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Rr. L4.

Marburg, Donnerstag, 10. Februar 1887.

XXII. Jahrgang.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt s.-. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Brrlag von Joh. Lug. Loch. ö

Sie oestleg denselben, um rascher nach Hause zu kommen, denn der Abend war schon voll hereingebrochen.

Ihre Gedanken waren wo möglich noch düsterer und furchtcrsüllter, als vorher, denn zu der Augst vor Molly gesellte sich noch die Furcht vor dem alten Lederet.

Sie glaubte fest, daß er Mitwisser des Geheimnisse» sei, von dessen Bewahrung für sie Sicherheit, Freiheit, ja, vielleicht H>r Leben abhing.

Ihre Gedanken und Gefühle waren keineswegs beneidens­wert zu nennen, als sie äußerlich anscheinend gleichgültig die Stufen des palastähnlichen Hauses, das ihr ein Heim geworden war, ewporstieg.

Durch die Holle schreitend, fand fie die Thür des Wohn­zimmers nur angelehnt. Stimmen schlugen an ihr Ohr.

Vorsichtig schlich fie näher und lugte durch die Thür- spalte.

Lancelot Darling stand neben dem Divan, auf welchem «da halb zurückgelchnt saß. Er hatte sich zu ihr vorüber- gebeugt und sie lauschte aufmerksam den Worten eines Ge­dichtes, welches er ihr vorlas.

Wie von einer Tarantel gestochen, fuhr MrS. Dance bei diesem Anblick, der sich ihren Augen darbot, zurück.

Das war es, was sic gefürchtet hatte; in Wirklichkeit stand eS vor ihr, was die Phantasie ihr in Bildern gezeigt, Lancelot neigte sich Ada zu. An ein anderes Empfinden, welches oen unglücklichen Verlobten Lily's sich der leiden- deu Schwester der Geliebten, die er tot glaubte, zuwendeu hieß, ließ die blinde Eifersucht sie nicht denken. Die Schat- teu verdichteten sich und titfben sie mit Allgewalt zum Vor- wärtsschreiten aus der Bahn, welche fie in jener Sommer­nacht betreten, nach welcher das junge Frühlicht die lieb­liche Lily als eine Braut des Todes geküßt hatte. . . .

Vorwärts!

Die Geister der Finsternis triumphierten, willeulaL mußte fie folgen.....

| Kaiserlichen Schutzbrief vom 27. Februar 1885 vor- I gesteckten Ziele die Umbildung in eine juristische Korpo- | ration an. Zu diesem Zwecke hat sich ein besonderes Komitee gebildet, welchem außer den bisherigen Leitern Dr. PeterS, Graf Behr, Herrn Karl von der Heydt aus Elberfeld, auch noch u. a. die Geheimen Kommerzienräte Oechclhäuser Dessau) und Delbrück (Berlin), der Kom­merzienrat Langen aus Köln, der frühere Abgeordnete Scipio (Mannheim), sowie Herr Ernst Mendelssohn-Bar­tholdy Berlin) und Fabrikant Duddenhofer (Württem­berg) angehören. Dieses Komitee hat einen Statutenent­wurf ausgestellt, welcher in seinen wesentlichen Bestim­mungen schon im voraus die Genehmigung der zustän­digen preußischen Ressortbehörden erhalten hat, und auf Grund dessen von den letzteren bei Sr. Majestät die Er. teilung der Rechte einer juristischen Person erwirkt werden soll. Nach diesen Statuten liegt der Schwerpunkt der Verwaltung in einem aus 21 bis 27 Mitgliedern be­stehenden Direktionsrat. Von diesen Mitgliedern werden drei von dem Reichskanzler ernannt, während ein Mit­glied von der Gencraldirektion der Seehandlung, welche durch Se. Majestät in den Stand gesetzt worden ist, sich mit einer halben Million Mark bei dem Unternehmen zu beteiligen, entsendet wird. Die Anteile an dem Vermögen der Gesellschaft bestehen aus Stammanteilen, Freianteilen und neuen Anteilen. Die Stammanteile sind diejenigen, welche den früheren Beteiligten für ihre Kapitaleinlagen ge- währt worden sind und die zusammen 1171700 Mk. betragen. Die Freianteile an 10000 Mk. belaufen sich auf 15 und sind denjenigen Personen gegeben, welche der bisherigen Gesellschaft Rechte überlassen oder persönliche Dienste ge­leistet haben. Die neue» Anteile sollen jetzt'aufgebracht werden, und zwar wird beabsichtigt, um die Anteile an dem Vermögen auf 5 Millionen Mark zu bringen, 365 Anteile über je 10 000 Mk. auszugeben. Jede Verpflichtung zur Zahlung über diese Summe hinaus ist ausgeschlossen. Die Erteilung der Korporationsrechte ist zugesagt, sobald 1 500,000 Mk. neue Anteile gezeichnet und davon 50% eingezahlt sind. Bedeutende Zeichnungen, und zwar aus Kreisen, welche nicht auf sofortige Renten von ihren Ein­lagen rechnen, sondern in richtiger Beurteilung der in diesem nationalen Werke liegenden Chancen auf dessen zu­künftige Entwickelung vertrauen, sind bereits zugesichert, so daß die endgültige Konstituirung der Gesellschaft dem­nächst wird erfolgen können. Seitens der General-Direk­tion der Königlichen Seehandlung-Sozietät, den Bank­häusern Mendelssohn u. Co. in Berlin, von der Heydt, Kersten u. Söhne in Elberfeld und Delbrück, Leo u. Co. in Berlin ist eine Zeichnungsauffordernng ergangen, deren Veröffentlichung durch die Zeitungen Vorbehalten bleibt. Bei diesen Zeichenstellen weroen nicht zur Zeichnungen ent- gegengenommen, sondern auch der Statutenentwurf, sowie

»Nun, bann hindert mich nichts mehr, zu gehen,- ver­setzte die Dame und erhob sich.

Die einsame Lage des alten Hauses, mehr noch die wenig genug Zutrauen einflößeuben Blicke seiner Bewohner benahmen ihr jeden Wunsch, noch länger zu verweilen.

»Also, Molly, ich wiederhole Dir, ich wünsche nicht, daß Du Lawrence-Hall wieder betrittst!*

Ich werde Ihren Wunsch respeklieren, Mrs. Dance; aber seien Sic versichert, daß, wenn Sie binnen vierund­zwanzig Stunden nach Empfang meiner Zeilen nicht ge­kommen sind, ich trotz Ihres Verbotes in das Hans Mr. Lawrences kommen werde!*

-Ich werde pünktlich sein,* war die bestimmte Antwort, und nun öffne die Thür und laß mich hinaus.*

Ei, woher wissen Sie denn so sicher, daß ich Sie über, Haupt wieder gehen lassen werde?* fragte die Alte höhnisch. Dies Haus ist ganz dazu angethan, um Gefangene in seinen Mauern aufzunehmen. Es hat alte, steinerne Kerker und starke, eisenvergitterte Fenster!*

Entsetzen erfaßte Mrs. Bance; allein so furchtlos wie nur möglich entgegnete sie:

Du hast keinen Grund, mich zu Deiner Gefangenen zu wachen, denn in diesem Falle würde Dir Dein Geheimnis Nichts mehr einbringen können!'

Aber vielleicht,* fuhr die Alte lauernd fort,vielleicht sinnen Sie auf Böses gegen mich?*

ES wäre widersinnig. Meine Sicherheit hängt von der Deinen ab. Du hast al|o nichts zu befürchten. Doch es wird dunkel; öffne und laß mich gehen I*

Nicht länger zögerte die Alte und nach wenigen Augen­blicken fühlte Mrs. Vauce die frische Luft draußen ihre er­hitzte Sttrn umwehen.

Sie mußte lange auf der einsamen Landstraße dahin- schreiten, ehe fie einem Mietwagen begegnete, der langsam d«S Weges in der Richtung nach der Stadt dahinfuhr.

Ausland.

Rom, 8. Febr. Alle Journale betätigen, der Minister des Aeußcren, Graf Robilant, bestehe auf seiner Demission. Man bemühe sich, ihn zum Verbleiben zu bewegen Eine Depesche Genes aus Massauah, 6. Febr., meldet: Nachdem Ras Alula eine Bewegung um Saati gemacht und sich auf Ghinda zurückgezogen hatte, setzte er von dort aus den Marsch gegen Asmara fort, iu Ghinda nur das Ober­haupt Barambas Tesamma und einige Soldaten zurück- lassend. Das heldenmütige Verhalten unserer Truppen wird allerseits, sogar von den Abessyniern, bewundert. Es ist unbekannt, ob Ras Alula sich zurückzieht, um 93er,

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Febr. Der Kaiser empfing heute vor­mittag Den Polizeipräsidenten Freiherrn von Richthofen, nahm alsdann militärische Meldungen entgegen, arbeitete darauf mit dem General von Albedyll und machte nach­mittags eine Spazierfahrt. Um 3 Uhr erscheint Fürst Pleß zum Vortrage. Der Fürst von Nsenbnrg-Birstein veröffentlicht in derKreuz-Ztg." eine Erklärung, worin er sich anläßlich des Septennats und der Reichstagswahlen zu der Zeuirumsfraklion, zu welcher seine Beziehungen während der Blute des Kulturkampfes sehr intime gewesen sind, in direkten Widerspruch stellt und als Gründe an« stiebt, daß Die Rechte des Reichstags durch das Septennat in keiner Weise beeinträchtigt würden, durch häufige Wieder­kehr parlamentarischer Verhandlungen über derartige Fra­gen aber eine fortwährende politische Beunruhigung er­zeugt werde. Auch das Zusammengehen des Zentrums mit Der Fortschrittspartei habe bei ihm stets großes Be­denken erregt. Dem Abgeordnetenhause ging Die Sekun­där bahn-Vor tage zu. Dieselbe verlangt insgesamt 71334 000 Mark, davon 47 938000 Mk. zum Bau von 19 Eisen­bahnlinien, 8 669000 Mk. zur Herstellung zweiter und dritter Geleise, 14 727 000 Mk. zu sonstigen Bauten. Die neuen Linien sind: Tilsit-Stalupönen; Terespol-Schwetz; Montwy-Kruschwitz; Reichenbach - Langenbielau; Neusalz an der Oder über Freystadt nach Sagan und nach einem zweiten Punkt der Linie Liegnitz-Sagau; Beigen-KrampaS und Lauterburg; Löwen-Havelberg; Prathan - Torgau; Köthen-Aten; Jerxheim-Nienhagen; Zella ober von einem «nberen Punkte der Linie Erfurt - Ritschenhausen über Schmalkalden nach Kleinschmalkalden; Flensburg-Nibuell; DiUenburg-Straß-Ebersbach-Bensberg-Sunnekappel; Eus­kirchen-Münstereifel ; Dülken-Brüggen; Linbern-Heinsberg. Mit ben Bauten soll begonnen werben, wenn die be­kannten Bedingungen, freie Hergabe von Grund und Boden mit Benutzung der Chausseen, erfüllt sind. Der Betrag der Gesamtfumme, der nicht aus vorhandenen Beständen gedeckt wirb, beträgt 23 396000 Mk. und wird durch eine Anleihe aufgebracht. Ebenso ging dem Abgeordnetenhause ein Gesetzentwurf zu, betreffend den Erwerb der Berlin- Dresbener, Norohansen - Erfurter, Oberlausitzer, Aachen- Jülicher, Angermünde - Schwedter Eisenbahn. Zum Um­tausch der Stamm- und Prioritätsattien derselben kann die Regierung 40101600 Mk 3V,prozentige Konsols aus- geden. Im übrigen em spricht der Gesetzentwurf den frü­heren Verstaatlichungs-Gesetzen. Der erste Prediger der neuen Kirche, L>r. Lisco, ist heute morgen gestorben.

Die deutsch - ostafrikanische Gesellschaft, deren Er­werbungen in Oftafrika durch das Abkommen zwischen Deutschland und England über die Abgrenzung des Sul­tanats von Sansibar auf ejne sichere politische Grundlage gestellt sinb, strebt behufs Erreichung der ihr durch den

Di- Geister der Finsternis.

Roman ans dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Bet diesen mit heimtückischem, boshaftem Nachdruck ge- sprocheueu Worten burchschauerte es Mrs. Vavce eiskalt, doch durch nichts verriet sie diese Empfindung ihres Innern.

Schweigend folgte sie der Alten in das niedrige, arm« liche Zimmer im Erdgeschoß, während Mr. Lever«.t auf ein Zeichen feiner Frau zurückbttcb..

Meinen Mann hätten Sie also gesehen,* hob Molly, als die Thür sich hinter Beiden geschlossen, en.Meine Kinder sind leider nicht zu Hause. Sie wären sicher hier geblieben, hätten sie im geringsten ahnen können, welche Ehre ihnen zu Teil werden sollte; Sie werden fie ein anderes Mal sehen!'

Hier in ihrem Heim hatte die alte Molly den Ton de­mütiger Unterwürfigkeit, den fie in Mrs. Bunces Zimmer angenommen hatte, gänzlich bei Seite gelegt. Sie sprach so brüsk, wie nur möglich.

Mrs. Vavce entging es nicht und ein Schänder durch­rieselte sie unwillkürlich, wenn sie an die Gefahr dachte, der fie sich ausgesetzt hatte, indem fie fich in die Höhle des Löwen hincinwagte.

Um die gereizte Stimmung der Allen zu dämpfen, be­gann fie in einem wohlbcrechnet vertraulichen Ton:

Ein Wort, Molly. Weiß Dein Mann um das Geheimnis?'

Um der Wahrheit die Ehre zn geben, der alte Lederet hatte keine Ahnung von dem Geheimnis zwischen MrS. Dance und seiner Fran. Doch instinktiv in der Frage der Dame eine Gefahr für fich selbst erblickend, hielt die Alle es für geraten, die Zweifel derselben in dieser Richtung zu befestige«.

34 weigere mich, Ihre Frage zn beantworte«,* sprach sie mit finsterem, drohendem Blick.

ein über die Vergangenheit der Gesellschaft und ihre Ab­sichten Aufschluß gebender Bericht den Interessenten iur Verfügung gestellt. 8

~5ie ^"fuhr von Getreide, Hülsenftüchten nnd Malz hat nach dem Dezemberheft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs im Jahre 1886 im Ver­gleich zum Vorjahre im Allgemeinen eine erhebliche Ab­nahme erfahren. Es wurden nämlich eingeführt (alles in D-Z. = Doppelzentner zu 100 Kilogr.) an: Weizen 2727966 (- 2996267), (Roggen 5625690 (- 2071317), Gerste 3538414 ( 841946), Hafer 810289 ( 1370541), Buchweizen 233507 , -f- 49372) Hülsenfrüchten und roher Hirse 398 780 ( 129012) Mais und syrischem Dari 1693417 ( 269794), Malz 663155 (+ 13219), int Ganzen demnach 7616286 Doppelzentner weniger als in dem Vorjahre. Auch die Einfuhr von Reis und Mühlenfabrikaten (Mehl, ge- schrotenc oder geschälte Körner, Graupen, Gries, Grütze) ist gesunken, und zwar erstere von 768 076 Doppelzentner auf 730615 D.-Z., letztere von 276 770 D.-Z. auf 199126 D.-Z. Die Ausfuhr von Getreide, Hülsen- fruchten und Malz belief sich im Jahre 1886 auf 864 295 bezw. 174327 und 43573 D.-Z. gegen 562338 bczw. 86495 und 55857 D.-Z. im Vorjahre, ist demnach bei Getteide und Hülsenfrüchten merklich gestiegen, bei Malz zurückgegangen. Bei Getteide entfällt die Steigerung in der Hauptsache auf Gerste, von welcher 580803 D.-Z. gegen 247061 D.-Z. im Vorjahre ausgeführt wurden. Die Ausfuhr von Mühlenfabrikaten belief sich im Jahre 1886 auf 1380483 Doppelzentner gegen 1332 507 D.-F. im Vorjahre.

Stettin, 8. Febr. Die gestern abend in der Bock­braue, ei hierselbst abzuhaltende sozialdemokratische Wahl­versammlung wurde polizeilich aufgelöst. Da die Menge sich widersetzte, so requirierte die Polizei die Hilfe des Militärs. Beim Einschreiten mit aufgepflanztem Seiten­gewehre wurden mehrere Personen verwundet; ein Mann soll den erhaltenen Wunden bereits erlegen sein. Das Versammlungslokal wurde durch Steinwürfe demoliert.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2*/4 Mk.. bei bei Postämter 2 Mk. 50 Psg. (exct. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg, Reklamen für die Zeile 25 Psg.

Anzeigen nimmt entgcge» die Expedition d BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaix von Haasenstei» und Vogler in Frankfurt a. SR., Caffck; Magdeburg und Wien, Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin München und

Köln; @. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M.. Berlin, Hannover u. Paris.