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Marburg, Mittwoch, 23. März 1887.
XXII. Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Zllnstriertes Sonntaasblatt.
______________________________ Expeditiou Markt 21. — Redaktion, Druck und Lerlag von Joh. Ang. Koch. "
Anstand,
in ritterlichem Edelmute, groß in edler Milde und Güte, groß in treuem Festhalten an den idealen Gütern der
Groß aber auch vor allem ist der Kaiser zu nennen, der unternommen, was vor ihm kein König und kein Kaiser der Erde noch gethan, der es gewagt hat den Kampf aufzunehmen gegen die Armut und die Not, jenen Riesenkampf, der mit den Mitteln des Friedens geführt wird.
Aber groß sind nicht nur die Thaten Kaiser Wilhelms, groß ist er selbst. Groß in kraftvoller Aufopferung, groß
Menschheit, groß in nie getäuschtem Gottvertrauen, vor allem groß in der Demut, groß im Größten und groß im Kleinsten.
Wenn es auch sonst nur das Recht der Nachwelt ist in strengem Gerichte den Königen ihre Namen zu geben — wir sind längst vollauf berechtigt dies heute schon zu thun. Ist doch weitaus die Mehrzahl aller Lebenden eher zu der Nachwelt Kaiser Wilhelms zu zählen, als zu seinen Zeitgenossen. Wie vielen leuchtet denn noch das Licht der Sonne, die eS einst mit ihm in ihren Zugendtagen begrüßt haben?
Gebm wir aber unserem Kaiser den hohen Namen, der ihn auszeichnen soll vor allen Fürsten, al» freie«
Berlin, 21. März Der Kaiser nahm heute vormittags die Vorträge des Chefs des Militär-Kabinetts, Generals ö. Albedyll, und des Geh. Kabineltsrats von Wilmowski entgegen, empfing den Besuch des Königs und der Königin von Rumänien und erteilte nachmittags im Beisein des Staatssekretärs Grafen Herbert Bismarck dem päpstlichen Gesandten Galimberti, sowie den Spezial- gesandten Portugals, Spaniens, Hollands, des Sultans, Japans, Chinas, Serbiens, Griechenlands und der Südafrikanischen Republik Audienz. — Der König und die Königin von Sachsen, Prinz Georg und Prinz Friedrich August, sowie die Prinzessin Mathilde trafen nachmittags drei Uhr aus Dresden hier ein. Dieselben wurden vom Kronprinzen am Bahnhofe empfangen und nach dem königlichen Schlosse geleitet. — Der König von Rumänien mit Gemahlin traf heute mittags, empfangen vom Kronprinzen und den Prinzen Wilhelm nnd Heinrich, hier ein. Am Bahnhofe war eine Ehrenkompagnie des zweiten Garde- Regiments aufgestellt, welche die rumänische Nationalhymne intonierte. , Der König schritt die Front ab und fuhr dann mit der Königin uno dem Kronprinzen nach dem Schlosse. Eine halbe Stunde später traf der Herzog von Aoste ein, am Bahnhofe empfangen von den Prinzen Wilhelm und Heinrich. — Die Behörden der Stabt Berlin haben beschlossen, der Kaiser Wilhelm und Augusta-Stiftung anläßlich des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers dreihunderttausend Mark zu überweisen und dem Kaiser am Geburtstage hiervon Kenntnis geben zu lassen.
— Prächtiges Kaiserwetter, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", ist seit gestern dem Nachwinter gefolgt, der uns in den letzten Tagen mit Frost und Schnee überschüttet hat. Weht auch das Frühlingslüftchen noch etwas scharf von Dsten her, in Berlin ist es Frühling geworden; die junge Frühlingssonne hat die Wolkenmassen siegreich durchbrochen und verscheucht, um mit ihren belebenden Strahlen das Fest zu vergolden, zu welchem Berlin seit Tagen und Wochen rüstet: den 90. Geburtstag unseres geliebten Kaisers. Schon der gestrige Sonntag bildete eine Vorfeier desselben; seit dem frühen Morgen bildete das kaiserliche Palais das Ziel vieler Tausende Berliner und Fremder, die herbeieilten, den geliebten Herrscher von Angesicht zu Angesicht zu sehen. In den Vormittagsstunden konnten die Harren- den den Kronprinzen, den Großherzog von Baden und viele andere hohe Herrschaften jubelnd begrüßen. In der Mittagsstunde wuchs die Menge derart an, daß zu Zeiten der Wagenverkehr kaum aufrecht erhalten werden konnte. Kurz vor 1 Uhr ertönten von der Friedrichstraße her die Klänge der Musik der heranziehenoen Wache, die vom Garde-Füsilierregiment genellt wurde. Freudige Bewegung durchlief die Menge, dichter drängte sie sich dem Palais zu. Schon hatte die Spitze des Wachtzuges das Palais passiert, schon glaubte man den Anblick des geliebten Herrschers für diesmal entbehren zu müssen, als plötzlich ein brausendes Hoch losbrach, das sich lawinenhaft durch die Menge fortpflanzte. Der Kaiser war in Generalsuniform am Eckfenster der ersten Etage erschienen und begrüßte freundlich mit Handwinken die Tausende, die ihm immer von Neuem wieder zujubelten. Nachdem der Kaiser vom Fenster zurückgetreten war, wurde der Gesang der Nationalhymne angestimmt, und nochmals trat, von begeistertem Jubel empfangen, der hohe Herr an das Fenster. Nun begannen sich die Maffen zu zerstreuen; doch während des ganzen Tages ebbte unter den Linden kaum die Flut der Menschenwogen, deren Jnterefle an dm Festvorbe« rertungen sich zumeist auf die Ausschmückung der Fasiade des Akademiegebäude» konzentrierte. Die acht mächtigen Masten trugen bereits ihre goldene Krönung, rings um die Zinne des Gebäudes schlang sich das tiefrote Band, von dessen Grunde sich die bronzenen Plattm mit den
Abgeordnetenhause erklärte Ministerpräsident Tisza bei der Beratung des durch die Delegationen votirten Militärkredits, die Hoffnung auf die Erhaltung des Friedens sei seit der Votierung gestärkt. Die Regierung könne von Den Friedensbestrebungen aber nur dann einen Erfolg erwarten, wenn die österreichisch- ungarische Monarchie gegenüber den Mächten, welche wohl gleichfalls den Frieden wünschen, aber dennoch sich krieas« bereit halten, ihr Wort in die Wagschale werfen und nötigenfalls mit der größten Energie die vitalen Interessen des Reiches verteidigen könne. Die Opfer für die Armee seren gut angewendet, denn die Heereskrafl sei so schlaa- fertlg, wie irgend welche. Bezüglich der Allianzen könne £ sich «"rzelt nicht anssprechen, Redner erklärt aber zur Beruhigung, die Grundlage der Politik Oesterreich-Unaarn» gegenüber allen Mächten sei die Erhaltung des FriedenS bei Wahrung der Interessen des Landes.
, .der«, 21. März. Das Volk im Kanton Waadt beschloß nut 23000 gegen 7000 Stimmen, die verlangte Subventionierung (4 Mill. Frank») einer Bahn Über den Simplon zu verwilligen, ebenso verwilligte das Volk in Kanton Walli» mit 14000 gegen 2000 Stimmen 1 Million Franks als Subventionierung der Simpionbahn.
Paris, 21. März. Bei der gestrigen Nachwahl eines Kammer - Deputierten tut Departement Pais de Calai» wurde Ribot (gemäßigter Republikaner) mit 125 000 Stim- men gewählt^ Der sozialistische Gegenkandidat Cazin erhielt 4000 Stimmen. Die Konservativen, welche gewöhnlich im Departement Pas des Calais die Majorität haben hatten beschlossen, die Wahl Ribots nicht zu bekämpfen '
Petersburg, 21. März. Eine Mutiilung des Regierungs-Anzeigers - wendet sich energisch gegen die unbe- gründeten, durch einige russische Blätter verbreiteten Gerüchte über die angeblich ungünstigen Beziehnngen der deutschen Regierung zu Rußland; sie bezeichnet dieselben speziell hinsichtlich der Vertretung der russischen Interessen in Bulgarien durch die deutschen Agenten als unbegründet.
Sofia, 21. März. Eine in Philippopel abgehaltene Versammlung von Delegierten der rumelischen Provinzen beschloß, die Unabhängigkeit des geeinten Bulgariens unter
Bildnissen berühmter Akademiegenossen früherer Seiten l-ucht-nd abheben. Das Portal war schon von den be.ken mächtigen Kriegsgestalten flankiert, welche aus Herters und Calandrellis Atelier hervorgegangen sind. Die Urnische tu welcher die Eberleinsche Gruppe ihren Platz finden soll war allerdings noch verhüllt; der mächtige Schild mit dem deutschen Reichsadler, welcher dieselbe unterhalb abschließeu wird, lagerte noch mit all den anderen Dekorationen- Flaggen, Velanen und Fahnen im Innern des Akademie- gebaudes. — Pro-essor Gelschaps 18 Meter langes Fries- gernalde, das derselbe im Zeughause geschaffen hat, wird am heutigen Abend an den Ort seiner Bestimmung über, geführt werden; Übrigens konnte man schon am Sonnabend Photographien dieses monumentalen Wandgemäldes in den - Kunsthandlungen kaufen. In den Kreisen der Akademie der Künste und Wiffenschaften hegt man die Absicht jene Frontdekoration, d h. ihre plastischen und malerischen Kunstwerke nach des Kaisers Ehrentage in das Landesaus- stellungsgebaude zu überführen und mit ihr der diesjähri- gen akademischen Ausstellung einen patriotisch und künstlerisch gleich wertvollen Schmuck zu geben. — Wie von gemeiniglich wohlunterrichteter Seite verlautet, wird der Kaiser am morgigen Tage eine größere Anzahl von Gnaden- erweisen, Ordensverleihungen und Beförderungen vollziehen Von Interesse dürfte es bei diesem Anlasse sein, an die Beweise der kaiserlichen Huld und Güte bei der Vollenduna des 80. Lebensjahres zu erinnern. Es wurde damals Fürst v. Bismarck zum Erb-Ober-Jägermeister von Pommern ernannt; Gras Perponcher und Generalintendant v. Hülsen erhiAten den Kronenorden 1. Klasse; der Geh. Kabinettsrat v. Wilmowski bekam den Titel „Excellcnz". Am inter- enanteften und anmutigsten, und zugleich am kaiserlichsten war die Art und Weise, in welcher der Leibarzt Seiner Maiestat, der würdige Or.med. Lauer ausgezeichnet wurde. Auch er erhielt den Excellenztitel für seine excellente Kunst, wie der Kaffer scherzte, die ihm bis zur Achtzig verhalfen- außerdem aber ging ihm aus der Schatulle seines hohen Kur- und Pflegebefohlenen eine Dotation von 150000 M zu, welche diesmal, wenn man dem Gerücht Glauben schenken darf, aus das Doppelte erhöht werden soll Ferner wurde am 22. März 1877 das „Hohenzollernmuseum" .eröffnet und der „Wrangelbrunnen" am Kemperplatz im Tiergarten feierlich enthüllt. F F $
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Ehrengeschenk der Nation, so wird niemand das deutsche Volk in Ausübung seines Hoheitsrechtes hindern können. Die fernsten Völker nennen seinen Namen mit Bewunderung, und mit seinem Namen ist an der entlegensten Küste der eines jeden Deutschen wieder geachtet.
So laßt uns also, den Dank abstatten, den der Reichste und Aermste in gleichem Maße schuldet und in gleichem Maße geben kann, den Dank, bei dem das Wort des mächtigsten Herren nicht mehr gilt als das des schlichtesten Mannes. In derselben Weise wird Gott heute alle diejenigen erhören, die aus Palast ober Hütte, vom Meere bis zu den Alpen aus vollem Herzen zu ihm flehen: Herr, schütze und segne unseren teuren Kaiser, Wilhelm den Großen!
Deutsches Reich.
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Mit dem Beginn des neuen Quartals bringt das Feuilleton unseres Blattes den hochinteressanten Roman
Durch eigne Schuld.
Spannende Handlung, sittenreine Tendenz, schöne Sprache, tiefergreifende Darstellung sind die Hauptvorzüge dieses Familienromans im vollsten Sinne des Wortes aus der Feder des genialen Schriftstellers
Friedrich Friedrich.
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Ausruf zum 22. März 1887!
Mit neunzig Jahren, in einem Alter, das noch kein Herrscher, der je auf Erden die Krone getragen hat, in gleicher Rüstigkeit erreichte, erfüllt Kaiser Wilhelm Tag für Tag die hohen Pflichten seines Amtes. Wie großes hat er in dieser Zeit für Preußen, wie großes für Deutsch land gethan! Er hat für fein Volk gearbeitet, gesorgt, gekämpft und geblutet Und Goll hat ihm die Gnade erwiesen, daß er fein Opfer nicht vergebens gebracht hat. Mit Hülfe der Männer, die um ihn geschart stehen, wie die Paladine um Kaiser Karl, hat er Deutschland, das nach dem Ratschlüsse der Vorsehung wieder zu dem werden sollte, was es einst war, groß gemacht vor allen Ländern der Erde.
Wie aber danken wir ihm an seinem Ehrenfeste, was er für uns und unsere Kinder gethan hat? (Siebt es ein Wort, das fein Herz erfreuen könnte und ihm sagen, was wir für ihn fühlen? Das ihm gerade jetzt, in einer Seit patriotischen Aufschwungs, zeigen könnte, wie die deutsche Tugend der Dankbarkeit doch noch in aller Herzen lebt?
Ja, es giebt ein Wort, in das wir all unsere Be- wunderung, unsere Liebe und Dankbarkeit zusammenzu- faffen vermögen, ein Wort, dessen Zauberklang nachjagend, gewaltige Herrschernaturen ganze Völker zu Boden getreten und ganze Reiche verwüstet haben und das sie doch nicht erlangen konnten, ein Wort, welches die Geschichte unserem erhabenen Kaiser nicht länger versagen kann, obwohl er e» nie gesucht: den Ehrennamen des Großen.
Groß fürwahr ist der Kaiser zu nennen, der Preußen an die Spitze Deutschlands, und Deutschland an die Spitze Europas gestellt hat, als Hort des Friedens, der Kaiser, dessen Dasein allein bis heute genügt hat die Schrecken eines Völkerkrieges von Europa fern zu halten.
Karl der Große — Deutschland. Friedrich der Große — Preußen. Wilhelm der Große — Preußen und Deutschland.
Welches deutschen Mannes Herz schlägt nicht höher beim Klange dieser Namen? —