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Marburg, Dienstag, 15. Februar 1887.

XXII. Jahrgang.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Soniitaasblatt.

_____ ____________________________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. »och. ö

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux- von Haasenstein untVoglor in gianffurt a. M, Caffrl, M agdeburg und Wien; Rudolf doffe in Frankfurt a- 4' ., Berlin München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M. Berlin, Hannover u. Paris'

Die Geister ver Finsternis.

Roman aus dem Amerikanisch n von Ä. Bayard.

(Fortsetzung.)

17. Kapitel. Eine Spur.

Seit seinem Utzten Besuche auf Law ence-Hall war Mr. Sheliou, der Det kliv, unermüdlich lhälig gewesen, das Ge­heimnis, beffen Lösung ihm zur Aufgabe gestellt war, zu ergründen, allein alle Nachforschungen scht neu seiner spotten zu woll n, dis endlich ein schwacher Lichtstrahl in das Dunkel fi.L

Es war die Entdeckun.1, daß jener Fremde, welcher den Küster bestach, um zu dem Schlüssel zu der Lawreneeschen Gtuft zu gelangen, der allgemein geachtete A zt Dr. Pratt gewesen war, zu welcher er nach endlosen Muhen gelangte.

Nachdem er diese Gewißheit gewonnen, ward ihm sein Verdacht, welchen er betreffs des gefu chenen, zeibrochenen Medaillons gefaßt und der sich auf Harold Colville rich­tete, zur feststehenden Thatsache und er entschloß sich, zu handeln.

Als einfacher Schreiber gekleidet, völlig unkenntlich durch eine rote Pcrrücke, sowie einen langen Bart und Augen­brauen von derselben Farbe, so erschien er eines Tages bet Mr. Colville und übersandte demselben seine Karte, auf der einfach der Name ,3. Sihles" stand.

N^ch einigen Minuten Verzögerung wurde er in Mr. Col­villes Sprechzimmer geführt. Dieser, äußerst elegant geklei­det, halte für seinen Besucher nur ein kaum merkliches Kopfnicken. Er hielt es nicht der Mühe wert, sich nm einen offenbar so gewöhnlichen Manu zu erbeben.

»Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen," mein Herr, sagte Co-ville st-if.

»Ich bin Schreiber in dem Bankg, schäft von Mr. Law­rence," war die kurze Vorstellung.

,Ach so" 1 sagte Colville gletchgiltig. Doch das scharfe Ange deS Det-ktiveS sth, wie er um einen Schatten bläffer wurde.

»Wie ich sehe, haben Sie Etwas verloren," fuhr der angebliche Schreiber indessen fort, indem er sich, ehe Col«

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Febr. Der Kaiser folgte sicher gestern abend mehr dem Rate der Aerzte, als dem Drange seines Herzens, als er sich entschloß, dem Hofball fern zu bleiben. Dagegen erschien zur Freude der Gäste die Kaiserin. Selbst noch im Zustande des Leidens und des Ertragens von Schmerzens glaubte die erlauchte Frau, sich auch am heu­tigen Abend die Pflicht der Repräsentation auferlegen zu müssen und in der Bildergallerie die vornehmsten Damen und Herren zu huldvollster Unterhaltung zu entbieten. Nach mehr als einstündigem Aufenthalte zog sich die Kaiserin zurück. Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung der Leistungen für Volksschulen ist aus den Beschlüssen der Kommission des Herrenhauses in fol­gender Fassung hervorgegangen: § 1. Unter Volksschulen im Sinne dieses Gesetzes sind diejenigen öffentlichen Schul­einrichtungen zu verstehen, welche zur Erfüllung der allge­meinen Schulpflicht dienen. § 2. lieber jede von den Schulaufsichtsbehörden fortan beanspruchte Steigerung der­jenigen Leistungen, welche von den zur Unterhaltung der Volksschule Verpflichteten bisher aufgebracht worden sind, mit Ausschluß der im § 47 des Gesetzes vom 1. August 1883 über die Zuständigkeit der Verwaltungs- und Ber- waltungsgerichtsbehörden aufgeführten Schulbauleistungen, beschließt in Ermangelung eines Einverständniffes der Ver­pflichteten für Landschulen der Kreisausschuß und für Stadtschulen der Bezirksausschuß. Gegen diese Beschlüsie ist binnen einer Frist von zwei Wochen nur die Beschwerde an den Provinzialrat zulässig. Die zuständige Behörde kann zur Vervollständigung der Beschwerde eine ange­messene Nachfrist gewähren. Die Beschwerde hat auf­schiebende Wirkung. Die Vorschrift des zweiten Absatzes findet auf die Hohenzollernschen Lande keine Anwendung. Die Beschlußfassung des Bezirksausschusses in den hohen­zollernschen Landen bezüglich der Stadtschulen ist endgültig. 8 3. Zn den Provinzen Posen, Schleswig-Holstein, West­falen und in der Rheinprovinz, tritt dieses Gesetz erst mit dem im 8 155 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 bezeichneten Zeit­punkte in Kraft. § 4. Der Minister des Innern und der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizmal- Angelegenheiten sind mit Ausführung dieses Gesetzes be­auftragt.

»resla«, 12. Febr. DieBrest. Ztg." meldet: Die Polizei beschlagnahmte heute 30000 sozialistische Wahl­flugblätter, weil dieselben hinsichtlich der Angabe des Ver­legers und Herausgebers den Bestimmungen des 8 6 des Preßgesetzes nicht genügten.

»Mo^liq,- veisetzte o-. o .lappt. L.l ik.v.An dem gleichen Avend, an welch, m Jgr Medaillon gefunden ward fand aus Lawrence-Holl ein höchst merkwürdiges Ereignis statt."

Ah, wirklich?" machte Colville interessiert.Und worin bestand dass Ibe ?"

L1 »D x Geist der verstorbenen Miß Lily erschien der Familie, die in Gesellschaft von Mr. Darling im Wohnzimmer ver­sammelt war, erwiederte der Besucher.Doch so blitzschnell Wie sie vor den üderrasat n Augen der Jgren aufgetaucht. so plötzlich verschwand sie wt der. Aber ich langweile Sie mit meiner Eizählung. Sie gestatten, daß ich mich verab­schiede, Sir?"

Wie in nervöser Hast hatte Harold Colville sich erhoben

Sie erlauben mti," sprach er j tzl,daß ich mich für Ihre Bemuiungen Ihm» erkenntlich z ige."

Ich danke Ihnen, mein Herr, aber das Hausmädchen, die Finderin des Medaillons, wird eine Belohnung nicht Verschmähen."

Mr. Colville überreichte dem Schreiber eine Banknote, worauf sie sich gegenseit g höflich verabschiedeten; der Za- rückdbibeude mit nur muhsum unterdrückter Bangigkeit; der sich entfernende Detektiv voll verborgenem Triumph.

Sein Weg führte ihn direkt nach Mr. Lawrences Ge- schäfisl kal Er sand den Bankier zugegen.

Sich b i demselben melden lassend, ward er ihm vor­geführt. Derselbe erkannte ihn nicht, seine Verkleidung täuschte ihn vollständig. Sich selbst beglückwünschend zu dieser neuen Probe seiner Ge'chicklichk it. sich unkenntlich zu mach », erklä.le er dem Bankier in Kürz-, wen derselbe in Wirklichkeit vor sich hab , und dann dem Ueberraschten seine Unterredung mit Colville und deren Erfolg bis ins Kleinste ausführlich zu e-zähl n.

.Ich nahm mir die Fr iheit, mir den Namen eines Ihrer Schreiber beizulegen," schloß Mr. Shelton. »Hier ist die Belohnung, welche mir Mr. Colville für das Mädchen gab, welches den Fund macht."

(Fortsetzung folgt.)

Erscheint täglich außer an Werttagen nach L onn> und Feiertagen. Quartal. Abonnements-Preis bei Expedition 2*/t Mk.. den Postämter 2 Mk. Pfg. (e?d. Bestellgel Jnsertionsgebühr für gespaltene Zeile 10 P Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Straßburg, 10. Febr. Der bisherige Reichstags- abgeoronete für Erstem-Molsheim, Baron Hugo Zorn v. Bulach, hat einen Wahlaufruf erlassen, dem wir folgende Stellen entnehmen:Wir leben gegenwärtig in einer sehr ernsten, gefahrerfüllten Zeit. Der Friede ist in Europa bedroht, aber unter allen Umständen muß der Krieg ver­hindert werden. Nur eine starke, kraftvolle Armee vermag die Fortdauer des Friedens zu gewährleisten. Nach langem und ernstem Nachdenken babe ich mich entschlossen, für das Septennat zu stimmen. Diese schweren Militärlasten sind unvermeidlich, wenn unserm teuer» Heimatlande die Schreck­nisse eines grausamen Krieges erspart bleiben sollen. . . . Als Elsaß-Lothringer werde ich durch die Liebe zu meinem Vaterlande verpflichtet, das Septennat anzunehmen, welches uns die feierlichen Erklärungen der Regierung int Reichstage verbürgen es den Frieden erhalten wird. Als Katholik gehorche ich dem Wunsche Seiner Heiligkeit des Papstes, daß die katholischen Abgeordneten für das Septennat stimmen sollen. Der heilige Vater will den Krieg verhindern und den religiösen Frieden in Deutschland wiederherstellen." Der Aufruf wendet sich dann gegen die falschen Gerüchte, welche das Septennat als eine Verlängerung der Dienstzeit auf 7 Jahre darstellen, und fährt fort: Man hat Euch gesagt, die Bevölkerung solle durch uner­schwingliche Lasten zu Grunde gerichtet werden. Auch das ist falsch. Ein Krieg würde Elsaß-Lothringen zu Grunde richten und das Land sowie jeden einzelnen Einwohner tausendmal mehr kosten, als die 43 Pfennig, welche die Heeresverstärknng dem einzelnen auferlegt. Wir alle wollen den Frieden, und zwar einen langen und gesicherten Frieden. Denn nur im Frieden können Ackerbau, Industrie und Handel sich von der gegenwärtigen Krisis erholen. . ." Mit Recht sagt die Straßburger Post von diesem Auf­rufe:Das ist die Sprache eines Mannes, der furcht­los und treu, es mit seinem Lande gut meint und den Mut seiner Ueberzeugung hat. Hätten wir viele solcher selbstständigen Politiker in Elsaß-Lothringen, fürwahr, die Entwicklung des Landes wäre weiter fortgeschritten."

Metz, 9. Febr. Bon hier wird derWeser-Ztg." geschrieben:Wie zu vermuten war, ist durch die vor­gestern und gestern erfolgte Einziehung der Reserven eine wahre Panik unter der Landbevölkerung entstanden, die noch dadurch erhöht wurde, daß seit einigen Tagen an den Forts und Festungswerken sichtlich gearbeitet wird. (Es handelt sich hierbei um Ausbesserungsarbeiten, die bereits bei der im letzten Herbst vorgenommenen Festungsbesichtigung für notwendig erachtet wurden.) Etwa 1000 Arbeiter, meistens aus der Saargegend und der Pfalz sind dabei otll siq D ff n o^liah, vo uvc.oeugie lwq öiin halvin M - daivon, welches unter anderen Kostbarkeiten an Mr. Col- ville's Uhrkette hing.

Eine Privatangelegenheit, welche Fremde Nichts an­geht I" antwortete Colville hochmütig.

Ve-zeihen Sie, mein Herr, aber iußhalb allein sprach ich bet Ihnen vor," antwoitete der so kuiz Abg. fertigte un­erschrocken, indem er mit der Hand in die Blusttasche griff, die andere Hälfte des Medaillons hei vo zog und gewandt an den zeibrochenen Teil an der Uh,kette befefngte.Ich habe die Ehre, Ihnen Ihr Eigentum zmückznst llen," sagte er dann, sich verbeug, nd, tnbctn er zurücktrat.

Mechanisch legten sich Harold Colville'S Finger um das Medaillon.

Zum Henker, wo fanden Sie es?" fragte er und ließ, verleitet du-ch die gleichgültige GefchäftSmiene dcS Schreib rs, olle Voi sicht in Ton und Rede außer Acht.

Ich bi» gar nicht ber Finder," erwiederte der Andere ruhig.Ich brachte es Ihnen in Mr. Lawrence's Auftrag. Es wurde am Abend deS einundzwanzigsten dieses Monats auf Lawrence-Hall gefunden."

Mr. Colv lle fuhr von seinem Sitz auf, als habe ihn eine Kugel get offen. Er wu de weiß wie ber Tod und starrte seinen Besucher einen Moment lang regungslos an. Endlich, mit einer gewaltigen Anstrengung, raffte er sich auf und fragte raub:

Wie kam Mr. Lawrence auf den G danken, eS mir zu schick u? Ich bin allerdings mit Mr. Law eure befreundet, aber seit Monaten war ich nicht in seinem Hanse."

Er e> kannte daS M daiüon durch das Monogramm darauf als Ihr Eigentum und vermutete, daß Sie an jenem Tage während seiner Abwesenheit den Damen Ihre Auf­wartung gemacht hätten, antwortete d-r Detektiv mit v ll- kommenster Gelaffenhett.

Mr. Lawrence kamt im Rechte sein," ve-fitzte Mr. Col­ville, erleichtert aufatm nd,ich weiß eS nicht. @ ft feit gestern nahm ich den Verlust wahr. Vielleicht fand eS Jemand anders auf der Straße und verlor eS nachher in Mr. Lawrence's HanS."

beschäftigt, und täglich treffen neue Scharen, besonders aus Saarbrücken, wo ein eigenes Arbeiterwerbebüreau einge- richtet sein soll, hier ein. Die gewöhnlichen Arbeiter er­halten 3 Mk., Handwerker 4 Mk. täglich. Die Arbeiten bestehen darin, baß die Erbwälle ber Forts mit einer schützenden Betondecke überzogen werben. Da die frauzösi- sch/"' mit Melinit gefüllten Granaten sogenannte Bohr­geschosse sind, so soll durch den Betonüberzug verhindert werden, daß dieselben in die Erdwälle einbringen und dort explodieren, vielmehr diese Explosion bereits beim ersten Aufschlagen erfolgen muß. Von den eingezogenen Reser­visten hat sich leider eine Anzahl verleiten lassen, über die französische Grenze zu gehen und sich nicht zu stellen, doch mutz die Zahl nicht so erheblich sein, als die französische Presse schon ttn voraus zu verbreiten sich bemühte Es waren in Voraussicht eines solchen Vorkommniffes reichlich lO pCt mehr als die geforderte Zahl einberufen, und trotzdem der Ausfall an Deserteuren davon gedeckt werden mußte, konnten fast sämtliche Reklamationen berücksichtigt werden Bei den hiesigen vier Regimentern sollen im ganzen etwa 80 Mann gefehlt haben. ö 8

Ausland.

Nom, 12. Febr. DerPopolo Romano" ist der Ansicht, etn Ministerium unter dem Vorsitze des Grafen Robilant sei unwahrscheinlich Wahrscheinlicher sei ein neues Kabinett Depretis; Robilant dürste alsdann mit den ihm ergebenen Elementen zur Verstärkung der Majorität und zur Erweiterung der parlamentarischen Basis beitragen DieOpinione" meint, als Graf Robilant von einer Demission sprach, hätten Depretis und seine Kollegen in totaler Weise erklärt, gleichfalls zu demissionieren und der Krone geraten, ein Kabinett Robilant zu bilden, welches sie unterstützen würden. Mithin sei klar, daß die Krone auf den einmütigen Rat ber zurücktretenden Minister sowie fast aller in den letzten Tagen zu Rate gezogenen politischen Persönlichkeiten dem Grafen Robilant die Bil­dung eines Kabinettes übertragen werde. Obgleich die Opinione" die Hoffnung ausspricht, Graf Robilant werde den Aufmunterungen der Krone und den Bitten feiner Kollegen, sowie fast aller politische» Persönlichkeiten des Parlamentes nachgeben, glaubt das Blatt doch an der An­nahme seitens Robilants zweifeln zu sollen. Wenn auch ein Kabinett Robilant den sehr ernsten politischen Be­dürfnissen Italiens genau entsprechen würde, da die Majorität und die mit ihr wesentlich übereinstimmende Disiiventenfraktion eine große Mehrheit in der Kammer bildeten, so müßte Graf Robilant, falls er die Bildung