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Nr. 57

Marburg, Mittwoch, 9. März 1887.

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Di- Geister der Ki«ster«is.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Ja, Du hast Recht/ sprach er aufatmend, als wollte er damit den schweren Druck, der auf ihm lag, von seiner Brust abwalzen.Gehen wir. Auf Wiedersehen morgen denn, schone Lily!"

Kein Zeichen verriet, daß sie seine Worte gehört hatte.

Thür hinter sich ab und sie vernahm den verhallenden Trüt der Fortgehenden. Minutenlang noch ftQ"b LE °ufhorchend, dann fiel sie auf die Knie nieder und flehte Gott in heißem Gebet au, sie aus den Schlingen dieser Elenden zu befreien. '

Wohl eine halbe Stunde waren die Beiden mit Doktor Heath in dessen Arbeitskabtnett eingeschlossen. Beim Weg. gehen ließ Harold Colville ein ahnsehnliches Päckchen Bank­noten in die Hand des gefälligen, kleinen Irrenarztes gleiten und empfahl flch dann mit seinem Freunde.

Morgen also!" sagte Colville laut, als sie die Stein, stufen htnabstiege».Morgen kommen wir wieder und mit Hilfe des würdigen Priesters, der uns traut, werde ich die schöne Lily als mein Weib aus diesem Hause führen."

Still, sprich nicht so laut!" raunte ihm Doktor Pratt zu.Die Wände könnten Ohren haben!"

In einiger Entferung hielt ihr Wagen. Sie sprangen hinein nud das Gefährt rollte davon, der Stadt zu.

Kaum daß die das Haus Dr. Heaths verlassenden Männer außer Sicht waren, schlüpfte eine dunkle Gestalt unter der Treppe hervor und reckte die steifen Glieder.

Morgen," wiederholte die Gestalt, die Niemand anders als Sheltoa war.Morgen! Ha, welch ein glücklicher Tag wird der morgende sein!"

Und nach seinem unweit verborgene« Pferde eilend, schwang er sich in den Sattel und sprengte der Stadt zu, als gelte es einen Ritt mit dem Stnrmwtnd nm die Wette.

31. Kapttel. Lily lebt.

. Der vierundzwauzigste Dezember, dieser Verhängnis, und bedeutungsvolle Tag, war herangekommen.

Fahren sie rasch und üveryolen Sie den anderen Waae» ***' fU

M dn ®»,n 6eW her m -3?, Sir. Ich habe einen zweiten Wagen mit vier Kf sra1 b°rausgeschickt, die insgeheim wieder einen an- b,e£n ST* ^folgen, in welchem sich Mr. Harold Col- Rlle, Doktor Pratt und ein Geistlicher befinden. Diese ^ei begeben sich nach einem einsam gelegenen Hause, wo. hin ste Ihre aus der Totengruft geraubte Tochter gebracht haben, und wir find im Begriff, der Schurken habhaft zu werden und sie zur Festnahme zu bringen." Und Triumph Stimme Mr* Shelton's Antlitz und tönte aus sein« ^,'D-m Htmmel sei Dank! So wird meine arme Lily endlich doch an geweihter Stätte die ewige Ruhe finden!" rief Mr. Lawrence aus, indem er des Detektivs Hand er, griff und sie voller Dankbarkeit drückte.O, wie soll ich Ihnen Ihre Geduld und Ausdauer vergelten, welche einzig Sie diese Spur entdecken ließ?" ®8

alkren Mannes bewegte den De, tekttv tief, mehr aber noch Das, was noch unausgesprochen cheileu'hatte'"^ " be unglücklichen Vater noch mitzu- Mr. Lawrence," hob er nach zwei, drei Minuten an und beugte sich vorüber,Mr. Lawrence, fühlen Sie flch stark genug, eine große Freudenbotschaft zu vernehmen?" Eine große Freudenbotschaft? Was meinen Sie damit, Mr. Shelton? Ach, was kann -8 nach dem Verlust meiner Lily noch geben, was irgend welchen Wert für mich hätte?"

g.r Lawrence," ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, was Sie doch wissen muffen!" '

Der Banquier erbleichte bestürzt.

Was ich wiffen muß?- rief er ans. ,£), reden Sie öw« immer es fei! Was ist es, was Sie mir zu sagen habe»? Meine Tochter meine Lily-- 8 9

(Fortsetzung folgt.)

Elchen Eindruck das Wahlergebnis des 21. Februar im Auslands gemacht, zeigt ein Schreiben, welches wir aus ®n Bereinigten Staaten von einem dort wohnenden Deutschen erhalten; darin heißt es: Mit wahrer Freude und der aufrichtigsten Genugthuung wird jeder Deutsche das Ergebnis der Wahlen begrüßen; das ist ein großer Sieg unseres Bismarck und der einzig richtigen Fntereffen unseres Volkes. Dieses Volk hat «ff bie@äX .Opposition sich nicht irre machen lassen und zu Kaiser und Reich gehalten. Seit langer Zeit kann der Deutsche im Auslande wieder einmal mit Stolz die Nachrichten auS seinem Vaterlande lesen. Daß gerade die Partei, die durch ihre undeutsch-unfreisinnige Haltung sich die Mißbilligung der Nation zuzog, in den Wahlen so gründlich abgeführt wurde, ist ein freudiges Ereignis und zugleich ein Beweis n . Erweckung des Volkes aus einem bösen Traum. Unb.3"^ nur Deutsche sind es, das beweisen die hiesigen englischen Blätter, z. B. derNew-York-Herald", die sich ^5 Lande des Siege« freuen und die Gerechtigkeit und Weisheit der Politik der deutschen Regierung aner- kennen; es verdient hervorgehoben zu werden, daß gerade das größte meist gelesene amerikanische Blatt offen Partei ^.d'smarck und die Ordnung nimmt. Die kirchen- politische Kommission des Herrenhauses hat ihre Bera­tungen noch nicht beendet. Die Anträge des Bischofs Dr.

ben * * * * 5 * * Ärmeln der Regierungsvorlage wurden °Unt, dagegen mit geringer Majorität die Anzeige- pfllcht bei Anstellung bei Psarrverwesern fallen gelassen. In der Montagssitzung soll über die von Dr. Kopp bean- bret Zusatzartikel beschlossen werden. Artikel 1 will ba« Gesetz über die Verwaltung erledigter katholischer Bis­tümer aucheben. Artikel 2 beantragt eine Reihe von Ab- ?"?Erungeu des Gesetzes über die Vermögensverwaltung katholischer Kirchengemcinden, Beseitigung der Gemeinde- Vertretung Uebertragung des Vorsitzes im Kirchenvorstande an den Pfarrer, Erweiterung der Rechte des Kirchenvor­standes u. s w. Der Artikel 3 beantragt eine Einschrän- kung der Rechte, welche das Gesetz über die Aufsichtsrechte des Staates bet Vermögensverwaltung in katholischen Diö. zesen der staatlichen Aufsichtsbehörde überträgt. Die Kom­mission hoffte heute (Montag) die erste Lesung zu been- dlgen. Rach einer Depesche des PariserTemps" soll die Regierung bezüglich eines Vorfalls auf dem Kölner Karneval, wo dem französischen Kriegsminister General Boulanger übel mitgespielt wurde, eine Untersuchung an- georbnet haben. Das ganze furchtbare Ereignis bestand darin, daß die guten Kölner eine Boulangerpuppe beim Karnevalzuge herumführten, welche zwei persische Soldaten

links unb rechts nach der alten Theorie des Hosenklovfens mria' kN* n«

Ausland.

Pest, 7. März. In der österreichischen Deleaation konstatirte Ministerpräsident Kalnoky zunächst die Ueber- einstimmung der Beschlüsse beider Delegationen und sprach dann im Auftrage des Kaisers den Dank Sr. Majestät für die bewiesene patriotische Einmütigkeit und Opfer- willlgkelt aus; hierauf dankte Kalnoky auch namens der Regierung für das derselben entgegengebrachte Vertrauen. Der Präsident hob in seinem Schlußworte die Bedeutung des Votums hervor als einer imposanten und einstimmigen Kundgebung zur Wahrung der Sicherheit des Staates- diese Kundgebung werde wesentlich dazu beitragen, das Ansehen des Reiches zu heben, und die Hoffnung auf Er­haltung des Friedens wesentlich stärken, wobei die Dele- gatlvn vor allem auf die Weisheit und väterliche Fürsorge des Kaisers baue Mit einem dreimaligen begeisterten H°^uf den Kaiser, wurde die Delegation geschlossen. 2,-daris, 7. Marz. DieAgence Havas" meldet: Zufolge einer Nachricht aus Glurgewo beträgt die Anrabl ber,tn Sofia Verhafteten 24, in Burgas sind 8 verhaftet auch in Philippopel sollen mehrere Verhaftungen und Ab- setzungen von Offizieren erfolgt fein; in Sofia ist die

M ^bu chrer verdächtigen Haltung entwaffnet worden. (Die Nachrichten derAgence Havas« haben sich immer als sehr unzuverlasiig erwiesen. D. R.)

Dem Vernehmen nach bleibt Hicks Beach Mitglied des Parlaments ohne Porttfeuille DEr rusiische Botschafter von Staat ist hierher zurückgekehrt.

Sofia, 7. Marz. Laut amtlicher Bekanntmachung der Regierung wurden gestern früh 9 Offiziere, darunter G*nOwUi?0 ln Rustschuk erschossen. Das amt­liche Blatt melvet, an den in Rustschuk zum Tode ver- ""Erlten 8 bulgarischen Offizieren sei das Todesurteil vollstreckt worden. Kapitän Bolman, der ebenfalls zum Tode verurteilt worden war, sei russischer Unterthan und deshalb dem, deutschen Generalkonsul überwiesen worden Das Blatt fugt hinzu, daß nach Vollstreckung des Urteils der deutsche General - Konsul der Regentschaft eine Note habe, worin es heißt, daß nach den ihm durch den russischen Generalkonsul Hitrowo zugegangenen Im formattonen 7 von den mit den Waffen in der Hand er- griffenen Offizieren, wovon bereits an zweien das Urteil m Rustschuk vollstreckt wäre, russische Unterthanen seien; dieselben seien auch so zu behandeln. Die Regentschaft

Deutsches Reich.

. P--lin, 7. März. Ter Kaiser hat gestern nach­mittag 3s/« Uhr das Präsidium des neuen Reichstages empfangcn. Nach von zuverlässiger Seite darüber zu­gehender Meldung bemerkte bei tiefer Gelegenheit der Kaiser, er habe sich nur schwer dazu entschlossen, den früheren Reichstag aufzulösen. Er sei jedoch zur Auflösung genö­tigt gewesen, nachdem, trotz der von ihm anbefohlenen aus­führlicher Darlegung hinsichtlich der militärischen Ueber- legenheit der Nachbarstaaten, die Opposition die Militär­vorlage in dem von ihm als notwendig erkannten Zeitum­fange nicht bewilligt hatte. Man hätte wohl zu hoffen Ursache gehabt, daß eine derartige Vorlage nach dem Bei- spiele Frankreichs einstimmig hätte angenommen werden sollen, allein diese Hoffnung sei getäuscht worden. Um so erfreulicher sei es ihm, dem Kaiser, jetzt der Erwartung Raum geben zu können, daß die Militärvorlage nunmehr mit großer Majorität angenommen werden würde. Sollte jedoch, wie er allerdings nicht besorge, diese Erwartung auch nicht in Erfüllung gehen, so müßten weitere Erwä­gungen Vorbehalten bleiben. Hinsichtlich der Beziehungen zu Sr. Heiligkeit dem Papste, äußerte Se. Majestät der Kaiser, schon bei der Thronbesteigung des jetzigen Papstes sei er von dessen friedliebender Gesinnung überzeugt ge­wesen; deshalb habe er auch im Karolinen-Streit den Papst als Schiedsrichter angerufen; er hoffe auch, die kirchen- poliltschen Fragen würden sich binnen kurzem in vollem Umfange m friedlicher Weise lösen. Nach Erwiderung des Prä,identen Wedel-Piesdorf, welcher die Hoffnungen Sr. Majestät bezüglich der demnächst zu erwartenten zustim- stimmenden Reichstagsbeschlusses betreffs der Militärvorlage bestätigte, entließ sr. Majestät das Präsidium des Reichs­tags in der huldvollsten Weise. Demnächst wurde auch von Jhrer.Majestät der Kaiserin das Präsidium des Reichs­tags m besonderer Audienz empfangen. Der von Paris hier eingetroffene Herr v. Lesseps ist auf Mittwoch zur Kaiserin eingeladen worden. Am Freitag findet eine Hoffestlichkeit statt, wozu er ebenfalls eingelaben ist. Beim französischen Botschafter ist Enbe dieser Woche Diner und Empfang zu Ehren von Lesseps. Auch h.fft man, baß von Lesseps ber Einlabung, einer Sitzung der Gesellschaft für Völker­kunde beizuwohnen, entsprechen wirb. Der Vizepräsibent des Staatsministeriums unb Minister des Innern, Herr von Puttkamer, leidet an einem stärkeren Unwohlsein. Wie diePost hört, liegt demselben ein Zahrgeschwür zn Grunde, welches Herrn von Puttkamer große Pein ver­ursachte und ausgeschnitten werden mußte. Jetzt ist das Befinden des Herrn v. Puttkamer aber in der Besserung.

Erscheint täglich außer an Werftagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 2/t Mk.. bei d«i Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Mr. Luwience saß allem tu d-m »eschu-ackooll n, reich ausgestatteten Arbeitskabinet seines Bankhauses und blickte Uaurig smnend in die Flammen des hell prasselnden Feuers! _^/?/.^?vkier sah bekümmert aus; hin und wieder ent- «uÄÄÄT f,"'e mb ta ÄÄÄ'bmn

.Und heute, wo alle Welt sich der Christbescheerung freute griff der Schmerz um die Verlorene mit i oppelter Macht an fei« Herz und ließ in ihm wach werden, was lange Ä^-^?ergangen war, im tiefsten Grunde seine Brust aufwühlend, was an Gram und Bitternis darin schlummerte

"in® eir*n Iie& ihn zusammenschrecken.

f f! m «esprochenesHerein" betrat ein Bureau-

^s Gemach um ihm eine Karte zu überreichen. ®*ne Blick auf dieselbe werfend, las der Bankier Mr SheUons Namen. Aber derselbe übte keinerlei Eindruck auf ihn. Er war gleichgiltig geworden gegen Alles.

fuhren Sie den Herrn nur herein, Mr. Styles," wandte er sich seinem Untergebenen zn.

Derselbe entfernte sich, und gleich darauf betrat Mr

S eiHgeb°S @em$* Seine Begrüßung war einekurze ^.-'Mr^Lawrence" sagte er,es steht eiuWagen vor der Thür. Wollen Sie mir die Ehre erweisen, mich einige Meilen weit zu begleiten?" 0

daben eine Entdeckung gemacht?" fragte ber Bankier, reflfhM?e8r sleichmäßig ruhigen Detektivs Aufge.

regthett gleichfalls aufgescheucht. u

vft2e' 5 ST"' fabelt ganz richtig erraten," nnAMa Tu* .®b^on' »doch einige Augenblicke Geduld «fahren!"* ffi°9en f,nb' bann f0en Sie schon Alles ^Der Bankier war schnell bereit. Beide Herren ber, be«a^en tn bem 601 d»Thür halten-

Anweisungen," richtete ber »eteftib an diesen chas Wort.Beachten Sie Alles genau!

Anzeigen nimmt entzöge» die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaax von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Gaffet, Biagdeburg und Wien; Rudolf Mo sie in Frankfurt o. M., Berlin München und

Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M.