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Nr. 50.

Marburg, Dienstag, 1. März 1887.

XXII. Jahrgang.

OcheM ZeitiW

Illustriertes Sonntagsblatt.

Partei, an der Spitze der vom Zaren mit einem hohen Orden ausgezeichnete Moskauer Geheimrat Katkow, nützt die schwachen Seiten des Zaren vortrefflich aus, und da sie weiß, vaß es am meisten doch an Oesterreich-Ungarn liegt, daß Rußland nicht nach Belieben in Bulgarien schalten und walten kann, so wird mit Kräften dahin ge­arbeitet, den Kaiser gegen Oesterreichs Bundesgenoffen, Deutschland einzunehmen. Fürst Bismarck betonte im Januar im Reichstage, daß es sehr schwer und ein wenig angenehmes Amt sei, zwischen Rußland und Oesterreich- Ungarn die Freundschaft herzustellen. Bon Petersburg aus werden an Deutschland sehr weitgehende Ansprüche gestellt, Oesterreich und womöglich auch England zur Nach­giebigkeit zu bewegen; Alles da« ist aber leichter gesagt, wie gethan. Daher die unbehagliche Stimmung.

Es wird betont, daß zwischen Rußland und dem deutschen Reiche das herzlichste Verhältnis bestände. Das Papier ist geduldig, aber man wird ein wenig mißtrauisch, wenn man sieht, daß diesen schönen Worten eine reelle Grund­lage so gänzlich fehle. Was soll man von den russischen Freundschaftsbeteuerungen halten, wenn im gleichen Moment die Nachricht von neuen Zollschraubereien kommt, die die deutsche Industrie schwer treffen würden?

Allerdings wird der neugeplante russische Eisenzoll auch andere Länder empfindlich treffen, aber Deutschland als Nachbarstaat Rußlands wird dadurch am meisten be­rührt. Staatssekretär von Bötticher sprach im vorigen Herbst in Königsberg die Hoffnung aus, es werde gelingen, die Handelsbeziehungen zu Rußland zu regeln, ein Aus­spruch, der großen Beifall fand. Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt, der neue Eisenzoll, der bevorsteht, beweist, daß es nicht besser, sondern schlimmer wird. Ruß­lands innere Politik ist bekanntermaßen alles Andere eher, nur keine deutschfreundliche. Der Zar läßt sich hier voll­ständig von der sogenannten national-russischen Partei leiten. Dieselbe Partei ist es, welche auch in der äußeren Politik Mißtrauen gegen Deutschland zu säen sich bemüht, und geht auch der größte Teil der Saat nicht auf, etwas trägt doch Frucht. Alexander III. wird zum 90. Geburtstag Kaiser Wilhelms seinen Oheim, den Großfürsten Michael nach Berlin senden. Derartige Höflichkeitsakte haben auch ihre politische Bedeutung; aber auf ihnen allein ruht nicht die Freundschaft der Staaten. Was hat die Kaiser­zusammenkunft von Kremsier genützt? Gar nichts! Wirk­liche Freundschaft muß reelle Grundlagen haben, wie sie in den Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn beispielsweise bestehen, Worte allein thuen es nicht. Rußland fordert stets von Deutschland und wir erhalten zur Gegenleistung Annehmlichkeiten wie den Eisenzoll zu­gedacht. Glücklicherweise ist der letztere noch nicht bindend

Bis zur jpäitte den Äomoor entlang schreit n oliev Lilys Führerin vor einer Thür stehen, öffnete buklbe und sprach höflich 1

Wollen Sie die Güte haben, einzutreten, Miß!"

Widersti ebeud überschritt Lily die Schwelle und sah in dem Raume, der sich vor ihr aufthat, um sich.

Es war ein kleines, hübsch eingerichtetes Zimmer. Den Fußboden bedeckte ein hell gemusterter Teppich; ein ge­polsterter Lehnstuhl stand von einem behagltchen Feuer uud daneben ein Tischchen mit allerlei Erfrischungen.

Die Wärterin trat hinter Lily ein und schloß die Thür

»Erlauben Sie mir, Ihnen behilflich zu fein,* sagte sie, worauf sie Lily Mantel und Kapuze abnahm und sie auf dem Sessel vor dem F »er Platz zu nehmen eiulud.

Lilys Lippen erbebten bei den gütigen Worten, mit welchen dir Dienerin zu ihr sprach, als redet« eine sorgende Mutter zu ihrem kranken Kinre.

»Ich denke, Sie nehme» eine Taffe Thee,* sagte sie, eine Taffe mit dem angenehm duftenden Gettäuk berettend .vielleicht auch ein Stückchen geröstetes Brot und ein weuia kaltes Huhn? Sie sehen sehr erschöpft aus, Miß.*

»Ich danke Ihnen,* sagte Lily, nahm die Taffe und leerte den Inhalt.

.Vielleicht darf ich Ihnen beim Auskleiden behilflich sein, ehe ich abttage?* bemerkte fie, als Lily sich müde in den Sessel zurücklehnte.

»Sie find sehr animerksam,* versetzte das junge Mädchen weich, .aber zuvor möchte ich erst einige Fragen an Sie richten.* »3a, Miß,* versetzte die Dienerin freundlichen Toner.

.Wie heißen Sie?* fragte Die schöne Gefang ne.

»Mary Brown, Miß,* antwortete diese in der stets gleich ruhigen, g» fälligen SBdfe.

»Sie find doch immer hier tat Hause,* Math?*

,3i, Miß.*

»Daun können Sie mir auch sagen, was dies für ein Haus ist. Ich btlbete mir ein, eS müsse ein HoSpital sein, weil eS einen ständigen arg hat. Ist eS so?* '

Di- Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerilanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Ach, daS liebe Geficht! Nie werde ich es vergessen!* sprach MrS. Mason enthnfiasmiert.

»Ich hege die Zuversicht, daß fie die junge Dame in günstigeren Verhältnissen Wiedersehen werden," versetzte der Detektiv.

Mr. Shelion," sagte Fanny plötzlich,ich möchte meine arme, alte Mutter hierher kommen lassen. Noch rechtzeitig sandte ich ihr vor Jahren den Transchein, welcher meine unglückliche Ehe mit Harold Colville bezengt."

Schweigend nahm Mr. Shelton einen kleinen Hand­spiegel und hielt ihn vor Fannys Antlitz.

Glauben Sie, daß Ihre Mutter Sie wiedererkennen würde?" fragte er.

Ach, die arme Fanny wußte es nicht, wie fnrchtbar entstellt fie aussah, uud schauderte zurück vor i hrem eigenen Anblick.

Befolgen Sie meinen Rat und warten Sie in Geduld. Wenn der Zettpunkt dazu gekommen ist, werde ich selbst Sie zu Ihrer Mutter bringen!"

Sie haben Recht," flüsterte Fanny matt.Ich werde »ich in Geduld zu fassen wissen. O, wie, wie soll ich Ihnen Alles danken?"

Keinen Dank!" ermieberte Mr. Shelton nnb verließ, sich eilends verabschiedend, das Zimmer und das HauS.

26. Kapitel. Irrsinnig erklärt.

Die Dienerin, welcher Doktor Heath Lily in dar für fie bestimmte Zimmer zn führen geboten hatte, geleitete daS junge Mädchen über eine breite Treppe in daS erste Stockareik hinauf.

Siu langer Gang, zu dessen beiden Setten sich eine be- Nächtliche Anzahl geschloffener Thüren befand, zeigte fich de» Blick.

beschlossen und die Reichsregierung wird es sicher an Be­mühungen nicht fehlen lassen, das Schlimmste abzuwenden wie überhaupt endlich mit Rußland ins Reine zu kommen' Freilich, manchen Tag Arbeit kann das noch kosten.

Deutsches Reich.

Febr. Der Kaiser nahm vormittags militärische Meldungen entgegen, hörte später den Vortrag iS T MdB und machte nachmittags eine Ausfahrt. - Zum Geburtstage des Kaisers werden nach S; -3t9l au6er den deutschen Fürsten auch aus- »artige Monarchen vertreten sein, der Kaiser von Oester- Nlch wird fernen Sohn, den Kronprinzen Rudolf, der Kaiser von Rußland seinen Oheim, den Großfürsten Michael Nikolajewitsch, entsenden. Ebenso ist der Pri^ von Wales ^als Vertreter der Königin von England an- gemeldtt. _ selbstredend wird bei allen diesen Besuchen strenge Rücksicht daraus genommen, daß an seinem neun­zigsten Geburtstag unser Kaiser, der ja in der Erfüllung der ihm als Festgeber und Hausherrn obliegenden Reprä- sentatlonspfllchten gewissenhaft ist, nicht übermäßig ange- . strengt wird. Um 12 Uhr mittags fand heute im ^chstagsgebäude unter Vorsitz des Geheimen Kommer- zienrats Delbrück die konstituierende Versammlung der deutsch-ostafrlkanlschen Gesellschaft statt. Als Kommissar des Reichskanzlers wohnte Wirklicher Legationsrat ! r

der Versammlung bei, die Seehandlung war durch Geh Rat Bötticher vertreten. Die Konstituierung erfolgte auf Grund des vorgelegten Statutenentwurfs. Es wurden ^dann von der Versammlung 21 Mitglieder in den ?ltÄrat£ öewM und zum Vorsitzenden Karl von der Heydt-Elberfeld, zu seinen Stellvertretern Geh. Kommer- zlenrat Delbruck-Berlin und Kommerzienrat Langen-Köln. ®ie Einnahmen der Reichspost und Telegraphenverwal- Usng für die Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis zum Schluß des Monats Januar b. Js. haben betragen Mk 150 267194, das heißt Mk. 6360768 mehr M bemfelben Zeitraum des Etatsjahres 1885/86, die der ?ÄtfenbQLnöern,altHn9 Mk. 36 645 300, mehr Mk. hänftHAo 6> ? "Nvrdd- Allg. Ztg.* schreibt: Die dritte päpstliche Kundgebung besteht nicht in einem neuen Schreiben, onbent tn einem Ende Januar an den Nuntius in cnt .^richteten Telegramme, welches wiederholt ein- schärfte, bei dem Zertrum darauf zu bringen, daß dasselbe jur Durchführung des Septennats alle Kräfte aufbiete.

die Leitung des Zentrums in vollständigem i?WVh l pichen Weisung gehandelt hat, ist aus den Wahlergebnissen bekannt. DiePost" ent­halt emen sehr energischen Artikel gegen die Erhöhung der russischen Eisenbahnzölle, welcher der Gedanke einer

I *A. der Thai, Mitz, es ist ein Hospital und wir haben jehr viele Kranke, sagte Mary in einer Weise als be» steige fie bie fragenbe Neugier eines Kindes.Aber meine SPÄS'Ä.'* ,Wm 9'6-e- Mi«--, w ä'USTmä??' 6k mlt«»«». ®8 ist eine Privatanstalt, in welcher

nur Angehörige der vornehmen Klaffe Aufnahme finde» tommenT* 6ie Ahnen helfen, daß Sie zur Ruhe:

Lily gehorchte geduldig, als fie aber ihr mübes Haupt' auf die weichen Kissen nieberlegte, fragt» fie plötzlich:

»Mary, ist Doktor Heath ein guter Mann?* W suÄÄ darüber werden Sie mit bei:

3?it fdbft Gelegenheit haben, zu urteilen, Miß, benn Sie' 8enUfl Men' dis Sie gefunb sind!* versetzte:

3/Caiy V70VL. 1

J*0* die Lippen, nm die ihr angebichtete Krank- N rn widerlege» wurde aber durch einen wilden, marker-. t? «rnbcn 6?rei unterbrochen, der aus dem »ächstgelege- neu Raum zu komme» schien.

Erschrocken sprang sie auf nnb umklammerte Mary's «NU. v

. *M<^ ist bas?* stieß fie, zitternd am ganze» Körper, bernor, als der Schrei sich wiederholte, eia wahnsinniger Freudenschrei, der in einem anhaltende», dämonischen Ge­lächter feinen Ausgang sand.

u ^uhig. Miß, es ist einer der Kranken.* beschwich» ttgte Mary Brown die Angsterregte.Für .r.n Sie fich nicht. ES wird gleich Alles ruhig werde» nnb bann Nichts mehr Jh en Schlaf stören!* w *

Ti» schrecklicher Verdacht bemächtigte fich Lilv'S

,O mein Gott!* schrie fie auf.Ist e8 - ist t. eine Privab-Jrrenanstalt, in der ich mich befinde?* V *

Hebet MaryS Gesicht zuckte eS erschreckt.

(Fortschung folgt.)

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Die Reichstagswahlen sind vorüber und bie brohenden «erüchte über Krieg unb Kriegsgefahr in der Hauptsache verstummt. In Paris hat man seine Sorgen mit ben geringen Aussichten auf eine Fortexistenz des Ministeriums Gablet und verhält sich in allem, was auswärtige Politik Heißt, mäuschenstill. Aber zum freien Aufathmen kommt es doch noch nicht; es ist kein Zweifel, daß in Peters­burg zur Abwechselung wieder einmal recht schlechte Laune herrscht. Es kommt hier keine drohende Kriegsgefahr in Betracht, aber sind die internationalen Beziehungen ge­trübt, so übt das seine Rückwirkung auf die Völker und , auf Handel und Wandel. Der Zar ist verdrießlich. Von Petersburg aus ist vor einigen Monaten wiederholt ver- stchert worden, man werde sich um Bulgarien gar nicht mehr bekümmern. Das wurde gesagt in der Hoffnung, bie Bulgaren würden zu Kreuze kriegen, wenn ihnen jede Aussicht genommen sein würde, einen neuen Fürsten zu erhallen. Die bulgarische Deputation hat auf ihrer Rund­reise in den europäischen Hauptstädten den denkbar kür- zeften Bescheid erhalten; man hat ihr geraten, sich mit Rußland auszusöhnen, die Forderungen des Zaren zu be­willigen. Alles das hat keine prattischen Resultate zur Folge gehabt, ebensowenig die in Konstantinopel eingelei- teten Verhandlungen. Die bulgarische Regenschaft weigert sich entschieden, sich auf Gnade und Ungnade den Russen zu übergeben und so ist alles genau so geblieben, wie es gewesen; in Petersburg hat man wieder einmal eine Ent­täuschung erfahren. Das thut nicht angenehm, daher der Aerger des Zaren.

Die deutsch- und österreichisch-feindliche Partei in Pe­tersburg thut ihr möglichstes, die Verstimmung zu schüren unb aus der Maus einen Elephanten zu machen. Der Zar hegt persönlich bie freundschaftlichsten Gesinnungen für das deutsche Reich und ihm liegt auch kaum viel an einem Krieg mit Oesterreich-Ungarn, aber in der Haupt­stadt des russischen Reiches mischen sich gar zu viele un­berufene Hände in die Auswärtige Politik ein. Da wird gehetzt und intriquiett, bis der blaue Himmel der Aus­wärtigen Politik wirklich ein paar Wölkchen zeigt. Diese