Rr. 41.
Marburg, Freitag, 18. Februar 1887.
XXII. Jahrgang.
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. ...... Spedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lug. Loch. " *
Die Geister ver Kiusternis.
Roman auS dem Amerikanischen von A. Ba Yard.
(Fortsetzung.)
-Und Sie hörten Nichts mehr von diesem seltsamen frag der Detektiv.
»Nein, Sirl» antwortete die Frau. .Ich sah auch an ^ugllstabcnd Nichts mehr, als einen Doktorwagen, der m verzweifelter Schnelligkeit hier Vorbetsauste.-
»Ein ungetostes Rätsel I» sprach der Detektiv, sich er, hebend. .Doch fetzt muß ich Ernst machen und gehen. Nehmen Sie denn meinen Dank, Mistreß —* U y
« ÄS™,l£.m,ln8!,me' ®"-* «»
»Leben Sie denn wohl, MrS. Mason, wiederholte er .und nehmen Sie nochmals meinen Dauk für Obre Güte gegen einen Ihnen völlig Fremden!» M
«. nächsten Moment hatte er das Haus verlassen und fich auf sein Pferd geschwungen. Noch einmal grüßte er zu der alten Frau, die ihm möglicherweise so wichtige Mii- teilungen gemacht hatte, freundlich zurück, um dann ganz
in die weitgehendste Betrachtungen zu vertiefe». Die Worte Mrs. MasonS hatten ihn mit Zweifel, Verdacht und Unruhe erfüllt. War ein auf großer Aehaltchkett beruhender ”<^“9Spiele, oder konnte es nur denkbar sein, daß das Mädchen, welches Alle gestorben und begraben wähnten gar nicht tot, sondern lebend war?
19. Kapitel. Die Qualen der Eifersucht.
Das so unerwartete Geständnis, welches Mrs. Bauer Laucclot Darling abgelegt, hatte Alles in ihm sich empören und auflehnen laflen. Er konnte es nicht faffen, wie sie sich zu Worten, wie sie dieselben gesprochen, hatte hinreißen “Ml6” können, nachdem er doch so etogeheod über die Be- stäudigkett seiner Lt-be für seine geliebte, verlorene Lily mit ihr gesprochen hatte und er bemitleidete die von ihren Gefühlen Geblendete.
Die schöne Wittwe fühlte sich dnrch LaucelotS eutschiedeue
uiOtß Uicyl völlig entmutigt. Sie kuß ote tene 3uuerMt nicht schwinden, daß Lancetot das Auffällige ihres unweivltcheu Geständnisses überwinden und, durch ihre vollendete Schönheit besiegt, dennoch zu ihren Füßen nieder, jtnten wurde.
. ®E®ar. jung, für Grfühlseindrücke empfänglich und trug sich mit der romautifchen Ueberspannthett, daß seine Liebe ewig wahren würde. Die Zett und ihre verfübreri- schen Künste sollten ihn schon voa dieser Idee heilen. Vor Allem nur galt es ein schlauberechnetes Spiel.
»Bei unserem ersten Zusammensein werde 'ich mich sehr verleg-ll, ja, demütig zeige«,» dachte sie. .Kein jung s Mädchen soll mich au scheuer Zuruckyaltung übertr.fLn. 34 tneriie t^n glauben machen, daß mein leidenschaftliches Geständnis an jenem Tag^ als ein durchaus uavorvereitctes mir entfuhr, indem ich ihm meine Reue zeige. Er wird mich innerlich enlschuldigen, meine hoffnungslose Liebe bemitleiden und dann — dann — vom Mitleid zur Liebe ist nur tut Schritt!»
, So wett in ihren Betrachtungen gelangt, spann ihre lebhafte Phantasie dieselben fort und wiegte sie in die seligsten Träume ein.
Mrs. Sauce lehnte in einem bequemen Schaukelstubl- ihre Finger hielten eine feine, weibliche Handarbeit. Ein' lustiges Feuer loderte tu dem Marmorkamtu und verbreitete eine behagliche Wärme in dem großen, prächtig ausa stattest Zimmer, mit biff em Reichtum die Toilette der schönen Wittwe vollkommen im Einklang stand.
J®1” Offnen der Thür ließ sie den Kops heben und uU|DitaeiL
Ada kam mit einem Körbchen voller Blumen aus dem Treibhaus- zurück, setzte sich MrS. Sauce gegenüber und begann geschmackvolle Sträußchen zu binden.
u '®’W(en mir nur zwei Rosen, um Meine Toilette zu vervollständigen,» hob di- Wtttwe nach minutenlanaem Schweigen an. .Wollen Sie mir großmüttg zwei der Blüten HDcriajjeu r
8lba reichte ihr schweigend da» Serlaugte und sie nahm
leidet an Schnupfen und Heiserkeit und ist dadurch verhindert, das Zimmer zu verlassen. — Montag fand bei dem Feldmarschall Grafen von Moltke ein größeres militärisches Diner statt, zu welchem die Chefs des Großen Generalstabes, die Chefs der in Berlin domizilierenden Generalstabe und einige Spitzen der Generalität Einladungen erhalten hatten. Der Gesundheitszustand des Feldmarschalls ist.Zvie bemerkt wurde, ein ganz vortrefflicher.— In größester Schrift enthält ein in Nordhausen und Um- gebung verbreitetes „deutschfreisinniges» Flugblatt die -lrorte „Unser hochverehrter Kaiser hat demgegenüber erklärt: »Es wird keinen Krieg» — geben!»» Was Se. Majestät ter Kaiser über die Notwendigkeit der Heeresverstärkung und Bewilligung des Septennates, auch mit Bezug auf die
er5 . £°8e ^jagt, liegt in vertrauenswürdigen Veröffentlichungen vor. Die von dem Nordhausener Anonymus dem Kaiser in den Mund gelegten Worte sind in jenen Berichten nicht zu finden; es ist also die Verbrei- mng dieser Worte eine nur zu Wahlzwecken erfundene Luge, mittelst deren man den Wählern Sand in die Auaen zu streuen beabsichtigt.
. . “ ^?er nächste Krieg in Zahlens In dieser hoch, interessanten Schrift von A. Schäffle wird in ihren Schluß folgerungen ausgeführt, daß Deutschland die Last erhöhter Kriegsbereitschaft mit kaum einer halben Mark pro Kopf lercht tragen kann; daß zweitens es den Pfennig sparen und das Zwanzigmarkstück hinauswerfen hieße, wenn es Ä «nn S» £pfc,r bringen, dafür aber 600-800 Millionen Mark jährliche Mehrbelastung aus einem verlorenen Kriege, eben damit die härteste Ausbeutung der noch unausgeschöpften Steuerquellen ohne jegliche Aussicht auf Abschaffung schlechter Steuern wagen wurde; und daß endlich drittens Deutschland und Oester- reich gegen Frankreich und Rußland zahlenmäßig, bald vielleicht auch der Qualität der Streitkräfte nach, keineswegs so überlegen find, um ohne volle Entwickelung der Kriegsbereitschaft sich und Europa den Frieden und die Entwickelung zu sichern. Das vorliegende Schaefflesche Merkchen hat überall große Beachtung gefunden, und es erscheint teher angezelgt, aus den Begründungen, welche in jenem Gesamtergebnis zusammengezogen wurden, Einiges mitiu* teilen. Was „Kosten und Schulden des nächsten Krieges" angeht, sagt Schaeffle u. a : Deutschland hat vom letzten Kriege Nicht blos keine Kriegsschuld gehabt, sondern Geld zu Schuldentilgungen erlangt und die Dotationen für einen Jnvalidensonds, Festungsbaufonds u. s. w. geholt Ter Znvalltenfonvs wirft gegenwärtig über seine Verpflichtungen
27 Millionen Mark) hinaus anderthalb Millionen jährlichen Zmsüberschuß ab. Nicht baß Deutschland seit
Whrf?“ i*/?0 befestigte sic aa B.ust uuo Haar. Aoa's ^kaur bte schöne Fran und der Ausdruck aufrichtiger Bewunderung sprach aus ihren Augen.
Seit Mis. Sauce das Haus ihres Vaters betreten Ken Jw rhnfidlUl^8Doal junäe Mädchen eine Antipathie gegen bkfelte in ihrem Herzen getragen, welche sie umsonst zu bekämpfen strebte, obgleich sie gar keine triftigen Gründe dafür hatte anführen können. Die und. siegbare Abneiguna b“ Unb sie beherrschte sie voll und ganz. Seit ,®har s^ säst unerträglich geworden und hatte mtt der Frau, welche sie instinktiv^für Irisch 9'elt, sast zur Unmöglichkeit gemacht, aber das fühlend, s^te st- sich, daß ein solches Fortleben nicht bestehen konnte und ste ohne Grund ihre Empfindungen nicht allzu, deutlich zur Schau trugen durfte. 4
So bemügte sie sich nach besten Kräften Gleichgültigkett an den Tag zu legen gegen Mrs. Vrnce, aber st- vednrfte ihrer ganzen Telbstüberwindung, um den Ausdruck der in- stinktiv-n zibneigung, welche das Reine für das Niedrige tteten^Klaffen11141 tmmer U“b tmmer doch Wieder zu Tage
Auch j tzt zwang sie ihren Mienen eine Rahe auf, von Ät£t8 ""ßke. Doch nicht ste allein. Auch Mrs. Sauce maßte an sich halten, um nicht zur Schau zu trag-n, was ihr Inneres bewegte. 4
.. . Ada sah an diesem Morgen sehr lieblich ans. Das tiefe Trauerkleid mit den schw ren Kr ppfalten verdunkelte ihre leucht'nde Srönhett keineswegs. Alle Spuren ihrer schweren Krankheit schienen verwischt und Gssundheit blühte "is iht'N Wangem 3hre blauen Augen blickten kindlich unschuldig in di- Welt und ihr schönes, goldblondes Haar reichte iw in schweren Flechten Über den Nacken herab. » daßte Ada um dieser Schönheit willm, die ste
an das Mädchen erinnerte, welchem sie, von Eifersucht getrieben, erbarmungslos den Todesstoß versetzt hätte.
(Fortsetzung folgt)
1876 gar keine verzinsliche Reichsschuld erhalten hätte- es hat eine solche von 410 Millionen Mark (Ende 1885) ein Drittel für nichtmilitärische Ausgaben > elsässische Bahnen, Post und Telegraph, Münzreform > auf# gemenbet worden ist. Es ist gezeigt, wie kostspielig der letzte Krieg sur Frankreich gewesen ist. Ein Krieg, wie er jetzt befurchtet wird, wäre aber gewiß noch weit kost- sipiellger, noch schulden- wie schuldvoller als der vorige. ™ur?e” ddch viel größere Heermassen gegeneinander ziehen! ^st doch die militärische Zerstörungskraft unermeßlich gesteigert, das zerstörbare Kriegsmaterial wertvoller, der Proviantbedarf größer, das Retabliffement anspruchsvoller bc.r den Krieg gerufene Bruchteil der Familienernährer stärker. Man wird daher nut mäßig schätzen, wenn man für einen neuen Krieg zwischen Deutschland und Frank- reich einen Verlust von 16 Milliarden, für einen Krieg ter niet Wehte (Deutschland, Frankreich, Rußland nnb Oesterreich) aber einen Verlust von 30 Milliarden Mark annimmt, welcher bei entschiedener Niederlage ganz von den Besiegten, im anderen Falle hälftig, beziehungsweise zum von allen kriegsührenden Teilen zu tragen wäre. Schaeffle geht alsdann dazu über, den Steuerdruck darzu- stellen, den „der nächste Krieg» Hervorrusen müffe; er betont, daß neue Staatsschulden in solchem Betrage auf lange eine gewaltige Steigerung auch des Hypothekarzins- fußes, zur Vollendung des jetzigen Niederganges der Land, wirtschaft, ergeben würden. Des Weiteren wird bann aus- gefuhrt: Um 16 Milliarden Mark aufzubringen, wären ft Um Zinsfuß von 4 pCt. nicht weniger als 640 q9f?‘OTnrrfsmtn«en brjorderlich, und um acht aufzubringen 320 Mill. Mark. Em Zinsfuß von 5 und 6 pCt. wäre ^hrsiheinlicher; dann wären 800 oder gar
V? 2«hr erforderlich. Wer also einen unglücklichen Krieg herbeifuhrt oder einen solchen durch Unter® °'7^sieghafter Kriegsbereitschaft gut- ober schlechtaläubia verschuldet, der wurde beispielsweise für Deutschland den Be- darf der öffentlichen Schuld um einen Betrag steigern, zu welchem selbst Branntweinmonopol und Tabacksmonopol und hohe Erbschaftssteuern auch nicht entfernt ausreichen würden. Gerade wer diese Monopole oder die finanziell gleichbe. deutendeni §abrikatsteuern nicht haben will, muß in erster Lrme dafür sorgen, daß wir von den Franzosen nicht geschlagen werden können, gleichwie derjenige, welcher das allgemeine Stimmrecht erhalten will, am ehesten dafür forgen sollte, zu beweisen, daß das letztere mit der Sicherheit Deutschlands und mit der Verhütung von 600 Mill. Stark neuer Steuern dauernd verträglich ist. ^m Falle
Niederlage kämen die großen Monopol- und die Fabrikatsteuern, welche die drei anderen großen Staaten
Wählet für Kaiser und Reich!
Nur wenige Tage trennen uns vom Wahltage. Von dem Ausfälle der Wahlen wird es abhängen, ob Deutsch, land nach außen gesichert, un Innern einig und friedlich, sich ruhig und gedeihlich fortenlwickeln, oder ob es in inneren S^atyc und in Kriegsgefahr gestürzt werden soll.
Zwietracht im Innern, Vernachlässigung der nationalen Wehrkraft haben vor Zeiten den Franzosen die Eroberung Don Elsaß-Lothringen erleichtert, begierig späht das revanche- lustige Frankreich, ob nicht der Hader der Parteien auch das junge Deutsch« Reich innerlich und in seiner Wider- standskrast nach außen schwächen und ihm so die Wiedereroberung unserer Greuzlande erleichtern wird
Gingen die Herren Windlhorst, Richter, Grillenberger And ihre Gefolgschaft siegreich aus den Wahlen hervor, so wurden die inneren und die äußeren Feinde Deutschlands frohlocken und den Augenblick zur Erfüllung ihrer verderblichen Anschläge gekommen wähnen. Mit den schwersten Opfern an Blut uuo Gut würde unser Volk den verhängnisvollen Mißgriff büßen müssen!
. Gelingt es aber am 21., eine Mehrheit von Männern > *5. “en Reichstag zu wählen, welche bereit sind, die zur
Sicherung vor Kriegsgefahr erforderliche Stärkung unserer Wehrkraft unverkürzt zu bewilligen und vertrauensvoll mit ter Regierung Sr. Majestät des Kaisers und seiner Serbunbeten zum Besten unseres Landes und Volkes zu- 'E'uenzuwlrken, dann darf gehofft werden, daß das kriege- nsche Gelüste unserer Nachbarn im Zaum gehalten und
Seife die Prüfung eines neuen schweren Krieges erspart bleiben wird.
Hier Bismarck nnb Moltke, die Männer, welche mit Rai und That dem Kaiser bei der Einigung Deutschlands so erfolgreich zur Seite standen, dort Windthorst, der Welse, deffen Hoffnungen sich nur erfüllen können im galle eines schweren für Deutschland unglücklichen Krieges, im Bunde mit allen inneren und äußeren Feinden des Landes und denjenigen, welche ihren Partei- und Macht- gelüsten selbst auf Kosten ter Sicherheit unb des Friedens frohneu wollen! u
Fürwahr, die Wahl kann nicht schwer fein: stehe Jeder am 21. fest zu Kaiser unb Reich unb wähle nur einen Mann, der durch unverkürzte Annahme ber Militäroorlaae Deutschland vor Kriegsgefahr sichern hilft!
D-irtscheS Reich.
©erlitt, 16. Febr. Der Kaiser nahm heute vormittag die Vorträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Geheimen Kabinettsrats von Wilmowski ent- gegen. — Der „Reichs-Anzeiger» meldet: Der Kaiser