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Nr. 62

Marburg, Dienstag, 15. März 1887.

ixn. Jahrgang

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. l>. Kreise Marburg n. Kirchhain

___ Expedition Markt 21. Redaktton, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch.

hätte, und als ob namentlich auch der Deutsche Kaiser von der Neigung beseelt wäre, den Frieden zu brechen, um zu seinen vielen Lorbeerkränzen noch neuen SiegeS- schmuck zu häufen. Nur böswillige Entstellung konnte dergleichen Gerüchte ausstreuen. Da aber die Verleum-. bung bekanntlich schnelle und weite Verbreitung findet, so war es für gewisse deutschfeindliche Preßorgane des Aus­landes bereits zum Dogma geworden, daß der Friedens-, bruch von deutscher Seite in naher Ausficht stehe. Dem­gegenüber ist es erfreulich, in demOsservatore Romano", dem anerkannten Organe der römischen Kurie, einen Ar­tikel zu finden, welcher die UeberschriftFrieden" trägt und in einer durchaus sachkundigen Weise auf die eigen­tümliche Erscheinung hinweist, daß der Papst Leo bei seinen an die Zentrumspartei gerichteten Septennatserlassen und Kaiser Wilhelm in seiner letzten Thronrede fast gleich­zeitig Kundgebungen des Friedens gemacht haben. Der Artikel hält dieses Zusammentreffen nicht für Zufall, viel­mehr für ein providentielles Schauspiel. Der Papst llitet nach demOffervatore Romano" seine FriedenSaufgab« aus der Mission des Papsttums und der eigenen, auf die Vermittelung und Versöhnung gerichteten Neigung deS gegenwärtigen Trägers der Tiara her. Andererseits hat Kaiser Wilhelm, wie der Arttkel ausführt, wohl erwogen, daß durch den Frieden allein die Früchte deS Krieges ge­sichert werden, und es wird als der ausdrückliche Wille des Kaisers bezeichnet, daß sein außerordentliches und von seinem Volke in so hoher Verehrung stehendes Greisenaltcr nicht durch kriegerische Ereignisse getrübt und die Wo^- fahrt seines Volkes dadurch gestört werde. Wenn der 2lrtifel weiter darauf hinweist, von welchem Ansehen das Wirken dieser beiden hohen Persönlichkeiten in der ganzen Welt ist, so drängt sich unwillkürlich bezüglich des Papstes ein Zweifel auf, ob dieses Ansehen in Deutschland und m unserer nächsten Umgebung überall die gleiche Stärke wie ru der übrigen zivilisierten Welt hat; wohl hat daS erfrerlllche Bestreben des Papstes, den Frieden nach Innen und Außen sichern, einen Ausdruck des Dankes in der kaiserlichen Thronrede hervorgerufen, nicht dagegen ist dieses päpstliche Bemühen von Demjenigen unterstützt worden, welche am ersten berufen schienen, dem päpstlichen Wunsche auf Erhaltung des Friedens zu gehorsamen. Indem das Zentrum im Reichstage unter der bekannten welfischen Führung ttotz dieser päpstlichen Einwirkung gegen das Septennat agitierte und stimmte, hat e» dem Kriege in die Hande gearbeitet und der Welt das Schauspiel ge- gebm, daß, während der Papst den Frieden will, da» Zentrum den Krieg fördert.

Seit 2 Jahren ist in Preußen die Gerichtskosten-Ein­nahme, die seit 1879 von anderen öffentlichen Kaffen wahrge­nommen war, wieder auf die Gerichte übergegangen und bei- zedem Amtsgerichte eine Gerichtskaffe errichtet. Bei den Amtsgerichten am Sitze des Landgerichts stnd Rendanten angestellt, welche chr Amt als Hauptamt versehen und

Die Geister der Ki«fter«iS.

Roman an» dem Amerilanischrn von A. Batzard.

(Schluß.)

Letzterer wurde Ltly borgest, llt und nach einem kurzen, allgru eiven Geplauder emfüvrtr Lancelot seine Brant nach dem anstoßenden Bibliothekztmmer.

Ich bin selbstsüchtig, Liebste,* sprach er, sich zättlich über Lily beugend und ihre» Mund mit Küsse» bedeckend, aber von Dir fern, ist mir Alles nur wie ein Traum und ft muß ich mich fiageu, ob denn auch wirklich Alles Wahr­heit ist und ich Dich in der That wiedergefuvd.n habe. Lily, soll diese Qual noch lauge währe»? Sprich eS aus, das erlösende Wort! Wann soll ich daS Glück ewpfavge». Dich vor aller Welt mein Weib nennen zu dürfe»?'

Verwirrt barg das schöne Mädchen ihr Antlitz an seiner Brust.

Wenn die Rosen wieder blühe»!* antwortete fie. ,®» weißt, wie sehr ich den Frühling liebe mtt seinem warme», AlleS belebenden Sonnenschei» uud feinen fuß duftenden Blume». Laß mich den glücklichsten Tag. meines Lebens in dem souuigstea Monat deS JahreS feiern in dem telbigen Mail'

Er wollte Widerspruch erheben, als die Thür sich öffnete i«b rin G-räufch hinter ihnen Lancelot stch zurückwroden ließ, worauf er Mr. Lawrence herankommeu sah,

Setze Dich »eben «ich, Papa,' sprach Lily.Ich bin frei), daß Du kommst. Lancelot schilt mich!*

Uud weßhalb, mein Liebling?*

Wegen ihrer Sransamkeül* antwortete Lancelot rasch an ihrer Statt.Lily ist fetz emschloffen, Unsere Heirat Hl zum Monat Mat hinauSzuschieben.'

,BtS zum Monat Mai nnrl* wiederholte der Bankier.

oerltech Deme Töchter ja utchl; Du wirst nur reicher nm zwei Söhne!*

Ei» überaus prächttgeS Heim wartete LilyS unfern vom .

-Vaterhaus e.

Monatelang war Lancelot bestrebt gewesen, daS Hanl zu einem würdigen Empfang seiner Braut he^urichte».

Mit all.« nur erdenklichen Luxus ausgestattet, harrte eS jetzt am den Sonnenschein ihrer Gegenwart, um zu eine« irdischen Ede» gestaltet zu werden.

Ada und ihr Gatte sollte» im väterlichen Hanse wohne». Düse Bedingung hatte der Bankier bei der We buua Philipp St. Johns gestellt, eine Bedingung, in welche die die glückliche «raut und ihr jugendlicher »erlobter freudigen Herzens einwilligten.

West öffneten sich die Pforten der DreieinigkeitS-Kirche vor de» beiden glückstrahlende» Bräute».

Noch nie hatte Newtzoik weder eine so großartige Hoch­zeit, »och lieblichere Bräute als die di.feS TageS gesehen.

Das Innere der Kirche war überfüllt von Freunde» der Familie und selbst draußen drängten stch die aenaterig-» Zuschauer. Selten hatte eine HockzeitSfeterltchkeit tu Newyork wodl eia größere» Jutereffe wachgerufe», als die der schöne» Lily Lawrence, deren ttagische Schicksale wett und breü be­kannt geworden waren.

-Schön wie ein Traum!« flüsterten Alle, während die erste Braut über da» blumenbepreMe Pflaster auf die Kinbenstnfe» zuschritt.

Und die Schwester ist nicht minder liebreizend!* ging £ entzückt von Mund zu Maud, al, die Merave «da der älteren Schwester folgte.

.EotteS Segen Wer Beide!« flüsterte die alte Mrs

Erscheint täglich außer an Wnttagennach sonn-und Feiertagen. Quartal» AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 */4 Mk.. bei d«l Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

im Dezember vorigen Jahres, kurz vor Weihnachten, be­troffen worden sind, ergibt sich aus einer Mitteilung des Centralblatts der Bauverwaltung". Danach sind laut den statistischen Aufzeichnungen des Reichseisenbahnamts auf den deutschen Bahnen mit Ausschluß der bayerischen infolge jener Schneeverwehungen nicht weniger als

16 Züge ganz und 711 Züge streckenweise ausgefallen, wahrend außerdem noch 2315 Anschlüsse versäumt wurden Mißstände, wie sie seit dem Bestehen der deutschen Bahnen in auch nur annähernd ähnlichem Maße noch nicht vorgekommen sind. Die Landstriche, welche (außerhalb Bayerns) hierbei vorzugsweise betroffen wurden, werden ungefähr bezeichnet durch die Städte Straßburg i E Karlsruhe, Frankfurt a. M., Erfurt, Nordhausen, Berlin und Erfurt, Leipzig, Dresden, Breslau mit den an­grenzenden und zwischenliegenden Gebieten. Auf der Weimar-Geraer Eisenbahn mußte der Verkehr für die Zeit vom 21. bis 24. Dezember ganz ein­gestellt werden, während auf der Linie Gera-Jena nur einzelne Sonderzüge abgelasstn worden sind.

Die französischen Blätter wissen von dem außerordentlich sympathischen Empfang zu berichten, der dem Herrn von Lesseps hier zu teil geworden ist. So läßt sich der GauloiS" von gestern melden:Herr v. Lesseps ist heute von der Kaiserin sehr gut ausgenommen worden und er bankte Ihrer Majestät für die schmeichelhaften Aufmerksam­keiten, die sie ihm während des Hofkonzerts am Tage vorher jn teil werden ließ. Er dankte ihr namentlich für die Farbe des Kleides, das sie getragen; es ist nämlich sehr bemerkt und eifrig besprochen worden, daß sie einnil- blaues" Kleid trug. Herr v. Lesseps wird auch eine Zu­sammenkunft mit dem Fürsten Bismarck haben. Die feierliche Sitzung der Ethnographischen Gesellschaft wird nne neue Gelegenheit für die Berliner fein, demgroßen Franzosen" ihre wohlwollenden Gesinnungen auszudrücken. Die Zeitungen wie die gesamte Bevölkerung geben Herrn v. Lesseps thatsächliche Beweise ihrer Hochachtung. Die Ueberreichung der Insignien als Großosfizier der Ehren­legion an Herrn Herbette geschah in kleinem Kreise ohne besondere Feierlichkeit. Herr v. Lesseps, der Berlin feit achtzehn Jahren nicht gesehen hat, verhehlt die Ueberraschung nicht, die ihm die Vergrößerung und Verschönerung der Reichshauptstadt bereitet hat." Nach demFigaro" waren in der Sitzung der Ethnographischen Gesellschaft alle Professoren der Universität gegenwärtig, die Herrn v. Lesseps eine lebhafte Ovation bereiteten. Das Telegramm bei. -Figaro" bemerkt noch:Die Friedensnachrichten be­festigen sich; jedermann erklärt Herrn v. Lesseps, daß Deutschland den Frieden wünsche und mit Frankreich in guten Beziehungen leben wolle."

- Di- «Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In der fran­zösischen und russischen Presse ist man vielfach in den letzten Wochen der Ansicht begegnet, als ob Deutschland an den Erfolgen des Jahres 1870-71 noch nicht genug

«üv Dich zufrieden, l^ncdot Es wild mir hart genug fallen, fie so bald schon vergeben zu müssen, selbst Dir!*

Und a!S der schöne Rosenmonat seinen Einzug hielt, da wußte Mr. Lawrence stch doch von feinen beiden Töch­tern trennen.

Philipp St. John hatte stch das Jawort der lieblichen «da geholt nnb Lilys Hochzeitstag sollte auch der ihre zu­gleich fei».

Zum zweiten Male staub Lily in ihrem alten, traulichen Zimmer, in AtlaS nnb Sp tz-m gekleidet, über dem lang helabwallenden Brautschleier den blühenden My ttnkrauz

Diesmal nrtrb D l keine Feindin Dein Gluck miß. gönnen,' sprach Ada, als fie bas Perlenkollier um ben schneeigen Ha S d r Schwester l- gte.

Laß n»S btt Vergangenheit vergessen und der Sünderin vergeben!' antwortete Lily mit ntilbem Ernst.

Tief bewegt schloß Aba die Schwester, welche so viel gelitten hatte nm der Liebe willen, an ihre Brust. So stauben noch Beibe, all die Poittere geteilt ward nnb Fanny Sheltou, welchen Namen biefelbe bereits seit beut letzten St. BalenttnStag trug, in das Zimmer eintrat. Bei« Anblick ber beibe» Schwester« glänzte» Thräueu in ihren Augen auf nnb ergriffen nahm fie Lilys Hand, welche stch ihr eutgegenstreckte, zwischen bie ihren.

»Wer mir auch vor eine« Jahr biefen Tag p ophezeit tlätte, ich würde ihm nicht geglaubt habe»,* iprach fie. Solches Glück sehen nnb empfiuben zn bürfen, wiegt alles, alles Leib ans!*

Mr. Lawrence kam nnb segnete nnb küßte seine geliebten Kinder; dabei lag eine unaussprechliche Traurigkeit ans seine« Amlitz, die er nicht bei berge» konnte.

»Papa,« flüsterte Ltly, »nter Thränen lächelnd,D»

Deutsches Reich.

Berlin, 12. März. Der Kaiser konferierte vormtt- tags mit General v. Albedyll, begab sich darauf mit der Kaiserin mittels Extrazuges nach Potsdam, um der Taufe des Sohnes des Prinzen Wilhelm beizuwohnen, von wo die Majestäten nachmittags um 3 Uhr hierher zurückkehren Morgon früh um 10 Uhr findet im kaiserlichen Palais für das kaiserliche Paar und die Mitglieder des königlichen Hauses ein Gottesdienst statt, wobei Oberhofprediger Kögel die Predigt hält. DerNeichsanzeiger" publiziert das Gesetz über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. S 1 desselben bestimmt, daß in Ausführung der Artikel 57, 59 und 60 der Reichsverfaffung die Friedenspräsenz­stärke des Heeres an Mannschaften für die Zeit vom 1 April 1887 bis zum 3:. März 1894 auf 468408 Mann festgestellt wird. Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in Anrechnung. Nach § 2 »erden vom 1. April 1887 ab die Infanterie in 534 Bataillone, die Kavallerie in 465 Escadrons, die Feld- Artillerie in 364 Batterien, die Fuß-Artillerie in 31, die Pioniere in 19 und der Train in 18 Bataillone formiert. Das gestrige Parlamentarische Tiner beim Reichs­kanzler hat zu einer politischen Unterhandlung, die man vielfach erwartete, nicht gesüyrt. Der Reichskanzler hat heute nachmittag Herrn von Lesseps einen längeren Besuch «bgeftdttet.; dasselbe that während des Vormittags der russische Botschafter Schuwalow. Herr von Lesseps wird morgen Berlin verlassen. Man glaubt jetzt, daß seine Anwesenheit hier auch zu Besprechungen über die Neutralität des Suezkanals im Hinblick auf die Möglichkeit politischer Aenderungen in Aegypten geführt hat. Herr von Francken- stein hat nicht nur eine Unterredung mit dem Reichskanzler nachgesucht, sondern es hat bereits vorgestern eine längere Konferenz beider Herren staltgefunden. Dem Herren- hayse sind zwei neue Gesetzentwürfe lugegangen: Eine Landgüterordnung für den Regierungsbezirk Cassel und mt Entwurf, betreffend das Bergwerkseigentum in den ehemals großherzoglich und landgräflich hessischen Gebiets, teile» der Provinz Hessen - Nassau. Zufolge der neuen Ausbildungs- und Prüfungsvorschriften für ben Staats­dienst im Baufach haben die Königlichen Regierungs- Baumeister die Verpflichtung, zur Uebernahme einer Be­schäftigung, die ihnen nicht vom Minister der öffentlichen Arbeiten überwiesen ist, bei dem letzteren einen Urlaub nachzusuchen. Auf die Befolgung dieser Vorschrift, welche bisher vielfach unbeachtet geblieben ist, macht der Arbeits- Minister durch besonderen Erlaß vom 9. dS. Mts. im In­teresse der Beteiligten mit dem Bemerken aufmerksam, daß die Unterlassung jenes Gesuches die Streichung in der Anwärterlifte und den Verlust des Titels und Ranges I eines Königlichen Regierungs-Baumeisters, sowie überhaupt der Staatsdienereigenschast derselben zur Folge hat. Wie umfangreich die Betriebsstörungen gewesen, von denen bie deutschen Bahnen durch die andauernden Schneestürme

Anzeigen nimmt entgeg« bie Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoglor in Fianlfurt a. M, Caffrl, Magdeburg und Wie«; Rudolf Mofse in Frankfurt a. Berlin München unb

Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. SDt, Berlin, Hannover u. Paris