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Rr. 52

Marburg, Donnerstag, 3. März 1887.

XXII. Jahrgang.

AttWschk ZkltiiW

Die Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Der Mond schien in voller Pracht und von seinem zar­ten Licht umflossen, erschien der Boden, wie mit Edel­steinen besäet.

Unzählige Schlitten befanden sich gleich dem Lancelot'S auf der prächtigen Landstraße nach Dabney's Hotel. Es war, wie der junge Mann vorausgesagt, eine entzückende Fahrt, und am Zielpunkt angelangt, brachten alle Drei dem köstlichen Abendessen, welches ihrer wartete, einen guten Appetit entgegen.

In Dabney's Hotel trafen sie mit mehreren ihrer Freunde zusammen und schnell verging auf diese Weise die Zeit bis zur Heimkehr. Sie brachen zuletzt von Allen auf.

Es war eia herrlicher Abend, Lance lot," sprach Ada, alS dieser sie wieder in die warme Büffeldecke einhüllte.

Es freut mich von Herzen, wenn ich Ihnen ein Ver­gnügen bereiten konnte I* antwortete ßancelot, erfaßte die Zügel und wie ein Pfeil schoß der Schlitten über die Schnee­decke dahin.

Wohl eine halbe Meile waren sie gefahren, als bei einer Biegung der Straße die feurigen, jungen Pferde plötzlich scheuten, sich aufbäumten und beinahe den Si litten samt Insassen umgeschleudert haben würden. MU kräftiger Haud versuchte ßancelot, die Tiere zum Stehen zu bringen, aber diese wurden immer wilder und stürmten in rasendem ßauf vorwärts, während die jungen Damen sich an dem jungen Manne ft hielten und laute Entsetzensrufe ausstießen.

ßancelot fühlte sich ohnmächtig, Etwas zu ihrer Rettung zu thun.

Obgleich er die Zügel krampfhaft festhielt, waren seine Äräfte nicht hinreichend, den Davonrasenden Einhalt zn ge­bieten.

Und plötzlich, mit einem jähen Ruck entledigten sie sich ihrer Fesseln und wie ein Spielball flog der Schlitten zur Seite. . . .

ßancelot war der erste, der sich aus de« Schnee aus- rafste und um sich blickte«. Ihm war eS, als ob ihm die

Wöchentliche Beilagen: KreissBlatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain

___________ ____________ _____________________________6j#eWtwn Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Soch.

Deutschland durch seine Siege Europa auferlegt habe. Freilich eine ebenso einfache, wie echt französische Schluß' folgerung; man fälscht ganz munter die Geschichte, um nicht daran erinnert zu werden, daß Frankreich anno 1870 den Frieden brach und den Krieg mutwillig heraufbeschwor, daß es für sein leichtfertiges Gebühren gebührend gezüchtigt wurde, aber nunmehr durch 16 Jahre sich bekanntlich weigert, den Status quo anzuerkennen und den Frieden zur That- sache zu machen, vielmehr durch seine ewigen und thörich- ten Revanchegelüste das deutsche Reich fortwährend in Äthern erhält.

Und nun spricht auchFigaro" selbstbewußt, groß­artig, ganz Viktor Hugo: Frankreich ist der Pol, um welchen sich gegenwärtig die ganze Politik Europas dreht; Europa richtet seine Blicke auf Frankreich und täglich werde Frankreichs Haltung in den Kammern, in der Presse und in den Regierungen erörtert.Es ist Castelar in Madrid, der Frankreich ermutigt und bewundert, es ist Katkow in Moskau, der ihm Zeichen seiner glühenden Vorliebe zuschickt, es ist die allgemeine öffentliche Meinung, welche wie ein Obergerichtshof Frankreichs Würde, Klug­heit, Selbstbeherrschung und, den Herausforderungen seines Feindes gegenüber, die Gerechtigkeit seiner Sache bezeugt. Die Echos von Wien, Petersburg, London, Romerschallen nur von seinem Namen."

Sollen wir noch der exorbitanten Aeußerung der Revanche" erwähnen, die vor einigen Tagen die Runde durch die europäische Preffe machte? Gewiß; heute ist dieses Blatt von Wichtigkeit, es zeigt uns, daß in der That im Handumdrehen die Franzosen bis zum Halse sich in Chauvinismus tauchen, sobald irgendwie, wie z. B. durch den Ausfall der Wahlen in Elsaß ihre Eitelkeit er­regt worden ist. Laut und vernehmlich schrie dieRe­vanche" am 21. Februar den Reichslanden zu:

Stimmt gegen Bismarck, gegen Moltke und gegen das Septennat, stimmt gegen Deutschland, stimmt für Frankreich! Setzt die dreifarbige Fahne an die Stelle des schwarzen Adlers, der über euch schwebt. Macht eure Wahlurne zum unzählbaren Konzert aller Stimmen, welche die Marseillaise singen. Elsaß - Lothringen, unser Herz gehört euch und unser Blut desgleichen. Es lebe der Protest! Protestiert gut, protestiert alle, protestiert ohne Furcht, taut, öffentlich, angesichts der Welt! Das ist der größte Dienst, den ihr uns leisten könnt!" So treibt man Demagogie in einem Lande deutschen Blutes, einem durch Vertrag Deutschland gehörenden Lande. Bisher nahm man die Revanche nicht für voll; nach den Wahlen in Elsaß-Lothringen befindet sich aber die größte Anzahl

Glieder zerschlagen seien, aber seinen eigenen Schmerz nntei- drückend, sah er sich bestürzt nach seinen Begleiterinnen um.

Ada, Mrs. Vance, sind Sie verletzt?" rief er ängstlich. ^..Mrs. Vance stand schon wieder auf den Füßen und schüttelte den Schnee von sich ab.

,3ch glaube, ich bin völlig wohlbehalten davougekommen, und Sie, ßancelot ?"

O, mir ist Nichts geschehen, aber Ada, wo ist sie? Ist sie verletzt? '

Ein schmerzhaftes Stöhnen war die Antwort auf diese Frage und hinzuspringend, gewahrte er das junge Mädchen im Schnee liegend. Sie machte keine Anstalten, sich zu er­heben.

ßancelot beugte sich Über sie und hob die schlanke Ge­stalt mit starkem Arm empor.

Können Sie stehen?" fragte er besorgten Tones.

Kraftlos klammerte sie sich an ihn.

Ach, nein nein! Ich glaube, ich habe mir den Fuß verstaucht und beim Fallen traf mein Kopf etwas Hartes, Spitzes. O, ich habe furchtbare Schmerzen!"

Und sie schluchzte laut aus. ßancelot blickte verzweifelt um sich.

Sein Auge traf die Wittwe, welche unbewegt danebeu stand.

Mrs. Vance, raten Sie, was sollen wir beginnen?" fragte er hilflos.

Nichts!" antwortete sie kalt, denn es machte sie nahezu wahnsinnig, sehen zn müssen, wie Ada's Kopf an seiner Schütter ruhte.Nichts können wir thun, als hier bleiben u»d warten bis ein Gefährt zu unserer Rettung vorüber- kommt. Wäre Ada unverletzt, so schlüge ich vor, den Weg

Fuß zurückzulegen, ober den Gasthof wieder aufzusuchen. Ada, mein Kind, so bezwingen Sie sich doch! Ich bin fest überzeugt, daß Sie ein wenig könnten, wenn Sie nur den Versuch machen wollten!"

Ada erbebte unter diesen herzlos kalten Worten und versuchte aufzntreteu.

»®8 ift nufelosi* sagte sie uud wankte mtt einem Schrei zurück.Meiu Fuß muß gebrocheu sein!" 7

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Oberhessische Zeitung

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_________Die Expev. d. Oberh. Zeit.

Frankreichs Haltnng.

Wie unsicher die Haltung der Franzosen ist, wie leicht der nicht ohne Mühe entfernte Chauvinismus wieder Ein­gang findet und die Rücksichten der Klugheit vergessen läßt, das zeigen die Folgen der Wahlen in den Reichslanden. Seit dem Bekanntwerden der Thatfache, daß die sämtlichen elsaß-lothringischen Vertreter im deutschen Reichsland der Prvtestpartei angehören, daß selbst der altelsässische Edel­mann Baron Zorn von Bulach die erforderliche Stimmen­zahl nicht auf sich zu vereinigen vermochte, ist es in den Pariser Blättern anders geworden, die Sprache derselben deutet daraufhin, daß sich die Herren alle Mühe geben, sich selbst und ihren Lesern die Köpfe zu verdrehen. Schon plaidiert dieLiberts" feierlich für die Neutralisierung der Reichslande, womit denn zwischen Frankreich und Deutsch­land der Zwist für alle Zeil begraben sein werde; da die Werts" sonst auch zu offiziösen Mitteilungen benutzt wird, so läßt sich dieser seltsame Vorschlag nicht als das Hirngespinnst eines müßigen Sensationsfabrikanten be­trachten. DerTemps", ebenfalls offiziösen Charakters, geht der Sache in anderer Weise zu Leibe. Er meint, es sähe übel in Europa aus, wenn der Faktor Frankreich als Element des Gleichgewichtes der zivilisierten Welt ver­schwände. Zwei große Streiter würden dann fortan um die Weltherrschaft ringen, derGermanismus" und der Slavismus." Frankreichs Schicksal sei ein Weltinteresse geworden und aus allen neuen Gefahren geht eine Ver­mehrung der Friedenschancen hervor Frankreich vindiziert sich also eine weltgeschichtliche Mission; wenn es auch nicht als die einzigegrande nation" an der Spitze der Zivili fation marschiert, so ist es doch einzig uno allein berufen, zwischen Deutschland als dem Vertreter desGermanismus" und Rußland als dem Vertreter desSlavismus4' die Vor­sehung für die übrige zivilisierte Welt zu spielen.Paris" bringt dagegen einen Leitartikel über die Kriegsbudgets der europäischen Staaten, erklärt die Abrüstungsidee als eine Utopie, da niemand anfangen wolle und giebt natür­lich Deutschland die Schuld an den hohen Militärlasten, die Jahr für Jahr in Europa verausgabt werden und die

der französischen Blätter auf dem chauvinistischen Niveau der Revanche, und das ist eine sehr bedenkliche Erscheinung.

Derrttches «eich.

Berlin, 1. März Der Kaiser empfing heute vor­mittags eine Reihe militärischer Meldungen, sowie die Vorttäge der Generale von Albedyll und Caprivi und machte nachmittags eine Ausfahrt. In einer am gestrigen Tage unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretärs des Innern von Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung er­klärte sich der Bundesrat mit der Wiedervorleguna der Gesetzentwürfe über die Feststellung des Reichshaushalts- Etats für 1887/88, über die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine re über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, über die unter Ausschluß der Oeffentlichkeil stattfindenden Ge­richtsverhandlungen, über den Servistarif und die Klassen­einteilung der Orte, und über die Fürsorge für die Wittwen und Warfen von Angehörigen hes Reichsheeres und der Marine, an den Reichstag einverstanden. Die vom Statistischen Amt ausgestellte Uebersicht der nach der Ver­fassung und den Gesetzen des Reichs festzustellenden Be­völkerungszahlen nach der Zählung vom 1. Dezember 1885 sowie ein Antrag auf strafrechtliches Einschreiten gegen die Presst wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen Die Erörterung über die bevorstehende Wahl des Präsi­diums im Reichstage haben diesmal ein politisches Inte­resse. Der Reichstag hat in den letzten beiden Legislatur­perioden ein sogenanntesGeschäftspräsidium" gewählt, das heißt man entnahm die drei Präsidenten den drei stärksten Fraktionen, ohne Rücksicht auf die politische Gmppirung dieser Fraktionen zu einander. So stellten da das Zentrum auf die erste Präsidentenstelle verzichtete' die Konservativen den ersten, das Zentrum den weiten' die Deutschfreistnnigen den dritten Präsidenten. Im neuen Reichstage wird es wahrscheinlich anders werden. Unter der Nachwirkung der Wahlkämpfe wird wohl die politische Constellation bei der Präsidentenwahl maßgebend fein. Die siegreiche Majorität scheint entschlossen, die Minorität vom Präsidium auszuschließen; sie wird wahrscheinlich dem Zentrum, obwohl dies nach wie vor die stärkste Fraktion bleibt, den Sitz im Präsidium streitig machen und ein aus Konservativen und Nationalliberalen bestehendes Präsidium wählen. Die Nationalliberalen hätten dabei, als die stärkere Partei, Anspruch auf die Stelle des ersten Präsi­denten; sie werden ihn aber nicht geltend machen. Die Idee, Herrn v. Bennigsen zum Präsidenten zu wählen ist von nattonaUiberalen Blättern zurückgewiesen wor-

Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als das ferne Schellen- geklingel eines Schlittens das Ohr der Drei erreichte

Gott sei gedankt!" rief ßancelot.Noch einen Auaeu. blick - und uns ist geholfen!" 0 *

Welches Glück!" stimmte Mrs. Vance ein.

Näher und näher kam das fremde Gefährt, bis plötzlich ein eleganter, kleiner Schlitten vor ihnen hielt und der eiuziae Insasse, ein hübscher, junger Mann, ausstieg.

»Was ist hier vorgefallen?" fragte er freundlich.

Philipp I" brach ßancelot in demselben Augenblick aus. Noch nie in meinem ßeben war ich so froh. Dich zu fefien als in dieser Stunde! Mrs. Baue-, Miß ßawrence dies ist mein Freund, Pvilipp St. John!"

Wie ich sehe, ist Ihnen ein Unglück zugestoßeu ?* fragte Mr. St. John, nachdem er sich kurz vor den Damen verneigt hatte

»3a, meine Pferde nahmen Reißaus, warfen den Schlitten um und schleuderten uns auf die ßandstraße. Mrs. Vance uud ich kamen mit dem bloßen Schrecken davon, aber Miß ßawrence hat sich eine Verletzung am Fuße zugezogen, welche sie zu gehen unfähig macht." 9 "

Vielleicht kann ich Ihnen helfen," sagte St. Joh» herzlich.Mein Schlitten ist zwar nur klein, aber eine der Samen fände neben mir Platz darin. Wenn Miß ßawrence sich mir auvertrauen will, soll sie unvei sehrt nach Hause gelangen. Und wenn Du, ßancelot, mit Mrs. Vance de» Spaziergang von einer halben Meile nach Dabneys Gasthof nicht scheuen wolltest, so würdet Ihr bort sicher Gelegenheit zur Heimfahrt finden."

Wie gefällt Ihnen meines Freundes Vorschlag, Ada?" fragte ßancelot.Wollen Sie sich Mr. St. Johns Schutz anveitrauen, daß er Sie nach Hause bringe?"

Ich nehme das Anerbieten dankbar an, aber ist eS nicht selbstsüchtig von mir, MrS. Vance und Sie zn Fuß nach dem Gasthof gehen zu taffen ?

, »Meine liebe Ada, sorgen Sie sich nicht um mich," sagte Mrs. Vance in ihrer liebenswürdigsten Weise.Ich bin so dankbar über die rechtzeitige Hilfe für Sie, daß ick mir aus dem nächüichen Spaziergang Nichts mache."

(Fortsetzung folgt)