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Marburg, Sonntag, 6. Februar 1887.
XXII. Jahrgang
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstcin undVogler in Fiantfurt o. M , taflet, LNagdeburg und Wien; Rudolf L'toffe in Franlsuet a. M., Berlin,München und
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Febr. Gestern abend fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses der erste diesjährige Hofball statt, zu welchem über 1600 Einladungen ergangen waren. Der Kaiser versagte es sich, auf dem Feste zu erscheinen, dagegen verweilte die Kaiserin bis gegen 11 Uhr in der Bildergallerie und ließ insbesondere die Herren und Damen des diplomatischen Korps zu sich entbieten.__
Den beiden Häusern des Landtages ist eine Petition der Ober-Realschul - Direktoren, um Erhaltung der den Ober- Realschulen bisher gewährten Berechtigungen, zugegangen Die Petition ist durch den § der „Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung für den Staatsdienst im Bau» fache vom 6. Juli v. Js. veranlaßt, welcher die Zulassung zu den Prüfungen für den Staatsdienst im Bau- und Maschinenfach von dem Besitze eines Zeugnisses der Reife von einem Gymnasium oder einem Realgymnasium abhängig macht. Wenn demnach den Ober-Realschulen ein ihnen durch Verordnung vom 1. November 1878 verliehenes Recht verlieren sollten, würde — nach Ansicht der Petenten, die ihre Auffassung zugleich in einer besonderen Denkschrift ausführlich darlegen — die Leistungsfähigkeit, ja die Existenz dieser Schulen gefährdet seien. Für den Fall aber, daß der Hauptantrag nicht angenommen werde, bitten die Petenten den Landtag, dahin zu wirken, daß wenigstens die im § 54 der Vorschriften vom 6. Juli 1866, wonach die den Abiturienten der Ober-Realschulen eingeräumte Berechtigung, und für diejenigen ein Recht bleibt, welche ihr Reifezeugnis vor Ende des Jahres 1889 erworben haben — die Uebergangsfrist bis Ende 1895 ausgedehnt werde, damit sie allen vor Veröffentlichung der Vorschriften vom 6. Juli 1886 in eine Ober - Realschule, Realschule oder höhere Bürgerschule eingetretcnen Schülern zu Gute kommen könne. — In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretärs des Innern, v Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung erteilte der Bundesrat dem Gesetzentwurf über die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, dem Entwurf eines Gesetzes
Die Geister Ver Finsternis.
Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.
(Fortsetzung.)
Keine Erwiderung ward dem Sprecher. Unverwandt blickte Lily ihn mit funkelnden Augen an, aus denen tiefste Verachtung und Widerwille nur zu deutlich sprühten: aber ihr Zorn berührte den Elenden nicht.
„Ich denke, Miß Lawrence, Sie zweifeln nicht länger/ sprach er weiter, „daß Ihr früheres Heim für Sie verloren 'st. Sie find tot für Ihre Familie. Kämen Sie zu den Ihrigen und sagten: „Ich bin Eure Lily!* — keiner würde es Ihnen glauben. Ihr Vater würde Ihnen als einer Betrügerin die Thür weisen. Es giebt nur ein Mittel Ihre Angehörigen wtederzusehen, und das ist, als Mrs. Colville vor sie hinzutreten/
„Ich glaube, Mr. Colville genügende Antwort gegeben zu haben/ sprach Lily fest und bestimmt. „Lieber will ich tot sein, als meine Freiheit um diestn Preis erkaufen!*
„Machen Sie sich keine weitere Hoffnung auf Mr. Darling/ hob Doktor Pratt von Neuem an. „Ich kann Sie auf ManueSehre versichern, daß er vollständig in den Netzen der schönen Mrs. Vance gefangen ist, die es schnell verstanden hat, ihn Ihren Verlust verschmerzen zu lassen/
Mit einer heftigen Handbewegung wehrte Lily ab.
„Auf Mannesehre sagen Sie mir das!* sprach sie entrüstet. „Ich glaube er Ihnen nicht!* fuhr sie stolz fort. „Sie haben, wie nvr Elende es thuu, au mir gehandelt, wie könnte ich noch das geringste Vertrauen in Ihre Behauptungen setzens Doch wenn selbst Mr. Darling sich von mir, der Todtgeglaubten, abwenden und einer Anderen zuneigen sollte, in nichts würde mich das bestimmen, die Werbung eines Elenden anznnehmeul*
„Sei es denn, wie sie will!* stieß Harold zornesknir« scheud hervor. „Eins, Miß Lawrence, bedenken Sie aber wohl, daß Sie so lauge meine Gefangene bleiben, als Sie sich meinen Willen widersetzen. Die Dauer Ihrer Ge- fangenschast hängt einzig von Ihnen ab. Und nnn bleibe«
neu entworfene Statut für das deutsche archäologische Jn- stuut rn Rom, sowie die von den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Eisenbahnen, Post und Telegraphen vorgeschlageue Ergänzung des Betriebs-Reglements für die Elsenbahnen Deutschlands bezüglich der Beförderung tieri- scher Abfalle auf denselben. Von dem vorgeleaten Ge- ^?^rlcht des Reichs-Versicherungsamts für das Jahr 1886 nahm die Versammlung Kenntnis und übergab den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Reichsbeamteu-Gesetzes und die Zusammenstellung über die Ergebnisse der veranlaßten Ermittelungen hinsichtlich der Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikation unb bcr Konfektionsbranche, ersteren den Ausschüssen für Rechnungswesen und Justizwesen, letztere dem Ausschüsse für Handel und Verkehr zur Vorberatung. — Die Reso- lution des Reichstags über die Einführung von Gewerbe- gerlchten, eine Eingabe des Vorstandes des Vereins selbstständiger Konditoren Berlins, betreffend die Sonntagsarbeit sowie mehrere, von verschiedenen Seiten cingegangene Eingaben wegen Abänderung des § 44 der Gewerbeordnung "urden dem Reichskanzler überwiesen. Zur Wiederver- leihung der preußischen Staatsangehörigkeit an zwei früher aus dem Bundesgebiet ausgewiesene katholische Geistliche wurde die Genehmigung erteilt. Endlich wurde über Anträge, betreffend die Befreiung verschiedener Betriebe von der Unfallversicherungspflicht, bezw. die Zulassung von Ausnahmen von den Vorschriften über Einrichtung der Anlagen zur Anfertigung von Zündhölzern Beschluß gefaßt.
A* bc,n "®er^ Polit. Nachr. lesen wir: „Die Börse, bekanntlich ein äußerst feiner Gradmesser der politischen Stimmungsverhältnisse, ist schon seit längerer Zeit nicht mehr recht zur Ruhe gekommen; gestern aber hat das Unbehagen dieses in unserem öffentlichen Leben eine so hochwichtige Stellung behauptenden Instituts eine Jnten- Itüitttt erreicht, daß man mit Fug und Recht von Panik der Kurse und allgemeiner Deroute sprechen konnte Wir zweifeln wohl mit voller Berechtigung, daß alle diese tollen Gerüchte, die von der gestrigen Börse kolportiert wurden, realen Hintergrund haben, wenn auch manches darunter sein mag, welches, mögliche Dinge vorwegnehmend, zu Zwecken der Spekulation in Umlauf gesetzt wurde. Dem einsichtigen Beobachter wurde durch diese Vorgänge kaum eine Ueberraschung bereitet. Denn der Keim dazu war bereits gelegt, damals, als die oppositionelle Reichs- tagsmehrheit den verbündeten Regierungen die von diesen nach reiflichster Ueberlegung verlangte unumgänglich nötige
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2y4 Mk.. bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (e?d. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile
Sie wie Sie es wünschen, allein. Sie werden einsam sein, so lange, wie Sie es wollen!* 1 '
Die Drei entfernten sich und L'ly war wieder allein, — allein mit sich und ihren traurigen Gedanken. ftm^Ubeuni ^gespannt von dem Fluchtversuch, lag fie still da mit einem Herzen voll von bitterem Wehl 8 P öergöiint gewesen war, einen, wenn auch nur fluchtigen Blick auf Siejenigen zu werfen, welche ihrem Herzen nahe standen und unendlich teuer waren, ließ aus'S neue die schmerzlichsten Gefühle in ihr wach werden.
Ach wie schnell war ihr Traum in ein Nichts »ertönen; wie grausam hatte ein harfts Schicksal sie wiederum, be, K S £cr ^®e“e bc8 Glücks, zurückgestoßen in Nacht und Finsternis!
Hatten ihr Vater, Ada und Lancelot sie gesehen? Und «E"" "7 5>as mußten sie dann denken von ihrem plötzlichen Verschwinden? Wie war es ihren Verfolgern nur möglich gewesen, sie wieder in ihre Gewalt zu bekommen? Dunkel erinnerte sie sich nur, daß sie ohnmächtig geworden sei; alles Andere war ihr ein Rätsel. ’
Während fie, dem Schmerz ihrer furchtbare» Enttäuschung vergessen' b°Ia9, batte £iI9 9a°8 und gar die arme Fanny
Das Geklirr der Kette» und das schmerzliche Stöhnen der Gefangenen ließ sie plötzlich deS Versprechens, welches fie der Unglücklichen gegeben, sich erinnern.
Aermstel* sprach fie für sich. „Wie wird sie die Enttäuschung ertragen, nachdem fie so große Hoffnung für fich auf mein Entkommen gesetzt hat!*
Schwach und zitternd erhob Lilly fich, griff nach der Lampe «nb stieg wankend die Stufen unterhalb der Satt» t^fire hinab, um ihre LeideuSgefäh tin aufzusuche».
In der Furcht, es sei die alte Molly, welche komme, um von Neuem ihre Wut an ihrem Opfer auszulaffe», schrie die Aermste bei LIlys Eintritt entfett auf.
Schnell jedoch erkannte fie das Geficht ihrer Mitae- fangenen, das fich über fie beugte.
„Großer Gott, Miß Lawrence, Sie find es? Und ich wähnte, Sie wären entkommen!*
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Oberhessische Zeitung
mit den Gratis-Beiblättern „Kreisblatt für Marburg «. Kirchhain," „Illustriertes Sonutagsblatt" und „Erzähler" werden von allen Postanstalten, unserer Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie unserer Expedition entgegeugenommen.
Lliy sank wie geoioqen mbcn der Ungluckliuen ünf Schluchzen ttnb brad> in ein bitterliches
zerschmE^' ^e fu fast
Der Schmerz, der Unglücklichen jeden Schimmer von Verzweiflung^^" ftdflerte ^e Ohnmacht bis zur ?a9e' e6e f16 ft* zu fassen vermochte, »m Fanny das Vorgefallene zu erzählen.
„»K^in Mittel bleibt uns nun mehr/ schloß sie mit fall nittjr mer "a£Vbriefem Hause zu entkommen, wenn nicht der Tod unser Erlöser wird!*
Ein schmerzliches Stöhnen brach sich von Fannys Lippen. ttnh*e?er r ?' l0!" flüsterte sie und ihre Stimme war matt und klanglos. „O, mein Golt, ich wollte, ich könnte meinem Elend entrinne» und sterben!* nem
.. So leidenschaftlich, wie die Unglückliche am Tage zuvor bie alte Molly um ihr Leben angefleht hatte, so mübe unb lobben Ste6e?beL6t' ®° aHe $Dffnttn0 sür sie erstorben -u«.30!?0 hoffnungslos klangen ihre Worte, daß Lily eine ei a^e H1,b ste erschreckt niederkniete neben Fannys Lager.
Ihre Hänbe suchten nach beuen ber beklagenswerten ®e» gngenen dieses Raumes. Sie lagen schlaff auf bem feuchten Stroh nnb waren kalt und feucht.
Lily tastete nach bem Gesicht ber Daliegenben. Schweißtropfen perlten auf beten Stirn. w ö
Lily erschrak.
Sollte bas ber Tob fein, welcher kam, um die Aermste r£et °lenA Sie fürchtete es; - nnb boch konnte fie nicht länger bei Fanny verweilen. " 1 w
Wenn ihr nächtlicher Besuch entbeckt ward, dann war fie sowohl als auch Fanny erst völlig verloren. P
Sie mußte fort.
Schwankend erhob sie sich. Noch einmal leuchtete sie der Daliegenden voll in das Gesicht hinein. Es war bleich und regnngSlos wie dar einer Toten. (Fortsetzung folgt)
> rundweq ab- uuu uuuuru? utiruye und Besorgnis in die weitesten fresse, des deutschen Volkes trug. Es keniireickn-t 8»» fragwürdige Moral ber intellektuellen Anstifte? stnes un- selrgeu Rerchstagsbeschluffes, wenn sie angesichts der da- ?E°rungen unseres politischen und witt- schaftllchen Lebens den spieß umzukehren versuchen, indem sie es den nationalen Parteien und ihrer Presse zur Last legen, durch jfjre wohlgemeinten und durch Thatsacheu nur |u wohlbegrundeten Warnungen das Gespenst kriegerischer Verwickelungen heraufbeschworen zu haben. Das Durchs stchtrge dieses Fälschungsmanövers liegt auf der Hand Euno-n Nachrichten, die sich auf ausländische Kriegs- rustungen beziehen wäre dem deutschen Publikum unter keiner Bedingung etwas erspart geblieben DieBarackenbauten jenseftS der franzofticheu Grenze, der Massenankauf von Chemikalien foralkh! Sprenggeschossen, die auffallend Vor
stand« KUtlb f ret^“rlt9e Komplettierung des Pferdebe- standes der französischen Armee, die Verstärkung der französtichen Garnisonen an der Grenze gegen Deutschland, bas Engagement englischer und amerikanischer Waffen- ??^er nach Frankreich für Zwecke der französischen Gewehr- fabrikation - alles Das sind positive Thatsacheu, die auf niAt^Mtt1 blm c beut^e(n.. Wahrnehmungsvermögen doch ni$t hatten verborgen bleiben können. Aber in welch -""^ich gefestigterer Stellung hätten die ver- bundeten Regierungen sich mit diesen verdächtigen Symptomen abfiiiden können, wären sie in der Saae aeroefen ™ t ^bewußten Zuversicht vor das deutsche Volk zu treten- „Wir sind aus alles vorbereitet; wir haben einen ein« sichtigen, patriotischen Reichstag an unserer Seile, der für 8-^-. Bemühungen, Deutschlands Wehrkraft auf der Höhe 52Uil tl’n?U "halten, Verständnis zeigt und uns durch Bewilligung der erforderlichen Geldmittel in den Stand Rfct, unserer Pflicht, über Deutschlands Sicherheit zu
l." ”cIIem Maße zu genügen." Eine solche Sprache wurde nicht nur dem Umsichgreifen von Befürchtungen w gen der Zukunft in wirksamster Weise gesteuert, sondern Ä Alande höchst nachhaltig imponiert haben. Was aber sehen wir setzt an Stelle dess n? Wir sehen die Whr n?,en' sbe" und seine bewährtesten Mit« odosstn bv"rberr Reichstagsopposition schmählich im Stich ^AU'diese^ letztere auf Markt und Gassen sich des Erfolges ihrer Bemühungen um des Vaterlandes Schwächung berühmen und -sturm laufen wider die vornehmsten Bedingungen unserer nationalen Sicherheit, ja unterer nationalen Existenz Wir sehen Parteien, die ff™ 5t bei l?rfr Deutschtums brüsten, Hand in Hand gehen Mit den erklärten Todfeinden des Deiltschen Reiches, mit