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Marburg, Freitag, 18. März 1887.
XXII. Jahrgang
GchiWk Ikitm
Anzeigen nimmt entgegw die Expedition b Blatte», sowie d.Ännoncen-Bureanx von Haosenstein unr Vogler in Fiankfurt a. SW., 6ofi<, Magdeburg und W,en; Rudolf Messe in Franifurt a.» Berlin München und ' Köln; G- L. Daube und
Eo. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover u. Pari»
„ 'k. ua —1 ~,ef “ t“i‘ biDqcuo — oun.1 uue. 1-81- ^n|“: .Freilich, ick bin ein Deutscher und das mit i her Faser meines Seins, und wenn ich rn-rk n würde hhifeünSnfn p0l"tf4cn N^barn sich politischer Umtriebe .. 'Stille mein Herr,' höhnte sie, und setzte dann schnell hinzu: »Sre geben >s also selbst zu, daß —' W
gebe nichts zu als daß ich Pat-iot bin, und meinem Vaterlande auf das Treueste ergeben. S löst di fern zu k'ff« h ni; ru Spionendiensten herbei,
lassen. Ich habe das Gut g kauft, weil es mir g.fi l, ob. gleich mir von allen Seiten davon abgeraten wurde, mich neben den Jaoiouskls anzakanfen. w
. w^cr bi" nie ein Feigling gewesen uud — an eleu. den M nchelrnord dachle ich nicht —•
»Meuchelmord l' Die junge Polin fuhr in die Höhe, bmen Sie das Woit zurück, Herr von Waldkirchen! Grasin J idwiga Bzonska n ollie nur Rächerin eines niederen Beirats an ihrem Volke sein! -- ”
t*-81“9» Ailg standen sie sich gegenüber — der hohe schöne, kraftvolle junge Mann, den echten Typus des manenrums r.p-aftntierend, und sie, das r.izend graziöse Weib mit den blitzenden dunklen Au en — der schönste Sproß eines schönen leidenschaftlichen Volkes — dessen be, daueinswerte Charakteischwäche und Zügellosigkeit aber e8 für ewig heimatlos machte.
Allmählich erweichte sich der Ausdruck ihrer klassischen Zuge und plötzlich dos Gesicht wtt beiden Hrnden bedeckend wandte sie sich von ihm ab und ließ sich auf eine Moosreiten "affen.' bk 60r fahren selbst hier hatte be.
Er sah einen Moment kopfschüttelnd zu der schlanke» 5”«"!«®'“6lnie“ mi teug“ M ba‘" d.» R"
. . dlls er ibn entladen, wollte er die Stätte verlaffen — ^”nn. "ber doch wieder eines anderen uud ging noch einmal zu Jadwiga zurück. “ w
»®rflfin, es ist selbstverständlich, daß ich von Ihne«
die unveränderte Annahme der Militärvorlage im Reichs- tage, wenn auch nicht beseitigt, so doch ihres unmittelbar bedrohlichen Charakters entkleidet worden ist, rührt nicht «un wenigsten von dem Uebergewicht her welches die demo- kratische und radikale Richtung in Frankreich über die gemäßigten und staatserhaltenden Elemente gewonnen hatte. Diese radikale Richtung, welche ihre Hauptstütze in den ungezügelten Volksleidenschaften findet, nährt daher in erster Linie den Revanchegedanken, sie vor allem hebt Herrn Boulanger als den Träger dieses Gedankens auf den Schild und ebnet, indem sie die organische Gliederung des Staates zu Gunsten einer radikalen Gleichmacherei mehr und mehr durchbricht, der Militärdiktatur die Wege - Sehen wir so die radikale bürgerliche Demokratie im Westen an der Arbeit, Verhältnisse herbeizuführen, bei denen ein dauernder Friedenszu stand nicht zu erhoffen ist so werfen die neuesten Schreckensnachrichten aus Petersburg •in Sülles Schlaglicht auf die friedensstörende Thätigkeit der Nihilisten. Der Kaiser von Rußland, dessen Leben durch das glücklicherweise rechtzeitig entdeckte Bombenattentat bedroht war, bildet an sich das Hauptgegenwicht gegen die auf den Krieg um die Weltherrschaft orängenven pansla- vistischen Bestrebungen; sein Tod würde die letzteren in «ner für den Frieden Europas unheilvollen Weise entfesseln. Allem auch die andere Gefahr birgt das verbrecherische Gebühren der Nihilisten, daß der Zar, verzweifelnd an der Ueberwindung der in dem Nihilismus liegenden Gefahr auf friedlichem Wege, derselben durch Ablenkung nach Außen zu begegnen sucht indem er sich selbst nunmehr an die Spitze jener in Ruß-
w^teren Kreisen populären Kriegsbestrebungen stellt. Von welcher «Leite man daher das Wiederauftauchen des Nihilismus betrachtet, muß man in demselben eine schwere Gefahr für den europäischen Frieden erkennen. Wie die deutsche Demokratie, die bürgerliche, soziale und klerikale in den letzten Monaten wiederholt, — erst, indem sie Deutschland gegen Rußland zu Hetzen suchte, ' sodann indem ste durch den Widerstand gegen die Militärvorlage die Kriegslust Frankreichs anfachte, — unfern Frieden gefährdete, ist in frischer Erinnerung. So sehen wir wohin wir blicken, die Demokratie in allen ihren Schat- trrungen, von dem deutschen Freisinn bis zu dem russischen Nihilismus, bewußt und unbewußt auf die Untergrabung «s europäischen Friedens hinarbeiten, während unser Kaiser, beraten von den ersten Staatsmännern Deutsch- lands und Europas, umgekehrt der Hort des Friedens ist.
v.tlang n ufeiOt, mu 0i> Namen öeirnigen zu neunen i« ff, Äe.611 '• -'■W«
Wie von einer Natter gestochen, zuckte sie empor.
»Für eine Verräterin halten Sie mich auch!' rief fie empöit. »W.r sagt übrigens, daß — daß ich nickt allein eigenem Impulse folgte-? H-rr von Wstldkirchenck haßte sie als den F ind meiner Wunsche, meiner e,,Ä7n eTrnttS""
»Weil Sie es so woll-n? N in! — Aber scklevven S'e/.ickdch vor die Ge.tchteIhres Landes - ich wekde nicht bestreiten, daß ich die Absicht hatte, Sie zu tö en U°d wenn man mich zu langer Kerk rhaft öeru”teilt fo
ÜU<$ 'ine Mänyrerin für die eile Sache mein, s Vock s zu w l den, wie Io viele der Jav oiiskl'ichen oerin91'41”6 *" Stcbern aU unstervlich besungen .Aimes, irregeleitetes Weib!' flüsterte er uud blickt, fast mitleidig in ihr G> fickt. Daun legte er seine Hand “uf Schulter und sagte ernst: »G afin, ich will Ihn?« «laubeu daß sie die b abstchttgte Thal selbst — allein nur erdacht. Aber warnen sie die Genoss u, ich werde von nun an sehr auf meiner Hut fein und ein aufmerksames äuge für meine Nachbarschaft hch.nl' 8
Er war g-gorg n, mit fickeren sesteu Schritten suchte er sich sine» Wg durch das Gehölz, nicht ahnend, j» welchen Gefühlen Jadwiga zuliickolieb.--
, k,Un?,uLcber, rauf(6te bie Sdt dahin. Waldkirchen war jetzt wirklich ein aiumerksawer B-obachter geworden aber tr b-me.kte auch nicht das « ringfte, was auf irgend welche Gefahr heut te. Jadwiaa hatte er in der Z mfqen-eit oft 9 f,t>^ Die beihrn N ichbarn begrüßien sich kalt und KKinlf“ Qbem ®or aufgefallen, wie ein schmerzlicher Zug fich in das schöne Gesicht gegraben — hofe Jidniga müde, übernachtet aussah — die Augen rot umrandet, als weine sie viel. 8 rot
(Fortsetzung folgt.) j
»erlitt, 16. März. Der Kaiser nahm heute vormittags militärische Meldungen nnd den Vortrag des Geh. Kablnettsrates von Wilmowski entgegen und empfing da- rauf mehrere Generale. - Der Kronprinz von Oesterreich rst heule nachmittags drei Uhr am Anhalter Bahnhof ein» getroffen. Von dem Prinzen Wilhelm, den zum Ehrendienste befohlenen Personen und dem Gouverneur der Stadt auf dem Perron empfangen, im Kaisersalon von dem rlb b-r Kronprinzessin begrüßt, begab Kron-
Ludolf sich mit letzteren im Wagen nach dem kaiserlichen Palais, wo er das kaiserliche Paar begrüßte, und stieg darauf im königlichen Schlosse ab. Um 5 Uhr findet Tiner bei dem kaiserlichen Paare statt, woran außer dem Kronprinzen Rudolf der Prinz Wilhelm und die badischen Herrschaften teilnehmen. Um 4 Uhr erschien der Reichskanzler bei dem Kaiser zum Vortrag. — Der „Reichs- anzelger publiziert die von der internationalen Berner Konferenz zwischen Deutschland, Frankreich, Italien, Oester- relch-Ungarn und der Schweiz vereinbarten einheitlichen Vorschriften über zollsichere Einrichtung der Eisenbahnwagen rm internationalen Verkehr, welche am 1. April in Kraft treten. — Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Ministerpräsidenten Fürsten v. Bismarck, hat gestern nach- mittag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums ^.^Efunüen. — In der Presse taucht hin und wieder die Behauptung auf, daß eine durchgreifende Verbesserunq der zur Ausführung der Unfallversicherung geschaffenen Einrichtungen em allgemein anerkanntes Bebürfniß sei. fyim Setl werden hieran allerhand Wünsche und Vorschläge qe-
. b*e von geringer Gesetzes- und Sachkenntniß zeugen, was bei der Eigenartigkeit der Materie allerdings nicht zu verwundern ist. Demgegenüber verdient hervorgehoben zu werden, daß eine allgemeine Reformbedürftigkeit der bisher erlassenen Unfallversicherungsgesetze in gut unterrichteten £”lf 1"' xT xem ^nehmen nach — namentlich von den Vorsitzenden der Schiedsgerichte, sowie auch vom Reichs- Verftchelungsamt selbst in den wesentlichen Punkten durchaus nicht anerkannt wird. Soweit für die praktische Durchführung der Unfallversicherung in den gedachten Gesetzen ein -Spielraum offen gelassen worden war, ist mit den betreffenden Aussührungsmagnahmen durch die Gesetze !mblbu<.genannte «ebörbe betraut, welcher wesentlich im Hinblick hierauf vier vom Bundesrat aus seiner Mitte gewählte Mitglieder und Vertreter der Berufsgenossen- fchasten bezw. der Versicherten angehören. Das Reichs- Verftcherungsamt ist in dieser ihm angewiesenen Stellung in der Lage gewesen, m feinen grundsätzlichen Maßnahmen
AÄMSflw Kam ..Ca ___n- - . NdigiiNg mit den Vor-
standen der Berufsgenossenschaften, sowie mit sonstigen Beteiligten vorzugehen. Es erscheint als ein Vorzug fü! b t J1” ne“to Neblet betretenden Unfallversicheru»gs- gesetze, daß es möglich war, in dieser Weise der Gestaltuna der thatsachlichen Verhältnisse und Bedürfnisse zu feiger? Was insbesondere die Verminderung der Kosten anbetnfft so wird diesem Begehren durch ein Gesetz nicht Rechnung getragen werden können, so lange an der Organisation von Berufsgenossenschaften (im Gegensatz zu örtlichen Verbanden) und an der Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften festgehalten wird. In beiden Beziehungen wurde am wenigsten den Berufsgenossenschaften selbst eine Umgestaltung erwünscht sein. Daß aber im Laufe der Zett die Berufsgenossenschaften die Verwaltung nicht eurer gestalten werden als nötig ist. dürfte kaum zu be- zwei ein Jem, denn sie wirtschaften lediglich aus ihrer eigenen Tasche. Unter diesen Umständen liegt zur Seit
9 ■”U"'°-°°chch--H.
— Soeben ist das erste Verzeichnis der bei dem Reichstage emgegangenen Petitionen zur Verteilung gelangt. Wir heben aus denselben einige von allgemeinerem Interesse ?nc"°nr; SerQ^or^anb bel vereinigten Bauhandwerker- ^"ung des Lowenberger Kreises zu Greiffenderg bittet, die Gewerbe der Maurer- und Zimmermeister unter die- jenigen zu stellen, zu deren Betrieb der Nachweis der persönlichen Befähigung erforderlich ist. Der Deutsch» Kellnerbund zu Leipzig und der Vorsitzende der Landes- Verwaltung Deulschlano des Vereins der Hotelangestelltcn Hermann Poppe zu Dresden, und Genossen (5195 Unter- schrlften) bitten, dahin zu wirken, daß die im Gasthausund Schankgewerbe beschäftigten Personen, soweit sie eine
Arrest absolviert haben, als Gewerbegebülfen betrachtet roetben Verschiedene Petitionen betreffen die gewünschte Abänderung der §§ 20 und 26 des Gesetzes betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter Sabl- reiche Petitionen ferner bitten um Ablehnung des Antrages auf Befreiung der Theologen vom Mililärdienst, wenigstens soweit es sich um evangelische Theologen handelt. Andere Petitionen (mit 11777 Unterschriften) bitten um Abänderung der §§ 44 und 56 der Gewerbeordnung (sie betreffen die Befugnisse des stehenden Gewerbebetriebes de- zlehungswelse desjenigen im Umherziehen.) Auch' die Petitionen um Aufhebung des Impfzwanges kehren wieder. Eine Reche von Petitionen betrifft den Schutz der Natur- welnproduktloil. Endlich sind zu den Gesetzentwürfen, betr. den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte, sowie
Grast« Jadwiga.
Novelette von Marie Widdern.
(Fortsetzung.)
Aber konnte fie es — ?
»Der Polin soll die Liebe zum Vaterland über Alle» gehen!' klang es erneuert tn ihrer S eie un» nnwtllkürlick «F kl-iue zaite Hand fest um den G-iff der zi^r. lichen Waffe, die sie tn den Fall-n ihres Gewandes barg. mu '^vd^iga — bedarf eS so langer Z-it des Nachoenk-n» ? fönbtgen ??-bnen ° f^”cr' ~ mit mtto G-schick zu Oer.
Er faßte »ach der bebenden A chte der jungen Witwe, ber SieDoloer em fiel derselben nnd sank auf den moosigen Walododen.
»Jadwiga — Gräfin!'
fltrütf61—ar0“ tr<U ei^ro<Iin ~ befremdet einen Schritt
Wurde ihm mit einem Male alles klar — wußte er baß das schöne Weib, welches er so glenzenlos liebte, ihm nnr eine Falle gestellt? — Daß fie ihn hierher gelockt,
Der Gedanke durch schauerte ihn, nicht well er dem Tode so »"he gestanden, aber er faßte es nicht, wie ein Weio — Wefe8 zarte, schöne W-ib dazu, in seinem Hirn berattiae Beschlüsse tragen könne!
D" aber hatte sich Jadwiga stolz vor ihm aufgerichtet — fie errötete nicht — sie zitterte auch nicht mehr, wie eine Königin stand fie wieder vor ihm. Und mit der Hand auf »te zu Boden gefall-ne Waffe deutend, sagte fie:
»Ihretwegen nahm ich fie mit mir, Heinrich von Wald- kirch>n, und — vielleicht wanden Sie fick saon j-tzt in 3brtm Blute, wenn —• Ihr kleiner Fuß stampfte un jnntig den Boden. »Senn — wenn ich nicht auch ein schwaches Weib wäre.'
_ »^er was that ich Ihnen, Jadwiga?' fragte et nnd jetzt blitzte es zornig in seinen Augen ans. —
»Sie find ein D mscher!' klang es Über ihre Livpen, ä™. ■“ v-daß Sie höheren Orts als Spion tn unsere Dritte gesetzt worden!'
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal» NdonnernentS-Preis bei der Expedition 2‘/t -litt.. bei den Postämter 2 Mk. 50 Sfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Rellarnen für die Zelle 25 Pfg.