Nr. 63
Marburg, Mittwoch, 16. März 1887.
XXII. Jahrgang.
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Zwiespalt zwischen der Negierung und dem Windthorstschen Zentrum schärften. Der gewichtigste derselben liege in der Haltung des Zentrums in der Polenfrage, ferner in dem ablehnenden Verhalten eines großen Teiles des Zentrums gegenüber der Kolonialpolitik. Zn eine falsche Stellung sei das Zentrum durch den ausschließlichen Einfluß Wind- yorft gebracht, der auch ohne jedes Parteibedürfnis das
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2Bte eine Königin schritt sie durch die unwohdlichen G-- macher, und die Dienerschaft war glücklich, wenn fte nur ben weißbrs tzten Saum des langschl«pp,nden schwanen Trauerkleidts der heimgekehrten jungen Herrin küssen könnt" unÄ den Besitzern der Nachbargüt^ pflegt Ja^ S . «gen Verkehr. Außer den o fijllllen
Visiten hatte man aber auch geheime ZusammenkünO» i» denen leidenschaftliche Reden gehalten und das lange kon- fi-zierte Nationallied .Noch ist Polen nicht verloren!" mü SSorltebe gesungen wurde. Die Augen der Männer fu kalten d° °i von patriotischer Begeisteiung und auch der trauen
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-’s» sÄäMsg'Äs schienen Abgesandte der Polizeibehörde, um auf der Besitzung Javronskts Haussuchung zu hal en Ma» fand i°d°ch nichts, was der Polin gefährlich S fi “
^eser stunde haßte Jadwiga die Deutschen noch glühender. Wie aber wußte sie es da berühren, als sie erfuhr, ihr nächster Nachbar habe sein Gut ve, kauft und der neue Besitz r sei ein H>rr von Walokirchen.
M f. rtt.toas ersten Male, daß deurfches Element in di se Gegend kam und nicht Jaiwiga allein trug dem An- fämmlhiig Haß und Verachtung entaegen.
»Man hot ihn uns als Aufpasser g stellt« raunte sie den Freunden zu. Und die hctßblütigst n der Männer fr’nTr bfn lidenteueilichsten Ideen, wie sie sich der unliebsamen Nachbarschaft entledigen könnten. * W bet
m2ro.J?°, *!bcr San, unumwunden:
»Es ist keine Sünde, des FcindeS L den iu nehm»« mSn2tötett?”b *“ 2le6e fönnte mtt eigener Hand diese»
, Unb st- dachte, »le sie sprach. Sie liebte ihr Vaterlaud
sNachdruck verboten!
Gräfin Jadwiga.
Novelltle von Marte Widdern.
Jadwiga, mein armes, armes Kind,« Knf nh ^°ümlra von Javronski, und strich
liebkosend mit der Hand über den dunklen Scheitel des El"' ^"vi-"^^'.^itrauernden Weibes, welches über die Schwelle des polnischen Edelsitzes getreten.
. ®ann aber schauten die Augen der Greisin betroffen in das vornehme Gesicht der Enkelin. Der Blick, mit dem die junge Dame die fast armselige Einrichtung des Zimmers sibeiflog und dann an der defekt, n Kleidung der Matrone Jamönkis.'^' Cb Idfe $£öte in das Antlitz Frau von
, Jtr mißfällt es hier, nachdem Du in Paris im Hanse D-ines nur allzufruh dahingeschiedenen Gatten von Glanz und Ueberfluß umgeben wurdest,' sagt- sie trauernd. .Aber die Javronskis sind arm geworden im Laufe der ^abre "ein Liebling! Auf Deinem Varererbe gehört Dir kaum »och die Diele, auf der Du stehst, Sind!« H
Jadwiga nickte.
-Mich schreckt die Armut nicht!« sagte sie, aber —
Ein tiefer Seufzer hob ihre Brust. Dann aber warf ste ihre Arme um de» Hals der Großmutter und mit der »anzen Leidenschaftlichkeit ihres Volkes sti ß sie hervor- .„f'S6 ®ei6. i°- wofür die Javronskts ihr Vermögn'g-- 5?,! Großmutter, und auch iu mein.» Adern stießt Polendlutl Und wenn ich Millionen b säße, ich opferte sie auch noch dem Wohle meines Bateilandesl« ,h ?i lo,' sagte die alte Dame und aus ihren Augen EnkeUn belebte* — b" Begeisterung, das den Blick der
Gräfin Jadwiga BrczonSki hatte fich ttotz Schmutz und JX-SiL- trk°6 rl? «»uzenlosea V rfall, der auf der «auzeu Besitzung herrschte, doch bald wieder etugelebt tu die
gehenden Parteibestrebunqen für anqereiat bält «ürh k* den Glückwünschen für Italiens Kö^g diesmal ganz L sonders aufrichtig anschließen. — Die Budaetkommission des Reichstags erledigte heute, Montag, in Meistündiaer Sitzung den ganzen Marine-Etat im Ordinarium und Extraordlnarmm , nur eine einzige Aenderung wurde an- "T l<^ «n rber Forderung für einen Marine-
D"vlp^r wurde em Abstrich beschlossen. — Nächsten Mitt- »L?itb nnfkn a”"1 w
Zähren wieder im Foher des Reichstaas ein hnrfn- licber^Mt^l Wcine gesellige Bereinigung ^sämt- licher Mitglieder des Hauses, stattfinden.
Asiens ^^inand v. Lesseps hat Berlin am Sonntag Abend Meder verlassen, da ihn dringende Geschäfte nack Wrtfß YintT *r l m wurde derselbe
"ocb- wn -ihren Kaiserlichen Majestäten im Palais empfangen und bei dieser Gelegenheit in huldvollster Weise durch eine längere Unterhaltung ausgezeichnet. Zuerst ' wurde der berühmte Gelehrte bei der Kaiserin einaefübrt dann folgte die Audienz bei dem Kaiser. Allerhöchstderselbe geruhte in eingehendster Weise sich von Herrn v LessevS über den Stand des Panamakanal-Unternehmens infÖrmimn stch über
£S!fAiU®^P«tiOf" ^in9e- Demselben zersetzenden nihilistischen Einflüsse sei das vaterlandslose, verletzende Auftreten des Zentrums in der Polenfrage vor etwa 1/.Zähren zuzuschreiben > diesen Momenten liege der Hauptgrund für den Zwist mit dem Zentrum, nur der versöhnlichen Haltung des jetzigen Papstes sei es zu danken fein"(££ $7* "^.schörfer zum Austrage gekommen ausgleichende, auf Frieden und Versöhnung gerichtete Haltung des Papstes wegfallen, so würde bnrftto?n9ernh!e b6r mit bem Zentrum der Wind, horst,chen Observanz wieder zum vollen Ausbruche
— Bekanntlich hat Herr Staatssekretär im Rerchsamt des Urnern, Staatsminister von Bötticher, die Vorlegung des Gesetzentwurfs über die Alters- und In! validenversicherung der Arbeiter für die nächste Session
W tn ^osicht gestellt. Diese Mitteilung be- S1' ba^ bte verbündeten Regierungen eine fruchtbare Mitwirkung des neu zusammengesetzten Reichstages auch toeLh^h“ f ®HbtClCn kot6, bcm bes Heerwesens erwarten. Gerade dieser Umstand aber berührt auf der entaeaen- ÄtehipTit%°r.jn?r unangenehm. Wenigstens läßlich allem dieser Schluß aus den tn der oppositionellen Presse lCerrrn hte«-efyroeifdn?ber Ausführbarkeit der von SnHM .-^ebmen Zusage ziehen. Denn diese
Zweifel entbehren, soweit der Stand der Vorarbeiten in Frage kommt, ,eder Begründung. Die Vorbereitungen sind vielmehr soweit zum Abschluß gebracht, daß bereits die allgemeinen Grundzuge des Gesetzentwurfs in Bearbeitung begriffen find: Wer mit dem Gange legislatorischer Arbeiten einigermaßen vertraut ist, wird aus diesen Wt» ie*np"r"lR"s«"SMuß ziehen müssen, daß die Vorlegung ^r Ge etzentwurfe tn der nächst, n Session danach nicht nur möglich, sondern, wenn nicht besondere Zwischenfälle hlabe ctntrctcn' geradezu gesichert sind. — Aus Anlaß
-kbeS von Italien schreibt die ^Norddeutsche tn ihrer Rundschau: Das Geburtsfest des Monarchen bildet dies Jahr zugleich den Abschluß einer par amentansch bewegten Zeit, welche durch das wochen- lange Hinschlcppen der füngsten italienischen Ministerkrise ^ukterlslert wurde. König Humbert war es beschieden, b*” ^tnrunden des Parteigeistes eine patriotische Lehre dadurch zu erteilen, daß er das von der Kammer aus
3m Demission gedrängte Gesamtministerium aus Kniglicher Machtvollkommenheit unverändert, weil sein Vertrauen gemeßend, an dieselbe Kammer zurückleitete, ein
bt® ltL der dortseitigen Parlamentsgeschichte nicht da- gewesener Fall. Wer bei uns und bei den uns näher stehenden Monarchien, also auch gerade bei Italien die immer festere Handhabung der monarchischen Gewalt geqen- uber oft kurzsichtigen Volksvertretungen und meist irre-
Tage gingen und käme». Baron v. SBalbFirAen
®a8 Aähe den Polen bedeute und so suchte er erst SS .Ä in irgend welchen Verk hr mit ihnen zu tteten Mit Jadwiga aber, bereit Schönheit ihn entiünhef. S’ *“ b -f« l-m-, Lm üsaL»
f^oner Mann und ein Mann von den feinsten Manieren der es verdient haben würde, polnischer Abkunft zu 2
Aber sondei bar — trotzdem sprach fte von biefem Tun»
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Ibe plötzlich vor dem Gebrülle eines Ochs u in der Ferne — noch ein paar wilde ungeduldiae Hnrnnm },Un? mit läaem Ruck hatt- das feurige Roß sich !^"^.A^l-rin entLbtqt. Die schöne Polin lag leblos blutend an einem Baumstamm, während das Thier aeiaat von den unartikulirten Tönen, die allmälia in d!'r W verhallte», dem h-mischen Stalle zurannte. ®
.f !?" m Wege begegnete es Herrn von Waldkirchen der hna ?hncnb' die Richtung nahm, aus der das Prerd gekommen. Ehe noch ein anderes Anae " fl£febf"' ^tte er Jadwiga^gefunden!
ri.. ishrocken^ stand er vor der zusammeng- sunkenen Ge- stalt seiner F-indin. Nur einen Moment, dann eilte er lebod), um in seinem Hut vom nächsten Qu ll Wasser in bolen, mtt dem er Stirn und Schläfen der Ohnmächtigen Wt* (Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 14. März. Der Kaiser nahm heute vormittags den Vortrag des Geh. Kabinettrats v. Wilmowski entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. __
®w hem Kaiser bei dem Aufziehen der Wache dargebrach- ten Huldigungen, die sich tagtäglich vor dem Palais wiederholen, erreichen des Sonntags stets ihren Höhepunkt. So war auch gestern wieder der große Platz um das Denk- . j£nerbnd) b^ Großen herum von einer dicht gedrängten Menschenmenge umlagert, als von fern her Pfeifen und Trommelschlag ertönte und das Herannahen der Wache ®!e bas 2. Garderegiment zu Fuß stellte, ankündigte. Als die Musikkapelle, beim Niederländischen Palais anqelangt den Hohenfnedberger Marsch anstimmte, brach die Menge m laute Jubelrufe aus. Der Kaiser erteilte gerade zu dieser Zeit Herrn v. Lesseps eine Audienz. Als die Töten- ftktlon unter dem Vortragszimmer defilierte, trat der Monarch an das Fenster desselben, von weithinbrausenden Jubettufen begrüßt. Die anwesenden Offiziere salutierten Die Damen wehten mit den Tüchern und die begeisterte Menge schwenkte die Hüte hoch in die Lu-t. Ter hohe Herr lud durch eine Handbewegung den Grafen v. Lesseps zu sich ans Fenster, dankte lächelnden Antlitzes nach allen Selten und zog sich dann zurück. Die Menge setzte jedoch ihre Huldigungen fort und stimmte die Nationalhymme «t, deren erste Strophe von allen Anwesenden mitgesungen "urbe- _ Als der letzte Vers eben ausgeklungen, erschien b« Kaiser noch einmal, und zwar wiederum mit seinem Besuch am Fenster; während er sich nochmals gegen das Publikum verneigte, jubelten die Lebehochrufe noch stürmi- schcr und begeisterter ihm zu. — Die Teilnahme an der diesfahrigeu Prüfung in der Fortbildungsschule an der Relchenberger Straße ließ der Kronprinz absagen, weil er babe,1, $“tte sprechen müssen, was wegen des leichten Kehlkopfkatarrhs, woran er leidet, seiner Gesundheit nicht zuträglich gewesen sein würde. An Ausgängen und Ausfahrten wird der Kronprinz durch den Katarrh nicht gehindert. Die „Norddeutsche Allgemeine Leitung" re» pr°buzrert die Antwort des „Osservatore Romano« auf die Angriffe der Zentrumspresse wegen seines Artikels worin das Zentrum wegen seiner Haltung in der Sep- tennatsfrage getadelt wurde, und bemerkt, das päpstliche Blatt verschweige die hauptsächlichsten Gründe, welche d7n I
bie Organisation und ^Fortgang ^7«, über £ ?rnn7nn7r?a tnI’'e' und die in betracht kommenden technischen Fragen unterrichten zu lassen. Se. Majestät bekundete ^"rdem durch viele auf Einzelheiten der projektierten Kmialanlage bezug nehmende Fragen, die er an Graf Leffevs richtete, das große Interesse, welches er der künftigen inter- d'nschen Verkehrsstraße widmete, betonte am ZSuß wie er diesem großartigen Werke, wie allen Arbeiten des Friedens, glücklichstes Gedeihen wünsche, und wie er hoffe werde ^Alsv" lau8en friedlichen Lebens falten
ß,Jb^. Alsdann entließ der Monarch den verdienstvollen VLh,7' bm roit* «* für fein
...Der Justizausschuß des Bundesrats hat die Novelle Ne^^^chtskostengesetz und zur Gebührenordnung der Rechtsanwälte wesentlich abgeändert und zwar entsprechend den Eingaben der Anwallskammern. Das Gesetz wird in b" So™, d-, d.r unzw-iLft »
» !"** ben einilimmigen Widerstand der Anwälte stoßen. Die vom Justizausschuß beschlossenen Aenderungen sind folgende. Nach § 9 der Gebührenord 2000 mtßeilbieie(S3?-ehtHar1-Cn Übet 10000 Mk um je Sf V / ^buhrensatze tn den Klaffen bis 50000 k"i;UmJe 4 btö 100000 Mk. um je 3 Mk und darüber hinaus um je 3 Mk. Die Vorlage wollte dne Ermäßigung der Gebührensätze in der Weise eintreten Haffen, daß in den Klassen bis 20000 Mk. die Sätze um