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Nr. 83

Marburg, Freitag, 8. April 1887.

XXII. Jahrgang.

GHeUchr Zeitung

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Mitglieder einer anderen Innung sind oder auf Grund dieser Bestimmungen zu den gleichartigen Einrichtungen einer andern Innung herangezogen sind, und deren Ge- sellen; 6. Gewerbetreibende, welche in ihrem Betrieb regel­mäßig weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigen. Auf Antrag ooer von Amtswegen können Arbeitgeber oder Ge- sellen, welchen durch die Lage ihrer Werkstatt oder andere Umstande die Benutzung der betreffenden Jnnungseinrichtunq erschwert ist, von der Beitragsleistung befreit werden.

Der Vorlage ist eine längere Begründung beigeqeben, m welcher auf die wachsende Zahl der Innungen in Deutsch­land hmgewiesen wird. Es bestanden im Reiche am 1. Januar 1885 9185 Innungen, wovon 1299 auf Grund der Novelle vom Jahre 1881 neu errichtet, die übrigen teils nach derselben reorganisiert worden, teils noch in der Reorganisation begriffen sind. Die Regierung steht, wie m der Begründung ausgeführt wird, den Bestrebungen zur Hebung des Jnnungswesens sympathisch gegenüber, wolle aber der freien Bewegung auf gewerblichem Gebiete nicht entgegen treten, sondern hege die Hoffnung, daß es dem deutschen Handwerk möglich fein wird, bei richtiger Be­nutzung der ihm durch das Gesetz gebotenen Gelegenheit zu berussgenoffenschaftlicher Vereinigung auf diesem Wege zu einer seiner wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung entsprechenden Organisation zu gelangen und mit deren Hilfe auch aus der Entwicklung der Großindustrie für das Handwerk entspringende Schwierigkeiten bis zu einem gewlffen Maße zu überwinoen; allein die Handwerker mußten selbst die vom Gesetz gebotenen Wege zielbewußt betreten. Grade in dieser Hinsicht habe die bisherige Ent­wicklung den gehegten Erwartungen nicht entsprochen. Ein Hauptmangel werde der Innung anhaften, so lange sie Nicht ihre Befugnisse auch auf Nichtmitglieder ausdehnen kann. Die Möglichkeit eines solchen EinfluffeS sei bisher nur gewahrt auf dem Gebiete des Lehrlingswesens: eine Erweiterung desselben fei wünschenswert und billig, da die Einrichtungen der Innung unmittelbar und mittelbar auch solchen Berufsgenoffen zu Gute kämen, welche es vorzöaen der Innung nicht beizutreten. Besonders gelte das von den Fortbildungs- und Fachschulen für Lehrlinge; die dort ausgebildeten Lehrlinge seien nicht gehindert, ihre Kennt- nlsse auch bei Nichttnnungsmeistern zu verwerten. Auf solchen Erwägungen beruhe auch der vorlftgende Gesetzent- "Ä' Derselbe soll, da die Pflege der Jnnungsein- rlchtungen im öffentlichen Interesse liegt, die Möglichkeit gewahren, dieselbe auch über den Kreis der Innungen hinaus auszudehnen.

Durch eigene Schuld.

Ei» Original-Roman aus der Handelswelt von

Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung)

rie£ber Jüngere,er war doch immer noch flblig, und das will auch was bedeuten."

^beUJtlLe8'\enl0f-0nelt bcr Andere.Ein Adel ßE ®r nu$ licht mehr als eia paar

«poreu ohne Pfeid."

d» Jüngereund der Adel nützt doch. Th- Ä S Übl ich auch, was ich thätel Denk Lir' Du warst Herr Dawken und hättest sein Geld und ich käme als ein Herrvon", der nichts hat, zu Dir und g^u hnnn abeln/ was würdest

bann thuur

Die «eue Novelle zur Gewerbe-Ordnung.

Tie in der Thronrede angekündigte Vorlage, durch welche die Befugnisse der Innungen erweitert werden sollen, ist dem Bundesrat zugegangen. Durch diesen Gesetzentwurf werden hinter dem Artikel lOOe der Ge­werbeordnung eine Reihe neuer Artikel lOOf bis r einge­schaltet, welche im Wensentlichen folgendes bestimmen:

Für den Bezirk einer Innung kann auf deren Antrag durch die höhere Verwaltungsbehörde bestimmt werden, daß Arbeitgeber, welche ein in der Innung vertretenes Gewerbe betreiben, aber derselben nicht angehören, und deren Gesellen zu den Kosten der Jnnungseinrichtungen für Herbergs- wesen und Arbeitsnachweis, ferner der Einrichtungen der Innung zur gewerblichen und technischen Weiterbildung der Meister, Gesellen und Lehrlinge, endlich des Schieds­gerichts in demselben Maße wie die der Innung Ange­hörenden verpflichtet werden. Die Bestimmung ist wider­ruflich und darf nur erlassen werden, wenn die Einrichtung, für welche dieselbe beantragt ist, zur Erfüllung ihres Zweckes geeignet erscheint. Vor dem Erlaß der Besttmmung sind Vertreter der beteiligten Arbeitgeber, welche der Innung nicht angehören, die Aufsichtsbehörden der Innung und wenn diese einem Jnnungsverband angehört, auch dessen Vorstand zu, hören. In der Verfügung sind die Ein- richtungen, für welche sie getroffen wird, ausdrücklich zu bezeicynen. Ist dieselbe getroffen, so steht den durch sie Verpflichteten das gleiche Recht zur Benutzung der be. treffenden Einrichtung der Innung zu, wie deren Mit­gliedern, Gesellen und Lehrlingen; ist sie für das Schieds­gericht getroffen, so tritt das Letztere für die ihm unter­worfenen Streitigkeiten an Stelle - der sonst zuständigen Behörden, wenn das Schiedsgericht von einem der streiten­den Teile angeruftn wird. Die Beiträge, welche auf Grund dieser Bestimmungen zu entrichten sind, müssen vom Jnnungsvorstand für jedes Rechnungsjahr festgestellt und spätestens einen Monat vor der ersten Erhebung den Ver- pflichteten schriftlich zur Kenntnis gebracht werden. Heber Jne Verpflichtung -zur Zahlung der Beiträge findet der Rechtsweg unbeschadet der vorläufigen Einziehung statt. Heber die Einnahmen und Ausgaben der Innung für solche Einrichtungen, für welche die neue Bestimmung getroffen tft, muß getrennt Rechnung geführt werden; das ausschließ­lich für diese Einrichtungen bestimmte Vermögen ist ge­trennt vom übrigen JnnungSvermögen zu verwalten. Ver­wendungen für andere Zwecke sind verboten. Befreit sind von der Beitragspflicht 1. Arbeitgeber, deren Betrieb nach Hmlauf und Betriebsweise zu den fabrikmäßigen Anlagen zu zählen ist, und deren Gesellen; 2. Arbeitgeber, welche

| Ftand -'Ms reiche» Gutsbesitzers batte in feinem Charakter I eine wesentliche Veränderung hervorgerufen.__

an ?r?? er wenig Vermögen besaß, hatte er den ®e' ,.b'8. Geldes sehr gering geachtet, und jetzt, wo er plötzlich dn reicher Mann geworden war, suchte er es auf. £be mögliche Weise zusammenzuhalten und zu vermehren Z^r^war er, was seine Person anbetraf, nicht geizig, denn er ließ sich keinen Genuß entgehen, und er konnte in dieser Beziehung oft selbst verschwenderisch sein, aber um so bk?>üht. Anderen gegenüber seinen Vorteil uni» seine Interessen zu wahren. Wo es fich nm feinen Vorteil und um Geld handelte, konnte er hart und unbarm. ^e'iifl fein, und unter den Arbeitern seines Gutes, beffen

M E ohne N schick leitete, war er febl ^iner Strenge wegen gefürchtet, wft seiner Härte wegen verhaßt. ' w

Er war ein Nachbar des Herrn Samten, denn ihre Be. sttzuugeu grenzten aneinander, und das Ange des iunoe» Reitknechts hatte nicht unrecht geblickt, denner betoalbS in der That um die Tochter deS Handelsherrn.

Er hatte einen ruhig überlegenden und berechnenden m * bem noch nie sein Gefühl durchgegangen war Li» '.."Ä' M >«» -"d W ®lZ' tnmli4feften ^nberer anznsLmiegeu. Er hatte genugsam erfahren, baß er sich hierdurch leicht das Vertrauen Anderer erwarb und ihre Schwächen entdeckte, welche er daun zu feinen eigenen Interessen benutzte. 8

ÄffiÄ.£.b.JKÄS,'

Deutsches Reich.

Berlin, 6. April. Der Kaiser nahm heute vor­mittags eme große Anzahl militärischer Meldungen und darauf den Vortrag des Geh. Kabinetsrats v. Wilmowski en^egen, empfing dann den Besuch der Frau Kronprin­zessin und deren Töchter Prinzessinnen Sophft und Mar- garethe unb, machte nachmittags eine Spazierfahtt. __Der

Reichsanzeiger" publiziert die Abberufung des Botschafters von Keudell auf seinen Antrag und die einstweilige Ver- setzung desselben in den Ruhestand, sowie seine Ernennuna

Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz^ vorbehaltlich anderweitiger Verwendung, ferner die Ver- Mutig des Großkreuzes des Roten Adlerordens an den

»°L$OfT.n Straßburg. - DieNordd. StHg. Ztg. schildern die Thatigkeit des Kaplans Dasbach in Trier bet dem letzten Wahlkampfe, der, nicht zufrieden mit seiner Thatigkeit in Wahlversammlungen, auch eine Agitation tm klerikalen Sinne bestimmte Schrift, be­titeltdie Reichstagswahl des Jahres 1887", unter seinem

"°E?lichte. ®n ^il der. Schuld hieran falle auf den Bischof Komm zurück, der dulde, daß von den

&ern®26iefe. "" Handwerk getrieben wird, welches das Priestertum m den Augen des Volkes herab- MEN^muß. In einer gestern unter dem Vorsitz des Staats-Ministers, Staatssekretärs des Innern, von Böt- ttcher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde über die geschäftliche Behandlung mehrerer Vorlagen Be- schluß gefaßt. Die zu Bukarest am 1. März 1887 unter® cT k r8 Nachtrags - Konvention zum deutsch - rumänischen Handelsverträge und der erste Bericht der Vollzugs. Kom- mifflon für den Zollanschluß Hamburgs wurden den Aus- Mffm für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Serfgr, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Abänderung ^ Gewerbeordnung (Jnnungswesen), ein von Baden vor? ft1, ©«fefeentrourf wegen Ergänzung des Gesetzes über die Hnfall- und Krankenversicherung der in land- und

N^!^°^ichen Betrieben beschäftigten Personm und Vorlage betreffend die zu Bern am 9. September 1886 unterzeichnete Hebereinkunft wegen Bildung eines inter- nationalen Verbandes zum Schutz von Werken der Li.

r Ausschüssen für Handel und Ver- N' und für Justizwesen zur Vorberatung überwiesen.

* betreffend die Gestattung der Aufsuchung ?<Ä?rK9Cn a? HEarbeiten und Hhrfournituren unter Mitfuhrung der betreffenden Waren, beschloß die Versammlung keine Folge zu geben. Heber die Besetzung der Stellen zweier ständiger Mitglieder des Reichs - Ver- ftcherungsamts soll in einer der nächsten Sitzungen Be-

Q. »®r. U'Ubke, daß ihm vieles entgegen war, um die Siebe ber lieblich schönen und jungen Gabriele zu ae. winuen, und wußte auch, daß ihr Vater sie zu zärtlich liebte er feinen Plan nicht für einen Augenblick auf. Je weniger ändere, gewinnende Vorzüge er befjfc, nm so mehr bot er all feine inneren Kräfte auf, um das Herz des Mädchens zu gewinnen. Er besaß einen feinen, geselligen Takt, Unter.

mü/in* ebenso rubige Benutzung jedes Augeü. blitfeS. Er kannte diese feine Vorzüge genau und auf fie ££ " lest Er stand einem unschuldigen, harmlosen

8 fU?er' » 08-.?ab bie größte Hoffnung, pamfen schien feine B muhungen nicht ungern zu leben hatte ste bis jetzt aber noch nicht gefördert. '

ber Charakter des Herrn von Letziugen und sein Verhältuiß zum Hause DamkeuS.

Villa erreicht hatte, traf er den Handelsherrn hnl b"feIbcn' wo er sich durch einen ReitkneA baS "w Tage zuvor gekaufte Pferd vorretteu ließ.

men» rote üttufeu, Herr von Letzing-n," rief ihm Dawken entgegen.Ich habe gestern ein Pferd ae- kauft und jaffe mir es soeben vorretteu. Ich habe eS für flhUn » 8U bI» H fciagben bestimmt und denke keinen Zieret 0ema(bt JH babcn- Was sagen Sie zu dem hrtn?eL^»a0te fbranfl l-icht von seinem Pferde und trat bann mit Kennermiene an das Tier heran. Er ließ eS «'uh.^tten, einige Volten machen und über eine niedrige ?u"iere sitzen.Wie viel haben Sie für das Tier gezahlt, «f^h.$Tten?k l^Ste er, ohne feine Augen von dem Pferde abzuweudeu.

Louisdor," erwiderte ber Handelsherr: »finden Sie dies zu teuer 1" v y

.Rett», nein," entgegnete Herr von Letziugen,e8 ist ein rdne8 dl»t darin, und eS wirb sich zur Hetzjagd ttefflich eignen. Aber ohne ibm zu nahe zu treten, Herr Dawken, mein Goldfuchs ist schneller ans, bauernder und springt besser." W

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt o. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. $»., Berlin,München und

Köln; @. L. Daube und Co. in Frankfurt a. SR., _____ Berlin, Hannover u. Paris

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/4 Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Psg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die «spaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Psg.

«Ich schmisse Dich die Treppe hinunter I" erwiderte der Andere kurz.

,3a, das thätest Du, aber eS find auch nicht alle Men­schen so grob wie Du," entgegnete der Jüngere, bem bie tmje nnh entschiedene Antwort nicht gefallen hatte.

Der Reiter hatte sich ihnen bis auf eine geringe Ent- fernung genähert und ließ jetzt sein Pferd iw Schritte gehen, um sie zu fragen, ob Herr Dawken zu Hause fei. Nachdem er eine bejahende Antwort erhalten batte, gab er dem Tiere bie Sporen und sprengte rasch der Villa zu.

, ®eI Herr von Letzlingen, wie ber Reitknecht ibn genannt

«roße, hagere Figur mit einem^blaffen^veilevttn^und'nichts I Aufmer^mkett aewidm^" 8erin0e

weniger als hübschen Gesichte. Er war O'fizier gewesen Um^nnl rnff 0ewtb® ®eU fetn Adelstolz ihn von bem

batte als solcher ausschweisind gelebt, fein geringe» E«,' »2*,inemK®1.fJnom,e suruckschenchte, aber der

ÜcheS Verwögen schnell dnrchgebrE u"d in Erwa^?na I ^!>7b?b? Reichtum derselben hatte ihn bald augezogen,

auf die bedeutende Erbschaft einer Taute, die ibm eintt I w iu t?' näbereui Umgänge so viele noble Passionen

nicht entgehen konnte, tüchtige Schulden gemacht. Nachdem I unb tone käst täglich mit ihm zusammen kam

Tode ber Tante hatte er seinen Abschied von Militär ae. I Absichten auf die Tochter desselben deutlich verriet, nommeu und fich auf das Gut, welche» ihm a^ ein Äll diesiwMSbck^b °°^U8sweise der Reichtum, der ihn zu der «ibschaft mit zngefalleu war, zurückge^gen. efnft bS S; M al8 ein»<V Kind des Handelsherrn

Der plövliche Uebergang aus dem beschränkten und durch I J 8 Vermögen erben mußte, hinzog, so war

Schulden bedrückten Lebeu° des Offifierstandes iu den freta 1 glblieben"^ n,iltIl<6en beffdben nid» kalt

tFortsetzung folgt.)