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Nr. 42

Marburg, Sonnabend, 19. Februar 1887.

xxn. Jahrgaug

WclhkUchk jritmig

Illustriertes Sonntagsblatt.

mit, daß die nach Frankreich handeltreibenden Schafhändler aus der Pfalz und aus Elsaß-Lothringen in der Schwein­furter Gegend zu jedem Preise alles Schafvieh aufkaufen, was sie nur immer bekommen können.

. Die freisinnige Presse fährt fort, urbi et orbi vorzulügen, daß Europa im tiefsten Frieden lebe, uud daß alle gegenteiligen Behauptung« nur ein Manöver seien, um die armen Wähler einzuschüchtern und für das Sep- tennat günstig zu stimmen. Zum Beweise dafür beruft man sich neuerdings auf eine Aeußerung, die der Kriegs­minister bei der Einbringung der Gesetzesvorlage über die Friedenspräsenzstärke gemacht hat.Es handelt sich nach der Auffaflung der verbündeten Regierungen", sagte Herr von Bronsart damals,keineswegs um eine augenblicklich drohende Kriegsgefahr; wenn das der Fall wäre, meine Herren, so wäre diese Vorlage ja eine ganz verfehlte. Eine Gesetzesvorlage, welche die Friedenspräsenzstärke des Heere» vom 1. April nächsten Jahres ab zu erhöhen beabsichtigt, wäre nicht das geeignete Mittel, um einer augenblicklich drohenden Kriegsgefahr entgegenzutreten; läge eine solche vor, so wäre ja die einzige Antwort die Mobilmachung." Die Thatsache, daß der Freisinn sich mit Fragen der äußern Politik beschäftigt, beweist einen erstaunlichen Grad von Dreistigkeit; fehlt doch den Herren Richter und Genossen jede Vorbedingung dafür. Ueber jene Fragen ein Urteil zu gewinnen, erfordert eine ganz andere Bildung als die­jenige ist, über welche ein penny liner verfügt. Dann aber ist ihnen auch infolge ihrer sozialen Stellung jedes Mittel zur Information verschlossen. Sie schöpfen ihre ganze Weisheit aus einigen Pariser Blättern, und die Redakteure derselben sind klug genug, die Gelegenheit zu benutzen und die politische Beschränktheit ihrer freisinnigen Kollegen in Deutschland nach Belieben zu fruktisizieren, d. h. ihnen diejenigen Lügen aufzubinden, die sie für nütz­lich halten. Kurzum, der Freisinn sollte jeder auswärtigen Frage gegenüber einfach und bescheiden erklären: non liquet. Anders macht er sich lächerlich. Die Art und Weise, wie die Freisinnigen ihr Urteil über die augenblickliche Lage Europas begründen, ist aber noch mehr perfide als lächer­lich. Sie berufen sich auf eine Aeußerung, die der Kriegs­minister bei Einbringung der Militärvorlage gemacht hat. Damals hatte der politische Himmel ein ganz anderes Aus­sehen. Aber inzwischen hat er sich mit Wolken bedeckt, und zwar lediglich infolge des Verhaltens der Oppositions­parteien. Die vaterlandslose Gesinnung, die sich in dem- selbm aussprach, erweckte jenseits der Vogesen die Ueber- zeugung, das Deutsche Reich sei in sich uneinig und schwach, der Moment sei gekommen, um über dasselbe herzufallen. Also die Worte des Kriegsministers waren damals, als sie gesprochen wurden, ganz zutreffend. Aber Herr

Deutsches »eich.

BeErr, 17. Fcbr. Der Kaiser empfing heuter vor­mittag den Hofmarschall Grafen von Perponcher, den Oberst von Brauchitfch und de« General von Albedyll. Nach­mittags um 4 Uhr erscheint bei Sr. Majestät der Staats­sekretär Graf Bismarck zum Vortrage. Die Heiserkeit des Kaiser» hat stch bedeutend gebessert. Einer Meldung verschiedener hiesiger Blätter zufolge soll am Geburtstage des Kaisers die Taufe des jüngsten Urenkels des Kaisers, sowie die Proklamierung der Verlobung des Prinzen Heinrich von Preußen mit der Prinzessin Irene von Hessen stattfinden. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet unter Hinweis auf die Flugblätter der Oppositionspartei, worin behauptet wird, die Regierung beabsichtige Mono­pole einzuführen, die dreijährige io eine siebenjährige Dienstzeit umzuwandeln, das allgemeine Wahlrecht, ja selbst die Verfassung überhaupt aufzuheben rc., daß dem Reichskanzler von einem national gesinnten Oldenburger ein solches fortschrittliches Flugblatt zugegangen sei und baß der Reichskanzler an den Absender ein Schreiben ge­richtet habe, worin es heißt: Das übersandte Wahlflug- blatt enlhatte viele Lügen, aber keine, die nicht in allen > Wahlkreisen des Reichs von den reichsfeiudlichen Parteien übereinstimmend verbreitet würden; die bei den Gegnern des Reichs herkömmliche politische Brunneuvergiftung sei eben eine verabredete und systematische. Das Flugblatt stelle nur eine richtige Behauptung auf, daß nämlich die Regierung die Verlängerung des Sozialisten-Gesetzes auch ferner erftrcbeu werde. Alles, was der Wahlaufruf sonst über die Absichten der Regierung sage, feien ebenso fri­vole, wie unsinnige Lügen, und wenn sich Wähler fänden, die an die Verleumdung der Regierung glaubten, so könne der Reichskanzler das nur bedauern, aber nicht ändern. Zhm ständen weder Mittel zu Gebote, die Gegner am Lügen zu hindern, noch vermöge er die Wähler, welche der Regierung de« Kaisers böses zutrauten, vor gewissen­losen Bauernfänger» zu behüten. DerNordv. Allg. Ltg." wird aus Barcelona geschrieben: Die Zeitungs­nachricht über Pferde- und Maultier-Ankäufe für die fran­zösische Regierung wird von unzweifelhaft zuverlässiger Seite bestätigt. Die hiesigen Pferde- und Maultierver- kauser wurden durch ihre Geschäststeilnchmer benachrich­tigt, daß in Camprodon, Puigceroa und der Umgebung von den Franzosen jeder Preis für solche Tiere bezahlt wird, welche für Militärzwecke geeignet sind. Auch dem hiesigen kommandierenden General wurde angezeigt, daß infolge der großen französischen Ankäufe in der ganzen spanischen Provinz Gerona kein brauchbares Pferd oder Lkaullier mehr käuflich sei. Ein zuverlässiger Bericht­erstatter aus Unterfranken teilt derRordo. Allgem. Ztg."

Di- Geister der Finsternis.

Roman au» dem Amecitamich.n von A. Bayard.

l-jorisetzung.)

Während Beide also einander gegeuübersaßen, wurde die Thur geöffnet uuo heretnlrat Deijeutge, dem MrS. «auc.s geheimste Gedanken galten.

Wir jqöa und vornehm Lanc.lot aussah, als er Adas uubrsanarae, sqwesterliche Begrüßung erwiderte l Als er sich von fern vor bei Wtitwe verbeugte, wechselte s.iu Gesicht leicht die Farbe. Mrs. Vance erwtcdeite die Verbeugung ebenfo förmlich, um Dann wieder scheinbar nur Anfmeik- samkelt für ihre Arbeit zu Haden. Nicht einmal schweifte

Blick, den sie unablässig gesenkt hielt, zu ihm hinüber, «ie dcooachteie völliges Schwelgen, während die beiden Anderen sich wie zwei gute, alte Freunde unterhi Herr. AIS fo eine Blertelpunde etwa verstrichen war, erhob sie sich mtt einer gemurmelten Entschuldigung und verließ etlendS das Zimmer, um nicht zuiückznkommen.

Erstaunt sah Ada der ftq Entfernenden nach.

,WaS ist nur Mrs. Dance?* fragte fie.Sie scheine» fie ja förmlich verpetnert zu hab.n, Lancelot!'

«Ich kann eS Ihnen nicht verraten !* war die aleick- wütige Antwor. H V

«Aber Sie haben Beide nicht ein Wort miteinander ge­wechselt! Ich hielt Sie und Mrs. Dance für die desteu Freunde. Heute beenden Sie einander wie Fremdei*

«Meine liebe, kleine Schwester," versetzte Lancelot,wer kann für die Grillen der Frauen etnstehen? Mrs. Dance war mir immer eine gute Freundin, heute scheint ste in der Thar anders gegen mich gestimmt zu sein, indeß eS würde vergeblich sein, wollten wir nach dem Grunde forschen. Die Männer sollen ohne Murren die Launen der Frauen er­tragen. Swgt doch der Dichter:

«Hilfloser Frauen göttlich Recht, Ihr einzig Recht ist Laune l*

Doch verzeihen Sie, Ada,* lenkte er ab, «wenn ich dem

Geijrnsiano unseres Geip.achS eine andere W neun« gebe. Würden Sie mir die Freude machen, mit mir auszufahren? 3V bin spezi.ll hierhergekommcn, um Sie danach zu fragen Mein neuer Wagen mit den gelbweißen Ponies den­selben, die ich einst für Lrly kaufte, wartet schon vor der Thure."

Ein tiefer, schwerer Seufzer folgte seinen letzten Worten.

Ada trat ans Fenster und sah hinaus.

Welch schöne, stolze, edle Roffe, diese widerspenstigen Tiere, die nur unge uldig so lange stillstanden l Und dieser kostbare kleine Wagen mit hiwmelvlauem Atl°spolster, welches garz m't Lilien bestickt wml Ach, und Diejenige, für die das Alles best mmt gewesen war, hatte im Mo- ment des höchsten Glückes der Tod in seine kalten Arme genommen.

Ja, Lancelot,* wandte Ada sich gepreßten Tones dem fungen Manne zu, dessen tiefer Schmerz in jedem seiner Gesichtszüge ausgeprägt stand,ja, ich will Sie begletten. In einigen Minuten werde ich bereit sein!*

Und fluchtig wie eine Gaz Ke eilte sie aus dem Zimmer. Lancelot sandte ihr einen zärtlichen Blick nach.

«Welch ein liebes, herziges Mädchen,* murmelte er bor sich hin.Ach, und wie sprechend ähnlich sie meiner Lily ist!*

Ada kam zurück in Mantel und Hut und verschleiert. Ja, sie glich auffallend ihrer schönen, älteren Schwester!

Lancelot bot ihr den Arm und Beide betiteln dar Ha»s, nm Platz in dem vor der Thür haltenden Wagen ö" uehM'N. Der kleine Bediente in der blauen, fillurbe- höten Livree sprang auf seinen Sitz und fort ging eS wie oct Wind.

Bon dem Fenster ihres Zimmers aus hatte MrS. Dance die Scene der Abfahrt beobachtet. In Adas Ges llschaft Mhr er ans! Wut und Eifersucht brannten wie Feuer tn ihrem Herzen.

-3ch Haffe fiel* murmelte fie, ihre Hände ballend. ,O

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34 batte beide nicht allein lassen sollen* fuhr fie ääün ta isch-. foit.Vielleicht war er froy, daß ich ging und sie nicht langer störte. Diesmal habe ich mich selbst betrogen, aber auch nur dies eine Mal soll es geschehen fet« W he ihr, wetze Ava Lawrence, wenn fie nur Der» suchen sollte, thn an sich zu fesseln.

Em smrtller Kiang der Hausglocke ließ die in ihre» frusteten Gedanken Seitieffte eischr.ckt zusammenfahren, ©inenJKoment fpatet überreichte die Zofe ihr einen Brief.

Mit einem Buck ei kannte ste, woher derselbe kam, und et^gtfri9«^^! leIt bcnfeibcn Don stch ab, als sei er

Ihre ganze Ü berwindung hatte fie nötig, um das Säubert enblKb zu öffnen. Grobe Schriftzüge auf einem schlechten Bogen Papier fronten ihr entgegen. Es war eine tun befehlende Mahnung von Der alten Molly & betet, anderen Tages nach dem einsamen roten Hause zu kommen un, alleS ©JD mitzubnugen, welches sic aufbringen könne. Die Auf­forderung w«e in fo diuskem Tone gehalten, wie die ©d)reibertu ihn dirh-r noch nicht angeschlagen hatte, und bet schonen 3ntrigantin, welche ein so verwegenes Sviel trieb, zuckte eS wie ein Dolmstich brnch die Brust. Aber gleichzeitig glühte es in ihren Äugen unheimlich auf.

3ch muß em Ende machen, ein rasiyes Ende!* zischte ste zwilchen Den Lpp n hervor.Ja, ich darf vor nichts zuruckschreckev, ttm Das Ziel zu eirJrfjen, um deffentwillen btefe Hand mit Sicherheit bereits einmal den Todesfrok fufrrte! Mein G Helmuts duldet keine Zeugen! DaS ent­scheidet und befiegt alleS Schwanken! DaS Grab allein ist verschwiegen. Ich werde fie Beide töten!*

_ v 30. Kapitel. Gift.

Zwischen dem alten Leveret und seiner Frau hatte eine vollkommene Verständigung hinsichtlich des Geheimnisse»

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain

_________________ ____ Ekprd'tiou Markt 31. Redaktion, Druck uud Verlag vou Joh. Lug. Loch.

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Köln; ®- L. Daube und Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover u. Pari».

von Bronsart wird sie schwerlich heute wiederholen, denn inzwischen haben die Oppositionsparteien darüber können sie stch selbst doch nicht im Unklaren sein die Kriegs­gefahr heraufbeschworen; dieselbe wird nur dann verschwinden wenn Frankreich sicht, daß das deutsche Volk sich nicht durch vaterlandslose Politiker leiten läßt, d. h, wenn eine Maj^ ntat in den Reichstag gelangt, Die entschlossen ist, daS Reich gegen den Feind zu schützen.

Ausland.

.. ?ie«, 17. Febr. Der Sprachenausschuß beendigte die Generaldebatte des Antrages Schaarschmid, die deutsche Sprache als Staatssprache zu erklären, und überwies die DetailberaMng einem aus 9 Mitgliedern bestehenden Snb- komits, welches stch sofort konstituierte und den Prinzen Aloys Liechtenstein als Obmann und den Aba. Pokluka» als Schriftführer wählte.

Peft, 15. Febr. Beinahe alle jene Abgeordneten, die weder wehr- noch landsturmpflichtig sind, haben sich für Osfiztersstellen im Landsturm gemeldet; die äußerste Linke ebenso wie die gemäßigte Opposition und die liberale Partei will dem Volke mit gutem Beispiel vorangehen Der Honvedminister braucht eben für den unaarifebtn Landsturm 70u0 Offiziere; der Bedarf der Subaltern* LanDsturm-Offiziere kann nur gedeckt werden, wenn aus dem Bürgerstande intelligente und in ihren Provinzen an- gesehene Männer in den Landsturm eintreten; dagegen ist der Bedarf an höheren Offizieren vom Hauptmann auf­wärts aus den Reihen der pensionierten und verabschiede­ten Offiziere reichlich gedeckt. Die ungarische Regierung hat den Beschluß gefaßt, Die ungarischen Auszugsbataillone bes Sanb|turmö zu uniformieren. Die Uniform wird vorläufig aus einem Militärmantel, einer Feldmütze und einer Fußbekleioung bestehen. Allmählig soll dann diese Umsormtrung mit einer Blouse und Stiefelhosen ergänzt werden. Der soeben veröffentlichte Wahlaufruf der äußersten Linken, welche beinahe 100 Abgeordnete zählt verweist auf die Erfahrung der letzten zwanzig Jahre, der zufolge das fetzige staatsrechtliche System Ungarn an den Rand des Verocrbens gebracht haben soll, um eine eigene Armee, wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein Bundesver- haltnis mit Oesterreich zu erlangen. Der Aufruf enthält ferner eine entschiedene Absage an die Antisemiten. Unsere Ulanenregimenter waren bekanntlich früher mit Lalizen versehen, die vor einigen Jahren als unzweckmäßig abgefchafft wurden. Eine neue Erfindung, dieungarische KriegSlanze", soll nun die abgeschafflen Lanzen durch eine zweckmägige Wehr- und Ailgriffswaffe ersetzen. Der Kriegsminister äußerte sich über diese Erfindung eines in Wien wohnenden ungarischen Magnaten vorteilhaft und