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Marburg, Mittwoch, 6. April 1887.
XXII. Jahrgang.
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hinein zu verseuchen, um dann später mit um so größerer Berechtigung den faulen Ast abhauen zu können? Etwas derartiges befürchtet die bisherige liberale Opposition selbst, pe traut dem Renegaten Depretis nicht und die Tribuna halt das Anerbieten zweier Portefeuilles für ein Gaukler- stuckchen, wodurch der Erisapfel zwischen die Fünfmänner geschleudert werden solle. Diese Erwägung hemmt auch vorläufig noch den Entschluß der beiden Bevorzugten Crispi und Zarnardelli, ste beraten mit ihren bisherigen Kampfgenoffen Cairoli, Barcarino und Nikotero, ehe sie ins Kabinett eintreten. Zuversichtlicher äußert sich Erispis Resorma; sie hält den traurigsten Abschnitt der italienischen Politik abgeschlossen und greift bereits nach der ganzen Hand, obwohl die Negierung erst den kleinen Finger geboten hat. Das Ausland sieht dieser Umbildung oder Vorbildung des italienischen Kabinets mit einem gleichgültigen Italia fara da se zu; der Eintritt Erispis ins Kabinett kann heute nicht mehr in Frankreich überschweng- nche Hoffnung und in Deutschland begründete Befürchtung erregen, wie vor Wochen, er zeigt vielmehr, daß dieser abwechselnd deutschfreundliche und mit Frankreich liebäugelnde Politiker wieder einmal eine Wandlung durchgemacht hat und jetzt, sei es aus Opportunitätsrücksichten, sei es aus Ueberzeugung, die Bündnispolitik der Krone billigt. Auf- gewachsen und gehärtet in dem Kampfe gegen das verrottete Regiment Ferdinands IL, ist Crispi, wie man seiner ganzen Vergangenheit nach wohl annehmen darf, als politischer Philosoph Republikaner von Grundsatz, als praktischer Politiker dagegen hat er im offenen Gegensatz zu Mazzini die Monarchie als das notwendige und unzerstörbare Siegel auf die Einigkeit Italiens anerkannt und verteidigt. Im übrigen ist der geschneidige Sizilianer einer jener Opportunitätspolitiker, deren ungestümer Re- formentiift die Ministerverantwortlichkeit einen heilsamen Dampfer aufzusetzen pflegt. In die Zeit seiner Vermal- tung als Minister des Innern fallen 2 der einschnei- densten Ereignisse der Geschichte Italiens: der Tod Viktor Jmanuels und des Konklave Leos XIII. Damals hat er es verstanden, mit kräftiger Hand und großer Umsicht die erregten Leidenschaften zu zügeln, und niemals hat ein Kardinalkollegium mit größerer Ruhe getagt als in Rom des Königreichs Italien und unter dem Schutze seines radikalen Ministers. Es ist daher zu erwarten, daß auch diesmal die Anitskette den Radikalismus Erispis feffeln und der Politiker über den Philosophen die Oberhand finden wird ; trotzdem muß jetzt nach 5 jährigem heftigen Kampf, bie Zusammenstellung Depretis-Crispi als eine ungesunde ^scheinen, und bedauerlich wäre es, wenn dieser wenig Dauer versprechenden Verbindung widerstrebender Elemente
Zrrr Lage in Italien.
Seit fast 2 Monaten steuert das italienische Staatsschiff nun schon mit halben Segeln. Rach ^wöchentlichem Scheintode erholte sich das Kabinett Depretis zu einem Scheindasein, um sich jetzt endgültig in ein Koalitionsministerium umzusetzen. Damit hat Depretis die Kunst seines Transformismus verleugnet und ist zu seiner vor dem Jahre 1882 geübten Taktik zurückgekehrt. Die Gründe, welche ihn dazu bewegen, liegen nicht einzig in der Rückwirkung des Unglücks und Ungeschicks in der afrikanischen Politik auf die Parteiveehältniffe daheim, sie sind in gleichem Maße zu suchen in der Politik der Krone und in der Thatsache, daß die beide-» Augen, auf denen die ganze Tepretische Regierungskunst der letzten Jahre ruhte, sich geschloffen haben. König Humbert wiedersetzt sich in einem Augenblick, wo die auf den Stimmenfang ^rechneten radikalen Fußangeln geschickter denn je gelegt sind, mit vollem Recht der Auflösung der Kammer und für Min- ghrtti, deffen Verdienste als Parlamentspolitiker die gegenwärtige Krisis erst recht beleuchtet, ist noch kein Ersatz gefunden, die Spaventa, Condronchi, Rudini, Bonghi, Luzzati und wie die hervorragenden Mitglieder der Rechten alle heißen mögen, haben es nicht zu verhindern vermocht, daß nach den Kämpfen um das Grundsteuer, und Katastergesetz immer größere Gruppen sich von der Partei abzweigten und daß diese Dissidenten sich endlich unter die Führerschaft des ihnen überlegenen Crispi einreihten. Zweifellos würden sie auch diesem über kurz oder lang die Gefolgschaft gekündigt haben und so haben sie denn anscheinend heute jedes Anrecht auf Regierungsfähigkeit, das man ihnen noch vor wenigen Wochen zutraute, verscherzt. Die neuen Kräfte, mit denen Depretis sein Kabinett zu verjüngen gedenkt, sind die Pentarchen Crispi und Zanardelli. Over bedeutet deren Eintritt etwa eine letzte Verzweiflungskour, will Depretis noch einmal wie vor 1882 oem Lande zeigen daß diese radikalen Säfte nur dazu beitragen, den Regierungskörper bis ins Mark
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wehte der ernstc und würdige Hauw, auch hur hatte hi» Ar" keine Veränderungen hervorgerufen. Da standen »och dteselben alrertumlichen Möbel, das waren »och dieselben Tapeten und schweren Seidenvorhänge, die schon mancher Generation gedient hatte». Hier hatte die ganze lanae Reihe der Damkens gewohnt bis auf den letzten detselbim ^ee seine prachtvolle Villa vorzog. Hier in unmitteloarer Rähe des Geschäfts und in Muhen und Sorgen für das, selbe hatten sie ihr Leben htngebracht, einer nach dem An, n ü* er<» ü&cr die Größe und Ehre des Hauses Fnftin^a R^Ur lmtte in diesen Räumen et» lautes, lustiges Leben geherrscht. Ernst und Liebe zur Rude waren ttu vorherrschender Charakterzug in dem Geschlechte dr Damkens gewesen, der sich von dem Vater auf den Sohn
b"lte. Nur der letzte dieses Stammes machte et " ,a^enJeJ?en Neigungen, eine Ausnahme.
Nur au dem alten Gebäude hatte er nicht zu rütteln ba ihm der Ernst und die Stille desselben"
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T cS deshalb in den bewohnbaren Raumen dieses Hauses und wean abends das G-schäfl ae, r‘hfOn<®;.IDal' k9 unheimlich düster inmitten der be, lebten Straße da, den» kein Licht erhellte seine Fenster, kein Laut drang aus seinem Inner». Es war, als ob eS ttauere über den L tzten des Geschlechts der Damkens, der zu stolz und zu weltlusttg war, um in ihm zu wohnen Mnen Reichtum verdankte. Dann schaukelte wohl der Wind den schweren, eisernen Hake», der an der ^nLambes ®rferb“$eJ h.-rabhtug, langsam hin und her, XÄ harrte einförmig und klagend, daß es un-
Nacht drang. Und wenn der
j aU ?ie grauen Mauern dies s alten
Hauies wmf, spiegelten seine bleichen Strahlen sich nur in den dunkeln Fenstera wieder.
(Fortsetzung folgt.)
sa-enallern dort gestanden, miß wie et»|t saßen die Diener dieses Hauses darin und arbeiteten still und schweigend. Sie, wechselten freilich wohl von Jahr zu Jahr aber ste gehörten ja auch dem Hause Damken nicht an, sie waren wiegte Waare, die täglich kam nnd wieder giug, um den Reichtum zu vermehren. Und wie still war es in diesen Zimmer». Selbst die alten dicken Handlungsbücher, welche schon geraume Zeit auf dem Regale an der Wand standen und deren Zahl von Jahr zu Jahr sich vermehrte, sosaß ste schon bis an die hoh- Decke emporreichten, selbst ste würden, wenn ste sprechen könnten, nichts weiter zu erzählen baden, als: „So ist es immer gewesen, wie es heute ist, still und ernst. Die in uns geschrieben habe», find gegangen, Andere gekommen — doch was gehen uns die an, sie gehörten ja nicht zum Hause Damken, denn das verändert sich nicht.-
Nur einer von ihnen gehörte ihm an und war davon unzertrennbar wie die alte Winde unter dem Erkerdache, wie der Löweukopf an der Thür, wie sein Reichtum, sein Kredit und feine Ehre. Das war der greife Geschäftsführer "ort in dem letzte r Zimmer, wo er allein saß an einem große» Schreibpulte, allein mst den alten Hauptbüchern und ”um ?lt^* 1 * * * * mtt Leder überzogenen Sopha. Er war schon uver oO Jahre in diesem Hause und war damtt verwachsen, fest und unzertrennbar. Er wußte es aber nicht anders.
Schritt man über die lange und geräumige Diele, wo Kisten, Ballen und Fässer zu beiden Setten aufgetürmt ®arJ"' sodaß den Wagen, die täglich, ja stündlich Waaren vracdten und wieder fortschafften, kaum Raum genug übrig war, so gelangte man zu den geräumigen Speichern und Waarenlagern, die sich zu beiden Seiten des Hofes an mH ete ®.eJter d s Hauses aulehnten. Hier tu diesen überfüllten Räumen bekam der Laie eist veu rechten Begriff von der G*öße und Bedeutung dieses Hand, luugshauses, denn diese Waaren schienen ausreichend für eine Stadt, ja für ein ganzes Land.
Stiller »och, als in Gefäugniszimmem, war es in den Räume» des ersten und zwetten Stockwerkes. Auch hier
Dnrch eigene Schnld.
Sin Original- Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung)
Und man brauchte nur das alte, große, massive HauS in der Stadt zu erblicken, um sein Ansehen und seinen Kredtt zu begreifen. Flößte doch schon der Anblick seines Aenßeren Vertrauen und das Gefühl einer fistbegründeten Stcherhett ein. Diese alte», grauen, massiven Mauern, diese ölten, hohen und dunklen Fenster, mit den schweren seidenen Vor« hangen dahinter, dieses alte und hohe Dach mtt den zahlreichen Boden und der alten Winde im Ecker, die seit Jahrhunderten des Hauses Größe gleichsam gewogen und gehoben, ein Wahrzeichen seiner alten Solidität, — »nd der feste eichene Thorweg mit dem schweren, messingenen Löwenkopfe als Klopfer daran — dies alles reichte viele Jahre zurück, wie der Ruhm und die Größe dieses Geschäftes selbst.
Fast ohne Spuren zurückzulassen, war die Zeit an diesem alten Gebäude voiübergeschiitten, keine Besserung, keine Neuerung und keinen Luxus nahm das Auge davon wahr. Schon feit feiner Gründung schien es auf Jahrhunderte berechnet zu fein, und Jahrhunderte halte es auch schon gestanden, fest und unverändert. Und »och konnten Jahre auf Jahre dahin rinnen, ehe eS wankte und in seinen Grund- vesten erschüttert wurde,
Es machte einen ernsten, fast finsteren Eindruck, und ernst war es von jeher gewesen, ernst waren auch feine Besitzer, die in ihm gewohnt. '
Trat man durch das eichene Thor in das Innere des HauseS so empfing einem auch hier dieselbe würdevolle und ernste Stimmung. Unten waren die G schäftszimmer, finstere, von Sliter und Rauch gebräunte Räume, in denen des Hauses Reichtum gegründet und erarbeitet mir. Auch hier schien die Zeit vorübergegangen zn sein ohne irgend eine Veränderung hervorgerufen zu haben. Da standm noch die alten, Putte fest und unverrückbar, die schon vor mehreren Men-
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ein Mann von den Verdiensten des Grafen Robilant qe- opsert werden sollte. - Crispi und Senator Saraeco at/ln a-* 29‘ . Audienz beim Könige H umbert welcher sich, da bie Verhandlungen so weit aebieben fnr- meU mit der Neubildung des Kabinets beschäftigt — pro« Punkte, die Besetzung des Ministeriums des Aeußern sowre dre Verständigung Erispis und Zanardellrs mit ihren politischen freunden, harren noch der Entlediquna. — ©er (Stetn be§ Anstoßes liegt in dem Wunsch des IGrafen Robrlant, flch aus derOeffentlichkeit zurückzuziehen, obgleich der König wrc Depretts aus deffen Bleiben großen Wert legen sehr^betteb?0jbstperfonlit^ bei den verbündeten Mächten
Deutsches Reich.
Berlin, 4. April. Der Kaiser nahm mittags dm Vortrag des Geh. Kabinetttsrats v. Wilmowski entgegen unb empfing barauf den Lanbschaftsdireklor v. Körber aus Weschreußen unb später ben Besuch des Prinzen Wilhelm — Der Staatssekretär Graf Bismarck hat sich heute auf ei”l8er T"ge mit Urlaub nach Hanau begeben. — Das „Berliner Tageblatt" brachte jüngst eine Melbung, baß bie
I Demission des Herrn v Keudell eine Konzession an bie
| Kurie Jet, weil derselbe besonders kulturkämpferisch gewesen ser unb bieg namentlich bet» früheren Erzbischof Ledochowski gegenüber gezeigt habe. Thatsächlich hatte Herr v. Keudell als Gesandter nur die gesetzlich definierte Funktion, die verschiedenen an den Grafen Ledochowski gerichteten Vorladungen und Urteile der Gerichte diesem, der damals noch mcht im Vatikan wohnte, zuzustellen. Der Pariser „Temps" hatte inzwischen eine ähnliche Version von der Keudellschen Demission gemeldet. Dieselbe wird von dem vattkanischen „Moniteur de Rome in folgender Weise deöavouirt. „Die- jemgen, welche die deutsche Politik unb den Mechanismus tljrer Diplomatie kennen, haben in ben letzten Tagen oft bie_@tünbe lachen müssen, welche man bem Rücktritt des Herrn v. Keudell zuschrieb. Der „Temps" brmgt eine neue Version feiner Demission. Dieser Diplomat repräsentiert in Italien ben Kulturkampf, er zieht
ftdj zurück, weil seine Regierung für nötig erachtet hat,
eine versohnenbe Haltung dem Papsttum gegenüber anzu- um n ch, H-nm °. Schlöj«
Verhandlungen mit der Kurie zu stören. Alle diese
Zeitungen scheinen zu vergessen, daß es in der deutschen einen einzigen Willen giebt, den des Kflnz-
. ®6 * * & dies eine strenge Disziplin, aber ste hat ihr Nach der energischen Zurückweisung, welche der
„Moniteur de Rome" den abgeschmackten unb müßigen
Erfindungen phantasiereicher Zeitungskorrespondenten zu
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasensteiu uniVvgler in Frankfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und
Köln; ®. S. Daube und Co. in Frankfurt a. M , Berlin, Hannover u. Paris