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Marburg, Sonntag, 13. Februar 1887.

XXII. Jahrgang.

iiti'llflW Aitrnis

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Soniitaasblatt

_____________________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch. " *

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O, Lancelot so fpcttycn ete?- versetzte die W.tlwe schmerzlichen Tones. .Die Bitterkeit eines Levens voller Abhängigkeit, wie ich es führe, sehen Sie nicht? Ach, freudig würde ich Mrs. Lawre- ce's Haus morgen schon ver­lassen und mir meinen Unterhalt mit meiner Hände Arbeit erwerben, wenn nicht ein teures Band mich hter fcsthielte und das mit einer Macht, stärker als mein weiblicher Wille l-

Uad j.nes Band?" fragte der nichtsahnende junge Mann.

»3>t eine leidenschaftliche, u- auslöschbare, hoffuungslose Liebe für Einen, der, einem Sterne gleich, hoch am Himmel meines Lebens steht,- antwortete fie und ihre Auge senkten fich vor seinem ernsten Blick.

»Sie sprechen von Mrs. Lawrence!- forschte er.

»O, Lancelot,- ries fie und beschattete ihre glühenden Wangen mit der Hand,warum wollen Sie mich mißver­stehen?- Können Sie es denn nicht erraten, was offen zu sagen meinen ganzen weiblichen Stolz überwinden heißt? Wisse» Sie es denn nicht längst, daß Sie es sind, den ich liebe, Sie und kein Anderer?

Wäre eine Bombe vor Lancelot Darlings Füßen ge­platzt, so hätte er nicht erstaunter und bestürzter sein kön­nen, als bet diesem nnvermuteten Geständnis. Mit einem Satz stand er auf seinen Füßen, während glühende Röte sein Gesicht übergoß.

Mrs. Vance--- rang eS sich schwer über seine Lippe».

Sie sah feine mächtige Bewegung; sie sah, wie er nichts weniger als freudig überrascht war bet der unerwarteten Offenbarung, welche fie ihm so unverlangt gemacht hatte, und voller Angst sagte fie fick, daß vielleicht Alles auf dem Spiele stand, wenn fie nicht schnell und schlau intervenierte.

Nein, nein, Laocelot,- fiel sie ihm mit Hast ins Wort, ihren Arm auf den seinen legend und ihn so zwingend, fie auzuhöreo,nein, Laocelot, sagen Sie nicht, was Sie im Begriff stehen, aussprechen zu wollen. Ich ertrüge c» nicht---

Eine schmerzlich abwehrende Bewegung von ihm ließ sie erschreckt inne halten.

Während sich dieGermania" im Schweiße ibres Angesichts abmüht, für die beiden Jakobinischen Noten und die peinliche Thatsache ihrer Verheimlichung durch die Herren Windthorst und Freiherrn von Franckenstein einen leidlich günstigen Gesichtspunkt der Beurteilung zu entdecken, hat dieFreis. Ztg." dieses erlösende Wort be­reits gefunden. Nach diesem Blatt ist nämlich derGe­währsmann" der MünchenerAllg Ztg.", der diesem Organ den Wortlaut der Note des Kardinals Jakobini übermittelte, selbstverständlichein Reptil aus dem Berliner Preßbüreau." Bekanntlich hat dieFreis. Ztg." schon die Presse aller Länder, Oesterreichs, der Schweiz, Englands, der Vereinigten Staaten rc., an allen möglichen und un­möglichen Stellen über und über mit diesem Schlagwort, wie weiland Herr Kicsclack die Schweizer Berge bemalt- daß sie nun aber ein solchesReptil" es selbst bis zum Kardinalshut und einer Vertrauensstellung im Vatikan bringen läßt, ist wohl doch eine etwas zu stark gegriffene Reklame für das Preß - Institut, dessen weltbeherrschender Einfluß die fixe Jvce des Herrn Richter bildet.

Darmstadt, 10. Febr. Dian meldet derK. V vo" hier: Wie mir heute aus guter Quelle bestätigt wird, ist demnächst die Verlobung des Prinzen Heinrich von Preußen, der zur Zeit in Kiel als Korvettenkapitän und Führer der zweiten Kompagnie der ersten Matrosen-Division Dienst thut, mit seiner Kousine der Prinzessin Irene von Hessen-Da,mstadt zu erwarten. Der Prinz ist 24, die Prinzessin 20 Jahre alt. Ihre älteste Schwester ist die Gattin des Prinzen Ludwig Alexander von Battenberg, während ihre zweite Schwester mit dem Großfürsten Sergius von Rußland vermählt ist.

Stuttgart, 10. Febr. Unter der Spitzmarke:Die Württemberger und General Boulanger", bringt d.rSchw. Merkur" folgende historische Reminiscenz:Eine heiße Mittagsstunde war es, welche die württembergischen Truppen am 30. November 1870 vor Paris erlebten. Denn mit Uebermacht hatte General Ducrot ihre dünnen Linien an­gegriffen, und schwer war der Stand, welchen unsere erste Feldbrigade auf der langgestreckten Linie Villiers-Coeuilly- Chennevitzres hatte. Der kühne Vorstoß mehrerer Kompagnieen des Regiments Königin Olga aus dem Parke von Coeuilly, bei welcher Oberst v. Berger die Todeswunde empfing, hatte nicht fortgesetzt werden können, als auf der Höhe des Weges von Chennevieres nach Bry die französischen Bataillone gleichsam aus dem Boden herauszuwachsen schienen. Und als nun die Unfern wieder ihre Vertkidigungsstelle im Parke von Coeuilly einnahmen, da fot te ihnen die französische Jnfanteriemasse auf dem Fuße, rechts das Regiment Bends, in der Mitte das 35., links das 114 und das 42. Regiment. Trotz des wirkungs-

Die Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerilanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Wieder lieben lernen!" sprach Lancelot ihr bitter nach. »Mrs. Vance, Sie unterschätzen die Treue und Beständig­keit Meines Herzens. Meine Liebe gleicht dem Rosenstiauche im Herbste. Die Blüte entfuhrt der Sturm, die Tonnen bleiben zurück. Mir nahm der Tod das Wesen, für welch.s ich einzig lebte, und Nichts blieb minem Herzen, als der Stachel des Leides, der ti.f und tiefer bohrt, je qualvoller ich mir bewußt werde, was ich verlor!"

Und er bedeckte dir Augen mit der Rechten, um die Thrünen zu verbergen, welche in denselben aufglänzten.

Mrs. Vance, ließ ihn, klug wie fie war, gewähren, dann aber an ihn heraulretend, legte fie die Hand sanft auf seinen Arm und er wendete ihr nun eia kummervolles Antlitz zu.

Armer Freund," sprach sie wehmütig,ich b klage Sie tief, aber Sie sollen, Sie dürfen.nicht immer so traurig sein. Kommen Sie," fuhr sie fort, bestrebt die Unterhaltung auf ein anderes Thema zu lenken,es war sehr freundlich von Ihnen, mir die Noten zu bringen. Wollen Sre mir das Blatt umwenden, während ich die Lieder probiere?"

Er war viel zu uneigennützig, als daß er ihr die Bitte abzuschlagen vermocht hätte.

Und doch war t8 Todesqual für ihn, am Piano zu stehen und auf den dunklen Kopf uiederzubltckea, ,tatt wie einst feine liebenden Blicke auf dem goldigen Haar seiner Geliebten haften zu lassen. Wenn daS Gesicht sich mit einem Lächeln zu ihm erhob, begegnete er statt de» sanften, blauen Auge» seiner verlorenen Braut dem verführerischen dunklen Blick dieser Sirene, und sein Herz schrie auf vor Weh.

Endlich MrS. Vance erhob sich von ihrem Sitz vor dem Klavier und er folgte ihr, tief aufatmeud.

*34 bin des Musizierens müoe," sagte sie, auf dem

Ausland.

Wien, 11. Febr. DasFremdenblatt" kündigt die demnächstige Einbringung der bereits signalisierten Kredit­forderung in dem beiderseitigen Parlamente an für die fc^on im Frieden nötige Ergänzung der Reservevorräte der beiden Landwehren, namentlich hinsichtlich der Beklei- düng und Beschuhung, sowie für die militärische Ausrüstung der Landsturmauszugs - Bataillone excl. der Bewaffnung,

Deuttch-s Reich.

Berlin, 11. Febr. Der Kaiser empfing heute vor­mittag den General von der Goltz, den Oberzeremonien­meister Grafen Eulenburg und den Oberhofmarschall von Peiponcher, nahm darauf militärische Meldungen ent­gegen, konferierte mit den Grafen Stolberg und Hochberg und »lachte eine Spazierfahrt, wobei er der Herzogin Max Emanuel von Bayern einen Besuch abstattete. Am Diner nimmt Prinz Wilhelm teil. Der Bundesrat beschloß gestern die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Offenbach und erteilte dem Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des internationalen Vertrages zum Schutz der unterseeischen Telegraphenkabel und dem Entwurf einer Deklaration der Artikel 2 und 4 dieses Vertrages sowie den Gesetzentwürfen für Elsaß - Lothringen über die Be­strafung von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Feld- und der Fährpolizei lyib über die Versetzung er­krankter Richter in den Ruhestand die Zustimmung. Hier­aus wurde über Eingaben verhandelt. Einer Eingabe, betreffend die Stempelsteuer-Revision der Schriftstücke von Aktien-Gefellschafteu, beschloß die Versammlung keine Folge zu geben. Dagegen wurde beschlossen, aus Billigkeitsrück­sichten sich damit einverstanden zu erklären, daß die Stempelabgabe für nicht abgefetzte Lose aus der Lotterie eines Kunstvereins zurückvergütet werde. Die bisher von - der Fürstlich schwarzbnrgifchen Regierung besetzte Haupt­amts - Afsistentenstelle bei dem vereinsländischen Haupt- Zollamt in Hamburg soll,, nach Verzichtleistung der ge­nannten Regierung auf die Besetzung derselben, künftig von der Königlich preußischen Regierung besetzt werden. Mehrere Gesetzentwürfe für Elsaß Lothringen: über die Er­richtung öffentlicher Darlehenskassen, über die gesetzlichen Feiertage, ferner: über die Feststellung der Entschädigungen im Falle der Zwangsenteignung wurden den Aus­schüssen für Juftizwesen und für Elsaß - Lothringen zur Vorberatung übergeben. Die allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von Elsaß-Lothringen wurde den Aus­schüssen für Rechnungswesen und für Elsaß - Lothringen überwiesen. Zum Schluß legte der Vorsitzende bieUeber- sicht der Geschäfte des Reichsgerichts im Jahre 188b vor. Sehr interessant und lehrreich findet ein hiesiges Blatt die derVoss. Ztg" entnommene Notiz:Professor Virchow hat vor einigen Tagen in einer hiesigen Versammlung erwähnt, daß aus Börsenkreisen diesmal die üblichen Bei­träge für den Wahlfonds der deutfchfreisinnigen Partei versagt worden seien In der Thal findet sich in den bisher veröffentlichten Listen kein hervorragender Börsen­mann, wie denn überhaupt die größeren Beiträge (im Be­trage von 1000 Mark und darüber) recht dünn gesäet sind."

vollen Eingreifens unserer Geschütze, trotz des verheerenden Schnellfeuers des Verteidigers der Parkmauer von Coeuilly blieben die französischen Bataillone im Vormarsch gegen den Park. Einem Bataillon halten wir kaum eine Ko7npagnie entgegenzustellen. Allein unerschütterlich hielten die Unfern

die Verluste der Franzosen wuchsen mit jedem Schritt, U)r Angriff stockte, und als eine Kompagnie des 1. Regiments und unsere Jäger, ihrer Minderzahl nicht achtend, mit Flanke der Franzosen einbrachen, wandten sie sich zuruck in wilder Flucht. Nur das 42 Linlenreglment ging nach der Aussage des General Ducroi geordnet zurück, die übrigen französischen Regimenter trieb eme Panik bis unter die schützenden Mauern Champignys, darunter befand sich auch das Regiment 114, dessen Kom­mandant, der Oberstleutnant Boulanger, verwundet worden war Derselbe ist heute französischer Kriegsminister, und wer weiß, ob nicht in Bälde französischer Diktator. Wir Württemberger haben also bereits die Ehre, seine persön- liche. Bekanntschaft gemacht zu haben. Wir haben kein Bedürfnis, dieselbe zu erneuern. Wir müssen jedoch die notigen Empfangsvorbereitungen treffen für den Fall/ daß er seine unverhohlen ausgesprochene Absicht verwirklichen sollte, wieder mit den Deutschen zusammen zu kommen. Wer will die Verantwortung tragen, daß, sei es in zehn jtagen, sei es tn zehn Jahren, wiederum infolge der schwachen Zahl unserer Truppen, unsere Kompagnieen französischen Bataillonen gegenüber stehen?"

Bischtveilrr, 10. Febr Ganz unerwartet erschien am Sonnabend ein Mitglied der höheren Schulbehörde aus Straßburg in einem der hiesigen Töchterpensionate und befchlagnahmte sämtliche in dem Besitz der Schülerinnen befindliche Bände einer französischen Geschichte. In den betroffenen Kreisen herrscht ob dieses Falles eine gewisse Aufregung. Allein dieses Vorgehen der Behörde gegen die Einführung eines für elsässische Schulen ungeeigneten unb aus diesem Grunde auch nicht zugelassenen Lehrbuches wird, so meint dieStraßb. Post", kaum Diejenigen in Erstaunen setzen, denen die Art und Weise nicht unbe- kannt ist, tn welcher gewisse geschichtliche Begebenheiten, und insbesondere der deutsch-französische Krieg von 1870-71, m den meisten französischen Lehrbüchern behandelt sind.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach £ onn- und Feiertagen. Quartal» Abonnements-Preis bei der Expedition 21/. Mk., bei ben Postämter 2 Mk. 5) Psg. lexcl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Fianlsurt a.M, Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Franljurt a. V Berlin München unb Köln; G- L. Daube unb Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover u. Paris

Divan Platz negmenb unb iyn einladend, sich iemn fie zu s tzcn. , Komuun Sie. Plaudern wir mit einanderl"

3D werde Ihnen mit Vergnügen zuhören, wenn auch Sie mit meiner geringen UnterhaltuunSgabe fürlieb nehmen wolle»/' v rsitzte er ihrem Geheiß Folge leistenb.

Sie sind im Voraus entschnidi t," erwideite sie eil- firtig.Ich wüßte Nichts, für das ich für sie nicht Ver­gebung finden wurde, Lane-lot," fugte fie leise hinzu.

»Ihre Güte bewegt mich tief," antwortet- er ernsthaft. Ich besttze viele Fehler und bedarf wahrer Freunde, welche dieselben Übelsehen."

Wahrer Freunde I" seufzte die schöne Frau. Ach könnte ich eine» einzigen Freund find n!"

Lancelot überraschte dieser Ausruf nicht wenig, doch sein Erstaunen sollte in Bestürzung übergehen, als sie plöklich ihr G.sicht mit beiden Händen bed-ckte und zu schluchz n begann; al« wenn ihr Herz brecht» wollte.

Mrs. Vance," st- er beunruhigt hervor,was ist die Ursache Ihres Kummers? Was habe ich gesagt oder gethau, was Sie verletzen konnte?"

Doch keine Antwort erfolgte. Als bedurfte sie ihrer ganzen Kraft, nm fich wieder zu fassen, so dauerte er Mi­nuten, ehe sie die Hände vou d-m G<sicht niedergleiten ließ und Lancelot nun mit thräne-lschimmernde» Augen groß ansah.

Lancelot, verzeihen Sie mir,- sagte sie mit zitternden Lippen.Ich konnte mir nicht anbei8 helfen. Unbewußt beruhten Ihre Worte in meinem I >nrrn eine schmerzliche Saite. O, Lanc lot, ich bin sehr, sehr unglücklich!-

Unglücklich Sie?" fragte er bestürzt.DaS habe ich nie geahnt!"

,W il ich meinen Schmerz in trügerischem Lächeln zu verb.rgkN wußte,- war die traurige Antwort.

Aber welchen Grund können Sie haben, unglücklich zu sein?" fragte Lancelot.Ist Ihr Leben nicht ein sorgen­loses?Sind denn Ihre Freunde nicht gm und liebevoll gegen Sie?