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Marburg, Donnerstag, 10. März 1887.

XXII. Jahrgang..

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Deutsches Reich

Berti«, *8. März. Der Kaiser nahm heute vor- : mittags den Vortrag des PolizÄpräsidenten Freiherrn v- Richthofen -entgegen, empfing den General v. Pape und arbeitete darauf mit dem>Ehef des Militär-KaLinettes ' General v. Albedyll. Das Präsidium des Reichstages wurde Heute Mittag um 12 Uhr von dem Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin in Audienz empfangen. Dem Reichstage ist der zwischen.dem Reiche und Serbien am 3. Zuli v. ZrS. zu Berlin abgeschlossene Vertrag, be­treffend den gegenseitigen Schutz der gewerblichen Muster und Modelle, ^gegangen; ferner die Nachweisung der Einnahmen und Ausgaben der WaPkonsulate des Reiches nebst Belegen. Der Herr Minister des Innern hat mittelst Erlasses dom 12. Februar d. Jrs. gestattet, daß über die von den Behörden auf Grund der §§ 18 und 120 der Gewerbeordnung in Aussicht genommenen Be­stimmungen zur Herbeiführung thunlichster Sicherheit für Leben und Gesundheit der Arbeiter vor dem Erlasse der­selben die Vorstände der beteiligten Berufsgenossenschaften gehört werden, .wenn diese Bestimmungen in der Haupt­sache Anordnungen zur Verhütung von Krankheiten ent­halten. Bekanntlich hat hier im vorigen Monat unter Vorsitz des Ministers v. Goßler eine Konferenz von Ver­tretern ärztticher Vereine stattgefunden. Ueber das Er- gebniß derselbe» erfährt dieNordd. Allg. Ztg.", daß das Bedürfnis einer ärztlichen Standesvertretung von den Beteiligten auf das Dringenste betont und daß dem Vor- schlage zugestimmt worden ist, für jede Provinz aus freier Wahl der Aerzte Aerztekammern ins Leben zu rufen, denen ein Antheil an den Aufgaben der Staatsverwaltung auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege eingeräumt werden, außerdem aber die Aufgabe zufallen soll, die In- Kressen des ärztlichen Standes wahrzunehmen und zu fördern. Gebildet sollen die Ärztekammern in der Weise werden, daß auf je 50 wahlberechtigte Aerzte des Bezirks ein Mitglied gewählt wird. Sie sollen die Befugniß haben, innerhalb ihres vorbezeichneten Geschäftskreises Vorstellungen und Anträge an die Staatsbehörden zu richten, und diese letzteren sollen geeigneten Falls, insbesondere auf dem Ge­biete der öffentlichen Gesundheitspflege, den Aerztekammern Gelegenheit geben, sich über einschlägige Fragen gutachtlich zu äußern. Um die Thätigkeit der Aerztekammern auf dem Gebiete kber öffentlichen Gesundheitspflege mit der Staatsverwaltung zu verbinden, ist geplant, daß aus dem Vorstande _ber Aerztekammer, welcher die laufende Ver­waltung führt, je zwei Mitglieder als außerordentliche

Die Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Baya (Fortsetzung.)

Der Detekttv begegnete voll dem in fieberhafter Span- nung auf sich gerichteten Blick Mr. Lawrences.

Ihre Tochter Lily ist gefunden und zwar nicht als eine Tote, sondern lebend!«

Die Offenbarung, welche Mr. Lawrence mit den Worten des Detektiv ward, traf ihn wie ein Schlag von nnstcht- barer Hand.

Lily lebt!" schrie er auf.Lily lebt und diese Botschaft wird mir, während ihr Verlobter vor der entscheidenden Stunde steht, sich einer Anderen zu vermählen!"

Der Detektiv legte beschwichtigend die Hand auf Mr. Lawrences Arm.

Lassen Sie diese Heirat Ihre geringste Sorge sein, Mr. Lawrence, seien Sie versichert, sie wird nicht zu Stande kommen! Mr. Lawrence, sie glauben fest, daß Ihre Tochter einen Selbstmord beging?"

So lautete der Richterspruch!"

Und dennoch versuchte Miß Lawrence es nie, Hand au ihr Leben zu legen," versetzte der Detektiv bestimmt.Es Brustü stt ß!"- ^rembe $anb' welche den Dolch ihr in die

»Eine fremde Hand--

,3a, und zwar die Hand Mrs. VanceS!"

Schrecken und Entsetzen malten sich auf des Bankiers Zügen bei des Detektivs letzten, schwerwiegenden Woiteo.

,O, welch eine Schlange habe ich an meinem Busen ge­nährt," rang es sich heiser von seinen Lippen.

,3a, in Wahrhett eine Schlange," bestätigte Mr. Shelton,doch noch heute wird sie ihren Lohn finden. Nur wenige Stunden eingebildeter Sicherheit und ihr Schicksal wird fie erreichen."

Der Wagen begann in diesem Augenblick langsamer zn um daun plötzlich still zu halten. Eiligst stieg Mr. Shelton aus; ihm folgte der Bankier, der so erregt war, daß er sich kaum auftecht zu erhallen vermochte. Die vier Polizisten warteten bereits vor der 3rrenanstalt. Alle

stiegen die Llcml^ppe hinaus und der Detektiv zog energisch an der Klingel. Niemand kam, um zu öffnen. Auf des Detektivs Besehl sprengten die Polizisten die Thür und mit großem Getose betraten die Männer die Halle. Ein Mädchen hastete eben eilig die Treppe ins obere Stockwerk empor. Es war Mary Broun.

Mädchen," ries Mr. Shelton befehlend,zeige uns sofort den Weg zu Miß Lawrences Zimmer."

Miß Lawrence hat Gesellschaft, Herr, und ich darf Nie­manden einlaffen."

. ."Männer thut Eure Pflicht; laßt uns Miß Lawrence selbst suchen!" donnerte Mr. Shelton seinen Begleitern zu.

Ohne Verzug eilten dieselben die Treppe hinauf, ihnen nach Mary.

,Um des Himmels willen, meine Herren," keuchte sie atemlos,sprengen Sie die Thüren nicht, oder wir sind finnige""^' $n Zimmern befinden sich Wahn-

»Zeige uns zu Miß Lawreuce den Weg," fiel der De­tektiv in scharfem Ton ein,und wir werden keine Tbüre zertrümmern!" y

,0, mein Gott, ja," erklärte Mary, einer furchtbaren Alternative gegenüber, willengebrochen.Diesen Weg denn meine Herren!" '

mWorlos folgten ihr die Polizisten. 3etzt blieb das Mädchen stehen und deutete auf ein Thür. Mr. Shelton legte die Hand aus den Drücker. Sie war verschlossen doch das hinderte die Außenstehenden nicht, sich d.n Ein­gang zu erzwingen. Klar nnd scharf erscholl Mr. Sheltons Befehl und die Kolben der Polizisten donnerten gegen die Thurfullung. Mr. Lawrence klammerte sich halb ohnmächtig an des Detektivs Arm. Ein Krach und die Thür flog auf. Die Manner standen wie gebannt. Vor einem Geistlichen sahen sie Harold Colville und an seiner Seite, von Dr. Heath und Dr. Pralt mit G-walt aufrecht gehalten, bleich wie eine Braut des Todes, aber lebend Lily! Ein Ge­danke, der ihm nahezu den Verstand raubte, bemächtigte stch des unglücklichen Vaters: der Geistliche die Skelluna der vter Uebrigen was war geschehen? War eS vielleicht schon zu spät und war die Tochter, welche ihm eine wunder-

Mitglreder zu wrchttgeren Sitzungen des Provinzial- Medizinalkolleglums und in gleicher Weise je 1 Mitglied ru den Sitzungen der wiffentschasllichen Deputation für das Medizinalwesen zugezogen werden. Eine Disziplinar- 9e®®[t' ®te fie der Beschuß des Reichstages vom 2 Juni 1883 forderte, kann nach der Art des Vorgehens muht m Frage kommen, hat auch in den ärztlichen .Kreisen selbst mehrfachen Widerspruch gefunden. An- 'derersetts mußte Vorsorge getroffen werden, daß diejenigen Aerzte von der Wahlberechtigung und Wählbarkeit für die Aerztekammer, für deren Vorstand und deren Vertreter in den staatlichen Mebizinalbehörden ausgeschlossen werden, welche sich durch eine erhebliche unv wiederholte Verletzung ihrer Berufspflichten dieses Vorzugs unwürdig gezeigt haben.

^onfeJcni fi"d mehrfach Wünsche geäußert worden, daß die Aerztekammern weitere Aufgaben im Interesse des arzttllhen Standes, namentlich die Fürsorge für erwerbs­unfähig gewordene Aerzte, sowie für unbemittelte Hinter­bliebene von Aerzten übernehmen möchten. Wird in dieser Welse der Geschäftskreis der Aerztekammern durch freien Beschluß der beteiligten Aerzte weiter ausgebaut, so steht um so mehr zu hoffen, daß dieselben ihre Aufgabe der Forderung der ärztlichen Standesintereffen in wirksamer Werse erfüllen werden. Nach den nunmehr vorliegenden Wahlergebnissen haben unter den Oppositionsparteien die Deutschsrersinnigen", die Sozialdemokraten, die Welfen und die Volkspartei die größte Einbuße erlitten. Die Ultramontanen haben keine Stimme verloren; der Verlust der Polen ist ein geringer. Die Protestler erscheinen in Äter Starke im Reichstage. Die Dänen haben den einen Kandidaten, den sie bisher hatten, auch diesmal durch­gebracht. Dagegen ist die Zahl derDeutschsreisinnigen" von 67 jnif 32 zurückgegangen; die Welfen haben von 11 uur. 4 Ditze gerettet; von den ehemaligen 25 sozialdemo- kratlschen Vertretern sind bis jetzt erst 11 wiedergewählt, wnb bte Volkspartei ist vollständig verschwunden.

Stkatzbnrg, 8. März. DieLandeszeitung" ver­öffentlicht eine Verfügung des Staatssekretärs, betreffend Maßregeln gegen Vereine französischer Richtung. Gleich­zeitig ist die Auflösung der Centralverbäude der elsäßischen Gesangvereine und Turnvereine angeordnet worden. Das genannte Blatt meldet ferner die Auflösung des Gesang­vereins im Kreise Rapoltsweiler, weil derselbe bei der Wahl des Abgeordneter Simonis in deutschfeindlichem lhattg war, und die Suspension des Bürgermeisters Gllliot (Rheinau-.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal* Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/t Mk. bei den Postämter 2 Ml. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespalten« Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

bate ^uflung wiedergeschenkt, bereits tünch Pnesterwort unauflöslich an einen Elenden gekettet?

32. Kapitel. Eine unterbrochene Trauung.

Minutenlang stand MrS. Lawrence wie zu Stein er- BfÄbhann'-^ °ufr<fffend, stürzte er mit einem Ent­setzensschrei vorwä.tS, entriß seine Tochter den Armen ihrer Feinde und preßte die Halddewußtlose fest an seine Brust Einen Moment öffnete Lily die Augen, ein gebrochener Saut entrang sich ihr, während sie daS geliebte Antlitz ihres Vaters über sich gebeugt sah, um dann gleich einer Toten dem alten Manne schwer in die Arme zu sinken

Harold Colv-lle, Dr. Pratt, Dr. Heath, Sie sind meine ertönte in derselben Sekunde die Stimme

Die Polizisten traten auf diese Worte resolut hinzu- ein kurzes, von Seiten der Angeschuldigten vergebliches' c? xr* entstand; im nächsten Augenblick waren den Drei W'-°'Ä bDia w« m d

.^. Lawrence sah von diesem ganzen Vorgang nichts.

J^* °r0e 0a/ ^nztg und allein der ohnmächtigen Lily, welche er umsonst bei den zärtlichsten Namen tief.

Hierher, Mädchen!" gebot Mr. Shelton jetzt Mary Brown, die als eine erschreckte Zuschauerin der Szene da- staud.Komm und hilf die Dame aus ihrer Ohnmacht

Mary gehorchte ohne Zögern und bald schlug Lily lang- sam die Augen auf zu dem angstgefolterten Vater.

Dieser stand noch wie in einem Traume, als Mr. Sheltons Stimme neben ihm ertönte.

3ch muß meine Gefangenen unverzüglich in Sicherheit bringen," erklärte der Detektiv.Doch fürchten Sie nichts. 3ch werde schnell zurück sein, um Sie und 3hre Tochter in die Stadt zu begleiten, wenn wir, wie beabsichtigt, dieses Haus gründlich durchsucht haben werden. Wir hegen be­gründeten Verdacht, daß noch weitere P rsoneu, welche ae« fnnb wie Sie oder ich find, gleich Wahnsinnigen hier gefangen gehalten werden. Zwei Polizisten bleiben zur Bewachung hier." 3

(Fortsetzung folgt.)

Ausland.

?ürz. Die ungarische Delegation ist heute mittags geflossen worden, nachdem die vom Kaiser sank­tionierten Beschlüsse veröffentlicht worden waren.

mitten<n»"6kWie wenig Frankreich unter ge- wlssen Umstanden auf nationalen Stolz Wert zu legen K^nt, beweist ein Artikel des Gaulois, der die große Nation m einer selbst den Ausländer peinlich berührenden Werse dem Kaiser von Rußland, demWohlthäter seines Reiches und der ganzen Menschheit", zu Füßen legt. Es heißt barm: Damals trat Alexander II. dazwischen und rettete uuö. Und setzt ist die Reihe an Alexander III. mm Ck ^n-gstens und wir glauben es. Alexander III.

n.l7*' baß Frankreich vernichtet werde. Alexander III baß neben Rußland noch eine einzige Macht Deutschland, bestehen soll.....Eine Thatsa^ e ist unbe'

streitbar: daß sich heute auf den Ruf des Zaren Deutsch-

beruhigt hat. . Wir geben deshalb unserer ehr- furchtsvollen Lympathle Ausdruck für diesen großen blcfen braven Mann, der uns vor der Geißel gerettet hat. Wenn er uns beschützt, so thut

?ltt au8 politischen Gründen und zum Wohle Rußlands, denn wenn er an Frankreich denkt, sRfrfrfa Ödland denken, und wenn er sich ® Frankreichs gemacht hat, so machte ihn Gott zum Vater Rußlands. Das ist aber kein Grund um unsere Dankbarkeit und ihren lebhaften Ausdruck ab- zuschwachen. Die Beschützerrolle, die er uns gegenüber E??-S Verpflichtungen auf und macht uns, wahrend die Russen ferne natürlichen Kinder sind, zu seinen Adoptivkindern. Und deshalb sagen wir aus dem Grunde unseres Herzens Dank! Der Zar hat seine h2ntrMe $anÖ "ber »ns gehalten. In unseren Ge- K dieser Hand einen ehrfurchtsvollen

Kuß- Durch den Raum schicken dir dankbaren und ÄUnSe0?iensSrto-?enx^-n,.en mit H"z und Mund einen Kuß, tote die Muschlks, die ihren Herrscher begrüßen. W-nn man tn der Unterwürfigkeit schon einmal so weit Fußkuß^ersetzen. Uebet durch einen

81 März. Das Unterhaus nahm mit 234 mS ben Nachiragskredtt für Sir Drum-

rnond Wolffs Mission an. Im Laufe der Debatte erklärte Ferguffon, daß wertvolle Resultate von Wolffs Mission zu erwarten seien, er werde demnächst den Schriftwechsel vor legens welcher wichtige Informationen Wolffs über die in Aegypten herrschenden Uebel und die notwendigen Ab-

Anzeigrn nimmt entgegen > die Expedition d Mattes, sowie d.Annoncen-Buteanx v»n Haasenstein undVoglor in Fianlfurt a. M , Goffti- Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Daube und ___________________________ ... Eo. in Frankfurt a. SW., an Z . f, . ~ ~ ~ ----------------------------------------------Berlin, Hannover u. Paris

Wöchentliche Betlagm: Kreis-Matt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt

Ekprb-tion Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. «och.