und den in ihnen dem Zeichenunterrichte gesetzten Aufgaben, sondern öfters außerdem noch durch besondere Umstände bedingt ist, so hat m jedem einzelnen Falle das betreffende Kongl. Provinzial-Schulkollegium nach Anhörung des Diri­genten der Anstalt das Erforderliche anzuordnen, eventuell, wenn sich Bedenken ergeben sollten, an den Kultusminister zu berichten. Der dem Bundesrate vorliegende Nach- tragsetat enthält Forderungen für die Ausführung des

Drrrch eigene Schuld.

Ein Original - Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

lFottsetzung.)

Unter diesem Herrn hatte der alte Steider gelernt und h' » aDe bie Grundsätze eingefogen,

? 2a0e "lullten und ihm allgemeine Achtung verschafft hatten.

ar S.a'i c18 Db ?t<t18 vorgefallen wäre, trat er in das "An dem {einigen und trug eimm Diener eiwn Wagen für ihn zu bestreu. Nur seine Stimme zitterte leise, als er sprach, und vor seinen Augen wollte i<bt ^chen. Er wer achtete hierauf, hatte doch keiner von all den Dienern, welche in diesem Hause arbeiteten, eine Ahnung davon, daß das Haus Damken, in dem all. S in gewohnter, unveränderlicher Ordnung vor ba8~n£$ außen hin noch so groß und reich da- st°ud.seiuem Falle nahe war, daß es über einem Abgrund M»ebte, aus Nm nurdleHand deS Glück.s es erretten ko-nte.

Eine Stunde später saß der alte Steider im Waa-n uud hotte die Stadt bereits hinter fich. Er fuhr der V?lla seines Herrn zu, und jemehr er fich ihr näherte, um so schwerer ward eS ihm uwS Herz. ES war ein heiterer mtlber Sommernachmtttag. Ohne lästig zu fei» schtt» die Sonne auf die grünen Felder uud Wiesen ringsum und alles lachte dem Greise freundlich entgegen. Ader er, der >vust ein so weiches und für die Schönheiten der Natur so empfängliches Herz hatte, blickte sie heute kalt und teil, uubmlos an. Die Freude fand in feiner Brust keinen Kaum mehr.

Gebeugt faß er in dem Wagen und eS war ihm, als od er gestorben-e und zum Friedhof hinauSgefahreu würde. Und wohl Dir, Du alter Steider, wenn dieser Traum Deines Geistes Wahrheit gewesen wäre! Wohl Dir, wenn Du jetzt wirklich zum Friedhof gefahren und tief in die Erde g.b tt t würdest! Daun wäre eS vorbei ge- vefen, dann wären Deinem allen Herzen manche bitteren «nb trüben Stunden, ja die herbsten Stunden Deines ganzen L bens ei spart!

»18 er eiufuhr in die Besitzung seines Herrn, als der Wagen schnell in der Allee dahinrollte und bie prachtvoll, x Anlagen des Parkes ihm zu beiden Seiten entgegen zu

Paris, 14. April. Der Unterrichtsminister Berthelot Äete Astern in Algier die erste höhere Schule in Afrika. Millaud ist nach Oran und Grünet nach Dellvs wettergereist. Man versteht nicht recht, aus welchen Gründen die Republik bet der schlechten finanziellen Laae es für notwendig erachtete, eine so kostspielige K ndgebunq in Algerien zu veranstalten. Wenn es nur geschah um der französischen Bevölkerung der Kolonie eine Freude zu bereiten und die Eingeborenen nachdrücklich daran zu er­innern, daß Frankreich der Machthaber in Nordafrika sei so steht der Erfolg wohl kaum im Verhältnis zu dem Aufwand der Mittel; eher leuchtet es ein, wenn man tote Lockroys Rappel vor einigen Tagen schrieb, mit dem Gedanken umgeht, Französisch-Afrika zur Operationsbasis zu machen, um von hier aus weiter in den schwarzen Erd­teil vorzudringen. Nach den letzten Berichten aus Gabun QAA n W* ift Stanley mit Tippo Tip und seinen 800 Zanzibarleuten in Bazan, an der Mündung des Kongo, angelangt und beabsichtigt von hier nach Vivi aufzu- b1*-. Das Programm für die gemischten Manöver des Mittelmeergeschwaders, der Torpedoschiffe und des 15. Armeekorps ist jetzt aufgestellt. Dieselben werden im August stattfinden. Die Mittelmeerflotte, welche in Korsika bas 112. Regiment an Bord nimmt, wird versuchen A^n Toulon und Nizza Truppen auszuschiffen, um sich der Eisenbahnline zu bemächtigen und dort Stellung zu nehmen. Die Küste wird von den Torpedoschiffen und einer auf mehrere Punkte verteilten Division Infanterie verteidigt werden. Die wegen des Zerplatzens einer nut Melinit geladenen Bombe eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß der mit dem Ladungsdienst betraute Hauptmann Champagne in Urlaub abwesend war, daß jedoch der General Demay, Kommandant der Artillerie des 7. Armeekorps, verantwortlich ist, weil er für Cham­pagne keinen Ersatzmann benannt hatte. Demay ist des- halb zur Verfügung gestellt und durch den General Saint Germain ersetzt worden.

Lissabon, 15. April. Das JournalCommercio" meldet, der Kaiser von Brasilien sei schwer erkrankt, der Graf und die Gräfin von Eu seien telegraphisch nach Rio- Janelro berufen worden.

Hesse« - Staffau.

Marburg, 16. April. (Strafkammer.) In der gestrigen Sitzung gelangten zunächst zwei Anklagen wegen zu b.|a,äfitHt, um seiofl nur uur otefe F:a»e a. t .oi.en zu rönnen. Er wandte fich an einen zweiten Diener, und mit btefem ging es ihm ebenso. Dm ch ein reich, s Ti inkgelb gelang ^es ihm endlich bem Henn Damken seine Anwesen- heit nnb fein dringendes Verlangen, ihn zu sprechen, mit- M.ilen. Er mußte lange warten und. bie Hmve auf dem Rucken g-kreuzt, f(tritt er auf dem Hoffe bei V Ha langsam auf nnb ab. Endlich kehrte der Diener zuruck.

Herr Damken hat k ine Zeit, Sie heute zu sprechen, noch mit den Vorbereitungen zu der Abendgesell- schaft beschäftigt ist," sprach der Diener,Sie möchten morgen mit benommen."

34 wieder kehren, wenn es zu spät ift," rief der Greis mit eurem bitter.n Lächeln.Er hat keine Zeit, s in Ge- Ickaft" er verschwieg bie folgenden Worte.Ich muß den H rrn sprechen, heute noch, mein Geschäft leibet keinen Aufschub. Sagen Sie bas b.m Herrn Damken, ja sagen ©ie ihm, baß ich ihn sprechen müßte." Er unterstützte seinen Auftrag burch ein Trinkgelb unb ber Diener ging.

Wieder schritt ber Alte aut bem Hofe auf nnb ab. Da tarn enblich der Handelsherr aus bem Park. Er schrir bafttg itiber unb seine Miene hatte sich in unfreunbltaje Falten g. legt Tie Haltung seines-pers war stolz uno ge« biblisch, seine Augen blickten spähenb unb prüfend, umher. Wohl hatte sein ausschweifendes Leben seinen Wangen ihre sonstige sriscke Röte unb feinen Augen ben früheren Glanz g.raubt, wohl fing sein bnnkleS Haar bereits an. sich weiß «u färben, abe keine Sorgen unb Mühen hatten seinen Nack.« g.beugt. Er kannte beizeS nicht.

Unwillig blickte er ben alten Geschäftsführer an und erwiderte b ff n Gruß kaum mit einem leichten Neigen seines Hauptes.Ich hatte Ihnen sagen lassen, baß Sie morgen rot. be kommen möchten," sp ach er falt nnb herrisch

V'"1' keine Zeit habe was wünschen Sie von mir? Was haben S>e mir zu sagen? Machen Sie eS kurz, ich habe keine Zeit."

Ich muß mit Ihnen allein nnb ungestört sprechen, Herr Damken," erwiderte ber Alte, unb kaum vermochte er bitfe Worte heivorzabiingen. '

mir/ sprach derHanbelsherr kurz unb schrttt auf bie Villa zu.

( Fortfitzaug folgt)

Ausland.

SBittt, 15 April. DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Petersburg, die Verleihung des Großkreuzes des Wladimirordens an den Minister v. Giers werbe von einem Handschreiben des Kaisers begleitet sein, worin der Kaiser seine Zustimmung zu der Politik des Herrn v. Giers aus­drückt und dieselbe als mit seinen Absichten und Gefühlen übereinstimmend bezeichnet.