Nr. 80
Marburg, Dienstag, 5. April 1887.
XXII. Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes SonntaaMM
___Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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™ 0“A' ^Ut6 "Ur em 2ßclf der Kauft und der Menschenhände war, welche die Kraft der nördlichen Sonne unterstützten; man vergaß, daß die weißen Statuen zwischen den Blumen, und Planzengruppen nur Gebilde von Stein seien, denn je langer man hier weilte, um so berauschter betäubter wurden die Sinne, um so lebendiger und EÄrtf* Phantasie. Die Statuen gewannen Leben, bas Plätschern d.» Springbrunnens erklang wie ferne Musik, und die Marchengestalten aus Tausend und einer Nacht schwebten und hupften vor dem Auge vorüber.
Betrat man nun erst das Innere der Villa selbst, so mußte man staunen über die gediegene Pracht und den benfAfeberÄ geringfügigsten Gegenständen
^^enc,^ diese spiegelnden, marmornen Treppen nicht aus einem alten Palaste Venedtas hierher gebracht zu fein? Waren diese prachtvoll.« Möbel, diese schweren Tapeten und Vorhänge, di.se herrlichen, vergoldeten Kronleuchter nicht alle Meisterstücke von Menschenhänden? Ja reicht " $ et“' 1,61 9e^er dieses Hauses, unermeßlich ....Dies- Villa gehörte dem Herrn Damken, dem Eigen, thllmer des alten und reichen Handlungshaus-s Damken in °Stadt- orer lebte er mit seiner einzigen Tochter, denn er selbst bekümmerte sich um die Geschäfte seines Handlungshauses nicht. Von seinem Vater, dem alten Herrn Damken, gezwungen, sich dem Kaufmannsssande zu widmen, hatte er mit größter U berwindung sich gefügt. Kaum hatte indcß der alte Herr das I: bische gesegnet, so zog er sich mehr unb mehr von dem Geschäfte zurück und kaufte di-se Pracht- volle B sttzuug, auf welche er noch enorme Geldsummen v-ro udete, um sie ganz nach seine« Geschmack einrichten zu laste«. Es stand ihm ja ein Vermögen zur Verfügung, an dem eine lange Reihe seiner Vorfahren mit dem eisernen Fletße eines Kaufmanns gearbeitet hatten, und das für ebenso eno m galt, als der Kredit des alten HandlungS- hauseS unbegrenzt war.
(Fortsetzung folgt.)
>4 Auge die einzelnen (äff.tk beiennet, denn wenn abends dieser Platz in der angedeuteten Weise erleuchtet war, glaubte man unwillkürlich in ein Zauberland versetzt zu fein.
Wie ein Feeupalast trat dann dir weiße, hell erleuchtete Fassade der Villa aus dem dunklen Grün der Kastanien h.rvor. Die grüne Raser starte erglänzte in einem rötlichen Schimmer und hundertfach spiegelten sich die hoch auf- loücrnden Flammen der Pechkränze in dem Teiche wieder. Rötliche Rauchwolken zogen wogend und drängend zum Himmel empor, und die entfernteren Baumgruppen traten, nur in ihren Konturen erkennbar, gespensterhaft aus dem Dunkel der Nackt hervor, während die weißen, grell erleuchteten Statuen diesen Eindruck noch erhöhten.
Die Großartigkeit aller dieser Anlagen, die Sorgfalt, mit her sie erhalt.» waren, riefen unwillkürlich bei dem Beschauer in Gedanken eine Schätzung hervor, wie bedeutend das Vermögen ihres Besitzers sein mußte, da er solche Summen, welche allein der Park und Hessin Unterhaltung erforderte, zu verschwende« vermochte. Der Begriff dieses Reichtums steigerte sich aber noch, wenn man in den geräumigen, sauberen Pferdestall trat und die große Anzahl der herrlichsten Rassipferbe erblickte, oder in dem Gewächshouse in den langen Reihen der üppigsten Orangenbäume einherging und das Auge über die Fülle der ausländischen Pflanze« und Blumen schweifen ließ. Glaubte man doch, sich in einem Feengarten zu befinden, wo Alles vereint roar' um jedem Sinne zu schmeicheln. Man brauchte nur die Hand auszustreckkN, um die herrlichsten Früchte des Südens frisch von den Orangenbäumen zu pflocken, das Auge war '"st geblendet von der außeoidentlichen Blütenpracht; lieb- licher, sanft betäubender Dutt von tauf nben von Blumen I« b°8 ganze Haus und das einförmige und doch melo- difche Plätschern einer Fontaine, weiche in der Mitte des Hauses sich befand, tönte milde in das Ohr.
^and n unter schattigen Myrthenbäumen und hohen schlanken Palmen zte.liche Bänke, hier konnte man sich ntederloss n und träumen von der Pracht d-s Südens und des Orients, die dem Auge so nahe gerückt war. Man
mündlich aussprechen wollte. Unter den vielen Geschenken, welche dem Reichskanzler im Laufe des vormittags zugingen, wurde besonders ein mit kostbaren Blumen ganz gefüllter Wagen der Schloßgärtnerei zu Gütergotz bemerkt, ein mit Rose« und Weintraube« gefüllter Korb, eine Riefentorte, welche den Umfang eines Wagenrades hatte, und Rosen- bouqnets von herrlicher Pracht; die alljährlich dem Fürsten zugegangenen 101 Kibitzeier von den „Getreuen aus Jever" sollen, wie es heißt, heute gleichfalls eingetroffen fein. — Der russische Botschafter in Berlin, Schuwaloff, ist heute hier, von Petersburg kommend, eingetroffen. — Zu dem im Bundesrate verhandelten Entwurf, betreffend eine Anweisung zur Gewinnung, Aufbewahrung, Transport und Versendung von Thierlymphe, wurde beschlossen, die Bundes- regterungen zu ersuchen, dieselben mögen veranlasten, daß über die Thäligkeit der Angestellten zur Gewinnung von Tierlymphe regelmäßige Jahresberichte erstattet und diese dem Kaiserlichen Gesundheitsamte behufs einheitlicher Bearbeitung und zweckentsprechender Veröffentlichung mitge- teilt werden; ferner daß der in den Apotheken stattfindende Handel mit Tierlymphe einer sorgfältigen Überwachung unterstellt werde. — Bei den gegenwärtigen Verhandlungen über die bevorstehenden Vorlagen wegen Veränderungen der legislatorischen und sonstigen Verhältnisse Elsaß- Lothringens ist man nun für Beibehaltung des Statthalter« postens bereits ziemlich entschieden. Der Staatssekretär« posten wird jedenfalls wegfallen. Wie es heißt, würden demnächst an Stelle der Unterstaatssekretäre Mayr und Led erhose die Herren Back und Studt treten.
Berlin, 3. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt folgenden beachtenswerten Artikel: Die Thatsache, daß vor ungefähr einer Woche ein Unterbeamter aus dem iranzösi- fchen Kriegsministerium auf irgend welchen Verdacht hin entlassen worden, berührt an sich das Ausland und insbesondere Deutschland in keiner Weist. Aber der Vorfall erlangt eine gewisse Bedeutung durch den Nebenumstand, daß als angeblicher Empfänger pflichtwidriger Mitteilungen jenes Beamten erst im Allgemeinen der Militär-Attachee einer fremden Botschaft, später ein deutscher Militär-Attachee von gewissen Blättern bezeichnet, schließlich mit Namen genannt und Angriffen ausgesetzt wurde, die wir einstweilen übergehen. Dieses Verfahren ist im Verkehr der Staaten neu. Man wird keinen ähnlichen Fall anführen können, selbst aus Epochen, wo die Spannung zweier Staaten einen Grad erreicht hatte, der zum Kriegsausbruch führte. Und wie geht es in dem Lager zu, aus welchem so frivole Beschuldigungen erfolgen? Am 25. Dezember v. I. lief die folgende Notiz durch alle Pariser Zeitungen: „Der Kriegsminister teilt der „Agence üb re4 die folgende,
Deutsches Reich.
Berlin, 2. April. Der Kaiser nahm mittags den Vortrag des Generals v. Albedyll entgegen und empfing darauf den kommandierenden General v. Treökow. — Fürst B^marck erhielt zu seinem gestrigen 72. Geburtstage eme militärische Morgenmusik, die ihm seine Lieblingsstücke brachte: Verdis „Aida", Frühlingslied von Mendelssohn, emen Beethovenschen Satz und lustige Weisen von Strauß. Das Reichskanzlerpalais belebte sich durch Post- unb Telegraphenboten, die in großer Zahl kamen unb gingen, um mieber von neuem vorzusprechen. Die Packelpost hat fast ebenso viel an diesem Tage in der Wilhelmstraße zu thun, als die Depeschenboten, denn die Verehrer des Kanzlers, soweit sie der gutsituierten Minderheit zugehören, lassen jtchS nicht nehmen, ihn mit allerhand Geschenken zu überraschen. Küche und Keller erhalten ansehnliche Zufuhren von wett her; Erfurt sendet die schönsten Exemplare seiner Lrewharffer. Bremen und Hamburg expedieren das Beste an Havannah-Cigarren, und eine lieberfüHe von Nippes- Men läuft ein. Die Lyrik leistet Erstaunliches an leid« ltchen wie verunglückten Versen; die Dichtkunst hat jedoch für heule nur milde Beurteiler. Die Gräfin v. Rantzau mit ihren drei Kindern ist am 1. April neben der Frau Fürstin und den Söhnen die liebstgesehene Gratulantin Außer den Beamten des auswärtigen Amtes erschienen die Mtmster, die Botschafter und ein zahlreiches Gesandtschafts- Wönal. Die Prinzen des königlichen Hauses statteten, wie schon telegraphisch gemeldet, in der Mehrzahl dem Kanzler gegen Mittag Besuche ab. Es war bis zum Nachmittag hinein ein lebhafter Verkehr im Palais zu gewahren. Der Kanzler . fühlt sich wohler als seit langer 3eit • er »irb, wst es heißt, in nächster Woche Berlin verlassen'und über Schönhausen nach Friedrichsruhe reifen, wo er das Ofterfeft verleben will. Nachmittags 4 Uhr ward Fürst vorn Kaiser empfangen, welcher seinem Kanzler die Glückwünsche zum Geburtstag desselben persönlich und
unter den gegenwärtigen Umständen besonders bemerkens- werte Note mit: „Aus den Mitteilungen von Personen, die in Beziehung zu gewissen Militär-Attachees stehen geht hervor, das diese Offiziere aus die sralizösische unb namentlich auf die militärische Presst in Frankreich rechnen am ^cy. ansere Einrichtungen Erkundigungen einzuziehem Em Beispiel bestätigt dies. Das Konzept (la minute) d-s Berichts des deutscheti Hauptmanns von Schwamhoff über die Memanover von Toulon läßt erkennen, daß dieses Schriftstück teilweife nach den Mitteilungen gewisser fran- zoflscher B älter abgefaßt war." Aus welche Weise ist wohl der französische Kriegsminister, der diese Note mit- teilt, zur Einsicht in das Konzept des Berichtes des Hauptmanns v. schwarzhoff gelaugt Bisher galt es für internationalen Anftand, das Kundschafterwesen nicht bis zu operativen Eingriffen in fremde Schreibtische auszudehnen und wenn dergleichen Mißgriffe vorkamen, sie auf der einen Seite zu verschweige«, auf der anderen zu ignorieren. Der franzoftsche Kriegsminister hat das erste Beispiel gegeben, einen solchen Griff, dem er die Bekannt- Waft mit den „Konzepten" fremden Missionen ver-
Ar Grundlage einer offiziösen Note zu machen. Den Anstand des Jgnonrens hat man auf deutscher Seite trotz besten beobachtet. Danach hat man wohl Grund, die namentliche Anschuldigung gegen den deutschen Militärattache überraschend zu finden. In solchem Fall fragt man vor allem nach den Beweisen der Anschuldigung und kann nicht umhin, sich zu erinnern, daß „les agents provo- cateurs em französischer Kunstausdruck und als solcher m die übrigen gebildeten Sprachen übergegangen ist. Der deutfche Militärattache ist eine zeitlang von agents provo» cateurs überlaufen worden, so daß er denselben mit Inanspruchnahme der Polizei drohen mußte. Mit welchen Mitteln die Spionage uns gegenüber betrieben wird, daS haben wir u. a. in vier Landesverratsprozessen erfahren, welche vor dem Reichsgericht in Leipzig gegen französische Spione und ihre Werkzeuge erhoben worden sind, unb Amtlich die Ueberführung der Angeklagten ergeben haben. Dagegen hat man auf deutscher Seite denjenigen französischen Kundschaftern, welche dem Offizierstand angehörten, und also direkt im militärischen Dienst thätig waren, auch wen« man den Thalbeweis in Händen hatte, stets die Freiheit der Reffe gegeben, wie noch kürzlich dem Leutenant Letellier, der Studien zum Besuch des Rheinübergangs machte. Es liegt wohl deutlich vor Augen, wie verschieden das Maß ist, von dem man in Deutschland bei der Abwehr jenes stillen Krieges Gebrauch macht, und das Maß, welches man in Frankreich anwendet, wenn man auch nur Verdachtsgründe zu haben glaubt, vielleicht solche, die man
sRachdruck verboten.)
Durch eigene Schul».
Ein Ortginal.Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.
L
-ine Stunde von der Handelsstadt H. entfernt «hob sich, auf einem kleinen Hügel erbaut, eine prächtige i-i<ht und geschmackvoll, aber trotzdem Utß sich eme solide Bauart, die nur das Gebäude und nicht & ^uge gehabt hatte, nicht verkennen.
Ringsum erstreckte sich ein großartig angelegte-, mit Sorg- mni temr $“’f' d-ss-u duftig grüne Rasenplätze und mal rische Baumgruppen der Villa erst den vollen Reiz verliehen. Sie stand halb zwischen bett Saftantenbäumen ÄV' "hne von ihnen verdeckt zu werden, denn die Vorderseite lag frei unb bot eine reizende Aussicht auf m litte £e St?b?barCtnen unb *“ der Feine auf die Thürme An der Rückseite waren Wirtschaftsgebäude, aeräumiae Pferdeställe und Gewächshäuser gelehnt, aber durch geschickt atigefl nzte Baumgruppen und durch Buschwerk so maskiert daß sie nur von einer einzige« Seite ans bemerkt werden konnten, nämlich von der Rückseite, zu der eine lange, gerade Lindenallee führte. ' ”
Die Natur hatte die Anlage des Parkes durch Bäche «nd Teiche günstig unterstützt, und so waren durch Baumgruppen, kleine schattige Laubevhaine, durch Buschwerk unb große Rasenplätze, durch zierliche Brücken, schattige Laub- gange und zierliche Pavillons genug Abwechselungen in dem- s'lden hervor gerufen. Längs den breiten, mit g Idem Kies bedeckten Wegen waren hier und dort Blumenbeete ange- "ud auf dem großen, runden Rasenplatz vor der Villa standen ringsum aus Stein gemeiß lte Statuen, deren Häupter oder emporgestreckte Arme dazu dienten, Pechiackelu oder Pechkränze aufzunehm-n, wenn es der Laune des reichen Befitzets gefiel, Abends diesen Platz erleuchtet zu sehen. Und Deijeniae, der diese Anlage ausgeführt, hatte in der Dhat einen feinen Schönheitssinn gehabt unb mit maler-i