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Marburg, Sonntag, 20. März 1887.
XXIL Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg «. Kirchhain. - Illustriertes Saiintaqsblatt.
_______________________Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag vou Ich. Aug. Loch.
jAachdruck Derboten.]
Das eiserne Kreuz.
«tu Etinueinngsolatt zum 90. G.vuilsiage deS Kaisers.
ES war am 18. August 1870 vor M.tz. Am 14. und 16. August war veieitS eibitiett um die Stadt gerungen, manches teure deutsche Blut Hütte der Boden getrunken. 3 tzt galt es btn letzten, den Hauptschlag. Unter der per. sonlich.n Führung König Wilhelms ,ollte da» W lk vollendet, Marschall Bazaine und seine Armee in Metz festgestellt werden. 4, et Tag war he,ß. Die Franz. sen wehrten fich bei zweifelt und eine schauerliche Blma.veit kostete j der Fuß breit Boden. Wted.r und wieder drangen die Rothosen vor zum Anstürme auf die deutschen R.rhen und mit schweren Opfern wurde dem Anprall geweh L Wer aber eine Stellung behauptet, so gilt es den A griff ans eine Meue, sch uerere. Immer derselbe wütende Kampf, dasselbe verzweiflungr volle Ringen.
Es war am Nachmittag, zwischen 5 und 6 Uhr. Immer noch stand die Entscheidung aus. König Wilhelm und seine Umgebung verfolgten ausmeiksam den Kampf. Adjutanten flogen hin und wi der, etu unabläisiges, furchtbans Slawen erschütterte die Luft, Flammensäulen begrenzt n den Horizont. Der König kontcrlerte wieder und wieder mit dem G-neralstabichef von Mollke, der ernst und unbe» wegsam das Schlachtfi Id überbl.ckte. Auch der König war tiefernst; die furchtbaren Opfer des Tapes boten stch nur allzudemlich dem Feldherr» dar, die Opfer, ohne welche doch der Sieg an die deutschen Fahnen nicht zu haften war. Und die Entscheidung mußte fallen, wenn nicht unabsehbare Folg n entstehen, eine neue Reibe blutiger Tage sich erg.biu sollt n. Unfern von dem König und feiner Suite zog mit klingendem Spiel ein Infanterie-RegiM'Nt vorüber, das zum Sturm ins Fentr gezogen werden sollte. Mit donnerndem Huriah grüßten die Mannschaften den königlichen Fahrer. Hoch flatterten die Fahnen im Winde, und voll klangen die Töne deS .Heil Dir im Siegerkcanz' Iber den blutigen Plan. Stolze Freude glänzte auf dem
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in einer der nächsten Sitzungen Beschluß gefaßt werden. Das vom Reichstage angenommene Gesetz, betreffend einige auf die Marine bezügliche Abänderungen und Ergänzungen des Gesetzes vom 27. Juni 1871 über die Pensionierung und Versorgung der Militärpersonen, wird zur Allerhöchsten Vollziehung vorgelegt werden. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorberatung übergeben: der Entwurf einer Verordnung über die Einfuhr bewurzelter Gewächse aus den bei der Reblaus-Konvention nicht beteiligten Staaten, der Entwurf eines Gesetzes über Elsaß-Lothringen über Enregistrement- und Stempelgebühren nnd der Antrag Preußens, betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes über den Verkehr mit Nahrungsmitteln, . Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen. Mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Antrag Hessens, betreffend die Aenderung der Statuten der Bank für Süddeutschland, an die Ausschüsse für Handel und Verkehr, für Justizwesen und für Rechnungswesen erklärte sich die Versammlung einverstanden. Endlich wurde noch über eine Zollbegünstigung für den auf einer inländischen Reisschäl- mühle bearbeiteten Reis, sowie über den Retourwagen, verkehr mit ausländischen, im Jnlande veredelten Waren Beschluß gefaßt. — Wie berichtet wird, hätte Herr Ober- Bürgermeister v. Forckenbeck die ihm mehrfach angetragene „deutschreisinnige" Kandidatur für den 2. oldenburgischen Wahlkreis Varel abgelehnt. Demgemäß wäre die inzwischen festgestellte Kandidatur Träger als eine Art Notnagel zu betrachten. — Die „Vsff.Ztg." gibt ihrer Betrübnis, daß die Sozialdemokraten bei der Nachwahl in Varel nicht für den „Freisinnigen" Träger eintreten wollen, durch folgenden Stoßseufzer Ausdruck: „Die Sozialdemokraten haben thörichter (!) Weise strikte Wahlcnthaltung beschlossen, obgleich sie keinem Abgeordneten mehr zu persönlichem (!) Danke verpflichtet sind, als gerade Herrn Träger.» — Herr Träger hätte also für die Sozialdemokraten, der «Voss. Ztg." zufolge, so Hervorragendes geleistet! - Der bevorstehenden Ankunft des Kardinals Galimberti, der dem Kaiser zum Geburtstag ein Glückwunschschreiben des Papstes überreichen wird, mißt man eine besondere Bedeutung bei. Galimberti, der in intimen Beziehungen zu Herrn v. Schlözer steht, gilt für die Seele der kirchen- politischen Beziehungen, die in den letzten Jahren zwischen der Kurie und der preußischen Regierung eingetreten sind. Seine Anwesenheit dürfte auf die weitere Entwickelung in dieser Beziehung vou Bedeutung fein. Die „Norddeutsche" begrüßt den Kardinal und schreibt: „Er gilt für einen der ausgezeichnetsten Würdenträger des Vatikans, was auch durch die Thalsache hinreichend dargethan wird, daß er es war, der in den letzten Monaten vor dem Ab-
G sicht de» Königs! Mit (Sott für König uno Vttettand jojtn feine Wack ren vorwärts, begeistert und siegesbewußt.
Abjutanten flogen bereits an das vorrückende Regiment heran; die Gefahr war groß, der Feind drängte ungestüm. Der Regimentskommandeur fitzte sich an die Spitze des einen Bataillons, kurz rwd schneidig klang der Befehl, und im Laufschritt ging es vorwärts, den Kameraden zu Hilfe. Die Kugeln pfiffen, dazwischen das Kracken oer GJchutze. Mancher stürzte, schnell brachten ihn die Nebenmänner zur Seite und bann vorwärts über Blut und Leichen. Das Regiment wat im vollen Feuer. Die braven Kameraden hatten es nicht vermocht, die in ihrer ausgezeichneten Stellung doppelt überlegenen Franzosen zu vertreiben, mit zerrissenen Glied-in gingen sie langsam zurück und wurden vou den Herbeieilenden ausgenommen. Ein kurze Ruhepause, wenn mau so sagen kann. Oven an den Hügelreih n fliegen fo t- während Blitze und Rauchwolken auf und tötliche Geschosse brausten herüber. Wohl antwortete die deutsche Attillerie kräitig, aber immer noch hielten die Franzosen aus.
Es war gegen 7 Uhr abends geworden. Immer noch k>in Ende deS mordenden Wütens. Immer noch standen die Franzosen fest. Da ging es durch die R ihen, eine stürmische Bewegung, fester faßte die Hand die Waffe; ohne daß es laut gesp.ochen wurde, I der wußte es, die Entscheidung war da, und diesmal galt es Sieg oder Tod. Die Reihen ordneten fich ohne Kommando, und als wäre ein Alp von der Brust genommen, mitten unter Toten und Verwundeten tauchten lustige Scherzworte auf und fanden lachenden Beifall. Unb nun bas Kommanbo! Die T> ommler schlagen ben Sturmmarsch, ein letzter Blick g n Himm 1, bann vorwärts gegen bie sprühende Fenerlinte. Ein Krachen nnd Donnern, die Gedanken an die fernen Lieben schwinden, nur noch das eine Gefühl: vorwärts! Stürmischer raff In bte Schlägel auf den Tiommeln, die gelicht ten Reihen schließen sich schnell wieder zusammen, nicmanb weiß, was um ihn herum vorgehl. „Fällt das Gewehr, Hur,ahl' Der sttze rasche Lauf nach einigen Salven Schn llfeuer, und der wllde Kampf Manu gegen Mann beginnt Da ist
leben des Kardinal-Staatssekretärs Jakobini bas Reffort deffelben anshülfsweise unb stellvertretend bearbeitete unb stch auf biesem Posten als ebenso leistungsfähig wie ge- wanbt bewährte." 8
— Ein warmer Freund des Vereins deutscher Studenten in Berlin hat diesem ein lebensgroßes Bildnis unseres Kaisers zur Feier des Kaiserlichen Geburtstage» zum Geschenk gemacht und dasselbe mit einem Briefe begleitet, den wir seines patriotischen Inhalts wegen nachstehend zum Abdruck bringen: An den Verein deutsche'- Studenten in Berlin. Hochgeehrte Herren und liebe Freunde! Sie hatten die Güte, mich einigrmale in Ihrem Vereme gastfreundlich zu empfangen. Ich habe dort den tröstlichen Eindruck erhalten, daß unsere Jugend patrioti- scher empfindet und sich höhere Ziele gesteckt hat als das heute auf dem politischen Schauplatz wirkende, noch vielfach aon dem Geiste unserer unseligen nationalen Zerrissenheit befangene Geschlecht. Meiner Freude hierüber möchte ich dadurch Ausdruck geben, daß ich, wenn Sie es freundlich gestatten, ^hnen für Ihr Vereinslokal ein Bildnis unseres teuren Kaisers zum Geschenke mache. Ich möchte dazu den Tag mahlen, der für unsere Nation der gesegnetste ist m unserer ganzen Geschichte, an dem vor neunzig Jahren Deutschland der Mann geschenkt worden, von welchem wir mit dem Worte der Bibel sagen köunen: „lind er nahm weg die Schmach von seinem Volke." Möge das große Vorbild auforpfernder Vaterlandsliebe und Pflichttreue das Kaiser Wilhelm durch sein ganzes Leben gegeben, uns immer lebendig vor Augen stehen und thatkräftig in uns wirken ! Geloben wir an diesem Tage unserem Kaiser, daß wir die Arbeit seines Lebens heilig halten, daß wir wachen wollen, damit nicht Selbstsucht, Zwietracht und Bosheit wieder zu Grunde richten, wofür er bis in fein @reifenalter gerungen und gekämpft. Möge das neue Geschlecht des Vaterlandes treuer Hüter sein. Dann wird das Deutsche Reich blühen und gedeihen und seine Zukunft auf festem Grunde stehen! °
— Der Pariser „Figaro" bringt seit den Reichstaqs- wahlen ausführliche Berichte aus Elsaß-Lothringen, die manches Lehrreiche bieten. So erfahren wir, daß die eingezogenen deutschen Reservisten schon nach zwölf Tagen wieder entlassen wurden, weil sich herausstellte, daß das neue Repetlergewehr unbrauchbar sei, und daß die Straßburger Festungswerke umgebaut werden, weil bei ihrer Anlage Grundfehler begangen worden waren. Noch lehrreicher für uns, als diese Mitteilungen sind die Erklärungen, welche ein elsässischer Reichstagsabgeordneter in Mülhausen dem Reisenden des „Figaro" gemacht yat. Mit diesen ist es angezeigt, sich etwas näher zu beschäftigen. Auf die
HE», nur vorwärts, Bajonett unb Äoiben aroetten gleichmäßig, die B dtenung einer Batterie wird nieberge, fragen, — es ist gelungen. Noch flattert bie zerfetzte Fahne auf der französischen St Hang.-- 4
Der Sieg war errungen! Aber wie groß die Opfer! Zu seine» Soldaten kam ber König Wilhelm herangesprengt, eine tiefe Nahrung zitterte über dem Gestcht des schlachten- gewohnten F-ldh rrn, der Sieg war sehr teuer erkauft Der Monarch kam zur Spitze des Regimentes, die zerschoss rie Sahne trug ein Unteroffizier in der linken Hand. Der Maior, welcher an Stille des verwundeten Kommandeurs das Regiment fühtte, erstattete feine Meldung. Des Königs Blick fiel auf den Unteroffizier. Der Major berichtete- „Der Fahn »träger war e> schossen. Wir wurden eine kurze Strecke zurückgedrän st. Untereffixier Schmidt sprang vor, ergriff bte Fahne unb sammelte dadurch bte nächsten Man», schäften von N uem zum Sturm!" Der König ritt bicht an ben Fahrt ntrdger heran und wollte ihm zum Dank bie Hand reichen: „Brav gemacht, mein Sohn!" Da bemerkte er aber auch, baß die rechte Hand unbeweglich herabhing, fle war z-rfckoffen. „Nun, ben Hänbedrnck Deine» Königs bekommst Du noch, mein Sohn. Vorläufig nimm bie»"- er übergab bem Manne das ihm von einem Adjutanten ubereidjte Eiserne Kreuz., „Unb nun schnell zur Verband, stelle!" Unteroffizier Schmidt kann nicht danken, der König war bereit» unter lautem Hochrufen weitergeritten!
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Seit dem blutigen Tage von Gravelotte sind mehr al» zwölf Jahre verstriche». Kaiser Wilgelm ist von seinem alljährlichen Besuch von Gastein nach Deutschland zurück- gekegrt und verweilt auf feinem Lieblingsswlosse Babelsberg, hoch oben an dem wunderbaren Haoelufer, die den kaiserlich, n Burgsitz umrautet. Der Kais.r lebt dort al» einfacher Privatmann der Erholung nnv Muß-, und ist kein Freund von Störung während deS Aufenthaltes in bi.f'm feinem Tuskulum. Da» Schloß und der Park ist vou Posten umgeb n, die Unb rufenen den Eintritt verwehren.
Ein etwa» gebückt gehender Mann, mit grauem Haar.
Wir ersuchen, die Post-Bestellungen für das mit dem 1. April beginnende zweite Quartal der
Oberhesflschen Zeitung
mit ihre« Beiblätter«
baldigst erneuern zu wollen.
Für Kirchhain nimmt unsere Agentur, Herr Buchbinder Rindt, Bestellungen entgegen und beträgt der Abonnementspreis daselbst frei ins Haus geliefert Mk. 2.60.
Bestellungen für hiesige Stadl nehmen unsere Zeitungsträger sowie die Expedition entgegen.
Deutsches «eich.
Berti«, 18. März. Der Kaiser empfing gestern nachmittags 4 Uhr den Afrikareisenden br. Junker. Heute nachmittags 1 Uhr empfängt der Kaiser 4 japanesische Offiziere in Begleitung des Gesandschafts-Atlachöö Grafen Anenokosie. — Der Kaiser empfing heute vormittags den Hauplmaim v. Hülfen und den Premierlieutnant von Hans- stengel, welche sich abends nach Petersburg begeben, um dem russischen Kaiser eine Anzahl Mannschaften des Kaiser- Alexanver-Garde-Grenadier-Regiments in der neuen Gepäcks- Ausrüstung vorzustellen, nahm darauf den Vortrag des Oberstkämmerers Grafen Stolberg und des Polizeipräsidenten Freiherrn v. Richthofen entgegen, empfing mehrere japanesische Offiziere und machte eine Spazierfahrt. Nachmittags 4 Uhr hat der Staatssekretär Graf Herbert Bismarck Vortrag. — In der am 17. ds. Mts. unter dem Vorsitz des L>taats-Ministers, Staatssekretärs des Innern, von Boetticher, abgehaltenen Plenarsitzung beschloß der Buncesrat, den auf der Initiative des Reichstages beruhenden, von demselben angenommenen Gesetzentwürfeu betreffend Abänderungen und Ergänzungen des Gerichts- »erfaffungsgesetzes, sowie der Strafprozeßordnung, und, betreffend die Eitischädigung für unschuldig erlittene Strafen, die Zustimmung zu versagen. Bei dem Beschluß über den letzteren Gesetzentwurf wurde zugleich dem Vertrauen Ausdruck gegeben, daß in den Bundesstaaten überall in ausreichender Weife für - die Beschaffung der Geldmittel Sorge getragen werde, welche erforderlich sind, um den bei der Handhabung der Strafrechtspflege nachweisbar unschuldig Verurteilten eine billige Entschädigung zu gewähren. Dem Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gerichts- kostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und dem Gesetzentwurf, betreffend die Rechtsverhältnisse der Kaiserlichen Beamten, wurde die Zustimmung erteilt lieber bie Wiedervorlegung des Entwurfs eines Gesetzes wegen Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen soll