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MltLHurg, Freitag, 11. Februar 1887.
XXII. Jahrgang.
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rischen Neigungen unserer westlichen Nachbarn kein wirksamerer Zügel angelegt werden können, »ls durch die Wahl ernes Reichstags, welcher die nötige Gewähr für die Sicherung Deutschlands gegen äußere und innere Gefahr bietet. In der Hand der Wähler liegt daher in der That Krieg und Frieden. Eine Erneuerung der Mehrheit Windthorst bedeutet Krieg, ihre Beseitigung Frieden!
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Febr. Der Kaiser ließ sich im Beisein des Kriegsministers, des Generals von Albedyll und des Obersten von Winterfeld die Mannschaften des Lehr-Jn- fantcriebataillons, welche mit dem neuen Gepäck ausgerüstet sind, vorstellen und nahm alsdann die Vorträge des Kriegsministers und des Geh. Kabinettsrats v. Wilmowski entgegen. — Während die Freisinnspresse mit peinlichster Gewissenhaftigkeit von jeder deutschen Trnppendislokation Notiz nimmt, wird man, merkwürdiger Weise, in den Spalten jener Presse vergebens nach der leisesten Andeutung über die Maßnahmen der französischen Heeresverwaltung suchen, welche allein zu den entsprechenden deutschen Truppenbewegungen Veranlassung gegeben haben. Umsoweniger glauben wir dem deutschen Publikum verschweigen zu sollen, was wir aus zuverlässiger Quelle über französische Truppendislokationen erfahren. Dahin rechnet wir in erster Linie eine Bestimmung, wonach die vierten Bataillone der Infanterie-Regimenter nach der Grenze geschickt und dort in eben jenen Barackenbauten untergebracht werden, von denen neuerdings so viel die Rede gewesen ist. Hieraus dürfte schon zur Genüge erhellen, wie falsch und grundlos die Version ist, als sollte in den Baracken Unterkunft für die aus den feuchten Kassematten der Sperrforts zu evakuierenden Besatzungen geschaffen werden. Im Gegenteil, die Kasernements der Sperrfoits sind mit Truppen dermaßen überfüllt, daß sie für keine weitere Mannschaft mehr Raum gewähren, am wenigsten für die Truppenmassen, die gegenwärtig in dem Grenz- lltayon gegen Deutschland angehäuft werden Bei den zur Zeit im Gange befindlichen militärischen Bewegungen hinter der französischen Grenze handelt es sich speziell um Logements für die nach Verdun und Toul bestimmten 4. Bataillone, und die nach Epinal dirigierte Kavalleriebrigade. Auch verkehren ununterbrochen Proviantzüge nach der Grenze, insbesondere nach Verdun und Toul. Kurz, so zu sagen, unter unseren Augen vollziehen sich an unserer Grenze umfassende Vorkehrungen, welche nur dann einen vernünftigen Sinn haben können, wenn sie nahe bevor-' stehende Ereignisse einzuleiten bestimmt sind. Wir können noch aus derselben Quelle hinzufügen, daß die militärische
„Ich weiß nicht, woher sie Ihren Veidaatt hüt, aber ,o viel weiß ich, daß fie mit ihrer Weisheit nicht schlecht wec- gekommen ist, denn sie scheint der Dame sämtliches G Id bereits zu besitzen, da sie eben auf dem besten Wege ist sie ihrer Juwelen zu berauben. Vornehme Dam.n tienne» sich nicht gerne von solchen Ding>n, wenn nicht schon ihr G-ld den gleichen Weg gewandelt ift!« schloß er, die Broche und das Schlangenarmband, dessen Smaiagd-Augen wie lebende glanzten, in die Höhe haltend.
»Es ist Alles falsch! Sie gab mir nur einmal Geld!« fiel Molly ein. „Sie ist eine arme Frau und hat nichts zu verschenken.
„Woher aber weißt Du all Dies, Lederet, da doch, wie Du sagst. Deine Frau nicht mit Dir teilen wollte?« fragte Doktor Ptalt mit nur mühsam unterdiücktem Zorn.
„Die Dame war Molly h-ute hierher gefolgt. 'Bisher ging meine Frau als Spitzender känferin zu der Dame ins Hans. Dieselbe fürcht.t aber, das könne Verdacht erreaen und will deshalb das Geld selbst hierherbringen.« '
„Hierher bringen!« wiederholte Doktor Pratt nud dicht vor die erschreckte Molly hintretend, fuhr er finster fort: „Molly. Du wirst nie wieder gestatten, daß die Dame hierher kommt. Handelst Du mir entgegen, so ist es Dein Tod! Lu hörst und verstehst mich?«
„Ja, Sir!«
„Und Du versprichst mir zu gehorchen?«
„Ich verspreche e?, Sir!«
„Gut denn. Ich rate Dir, halte Wort! Und Du, Leveret, gieb auch Du Acht auf meine Warnung. Wer von Euch sich Mrs. Vance nochmals nähert, soll es bitter iu bereuen haben, das schwöre ich!«
_ »2st Deine Gefangene gut aufgehoben, Molly?« fragte Colville, dessen Ungeduld diese Verzögerung verdoppelt hatte
„Ja, Sir!« war die Antwort.
„So gi<b den Schlüffe! her. Wir wünschen sie zu sehen!« gebot Colville, worauf er mit Doktor Pratt das Gemach verließ.
Lily Lawr, ce hatte wieder das Zimmer inne, durch dessen Fenster sie den ersten Fluchtversuch gemacht hatte.
firf1,rfrnnhe ,tieh£et WteJöie betöste El,eustange neu Der.
nnD am Tage nach des Mädchens weitem Flucht- Deriucb war ste wieder in ihre alte Gefäagnisz lle übergesiedelt m J?te w“&te es nicht, ob Fanny Colville jene traurige S ober nicht iUm ^aIe ^suchte, überlebt ,, "»8 dem schauerlichen Kerker der Aermsten
ben Gang, der an die Tieppe unterhalb der Fallthür ^^^'?^auszutreten, hatte ein Ton ihren Fuß gehemmt der nichts Menschliches hatte. u y
Einen Moment hatte sie an den Boden gewurzelt gestanden, aber im nächsten Augenblick hatte cs fie wie mit gurten fortgetrieben aus dem unterirdischen Gefängnis.
. Z" ihr Zimmer zurückgelaugt, hatte sie lange gehorcht, ob der Ton sich wiederholen würde, allein es war still ge-
und schaudernd sagte sich Lily, daß es vielleicht der b'n ÄÄfc“ S“”’"
Heber jenes nächtliche Ereignis nachdenkend, saß Lily auch i tzt, als ein kurzes Klopfen sie zusammenfahren ließ.
Jyre Augen blickten aus, ihr Gesicht ward wenn möglich noch weißer, als es ohnehin schon war und voller Verachtung zuckte es um ihre Lippen.
»Ich hoffe. Sie wohl zu finden, Miß Lawrence,« begann Harold Colville, an fie herantretend.
»Sie hoffen, mich wohl zu finden?« wiederholte Lily scharf. „Fürwahr, Sie thun alles, was dazu beiträgt, mir das Leben angenehm zu machen!'
»Ve!zeihen, Sie mir, Lily; aber zwingen Sie mich nicht L03“'. Außregeln zu ergreifen, wie ich es sicher nicht gern thue l Warum geben Sie nicht endlich nach und machen mich zum Glücklichsten aller Sterblichen?«
Und Colville versuchte es, ihre Hand in die seine zu zurück"' abcr stieß dieselbe mit einer heftigen Bewegung
Doktor Pratt zog fich ans Fenster zurück und schien die ganze Unterhaltung ignorieren zu wollen. W
(Fortsetzung folgt.)
Krieg oder Frieden.
Unsere freifinnige und ilerikaldemokratische Presse konnte nrcht genug Aufhebens von den friedlichen Erklärungen ^^^/sungen, deren sich die französische Presse in der letzten Zett befleißigte, machen. Obwohl^, diese Friedensklange am geflissentlichsten gerade von der Revancheprcsse aus- gmgen und selbst der Blödeste daher einsehen konnte, daß sie im Interesse der auf Anzettelung eines Revanchekrieqes gerichteten Bestrebungen angestimmt sind, schwamm die ae- samte demokratische Presse in Freuden und war nur zu verett ihren Lesern als unumstößlichen Beweis von der Sicherung dauernden Friedens darzulegen. Ob dabei den krieae- nschen Gelüsten in unserem Nachbarlande Vorschub geleistet wird, ist dieser Sorte von Politikern eben völlig gleich- gillig, denn die Interessen ihrer Partei und ihrer Macht ^hen ihnen selbst über die Sicherung des Vaterlandes vor Kriegsgefahr.
aber waren diese Preßorgane, als der ftan- zvsische Ministerpräsident in einem Gespräch mit einem Abgeordneten die friedlichen Dispositionen der französischen Regierung und seine Ueberzeugung von der friedlichen Gestaltung der Verhältnisse Europas betonte. Sie gingen r^lf,r?^en ^orten die Bedeutung einer unzweifelhaften Sicherstellung dauernden Friedens beizulegen. Was es in- deß mtt dem wahren Wert derartiger friedlich klingender Worte für em Bewandnis hat, zeigt sich in der Reget erst, wenn von den bloßen Worten zu Thaten überzugehen fit. In dem vorliegenden Falle ist diese Probe auf das Exempel nur zu rasch, aber freilich nicht in dem Sinne unserer Opposttionspresse erfolgt; denn die französische Regierung hat dem aus der Deputierteiikammer hervorgegangenen Anträge, den verlangten Kredit von 86 Millionen behufs beschleunigter Durchführung kriegerischer Rüstungen um em ^ahr zu verschieben, den entschiedensten Wider- sprüch entgegengesetzt. Sogar diese verhältnismäßig fried- ll$ Schüttle Regierung spricht zwar friedlich, rüstet aber unablässig und mit zunehmender Beschleunigung für r. Ml.e®‘ ®enn, "der schon eine Regierung, welcher * d^nnarck mit Recht einen verhältnismäßig fried- Itdjen Charakter beimißt, friedliches nur in Worten, so- wett aber die That in Frage kommt, die Förderung des Krieges sich angelegen fein läf t, was werden wir erst von emem Wechsel im Regiment zu erwarten haben, welcher den Mann ans Ruder bringen würde, der als die Ver- ^ch/rung des Revanchegedankens mit Recht angesehen wird! Diese Möglichkeit aber wird unfraglich wesentlich gefördert durch emen Ausgang der Wahl vom 21. d. M., welcher Deutschlands Sicherheit nach Außen und seinen inneren Frieden gefährden würde. Umgekehrt aber wirv den kriege-
• Eisenbahnkommisston ununterbrochen arbeitet und daß in Algier Vorbereitungen getroffen werden für die schleunige bort befindlichen vierten Bataillone nach Frankreich. Merkwürdig, daß der Spezialtelearavb IUanbrehnfrei^rff6t,re f' wen" es dergleichen, für Deutsch- . 8. Febr. Ueber den bereits berichteten sozial
demokratischen Krawall berichtet die „ Ostsee-Ztg " • Die M -VS3 "VN der sozialdemokratischen Partei nach der GrnnhofiBrauerei „Bock« einbcrufene Wählerversamm- lung' -n welcher die Sozialdemokraten Herbert, Görcki und Schwenhagen als Redner über die bevorstehende Reichs- ^"sijveten sollten, wurde nach etwa oiertelftün» tzSer Dauer durch den die Versammlung überwachenden Krtminalkommissartus Schmidt auf Grund des Sozialisten- 0 Die Versammlung, welche von etwa
3000 Personen besucht sein mochte, wurde um 8'/. Uhr durch den zum Vorsitzenden gewählten, aus Berlin aus- gewlesenen Maurer Behrendt eröffnet. Es erhielt zunächst fnnk-T3? VbCt •ten Sozialdemokraten als Reichstags- SS! fUH ®tethA ausgestellte Buchdrucker Herbert. Derselbe griff zunächst die Brömelsche Kandidatur an wobei er auch das Arbeiterschutzgesetz streifte, als der ^Enalkommissarlus Schmidt die Versammlung für ge- "klarte. Ein furchtbares, langanhaltendes Hurra- Geschrei, untermischt nut einem wüsten, den Saal erschütternden Gebrull beantwortete diese Erklärung. Die Redner sowie die Mitglieder des Büreaus verließen die Redner- buhne. Der Kommissarius forderte dann, von einigen Polizeibeamten unterstützt, von der Bühne herab Die Menge verblich auf, den Saal zu verlassen. Diese Aufforde- derungen wurden mit erneutem Gebrüll und allerlei Dro- hungen beantwortet. Einer der wütenden schleuderte ein Bierseidel gegen die Polizeibeamten; dies war das Signal zu emem furchtbaren Bombardement, welches jetzt aus der Versammlung mit Bierseideln gegen die Beamten begann uollgle, sich schleunigst in den dahinter Gelegenen
SSorfaal zuruckzuziehen. Die Menge suchte in wilder Eile Saal zu raumen. Durch Thüren und Fenster stürzte usies, teils nach der Straße, teils in den ©arten. Unter furchtbarem Geschrei wurden Thüren und Fenster des der Straße und vom Garten aus demoliert.
Als Material dienten von emem in der Nähe befindlichen ^eubau ausgestapelte Mauersteine, Bretter, Balken rc. Die Polizeibeamten, denen noch eine Anzahl Nachtwächter ju Hülfe eilten, waren diesem Treiben gegenüber machtlos.
Erden daher Boten nach der Stadt gesandt, um mili- tansche Hilfe zu requirieren. Gegen 9’A Uhr rückte dar-
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quart Abonnements-Preis bei Expedition 21/. Mk., den Postämter 2 Mk. $fa. (epi. Bestellgel Jnsertionsgebühr für i gespaltene Zeile 10 Ps Reklamen für die Ze,w 25 Pfg.
Die Geister ver Finsternis.
Aoman ans dem Amerilanisch.n von 11. Bayard.
(Fortsetzung.)
^^'Sieh da!« tief tr wild. „Jhns Geldes haft Du die Dame schon beraubt, jetzt willst Zu Dich auch noch ihrer Juwelen versichern Wohin hast Du das Geld versteckt? Spiich, ehe ich Dich töte!«
anhaltendes Klopfen gegen die Hausthür schnitt Molly Die Antwort auf düse Frage ab.
... 2n Hast fuhren Beide auseinander und der alte Lederet stürzte hinaus, wahrend Molly eilig ihre Kleidung ordnete, ßnih n ■£kUIelo* ^vach Doktor Pratt, gefolgt von Harold ©olotUe in das Zimmer etntretenb. „Was geht denn hier vor. Nie zuvor in meimm Leben hörte im solches Gelärm Was war die Ursache!?« ü quirierte er scharf.
„O, nichts von Bedeutung,« antwortete die alte Molly Dem alten Leveret einen warnend,» Blick zuwerfend.
Dieser jedoch achtete nicht darauf.
„Wir gerieten in Streit wegen einer Dame«, sagte er, die ein Geheimnis hat und von der ste deshalb
,®eIb "halt, und sie weigert sich, Geheimnis und Geld mit ihrem Manne zu teilen.«
„Wer ist die Dame und was für ein Geheimnis ist es zwischen Euch? fragte Doktor Pratt und sah die Alte streng an.
ar »Das kümmert Sie nicht, Herr Doktor, war die unwirsche Antwort der Alten.
„Ihr Name war Mrs. Vance!« sprach Mr. Leveret, der eine höllische Freude darin fand, sein Weib zu Über- listen.
„Gerechter Himmel!« rief Doktor Pratt, dem es jetzt erst einfiel wie unvorsichtig er in Molly's Gegenwart mtt fcolmtte über die Wittwe gesprochen hatte. „Es wäre möglich, daß Du von den Verdachtsgründen, welche Du mich wer jene Frau aussprechen hörtest, gewinnsüchtigen Gebrauch Machen konntest?«
Molly blieb die Antwort schuldig; der alte Leveret aber Segnete anstatt ihrer:
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux ton Haasenstein undVogler inFianlsurt a. M., Cassel, B-ogdedurg und Wien; Rudolf B osse in Franlfurt ♦ a. M., Berlin.München und
Köln; G- L. Daube und ____ Co. in Frankfurt a M
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——diartt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch O 4