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Marbmrg, Sonntag, 10. April 1887.

XXII. Jahrgang.

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Illustriertes Soimtagsblatt.

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fest zusammen in der Treue für Kaiser und Reich. Der- Zukunft wollen unv können wir ruhig und furchtlos ent­gegen sehen. Wir feiern dieses Osterfest im Schutze des Friedens; mag uns das ein Gewähr sein für wirklich bessere Tage. Einen Völkerfrühling wird von uns kaum Jemand erleben, aber daß unserem deutschen Vaterlande wieder ein voller, blütenreicher Frühling zu Teil werden möge, ein Frühling, der eine gesegnete Ernte verheißt, das können wir zu erleben hoffen, und daß wir diesen Frühling erleben mögen, das sei unser Osterwunsch, den wir allen unseren Lesern und Freunden hiermit darbringen.

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Hört Ihr's Hingen, hon Jgr'S rauschen, Wie eS webt in allen Lüfttn? Hört Ihr leis die Stimmen schallen. Die erweckt aus tiefen Grüften Allen Reiz und Schmuck der Welt? Nordftulm hat so lang gebrauset, Arg tu Flur und Feld zerianstt, Was fich wehrte seinem Drang! Doch nun ist vorbei sein Toben, Seine grimme Macht zerstov.n, Ist vor Frühlings lindem Hauch!

Leise, leise, klingt die Weise lieber Berg und Tual und Hang; Alles regt fich, neu belebl'S fich, Munter klingt der erste sang. Und der Sang ist's reiner Freude, Neuen Glückes heißer Zoll, Frühltugswonne füllt die Herzen, Augen blitzen hoffnungsvoll.

Lang geplagt hat hat uns der Winter, Und nicht leicht war feine Last. Gar zu fest pflegt er zu hallen, Was m leinem Zorn er faßt. Doch vorüber ist fein Zürnen, Uns oersch ounden seine Macht, Weiß nur glitzern noch die Firnen In der Ostersonne Pracht.

Im schlichten Kleid das Osterfest, Gewebt durch Frühlings neue Kl ast, Nicht piunkend, koch v rhußungSv ll. Das ist'r, daS heil'ge Freude schafft. Das Hoge Auferstehungsfetz, Es wacht die Mensche nbrnst so wett, ES weckt in ihr die höchtte Lust, DeS Schöpfers ganze Herrlichkeit.

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Ostern, daS Frühlingsfest, grüßt uns in diesem Jahre weit zeitiger, als im Vorjahre, wo schon reicherer FrühlingS- schmuck das Fest verschönte; aber doch hatS scheinen wollen, als sei es eine lange , lange Zeit gewesen, bis das hohe Fest herangekommen. Vom neuen Jahre bis Ostern was haben wir in diesem kurzen, inhaltsschweren Zeit­raum nicht alles erlebt? Genug wahrlich, um>er Sehnsucht nach Lust- und Festesfrieden zu empfinDr. . Lange, recht lange hat uns der Letztere gefehlt; Deutsch­land war bis in seine tiefsten Tiefen erschüttert, und die Nachwehen jener winterlichen Slurmzeit werden sich noch lange fühlbar machen. Jetzt kommt der Frühling, wir feien das Frühlingsfest nach vielen Sorgentagen in ge­hobener Stimmung, im Vertrauen auf künftige Ruhe und künftigen Frieden. Ob der Wunsch in Erfüllung gehen wird, wir wisse» es nicht, wir können es nur hoffen, uns in den schönen Traum wiegen, daß die bessere Zeit des Jahres uns in Wahrheit bessere Tage bringen möge.

Wir Deutschen jubeln dem Frühling und dem FrühlingS- fest, das durch die Lehre der christlichen Kirche eine so erhabene Weihe empfangen hat, froher und in ganz anderem Sinne entgegen, als andere Völker, welche die Härten des Winters weniger schwer, als wir empfinden. Wir kennen so recht den tiefen, tiefen Sinn des Dichterwortes:Und währt der Winter noch so lang, es muß doch endlich Frühling werden!" Frühling muß es werden, das wissen wir, und deshalb arbeiten wir, und schaffen treu und rast­los in den schwereren Tagen, die den besseren Wochen vor» angehen. Ein durch tüchtige Arbeit gestähltes Volk ist unser deutsches, das auch in bösen Monaten den Mut nie finfen läßt, well es weiß, daß seines Fleißes Früchte ihm dereinst doch zu teil werden. Es giebl einen Winter auch in Volksleben und in der Volksarbeit, in dem gerungen und gekämpft, dem widrigen Geschick jeder Fuß breit Boden abgewonnen werden muß. Wir kennen einen solchen Winter, und auch der währte lang, aber das Vertrauen auf den endlichen Frühling hat uns nicht zu Schanden werden lasten. Noch ist er nicht da, aber zeitiger, als in anderen Ländern zeigen gerade bei uns sich seine Boten, die uns anfeuern zum unentwegten ferneren kräftigen Vorwärtsstreben. Und daß das geschehen wird, dafür bürgt die tie'e Erkenntnis, welche bei uns jeder verständige Mann von der einzigen und wahren Grundlage hat, auf welcher das Volkswohl überhaupt sich nur erheben kann, der Friedensarbeit. Unsere künftigen Lorbeeren haben wir allein int friedlichen Wettstreit der Nationen untereinander zu suchen, in jenem Kampfe, der keine Wunde schlägt, sondern nur solche heilt! Und der köstliche Preis, welcher

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der vereinten kraftvollen Friedensarbeit winkt, das ist der wirtschaftliche Frühling, die Tage, in denen der Hände Fleiß seine Anerkennung int prächtigen Wachstum des Erfolges findet.

Das deutsche Volk braucht Ruhe und Frieden zum inneren Ausbau seines Reichshauses und wohl uns und ganz Europa, könnten wir sagen, überall in den Haupt­städten Europas führt dieser evle Gedanke die Herrschaft. Aber dem ist nicht so! Eingangs haben wir bereits an­gedeutet, daß die Absichten der Staaten und Völler nicht immer fleckenlos sind; sie sind es nicht gewesen in den verflossenen Monaten dieses Jahres und auch nicht geworden jetzt zum Osterfest. Hart und gewaltthätig ist der Flug der Gedanken und nicht jede Nation wünscht der anderen Gedeihen und Wachstum. Und wenn es das allein nur wäre! Grimmiger und wilder als bisher ist unter einzelnen Völkern der Kampf entfacht, immer wilder und schonnng». loser werden die Kampfmittel. Tiestraurige Ereigniste haben wir in Dieser Beziehung zu verzeichnen, Ereignisse, die uns mit unwiderstehlicher Deutlichkeit beweisen, daß neben dem hohen und idealen Zug unserer Zeit auch ein finsterer dämonischer Zug obwaltet, auf besten Banner die Devise Vernichtung und Verderben zu lesen ist. ES ist daS traurig. Für alle Menschen blüht ein Frühling; es ist seine holde Aufgabe, Menschenherz und Gemüt weicheren Regungen zugänglich zu machen und gern folgen wir seinem Einfluß. Aber hier ist ein Punkt, wo feine Macht ein Ende hat, wo der Winter des Egoismus und der fana­tischen Leidenschaften nicht zu überwinden ist. Hier kann nur ein ganzes Volk singen, ein ganzes Voll, das sich be­strebt, Kultur und Sitte zu pflegen, zu helfen und zu fördern alle und alle», was möglich ist. DaS ist ein echter Frühlingskampf, der Kampf der Menschheit gegen ihre Feinde.

Wir hoffen und harren, wir kämpfen und arbeiten. Unser Leben bedeutet nur Arbeit imb spärlich sind in der ganzen langen Arbeitszeit die echten wahren Feiertage zu finden. Wir hoffen von Jahr zu Jahr und der Frühling und Ostern find e», die gerade im rechten Augenblick unser Vertrauen stärken und nicht zu Schanden werden lasten. Und wie dem Einzelnen ergeht es dem ganzen Volke, daß in allen wirklich großen Fragen bei uns in Deutschland doch einig ist, beim es besitzt eine eherne Säule, um die es sich schaaren kann und die heißt: Kaiser und Reich! Vor ganz kurzer Zell haben wir unseres Kaisers neunzigsten Geburtstag gefeiert; das war ein Tag, an welchem ganz Deutschland sich erhob wie ein Mann für den einen Mann. Und so wird es auch in Zukunft bleiben! Innig und fest unseres Volkes Herzen allem Großen und Guten, es hält

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Wöchentliche Beilagen: KreiS - Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain.

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Deutsches Reich

Berlin, 7. April. Im kaiserlichen Palais fand heute vor mittags die Feier des heiligen Abendmahles statt, woran der Kaiser, die Kaiserin, das Kronprinzliche Paar und die hier anwesenden Mitglieder der Königlichen Familie, da. runter die vorgestern eingesegneten Prinzessinnen Sophie und Margarethe, teilnahmen. Nachmittags machte der Kaiser eine Spazierfahrt. Der Kaiser hat dem Blan- dinenstift in Metz zum Ausbau eines Teiles des Anstalts- gebäudes eine Beihilfe von 10 000 M. bewilligt. Die kron­prinzliche Familie wird bereits am 14. d. M. von hier nach Ems abreisen. DerRcichsanzeiger" publiziert die am 4. April ratifizierte Uebereinkunst zwischen dem deustchen Reich und dem Königreich Serbien, betr. den gegenseitigen Schutz der gewerblichen Muster und Modelle. DieNordd. Allg. Ztg." reproduziert im Anschluß an ihren neulichen Artikel über einen Trink­spruch des spanischen Vertreters in China eine weitere Auslastung der MadriderEpoca", welche schreibt: Der Correo* hat offenbar nicht genau gelesen, was dieEpoca" bezüglich eines von dem spanischen Repräsentanten in China ausgebrachten Trinkspruches veröffentlicht hat. Von dem konsularischen Vertreter der englischen Kolonie Hong.Kong haben wir gar nicht gesprochen. DieEpoca" hat auf keinen Konsul angespielt; sie hat einen aus Hong - Kong erhaltenen Brief erwähnt und wiederholt, was man sich in dieser Stadt in europäischen Kreisen über biefen Trink, spruch erzählt. Derjenige, ber ihn ausgebracht hat, ist nicht einPhantasiekonsul", sondern ber Gesandte Spa­niens, der in China akkreditiert ist. Die Unschicklichkeit, die von diesem bei einem Bankett begangen worden ist, zu dem zahlreiche Fremde und auch der österreichische Ge­neralkonsul, Herr Haas, geladen worden waren, ist ge­radezu unbegreiflich. Der Brief unseres Korrespondenten, den wir noch einmal burchgelesen haben, gibt allerdings den Ort nicht an, wo das Bankett ftattfanb, aber man kann deutlich daraus schließen, daß dies in Shanghai war,

Reukwcht auf oaS Pferd des Guisbesitz iS, welches dieser wieder bestiegen hatte, und welches auf den ernsten Anblick allerdings nicht geeignet schien, es mtt dem feurigen Don Juan aufzunehmen. Kaum war aber das Zeichen zum Rennen gegeben, und sein Reiter hatte ihm die Sporen in die Seite gedrückt, so holte es schnell und well aus und ein kundiges Auge hätte schon jetzt zu erkennen vermocht, daß es Sieger fein würde.

Der Reitknecht trieb den Don Juan mll Sporen und Reitpeitsaie zur größten Eile an, da» Tier sprengte wild und ungestüm dahin, aber mehr und mehr gewann ihm sein G- ßner den Vorsprung ab. Geschickt wußte ber Guts, bescher fein Pferd zu wenden, als er das bestimmte Z el erreicht hatte, und fchon jetzt Sieger, sprengte er zur Villa »mück und parierte sein Pferd unmittelbar vor dem Handels- Herrn. Der Don Juan war wohl 30 bis 40 Pferdelängen

-DaS war ein scharfes Wettrennen," rief Letzingen, in- dem er mit der Rechten den Hals seines Fuchs s klopfte. G beu Sie mtt nun zu, He,r Samten, daß mein Gold. fnäS s(buller ist, als Ihr Don Juan?"

Der Handelsherr versuchte ruhig zu lächeln, vermochte aber nicht zu bei bergen, daß eS ihn ärgerte, bte SB. tte ver­loren zu haben. Der Verlust der fünfzig LourSd'or war ihm gleichgtltig, nur ber Gevanke, daß sein Don Juan be, fttgt war und Letzingen er schnelleres Pferd b.saß, machte ihn verstimmt.Sie haben di- Wette gewonnen, Herr von Letz ng-n," eroberte er:ich hätte es Ihrem Fuchs nicht zug, traut."

Ich kenne mein Tier," gab der Gutsbesitzer zur Ant­wort;noch nie h <t er mich im Stich gelassen." Ja seinen Gebaut, n gestand er fich aber doch, daß er nicht der T eff- lick-keit, der großen Schnelligkeit und Ausdauer seines PferdeK den Sieg verdanke, sondern nur der Ungeschicklickkeit be» Reitknechts, der den jungen und feurigen Don Juan zu sehr beu ruhigt und im Zugel gehalten, sodaß dadurch da» Tier beim Rennen behindert war.

Hörr's nu f.iu^u, yon's nur rauich.u,

Wie es webt in allen Lüften;

Hört die leise Stimme schallen, Die erweckt aus tiefsten Grüften Allen Reiz und Schmuck der Wett, Ja b'tz F st. s D'enst g stellt!

Durch eigene Schuld.

Ein Original - Roman aus der HandelSwelt von Friedriä» Friedrich.

(Fortsetzung)

Der Handelsherr lächelte ungläubig.Sie vergeffen, Herr von L tzing n," erwiderte er,daß der Don Inan eist fünf Janre alt ist und in seiner vollsten Kraft steht, während Sie Ihren Fuo s schon tüchtig mitgenommen haben. Sehen Sie, wie leicht das T'er dahinttabi. Ihr Fuch» ist ein guter Renner, ich weiß eS, aber mit dm Don Inan kann er ,s nicht auf ne nm tu*

Gilt es eine Wette, H rr Dornten, daß mein Fuchs in fünf Minuten zehn Pferdelängen votans ist?" rief der GulSV fitz r lebhaft.

Iw btn8 M ieden," erwiderte der Handelsherr mtt ruhigem Lächeln.

Wie hoch gilt die Wett- ?" fragte L tzingen.

Ich werde sie allem Anschein nach gt »innen und tarnt sie besdalb nicht bestimmen," gab Dnmken mit einer Gleich, gnltiyteit zu Antwort, in ber fich d utltch aaSp'ägtr, daß ihn weder Gewinn noch bas Bcrlteren ber W tte tiefer be­rühren werbe.

-Gut!" rief Letzingen lebhaft,so gilt fie fünfzig Lonisbor. Die Allee ist eine piä®tige Rennbahn unb Sie st> b der Schiedsrichter, Herr Samten. Einverstanden?

Der HandelSherr gab feine Zustimmung bmch ein lächelndes Kopfnicken, rief den R itkn cht herbei, bebentete ihw, daß es ttn Wtt rennen mit dem Fürs beS He rn von L>tzingen g tte unb sortierte ihn dazu auf, bie Ehre beS Ton Juan zu retten. Mit spöttischem Lächeln blutte der