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Nr. 32.

Mar burg, Dienstag, 8. Februar 1887.

XXII. Jahrgang.

OWkjW jfitiino

(Fortsetzung folgt.)

, 71 Die Berliner Studentenschaft wird dem Kaiser be- ranntuch zu seinem neunzigsten Geburtstage eine glänzende Huldigung darbringen. Der Fackelzug, welchen man ver- anstaltet, wird, wie wir hören, am Vorabend des Geburts- I am 21. März stattfinden. Nach Beendigung des oE^uges findet ein gewaltiger Kommers, an welchem 5000 Commilitionen teilnehmen, unter dem Protektorat des Prinzen Wilhelm, in den Räumen der Philharmonie statt. , Man erhoftt das Erscheinen des Prinzen Wilhelm ber dieser Gelegenheit. Zu demselben Feste wird das Akademie-Gebäude einen glänzenden künstlerischen Schmuck erhalten., Prof. Geselschap, der Schöpfer der großen Wand­gemälde in der Herrscherhalle des Zeughauses, ist beauf­tragt, zu diesem Behuf« eine Reihe von Bildern herzu- stellen, welche vor den Augen des Kaisers der nach den finden gelegenen Schauseite einen ebenso kostbaren wie sinnreichen Schmuck verleihen werden. Der Künstler ist schon fleißig am Werke und hat alle Hände voll zu thun um noch bis zum Geburtstage die Bilder, welche int großen fehle gemalt werden, zu vollenden. Es ist übrigens nicht das erstemal, daß die Schauseite der Akademie in solcher Weise geschmückt wird. Beim Einzüge 1871 waren da- selbst von unseren hervorragendsten Künstlern eine Reihe von Bildern in Wachsfarben unmittelbar an die Wand gemalt, von denen die Umrisse noch vor nicht langer Zeit deutlich sichtbar waren. Unvergessen ist auch noch der . wacher am 5. Dezember 1878, am Tage

ber Rückkehr des Kaisers nach dem Attentat, über dem Eiu- gange zum Akademiegebäude prangte; es war eine von Reinhold Begas modellierte Kolossalgruppe und darüber

Heuchler H>mmu! W nn Kancdot btt» entdeckte und sich um Lilys willen in Ada verliebte!

Diese Möglichkeit hatte etwas Ei schreckendes für Mrs. fff gleichzeit'g kam ihr der erlösend- Gedanke, daß Ada in die Penstonsanstalt zurückkehren würde, aus ft£ nu/ r« der bevorstehenden Hochzeit ihrer Schwester nach Hause gekommen war.

.Ada/ brach sie das Schweigen, .wie alt sind Sie?' ntük»me^ie6n 3^ul\ "»lwortete das junge Mädchen in müdem Tone, ohne aufzusthen.

-rk"si alt genug, um in Gesellschaften zu gehen,' versetzte bleibn"» /^ wtrd Zeit, daß Sie sich mit ihren Studien b eilen. Natürlich beabsichtigen ®te, Ihr Examen zu machen. Wann gedenken Sie die Pension wieder zu besuchen?'

.Nie mehr!' war die Antwort.

.Nie mehr?' wiederholte Mrs. Vance in einem Tone gut gespielten Erstaunens.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Febr. Der Kaiser nahm vormittags die Bortrage des Generals von Albedyll und des Hofmarschalls Grafen von Perponcher, sowie die Meldung des General­leutnants Bronsart von Schellendorff entgegen. Um 4 Uhr erscheint Staatssekretär Graf Herbert Bismarck zum Vor­trag. Seit einiger Zeit bemühen sich die Fortschritts­blatter tn den verschiedenartigsten Meldungen, den Kron­prinzen gegen den Kaiser auszuspielen und dem Kronprinzen, unserm ersten Feldmarschall, die Beleidigung anzuthun datz sie verbreiten, er sei ein Gegner des Septennats. Eugen Richter gab in seinem Blatte wiederholt dazu das Signal, dann wurden die Jnd pendance und der Matin zur Ablagerung solcher Nachrichten gebraucht, und heute überbietet sie alle das Berliner Tageblatt, indem es als Mitteilung von der Börse verbreitet, daß dort von dem Geheimen Kommerzienrat Mendelssohn erzählt worden sei ^r Kronprinz habe zu diesem geachteten Mitgliede der Kaufmannschaft geäußert:Ich wundere mich über die Beunruhigung der Börse. Frankreich wird uns nicht aiigreifen und wir werden Frankreich nicht angreifen." Das Blatt fügt dieser fettgedruckten AeußeruNg die Be­merkung hinzu:Sobald diese bedeutsame Aeußeruna bekannt wurde, griff eine fühlbare Ruhe der erregten Gemüter Platz." Wir sind in den Stand gesetzt, diese Nachricht für vollständig aus der Luft gegriffen zu er­klären. Der Kronprinz hat keinerlei Aeußerung dieser Art gethan, weder dem Geheimen Rat Mendelssohn gegenüber den er seit längerer Zeit nicht gesehen hat, noch überhaupt zu irgend einem andern. Ebenso sind wir in den Stand gesetzt, zu erklären, daß der Kronprinz voll und ganz auf dem Boden des Septennats wie der Heeresvorlage über­haupt steht. Ein Berliner Berichterstatter desStandard" hat vor einigen Tagen dem Kaiser die Worte in den Mund gelegt:Wir werden keinen Krieg haben." Die Fort- schrlttspresse hat diese angebliche Aeußerung natürlich in üblicher Weise gegen die Militärvorlage verwertet. Auch diese Aeußerung wird von derPost" als vom Kaiser Nicht gethan, vielmehr als eine von jenemBerichterstatter" erfundene erklärt - DerAllg. Ztg. wird berichtet:

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u.st,"^a?o r®U!be r« einsam sein, wenn auch ich ginge, während Lily nicht mehr um ihn ist," entgegnete Ada.

.Aber mein Kind," wendete Mrs. Vance mit Arglist mm.h'Ä foJ*!n0 ?nb no$ bie nöti0e gesellschaftliche Ge­wandtheit entbehrend, Sie können sich nicht aufopfern. Be- solgen Sie meinen gut gemeinten Rat und besuchen Sie das Institut zum wenigsten ein Jahr lang noch weiter.' ,, Befremdet über die Beharrlichkeit der Sprecherin, rich- lrle Ada sich auf und blickte zu derselben hinüber.

.Mrs. Vance,' fragte sie frostig, .wissen Sie denn auch, daß, wenn ich Ihren Rat befolgte, dieses Haus Ihnen nicht länger mehr ein Heim sein könnte?' W

Weshalb nicht?' fragte Mrs. Barce, sichtbar verwirrt.

Ein Klopfen au die Thür verhinderte Ada au der Aut- wort, welche ihr auf ben Lippen schwebte.

Eine Dienerin trat ein.

be® Srlur wartet eine alte Frau mit den von Ihnen gewünschte« Spitzen, MrS. Bauce,' meldete sie.

(Segenüber den Kriegsgerüchten, welche die Börse und das größere Publikum in förmlichen Taumel versetzen, kommt aus bestinformierten diplomatischen Kreisen die verbürgte MMerlung daß der französische Botschafter hier die fried­lichsten Erklärungen namens seiner Regierung abgegeben

--- $eute erschienene Militärverordnunasblatt veröffentlicht den Erlaß des Kaisers vom 27. Januar wonach zu den zwölflägigen Hebungen zwecks Ausbildung Snn Gewehr aus Reserve 68200 Infanterie, 4800 jager und Schutzen einschließlich der vom Krieqs- mimsterium festzusetzenden Zahl der Unteroffiziere einru- berufen sind. Zu dieser Hebung sind heranzuziehen die ubungspflichtigen Reservisten, mit der jüngsten Jahres- klasse beginnend, welche noch nicht mit dem neuen Gewehre ausgebildet worden. Die zur Landwehr am 1. April übertretende älteste Jahresklasse der Reserve ist von der Hebung ausgeschlossen. Die Hebung findet statt vom srinrfit AnnmnT~7 ^Polijei konfiszierte vergangene pa^t 400000 sozialdemokratische Wahlflugblätter, welche heute abend resp. morgen früh durch 6 Wahlkreise verteilt werden sollten.

bier Spitz-»!' 8-bot die Dame in so gleich- gultigem Tone, als nur möglich, indem sie durch Vorali- gehen der Alten bedeutete, ihr zu folgen. %$Ora

Kaum aber hatten Beide das Gemach der schönen Witt«, ÄÄ *** * * Ä

'Ä1-L M, iiMW wr, A Mrs. Vance, sagen Sie das nicht,' berfefWe alte demütigen Tones.Ich wäre auch gewiß uichtU- ^wwen »wenn ich nicht so s-hr arm wäre, nnd das Geld welches Sie mir gaben, ist verbraucht!'

®,8 war genug, um ein ganzes Jahr davon i» !eben! stieß die Dame zornbebend hervor.

xbbbe =inen Sichtkranken Mann und mehrere Kinder. Ich brauchte das Geld für Arznei, Nahrung «nb Kleider. Es schmolz dahin, wie frisch gefallener Schnee^ Da sagte ich zu mir selbst: Du wirst zu ber gütigen Dame gpen, tote f^on einmal, und ihr Deine Armut schilbern Sie wirb Dir sicher von Neuem Geld geben W '

14 Dir nicht, daß ich Dir nichts mehr zu neben hätte?" rief Mrs. Vance verzweifelt.Das Geld, welch s ich Dir gab, besaß ich durch die Güte Mr. Satorence8 34 kann Dir nichts, absolut nichts mehr geben!*

.Nichts mehr? Die schöne Dame irrt sich!' erwiderte Lf/iie Molly höhnisch. Haben Sie kein Gold, so haben Sie doch Schmuckgegeustäude unb Juwelen!* y

Sin"1' 8iI°er 6°n P^unschmidt, welche die Fenster ~ ®in schlimmer Börsentag war der 3. Februar.

Die schwere Krise, die schon fett mehreren Tagen voraus- gesehen werden konnte, kam an diesem Tag endlich an der Berliner Börse zum Ausbruch. Die Verwüstu^ gen, welche dieser Tag über Handel und Wandel über ganz Deutschland gebracht, lassen sich so leicht nicht ab» schätzen; man muß bis zum Jahre 1873 zurückaehen um

bC* Ä9en ähnliches zu finden.' So sehr es auch Mode geworden ist, über die Börse zu schimpfen so bleibt sie doch ber Gradmesser des wirtschaftlichen Ge- delhens Sie erzeugt dies Gedeihen nicht, wie die Finanziers m der Beschränktheit ihres Horizonts sich zuwette» bilden aber sie gtebt den Maßstab der Lage von Handel und Verkehr, und darum verdient sie die Beachtung auch deriemgen Staatsmänner und Politiker, welche ihr sonst nicht genug Geringschätzung angedeihen lasse, können Wir wollen uns enthalten an dieser Stelle die letzte Hrsache anzugeben, die zur Panik geführt hat. Die Thatsache allein genügt schon, um die ernsteste Stimmung zu recht- fertigen. Auch lm^ Abgeordneten Hause machten die Nach­richten aus der Börse den tiefsten Eindruck. Mehrfach wurde es erklärt, es müsse regierungsseitig etwas ae= fWu, um der beunruhigten öffentlichen Meinung das veAorene Vertrauen wlederzugeben, und Leute, die sonst nicht sehr schnell mit dem Strafrichter bei der Hand zu

p^gen, verlangten, daß gegen die Verbreiter der falschen Nachricht von einer bevorstehenden 300-Millionen

toerbe\ Di-ft Nachricht, ber absolut ni^t« Thatsachliches zugrunde liegt, war an ber Börse mit den fabelhaftesten Details verbreitet worden Fürst Bismarck, so hieß es, sei gestern in später Abendstunde äum Kaiser gefahren unb habe auf ber Grundlage von wiegen ereignijfen in Frankreich bie Not-

3tnIel^e Ju Kriegszwecken dargelegt. Die Geschäftslage kann nach gewissenhaftester Prüfung und ^le'chung der Klagen unb Zeugnissen aus ben ver- schle^nst n Äreifen nur als eine außergewöhnlich trübe müssen von großen Etablissements, .^ne ^^age mehr vom Auslande erhalten ober die bereits erhaltenen haben zurücknehmen lassen müssen, weil die Kunden in Belgien, in ber Schweiz, in Italien und anderwärts erklären, daß sie erst ruhigere Zustände ab- warten wollen. Man kann sich nicht wundern wenn unter diesen Hmständen schon bie pesstmissische Auffassung taut wirb, baß ein Krieg ber jetzigen Ungewißheit noch vorzuziehen fein wurde. Nachrichten, wie denjenige von dem russischen Pferdeausfuhrverbot oder von der bedeut­samen Aeußerung des russischen Botschafters in Wien der Zar werde bei einer ftanzösischen Niederlage nicht neu«

Sie rang nach Worten.

Än"1' r" W* E tmlifaw Sie folgte der Dienerin fast auf dem Fuße.

fiorb am tiaU8flUr Me aIte ^olly mit einem

Die Geister Ver Finsternis.

Roman au» dem Amerikanischen von A. Bay ar d.

(Fortsetzung.)

Hatte der Himmel bereits Gnade geübt unb die so surchtbar Hintergangene nun au» ber Gewalt ihrer Pei­niger befreit ? ' v

Nur voller Selbstüberwindung riß Lily sich los.

Mit ziiternden Knien näherte sie sich der Thür, machte sie auf unb schloß sie wieder hinter sich, durchschritt den rrftt" Kaum, öffnete auch hier die Thür, trat auf den unter­irdischen Gang hinaus unb stand in demselben Moment tote an den Boden gewurzelt.....

14. Kapitel. AnSgeknndschaftet.

Einen Monat nach den erzählten Ereignissen finden wir Mrs. Vance und Ada Lawrence tn dem behaglich und ele­gant auSgestatteteu Wohnzimmer von Lawrence-Hall

Ada hatte gelesen, aber das Buch schien sie wenig luter- Mert zu haben, beim es tag müssig in ihrem Schoße, während sie auf einem eleganten Divan ruhte, trauria und gelangweilt.

Ab und zu stahl sich ein schwerer Seufzer über ihre Lippen.

Ada war eine ungemein liebliche Erscheinung, wenn auch, noch knospenhaft, sich zu der Schönheit LtlyS erst entfaltenb.

Ihr Haar war vom reiusteu Goldschimmer. Ihr Antlitz glich m feiner Zartheit einer aufblühenden Frühlingsblume u»d die dusteren, schweren Falten ihres Trauerkleides hoben ihren reinen, weißen Teint nur noch mehr hervor.

MrS.Bance, die, mit einer leichten Handarbeit beschäftigt, ??^0C0enu6er sah firmend zu dem jungen Mädchen hmuoer.

...-Me hübsch ist sie,* sprach sie für sich, .nnd wie täuschend ähnlich ihrer verstorbenen Schwester!*

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annonccn-Bureaux von Haasensteiu undVogler in Franlsurt a. M , kaffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Messe in FraMfuot a. M., Berlin München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M,,