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Rr. 3S.

Marburg, Mittwoch, 16. Februar 1887.

XXH. Jahrgang.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis s Blatt f. l>. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Zllnstriertes Sonntaasblatt

___Spedition Markt A. Redaktion, Druck und »erlag von Joh. Sag. »och. O 1

Sie von dem

in Frankfurt a. SR., Laffsl, Äogdeburg und Wir»; Rudolf'!! offe in Franifurt a. d>Berlin München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BtctteS, sowie d.Annoncen-BureaUk von Haasenstein undVoqior

Di- Geister der Finsternis.

Roman au» dem Amerikanische von Ä. Bayard.

(Fortsetzung.)

Biel, antwortete der Detektiv offen,wenn ich nur a!« *xdrlltUllg und den Zusammenhang erraten könne. Doch sei derselbe, welcher er wolle, von heule ab bis zu ^Eln Tage, an welchem das Geheimnis sich aufgeklärt haben wird, ist Mr. Colville ein verdächtiger Mann. Auf Schritt und Tritt werde ich^ ihm auf den Fersen sein. Ich ver. sichere sie, daß Harold Colville an jenem Abend in Ihrem Hnvse war und das in keiner guten Absichtl"

Mr. Lawrence achtete kaum auf die letzten Worte des Sprechers. Er ahnte die Wichttgkett derselb n nicht.

Und über den Manu, der sich den Sytusscl zu der Gruft zu verschaffen wußte, haben Sie über denselo.n Etwas ermittelt?* fragte er nach einer Pause gepreßt.

Ich Habel* versetzte Mr. Shelloa triumphierend.

t »Sie haben?" schrie der Bankier auf.Sie wissen, wer es ist?

Sie erinnern sich des ArzteS, den man hereingerufen hatte, um Ihre Tochter an dem Morgen, als mau sie tot aufgesuuden, zu untersuchen?" fragte Mr. Shelton, start direkt zu antworten.

Ich erinnere michl" stammelte der Bankier.Doch lener Arzt jener Mann mein Gott, er, er kann doch nicht der Räuber der Leiche meines Kindes sein?"

Mr. Shelton neigte ernst das Haupt.

Er ist es dennoch," versetzte er.Doktor Pratt ist Mer Manu, welcher den Küster beredete, igm zu nächtlicher Stunde den Schlussel zu der Gruft zu geben, wie wir jetzt wiffrn, um eine Thal zu begehen, welche an B.rwegeuhett ihres Gleichen sucht."

Der Bankier sah den Sprecher zweifelnd an.

,£>, ich fasse es kaum, ich saffe e» kaum," stieß er her-

wte freigebig I" rief der Bankier aus und nahm die Fuufmacknote an sich.Was hallen Ganzen?"

Erscheint täglich außer an Werktagen nach S onn- und Feiertagen. Quartal. AbonnementS-Preis bei Expedition 2*/4 Mk.. den Postämter 2 Ml Pfg- (excl. Bestellge Jnsertionsgebühr für gespaltene Zeile 10 P Reklamen für die Zeit« 25 Pfg.

^tann, Det so titel-tung UNS Ansehen ge .l.ßl, sollte solche That ausgeführt haben? Wie wie kamen ste vieler furchtbaren Entdeckung auf die Spur?"

Mit vieler Muhe allerdings, aber endlich doch, wie Sie arroilLerte b"Det ktiti.Mein Ve, bündeter war der alte Kuller, den ich bis zur Unkenntlihkeit verkleidete, um ihn dann Tag und Nacht nicht von meiner Seite zu lassen bis er seinen Mann erkannte, und ihn mir zu bezeichnen vermochte als D «fenig-n, welcher ihn bestach und unter Vorgabe edler Motive das Herz des alten Mannes rührte. Wir kennen setzi die mutmaßlichen Schuldigen, doch können wir für den Moment nichts anderes thun, als abwarten so lange wir nicht handgreifliche Beweise haben. Doktor Pratt sowoal, als Harold Colville werden unablässig über­wacht und so schwer auch den Beiden beizukommen ist, seien St v rsichert, ich werde sie dennoch entlarv, nl"

Mr. Lawrence reichte dem Sprecher ernst die Hand.

Der Allmächtige gebe seinen Segen dazu, daß eS Ihnen dkn Schleier zu lüften und die Schuldigen zur R cheaschaft zu ziehen," sprach er.Ich werde nicht eher zur Ruhe kommen, als bis ich weiß, was aus meinem armen Kinde geword n ist!'

Sie sollen es wissen I" erwiderte der Detektiv und seine Stimme war voll Bewegung für den Schmerz des unalück-

P?te'8-* * * * * * * * * * * * * * * * * * So auch die Schleier des G heim- niss s sein mögen, ich werde ste lüften l"

, Bevor M. Sgelton ging, behändigte der Bankier ibm eine nicht unbedeutende Summe Geldes in Banknoten, da- ?* 'r ®e't;r die umfassendsten Schritte zu thun im Stande sei, welche im Interesse der Angelegenheit geschehen konnten.

J" ue Hoffnung hatte ihre Schwingen in der Seele deS schwer geprüften Vaters ausgevreitet, der sein Kind utrt von niÄ b-nTod verloren, sondern auch irn Tode noch von nichtswürdiger Hand geraubt wähnte.

i W flI-aubte Lilh h tot, er glaubte ste ja g-storbeu 8en«aanb* ®r wußte eS nicht, daß die Tochter, um die er Alles, was I er besaß, hiugegeben haben würde,

darum mit den Kriegsschreiern, welche den Teufel des Krieges um ihres elenden Parteiinteresses willen an die Wand malen; in Wahrheit handelt es sich nicht um eine Verstärkung gegen die Franzosen, sondern um eine Ver­stärkung der Konservativen und Nationalliberalen gegen die fteisinnigen Abgeordneten im Reichstage; die ersteren haben aber nicht Mißtrauen gegen die Franzosen sondern gegen das deutsche Volk, gegen Euch, die deutschen Wähler." Kennen die Herren Richter und Konsorten die Geschichte des deutschen Reiches, die Geschichte von Elsaß und Lothringen so wenig, daß sie mit solch faustdicken Unwahrheiten die deutschen Wahlcr verwirren hülfen, oder gehen sie mit bewußten, Unwahrheiten vor, indem sie wiederum auf die Unkenntnis ihrer Hintermänner spekulieren? Deutscher Wähler, solltest Du wirklich niemals etwas von Ludwig XIV gehört oder gelesen haben, sollte Dir die Geschichte unserer Reichslande und unsere eigene Geschichte so unbekannt ge. blieben sein, daß Du Dir solche Plattheiten bieten läßt? Mitten im tiefsten Frieden, am 30. September 1681 überfiel König Ludwig XIV. von Frankreich die deutsche Reichsstadt Straßburg; mitten im tiefsten Frieden ver­nichtete er das.Elsaß und die deutschen Gebiete und raubte sich Straßburg und so viel Landes, als er dessen habhaft werden konnte. Und wie ging Napoleon I. vor? Nächst Elsaß Lothringen nahm er sich das ganze linke Rheinufer, welches erst nach dem Feldzuge von 1814 wieder in den Besitz Deutschlands gelangte. Immer wieder, bald stärker, bald leiser, ertönte in Fankreich das Geschrei nach der natürlichen Grenze", nach dem deutschen Rhein; dieser Lärm hatte gegen Anfang der vierziger Jahre eine solche Gewalt angenommen, daß Nikolaus Becker mit den Worten dazwischen donnerte:Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein."

Es giebt allerdings Thoren und Verräter, - die Deutschfreisinnigen verbreiten solch thörichte Ansichten welche mit der Erklärung bei der Hand sind:So geben wir lieber Elsaß und Lothringen auf." Was würde das helfen? Emen Aufschub von kurzer Zeit; denn sofort wurde das Geschrei nach dernatürlichen Grenze", der Rheingrenze, beginnen und nicht verstummen, bis ein neuer Äneg, in welchem man wieder auf einenRaubzug bis Berlin hofft, ausgebrochen sein würde.

ein Patriot, kann eine deutsche Regierung ange- sichts solcher Anregung anders handeln, als es geschehen ift? Ist nicht jedes Wort gegen die militärischen Rüstungen Deutschlands lediglich zu Gunsten der Franzosen gesprochen? Laßt Euch also nicht täuschen, deutsche Wähler" und schlagt die ebenso faulen, rote erbärmlichen Wahlmanöver der^Deutschfretsinnigen" mit dem Hinweise auf Thatsachen

Deutsches Reich.

»erlitt, 14. Febr. Der Kaiser nahm vormittags den ' Bortrag des Gehermen Kabinettsrats von Wilmowski ent. gegen und empfing darauf den militärischen Begleiter des Prinzen Heinrich, den Korvettenkapitän von Seckendorfs den später auch die Kaiserin empfing. - Die deutsch- srelsinnlge Liberale Korrespondenz verbreitet, daß noch un­mittelbar vor den Wahlen eine Kaiserliche Proklamation erscheinen wurde. Wie von zuverlässigster Stelle versichert wird, ist diese Nachricht falsch. Eine Kaiserliche Prokla­mation wird vor den Wahlen nicht erscheinen. Der Kaiser hat leine Ansichten und Wünsche in der Anrede an die Abordnung des Herrenhauses so klar und unzweideutig dargelegt, daß jeder, dem überhaupt darau liegt, einen Kaiserlichen Wunsch zu erfüllen, genau weiß, wie er sich ju verhalten hat. Tie Justizkommission des Herren­hauses, welcher der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung des § 5 des hannoverschen Gesetzes vom 13. April 1836 über die Ablösbarkeit des LehnSverbandes, die Verhältnisse bleibender Lehne und die Errichtung von Familienfidei. kommlssen, zur Vorberatung überwiesen war, beantragt, dem Entwürfe unverändert die verfassungsmäßige Zu­stimmung zu erteilen. ö

. «T Das endgültige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 ist nach einer kürzlich imReichs- Anzeiger erfolgten Veröffentlichung auf 46855 692 Ein- root)ner festgestellt worden. Nach der ersten für das Deut- sche Reich im Dezember 1871 vorgenommenen Volks­zählung betrug die Bevölkerung 4105* 792 Einwohner. Zu Jahren hat also die Einwohnerzahl um 5s/< Mill.

Während 1871 auf 1 Quadrat-Kilometer 7b,0 Kopfe kamen, waren es Ende 1885: 86,7; also 10 Kopfe mehr. Dieser Volkszuwachs ist in der Weise er= folgt, daß 7 478 058 Personen mehr geboren als gestorben find, hingegen 1681170 Personen mehr ausmanderten als einwauderten; der Gewinn ist also lediglich durch die natürliche ^Bevölkerungsbewegung erfolgt, während die ört­liche Bevolkerungs - Bewegung für Deutschland Verlust brachte. Diese beiden Erscheinungen beweisen die große Ausoehnungskraft der deutschen Bevölkerung und haben durchaus keinen beunruhigenden Charakter. Es kann nicht davon die Rede fein, daß der rasche Zuwachs der Be- völkerung von einer Beengung der Lebensbelhätigung der­selben begleitet wäre; int Gegenteil deuten alle Anzeichen darauf hin, daß unser Volksreichtum mehr als unsere Volkszahl zugenommen hat. Zweifelhafter kann es fein, ob Die örtliche Verteilung dieser Zunahme, oder genauer: Cer zunehmenden Bevölkerung, als günstig bezeichnet werden mrx. ^mlich diese in der Richtung einer starken

Verschiebung nach den großen Städten hin vor sich ge-

leote, oocy oma, oie (Scwalt oou Elenden tiou tum fein

gehalten wurde. 1

Hätte er eine Ahnung von der Wahrheit haben können 1

Armer, gebeugter Baker! Arme, a.me Lilyl

_ 18. Kapitel. Mysteriös.

Mr. shelton hatte wahr gespiochen, als et Mr. Lawrence

M^üe, oaß er Colville auf Schritt und Tritt verfolgen

Nacht, zu Fuß, zu Pferde, in den verschsiden-

sten Veikl idmigen war er auf feiner Spur.

Wochenlang setzte er die SpSheraibett unablässig sott

ohne j.toch ftnem Ziele um das Geringste nähe, zu fommen

Mr. Colville's Komm.n und Geben bot nichts Auffälliges

e8 war ganz die Art, wie andere Männer in gleicher

Stellung zu Verkehren pflegen. w

Er besuchte Theater und Spielsäle, war ein gern at»

sehener und bieibeg.hrter Gefellfchafrer und die Damen

hatten stets ein Lächeln ein yerlltches Willkommen für ihn.

So weit hatte Mr. Shelton Nichts b.m-rkt, was er mit jener geheimnisvoll n Uwes nheit Colville's in Mr. Law'ences HauS, an dem Abend, a s Lily d n Jyrtgen erschienen war, in Zuiamaienhang hätte v-ingeu können.

Eine Entd ckung hatte der Detektiv jedoch gemacht.

Wen» eS auch nicht befremden kon-tte, daß Dr. Pratt und Mr. Colville mit dnanber sehr befreundet zu sein schienen, so mußte es doch auffallen, daß bet einer Begea- Harold Colv lle's und Dr. P ail's Letzterer stets anhielt worauf Colville in d u Wagen sprang und den A,,t auf seiner ferne, en B sitentour begleitete. T

^/^'Iton zerbrach sich den Kopf, welche Jntereffen- gerneinschaft Dr. Pratt und Harold zusammen haben föm len. ooer ob am Ende ior B rkeyr nur auf einer alten Freund- schäft beruhe die man ja häufig zwischen Personen von ganz verschiedenem Charakter und Beruf find t, und der Detektiv wäre v- sucht gewes n, daß Letztere zu glauben, w,nn nicht eine schwer tnS Gewicht fallende Thatsache dem widersprochen hätte. (Fortsetzung fölgt.)

Marburg, den 14. Februar 1887.

Der Reichstag ist aufgelöst, weil die Mehrheit dem von dem Kaiser und Seinen Verbündeten vorgelegten Gesetz- entwürfe über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres die Zustimmung versagt hatte.

Das deutsche Volk wird am 21. Februar an der Wahl­urne darüber entscheiden, auf weffen Seite es treten will.

Unter Entstellung der Wahrheit wird der Versuch ge­macht, bei den Wählern über die Bedeutung der abge» lehnten Vorlage und über die Absichten der verbündeten Regierungen falsche Anschauungen hervorzurufen.

Insbesondere wird das WortSeptennat" dazu ge- mißbraucht, um die irrtümliche Meinung zu erregen, als ob die aktive Dienstpflicht von drei auf sieben Jahre ver- länger! werden Solle.

Die Negierungsvorschläge verfolgen aber einzig den Zweck, den Stärke-Bestand des stehenden Heeres während eines Zeitraumes von 7 Jahren gesetzlich zu sichern. Dies und nichts anderes ist unterSeptennat" zu verstehen. Die aktive Dienstpflicht, d. h. die Zeit, während welcher y der Einzelne bei der Fahne zu dienen hat, soll keinerlei Veränderung erfahren.

Auf Täuschung berechnet ist ferner die Behauptung, daß die Beschlüsfe des Reichstags über die Militärvorlage nur den Vorwand zur Auflösung gegeben hätten und daß die Neuwahlen zur Erreichung anderer Zwecke und Ziele dienen sollen. Die Zuversicht des Kaisers und Seiner Verbündeten ist nur darauf gerichtet, daß aus den Neu- wählen eine Mehrheit hervorgehen wird, welche durch An­nahme der von dem früheren Reichstage abgelehnten Militär­vorlage dem deutschen Heerwesen diejenige feste und sichere Grundlage zu geben entschlossen ist, die nach der Uebeneugung Seiner Majestät des Kaisers zur Wahrung der in schweren Kämpfen errungenen Machtstellung des Deutschen Reiches, zum Schutze seiner Grenzen und zur Erhaltung des Welt friedens notwendig ist.

Es ist die Pflicht der Behörden, gegenüber den un­wahren Darstellungen der gegnerischen Parteien hieraus hinzuweiseu und die Wähler über die wahre Bedeutung der Neuwahlen aufzuklären.

Die O.tsbehörden des Kreises werden daher veranlaßt, diese Bekanntmachung unverzüglich. weiter zu veröffentlichen und ihr die größtmöglichste Verbreitung zu geben.

Der König!. Landrat: ____Wentzel._____

Frankreich und Elsaß.

Ein Mordbrenner-Artikel derDeutschsreisinnigen": Laßt Euch nicht täuschen", den derReichsfreund" am 12. d. M. veröffentlicht, enthält folgende Sätze:Nieder