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Rr. 51

Marburg, Mittwoch, 2. März 1887.

XXII. Jahrgang.

WerMihk jrituiig

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. Kreise Marburg u. Kirchhain.

___________________ ______ Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

ersorderlich sind neue Staatsanwaltsstellen bei den 13 Land­gerichten in Neu-Ruppin, Beuthen O.-S., Gleiwitz, Stade, Aachen, Elberfeld, Paderborn, Lyck, Tilsit, Elbing, Brom­berg, Osirowo und Lchneidemühl. Dagegen kommen acht ständige Hülföarbeiter bei Tit. 13, fünf nicht ständige Hulfsarbeiter bet Tit. 20 in Wegfall. Zur Verstärkung des Büreaubeamten-PersonalS sind erforderlich: 1. bei dem Landgericht I tu Berlin 4 etatsmäßige Gerichtsschreiber- Gehülfen und zwei diätarische Gerichtsschreiber - Ge- hülfen; 2 bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts daselbst 3 Sekretäre; 3. bei dem Amtsgericht I daselbst 4 Gerichtsschreiber, 2 etatsmäßige Gerichtsschreibergehülfen und 1 diätarischer Gerichtsschreibergehülse. Bei den Stellen der Gerichtsvollzieher find folgende Veränderungen vorge­nommen: 1. Die Gebühren für die Ausrichtung von Parteiausträgen sind von 4700000 Mk. auf 4400 000 Mark, also um 300 0(10 Mark ermäßigt. Verausgabt sind im Jahre 1884/85 4268886 Mark, im Jahre 1885/86 4294 266 Mk. 2. Ebenso ist die Entschädigung für diejenigen Amtshandlungen, welche von Amtswegen angeordnet werden oder den von Amtswegen angeordneten Amtshandlungen gleichgestellt sind, von 2450000 Mark auf 2100000 Mk., mithin um 350000 Mk. herabsetzt. Die Ausgabe betrug im Jahre 1884 85 1 672 350 Mk. im Jahre 1885/86 1904 881 Mk. Von den Oberlandes- gerichteu war dieselbe für 1886/87 aus 2006900 Mk. veranschlagt worden. 3. Dagegen sind zur Erfüllung des den Gerichtsvollziehern gewährleisteten Mindesteinkommens die bisherigen 100000 Mk. auf 210000 Mark, also um 110000 Mk. erhöht. Es sind gezahlt im Jahre 1884'85 200 218 Mk. im Jahre 1885/86 205183^ Mk. Für Lohnschreiber werden 108 600 Mk. entbehrlich. Der Fonds für nicht ständige Hülfsarbeiter ist um 268 800 M. verstärkt worden, dagegen der Fonds für Büreaubedürfnisie um 82000 Mk. und der zu Gefängnisverwaltungskosten um 226000 Mk. herabgesetzt worden. Der Fonds zur Remuneration der Gefängnisbeamten ist um 40000 Mk. erhöht worden, die aus den Mehreinnahmen aus dem Arbeitsverdienst gedeckt werden. Mehrbedürfnis ist bei den Büreaubedürfnissen (um 19 900 Mk.), den barm Auslagen 32000 Mk.°, Transportkosten (28000 Mk ), Post- und Telegraphengebühren (270000 Mk.) und ge­setzlichen Witwen- und Waisengeldern (113 300 Mk.). Erspart werden bei dem Fonds zu GesängnisverwaltungS- kosten 43400 Mk., den Wartegeldern 191000 Mk. und den Kalkulaturgebühren 35 000 Mark. Bischof Kopp ist M den Verhandlungen der Herrenhaus-Kommission über die kirchenpolitische Vorlage hier eingetroffen. Der chinesische Diplomat Marquis Tseng hält sich jeit gestern hier auf.

Ein hoch charakteristischer Zug, darüber laffen die Berichte aus allen Landestcilcn keinen Zweifel, der hinter uns liegenden Reichslagswahlen lag in der gegen alle früheren Wahlgänge enorm gesteigerten Wahlbeteili- nr.0 Nichts seltenes sind lokale Wahlbeteiligungen von 90 Prozent der eingeschriebenen Wähler; aus zahlreichen Orten wird berichtet, daß alle Wähler an der Urne er- schienen. Im Wahlresultat spiegelt sich dieser Wahleifer ab. Die Wähler haben eben begriffen, daß die Entschei­dung: Parlamentsheer oder kaiserliches Heer eine schick­salsschwere sei, und! vonj den Lässigen, die sonst glauben au; ihre eine Stimme komme es ja nicht an, erschienen Hunderttausende am Wahltische. Der gegenwärtige Partelstand berechnet sich wie folgt: Konservative 72 Man­date, Reichspartei 33, Nalionalliberale 88, Freisinnige 1*> Sozialdemokraten 6, Ultramontanen 92, Welfen 2 Polen 13, Volksparteiler 0, Dänen 1, Protestler 15. Es fehlen mithin den nationalen Parteien nur wenig Stimmen zu der absoluten Mehrheit, welche ihnen die Stichwahlen unzweifelhaft verschaffen dürften, da erfahrungsgemäß der bei dem Hauptwahsakte ausschlagend gewesene Geist auch bei dm Stichwahlen fortzuwirken pflegt. Allerdings gilt es, alle Kräfte anzuspannen, um in diesen Wahlen das Ergebnis des ersten Wahlganges zu vervollstängen und zu befestigen. Haben wir in Deutschland auch nicht das par­lamentarische System, -bei welchem, wenn die Mehrheit eine knappe ist, eine Regierung durch den Schnupfen eines Abgeordneten zu Falle kommen kann, so bleibt doch dringend zu wünschen, daß das Schicksal von Gesetzen und wich­tigen Beschlüssen des Reichstags nicht von den Zufällig­keiten abhängig sei, welche bei nur sehr geringem Ueber- wlegen der Majorität über die Minderheit stark einwirken können.

. MÜNche«, 28. Febr. Die Behauptung ultramon­taner Blatter, als ob der Papst den Führern des Zent­rums einen Vertrauensbeweis gegeben habe, ist eine freche Erfindung, für welche weder die als dritterPapsibrief" bezeichnete Depesche noch der vierte wirkliche Papstbrief irgendwelchen Anhalt gewähren. Die Zentrumsführer mögen doch das betreffende Schriftstück veröffentlichen. Wie man, hört, bezieht sich Der Papst betreffs seiner Er­klärung über die Sozialdemokratie auf seine bekannte Encyklica.

Gkfchrint täglich außer au Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal- AbonnementS-Preis bei der ltzpedition 2>/4 Mk., bei bai Postämter 2 Mk. SO Pfa. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr fit die gespaltene Zeile 10 Psg, Reklamen für die Zeile 25 Psg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, fewie d.Annoncen-Bureaux vun Haasenstei» undDogler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin München und

Köln; G- L. Taube und ko. in Frankfurt a. M. Berlin, Hannover u. Paris

Die Geister der Finsternis.

Roman auS dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

»Nun ja, die Anstalt ist für Leute welche geisteskrank find,- stimmte sie Lily bei.

.Geisteskrank!' wiederholte Lily dumpf. .Himmel, so halten Sie auch mich für irrsinnig?» fuhr sie auf.

,N in, nein, Miß, nicht im entferntesten!» beruhigte Mary sie.

.Und doch glauben Sie es,» beharrte Lily. .Ich lese eS in Ihrem Gesicht. Sie behandeln mich, wie man nur Dt« einem Stube oder einem Geisteskranken umgeht. Aber ich bin nicht irrsinnig, sondern vollkommen bei gesundem «erstände. Ich bin nur die Gefangene jener beiden Elen­den, welche mich zwingen woll-n, einen Mann zu heiraten, den ich Haffe und verabscheue!»

'.Armes Kind!» sprach die Wärterin, scheinbar dem Mädchen Glauben schenkend, innerlich jedoch deren Erzählung für Nichts als eine dem Wahnsinn entsprossene, fixe Idee haltend.

.Sie glauben mir nicht!» rief Lily leidenschaftlich aus. ,O, mein Gott, soll ich denn durch die Krone aller Krän­kungen schließlich doch noch zum Wahnsinn getrieben werden ?»

Mary, welche in der Thai fürchtete, daß Lily's mut­maßliche Tobsucht jetzt zum Ausbruch kommen könnte, be­freite sich fast mit Gewalt von ihren sie fest umschlingenden Annen und ließ die vor innerer Qual Stöhnende auf die Kiffen zurückstnkeu.

Theure Miß, Sie dürfen sich gar nicht aufregen. Sie find zu krank, um eine jegliche Exaltation zu ertragen. Ich muß Sie Derlafftu Dr. Heath bedarf meiner. Versuchen Sie iudesseu zu schlafen l»

Und ihre Pflegebefohlene sorgfältig in die warmen Decken hüllend, strich sie ihr noch das wirre Goldhaar mit liebevoller Hand aus der Stirn, löschte daS Licht ans, ver­ließ das Zimmer und schloß die Thür hinter sich ab.

Aus den Gang tretend, stieß fie auf Dr. Heath.

»Nun, wie g ht es mit unsrer neuen Kranken?» fragte er hastegen Tones.

Augenblicklich ist sie sehr erregt, Sir. Anfangs sprach fie ruhig und verständig, als sie jedoch den Schrei des Wahnsinnigen aus der N-benzelle hörte, geriet auch fie in wilde Aufregung, so daß ich schon fürchtete, die Tobsucht wurde auch bei ihr zum Msbmch kommen.»

Nannte sie Ihnen ihren Namen?» fragte der Irrenarzt.

Mary Brown verneinte.

Ihre Krankheit ist eine höchst eigentümliche. Sie ist von einer sonderbaren Idee befangen. Eine wohlhabende Dame ans New-York beging einen Selbstmord unter sehr romanhaften Umständen. Unsere Kranke bildet sich nun ein, jene Dame zu sein, und behauptet, ein Arzt und sein Freund häiten sie wieder ins Leden zurückg-rufen und hielten sie in Gefangenschaft, weil jener Freund sie heiraten wolle. Die Bedauernswerte wird Sie schon zur Vertraut-m ihrer Leiden machen. Seien Sie gut gegen die Arme nnb widersprechen Sie ihr nicht. Sie wird Ihnen nicht viele Muhe bereiten, da sie mehr das Opfer eines melan- cholis -n Wahnfinns ist. Jene junge Dame, welche unsere Patkenttn sich ebbilbet zu fein, hieß Miß Lawrence. Ser» g ssen Sie nie, das Fräulein bei diesem Namen anzureden Mary!» '

Wie Sie befehlen Sirl» antwortete dieselbe.

In ihrer Z lle lag Lily mit groß-n, wachen Augen auf ihrem Lager. Eine furchtbare Starrheit war über sie ge- komm n, eine Starrheit, wie nur die grenzenloseste Ser« zveiflnng sie diktiert.

Jirfinnig erklärt! Wie eine dürre Knochenhand griff ® banft »ach ihrem Herzen, wie um den warmen -putsschlag in ihr zu hemmen. Allbarmherziger, wenn wenn fie wirklich wahufinnig ward?

»n27 Kapitel. Um hohen Preis.

"erfolgte mit Eifer Alles, was die Tage,. blEr über den Tod de» alten Leveretschen Ehepaare»

Mb Für den Monat Marz nehmen alle Postan­stalten, unsere Agentur in Kirchhain, sowie die unter­zeichnete Expedition Bestellungen an auf die

Oberhesfische Zeitung

nebst Kreisblatt, Jllrrstr. Sonntagsblatt und Erzähler.

_________Di- Exped. d. Oberh. Zeit.

~ Deutsches Reich.

Berlin, 28. Febr. Der Kaiser nahm heute vor­mittag den Vortrag des Geheimen Kabinettsrates von Wilmowski entgegen und machte nachmittags eine Spazier­fahrt. Um 4 Uhr erscheint der Reichskanzler zum Vor­trage. DieNordd. Allg. Zlg." veröffentlicht eine Zu­schrift des Reichskanzlers, welche besagt, die Zahl der ihm anläßlich der Reichstagswahlen zugegangenen Kundgebungen sei so sehr angewachsen, daß eine Beantwortung im ein« f zelnen nicht möglich sei, er spreche daher auf diesem Wege für die ihm zugegangenen Beweise der wohlwollenden patriotischen Gesinnung seinen verbindlichen Dank aus. Der Etat der Justizverwaltung ist in den Einnahmen (48 770 000 Mk.) um 258000 Mark niedriger als der laufende, weil sich diejenigen Einnahmen, welche als Emolumente der Beamten wieder zur Verwendung kommen und deshalb auch wieder in Ausgabe erscheinen, um 333400 Mk. ermäßigen, der Arbeitsverdienst der Ge­fangenen dagegen um 66000 Mk, die Witwen und Waisengelder um 2400 Mk. und die sonstigen Einnahmen um 9000 Mark erhöhen. In den Einnahmen für die Justiz-Offizianten-Witwenkasse tritt eine Ermäßigung von 2000 Mark ein. Die dauernden Ausgaben beliefen sich auf 85156000 Mark ( 307000' Mk.). Die ein­maligen und außerordentlichen (für 26 verschiedene Ge­fängnis- und Geschäftsgebäudebauten) auf 1 909 900 Mk ( 370700 Mk.) Bei den dauernden Ausgaben ist her- vorzuhe en: Für 13 Staatsanwälte mehr im Durchschnitt 3600 Mk. wurden 46800 Mk. erforderlich. Gegenwärtig fungieren bei den Staatsanwaltschaften der 92 Landgerichte, 92 Erste Staatsanwälte 151 Staatsanwälte, 78 ständige Hülfsarbeiter und 15 nicht ständige Hulfsarbeiter. Rach diesen Angaben steht die Zahl der Hülfsarbeiter in einem erheblichen Mißverhältnis zu derjenigen der etatsmäßigen Beamten, wodurch dem Dienst der Staatsanwaltschaft große Nachteile bereitet werden, indem der gegenwärtige Zustand die^ Folge hat, daß die Geschäfte zu einem be­trächtlichen Teile von Gerichts-Affefforen wahrgenommen werden, welche in einer mit den dienstlichen Interessen vereinbarten Häufigkeit zu wechseln pflegen. Vorzugsweise

Ausland.

Rom, 28. Febr. Kardinal Staatssekretär Jacobini lst heute mittag gestorben. (Kardinal Jacobini hat ein 'Älter von 57 Jahren erreicht. Er wurde geboren zu Grenzano am '6. Jan. 1830. Außer dem Amte eine»

Anfänglich ängstigte miß bcuniuyiute es fie, daß ivr Plan, durch Feuer die Merkmale ihrer That zu verdecken, mißlungen war; doch mit der Machtlosigkeit der Behörde, trgend eine Spur, welche auf das Verbrechen leitete, auf. zufinden, wuchs ihr Mut und ihr Triumph.

Ich habe nichts zu befürchten,» sprach fie zu sich selbst. Niemand kann es eiufallen, mich zu verdächtigen, und ich werde doch noch mein Ziel erreichen und Lancelot Darling» Weib werden!»

So war der November mit seinen kalten Tagen ge­kommen. Winterlich starrten Stadt und Land dem Ange in einer weißen Schneedecke entgegen.

An einem frostkalien Nachmittag war es, als Lancelot Ada und die schöne Witwe mit seinem Besuch überraschte.

Mrs. Vance war, wie gewöhnlich, mit einer feinen Hand­arbeit beschäftigt, wätrenb Ada sich mit dem Les n einer kürzlich erschienenen Novelle befaßte. Beide grüßten den lun9en Manu mit Herzlichkeit. Mrs. Vance hatte ihre an. genommene Zurückhaltung gegen Lancelot wieder aufgegeben, wahrend dieser seinerseits das uuweibliche Geständnis, da» sie ihm abg'legt hatte, nicht zu verwinden vermochte.

Nun, Ada, wie gefällt Jdnen die Lektüre?» fragte er.

Entweder ist der Verfasser langweilig, oder ich bin heute nicht in der richtigen Stimmung, ermieberte fie schwermütig.

»Ich fürchte, versetzte Lancelot lächelnd,das Letztere trägt die Schuld, wenn Ihnen das Buch mißfällt!»

Es mag fein,* entg gn te Ada seufzend.Wissen Sie kein Mtttel gegen schlechte Saune?

,O, ja! Wie wäre es mit einer Schlittenpartie? E» ist herrliches Wetter dafür. Wir vaben Vollmond -und die Ab'Nde find entzückend. Eine Schüttenfahrt nach Dabnev» Hotel ist überaus lohnend!»

Mir scheint, Sie sprecheu aus Erfahrung, Lancelot?» fragte Aoa, forschend zu ihm empo-dlick-nd.

»Ja, von zweien meiner Freunde dazu bewogen, be» teiligte ich mich gestern Abend an einer solchen Partie und