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Marburg, Sonnabend, 5. Februar 1887.

AtthMk Zkitiliig

Die Geister der Finsternis.

Roman auS dem Amerikanischen von A. Bayard.

. (Fortsetzung.)

In dem Raume, welcher bis vor wenigen Stunden Lily's Kerker gewesen war, erwartete die alt- Molly in­zwischen auf die Rückkehr ihres Mannes und Doktor Pratt's.

Die Sonne stand bereits im Scheiden, als endlich der Wagen des Arztes in Hast heranrollte.

Doktor Pcatt hatte sich auf seiner Tagesvisitentour be­funden und der alte Leveret war deshalb gezwungen ge­wesen, seine Rückkehr abzuwarten.

Die Wut der beiden Angelangten, als sie, nachdem sie die Hausthür unverschlossen gefunden, die Thür zu Lily's Zimmer erreichten und von außen abgcsperrt entdeckte», überstieg fast noch die rasende Aufregung, in welche die Thatsache der gelungenen Flucht ihrer Gefangenen die alte Molly versetzt hatte.

Mit raschen Worten war das Geschehene erklärt und Doktor Pratt erkannte schnell die Situation.

Kaum die Sprecherin zu Ende anhörend, eilte er nach seinem Wagen zurück, sprang hinein und befahl dem Kut­scher im rasendsten Galopp nach der Stadt zurückzukehreu.

Die Fahrt war eine lange.

Es war schon völlig dunkel, als Doktor Pratt durch seinen rauhen Eintritt und seine noch rauhere» Worte Harold Colville, der sich eben in goldige Träume von Sicherheit eiuwiegte, jäh aufschreckte.

Verwünscht!" rief er, wie elektrisiert emporschuellend. Lily frei, heißt für uns Alles verloren und Nichts bleibt uns mehr übrig, als uns so schleunig, wie nur möglich, aus dem Staube zu machen, ehe sie uns einfangen I"

Eine Chance bleibt uns vor der Hand noch, die, daß sie die Ihrigen noch nicht erreicht hat!" fiel Doktor Pratt dem Erregten mtt Ruhe in's Wort.Durch ihre außer­ordentliche Schwäche könnte sie unterwegs liegen gebliebeu, oder doch zum wenigstens zurückgehalten worden sein!"

Wie erlangen wir Gewißheit darüber?"

Sehr einfach; indem wir nahe ihres Vaters Hause

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Febr. Der Kaiser nahm heute vormit­tag militärische Meldungen und hierauf die Vorträge des Kriegsministers Bronsart von Schellendorff und des Gene­rals von Albedyll entgegen. Nach der dem Abgeord­netenhause zugegangenen Vorlage über die Teilung der Kreise in Posen und Westpreußen werden in Posen aus 12 bisherigen Kreisen und Teilen von 3 anderen Kreisen 25 Kreise, in Westpreußen aus 3 bisherigen Kreisen und Teilen von 4 anderen 8 Kreise gebildet. DieNordd. Allgem. Ztg." entnimmt einer Korrespondenz aus Barce­lona, daß nach Meldungen dortiger Zeitungen französische Abgesandte die dortigen Bergdistrikte durchreisen und Pferde und Maultiere ankaufen. An der heutigen Berliner Börse war das Gerücht in Umlauf gesetzt worden, die Re­gierung habe bereits mit einem Bankhause eine Kriegs- Anleihe von 300 Millionen Mark abgeschlossen, ferner, die kommandierenden Generäle der westlichen Armeekorps seien zu wichtigen kriegerischen Besprechungen berufen. Diese Gerüchte beruhen nicht auf Wahrheit. Die Generäle, die aus den westlichen Provinzen in den letzten Tagen hier eingetroffen sind, vor allen General v. Witzendorff, Kommandeur des 7. Armeekorps, und Generalleutnant von Hilgers, Kommandeur der 15. Division in Köln, sind ausschließlich aus dem Grunde hier eingetroffen, um sich für die beim letzten Ordensfeste erhaltenen Orden beim Kaiser zu bedanken.

Die Rede, mit welcher der Justizminister Dr. Fried­berg in der Sitzung des Hauses der Abgeordneten am Dienstag dem Abgeordneten Enneccerus erwiderte, hatte, nach demStaats-Anzeiger", folgenden Wortlaut:Ich möchte zunächst mein Bedauern darüber aussprechen, daß der Herr Abgeordnete, der eben gesprochen, das Vertrauen, das er bisher der Justizverwaltung entgegengetragen, wie er jetzt erklärt, in Mißtrauen wenigstens auf diesem Gebiet der Verwaltung der Prüfungen verkehrt habe. Wenn der Herr Abgeordnete seine vorige Rede mit der

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die sie nicht anzogen. Und die Examina sind voraussichtlich weder besser noch sind sie schlechter geworden. Sie mögen soviel Regulative machen, wie Sie wollen, Sie mögen wissenschaft­liche oder praktische Arbeiten vorschreiben, der Mensch ist es, der als Examinator examiniert, der ist es, der für die Frage entscheidend ist. Die Qualität der Examinatoren ist es, welche die Examina macht, und ich bin meinerseits darum bemüht, die Examengremia so gut zusammenzu­setzen, wie irgend möglich. Und da darf ich endlich auch aus meiner Erfahrung als Examinator sprechen, da ich eme Reihe von Jahren Präsident der Examinationskom- Mlsston für das große Staatsexamen gewesen bin. Meist war ich in der zweiten oder dritten Stunde des Examens mit meinem Urteil über die Examinanden entschieden, und ich glaube, die Herren hier, die stets Examina abgehalten haben, werden mir das bestätigen. Nicht, ob ich eine Stunde oder zwei Stunden oder, wie berechnet wird fünf Minuten auf diese Disziplin, fünf Minuten auf jene Disziplin zubringe, sondern wie ich den jungen Mann der vor mir sitzt im Examen, beurteile, an der Geistes­gegenwart, mit der er antwortet, und auch mit der Geistes­gegenwart, mit der er mir antwortet das weiß lick nicht, daraus schöpfe ich mein Urteil, ob der Mann das Examen besteht oder nicht. Und nebenbei: das eigent­liche Lernen in der Jurisprudenz fängt nicht an auf der Universität, es sängt nicht an während der Referendariats­zeit, sondern erst nachdem man das große Examen gemacht hat; da entwickelt sich erst die e-gentliche Durchbildung des Gunsten. Und darum ist es meiner Meinung nach ein ganz müßiges Beginnen, immer auf das Examen loszu­schlagen und zu raten: Ihr müßt die Examina besser organisieren! Ich könnte ja dem Herrn Abgeordneten der mir sagt: Deine Examinatoren, die Du aus den Praktikern nimmst, taugen nichts! dem könnte ich ja antworten: lehre Du besser, dann werden die Herren Studenten besser lernen! Ä Se, -b8 Die Herren Professoren tbun ihre Schuldigkeit auf dem Gebiete der Theorie wir thun unsere Schuldigkeit als Examinatoren und als Richter' und dabei können wir, denke ich, Beide gute Freunde bleiben und haben nicht nötig, uns gegenseitig zu befehden."

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain

__ ____________________________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Burcanx von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M, Lasses, Magdeburg und Wien r Rudolf Messe in Frankfurt o. M., Berlin.München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M>, Berlin, Hannover u. Paris.

Ausland.

2. Febr Zur Situation schreiben hiesige Blatter:Den Versicherungen, welche Herr von Tisza rm ungarischen Reichstage gegeben, daß sich in der Situation nichts geändert habe, entsprechen die Thatsachen insofern, ?! ?n ben ätzten Tagen wenigstens nichts äußer- ltch Wahrnehmbares hinzugetreten, woraus auf eine Ver- Haus herum nach dem Gartenzimmer eilte, wo sie die Familie vermutete. Die beiden Männer aber folg en ibr ohne Verzug. B

® eilte die Stufen der Terrasse empor, sie erschien im Rahmen der Thür, ihre Arme streckten sich aus, ste ricf:Papa, Papa!" In demselben Augenblick ver­ließen sie die nur mühsam aufrecht erhaltenen Kräfte und Mutlos sank sie in die Arme des ihr uachgeschlichenen Doktor Pratt, der sie eben in diesem Augenblick erreicht hatte

Ehe noch Jemand zu ihrer Hilfe herbeietlen konnte, waren ihre Verfolger mtt ihr im Schutze der Dunkelheit verschwunden. v

®e Wagen zu erreichen, war das Werk eines Augen­blicks für die Schurken. Im Nu hatten Beide ihre Plätze eingenommen. Die Pferde zogen an und fort rasten sie mit ihrer schone», besinnungslosen Beute.

13. Kapitel. Hoffnungslos.

Eine abermalige Gefangene in dem alten, bekannte» Zimmer, erwachte Lily aus der durch Schwäche und das tiefeu^Betäubung" an£,eroenbete Chloroform herbeigeführteu

Ihr erster Blick, als sie die Augen aufschlug, traf Doktor Pratt, der sie mit höhnischem G-sicht betrachtete. Sie sah zur Seite und gewahrte Harold Colville und die alte Molly. , »Wie befinden Sie fich nach ihrem Spaziergänge voü heute Abend?" fragte der Arzt mit spöttischem Lächeln.

Lily würdigte ihn keiner Antwort, nur einen Blick des Zornes und der tiefsten Verachtung hatte sie für seine Frage. '

Sie sollten endlich begreifen lernen, daß es für Sie keine Möglichkeit des Entkommens von hier giebt " fuhr Doktor Pratt, da sie schwieg, fort.Zwei Fluchtversuche haben Sie unternommen und was erreichten Sie damit? Nichts, als daß wir doppelt wachsam sein müssen und Sie sich ihre Lage selbst verschlimmern. Die alten Leverets werden Sie keinen Moment aus den Augen lassen; ein dritter Fluchtversuch wird Ihnen nimmer möglich sein!"

(Fortsetzung folgt.)

Bitte schloß, ich möchte doch wenigstens eine Enquete dar­über einleiten, ob der bisherige Prüfungszustand nicht einer Aenderung unterworfen werden müsse, so kann ich darauf erwidern, daß ich seit etwa IV« Jahren unausgesetzt mit einer solchen Enquete beschäftigt bin, namentlich seitdem ich schon im vorigen Jahre durch die Güte des Abgeordneten Enneccerus erfahren hatte, er wolle diesen Gegenstand hier vorbringen und ihn zum Vorwurf einer Kontroverse machen, und nachdem jetzt seit einem halben Jahre, wie ich versichern kann, kaum eine Woche vergeht, in der mir nicht irgend eine Broschüre über den bestehenden Examen­zustand zugeschickt wird. Frage ich mich nun, von wem gehen diese Broschüren aus? so ist nicht eine einzige von einem praktischen Juristen herrührend, sondern alle jene Broschüren gehen aus von den Kreisen der Herren Profes­soren. Und wenn der Herr Abgeordnete sich darüber be­klagt, daß die Ausführung des Herrn Regierungskommissars sich gewissermaßen zu einer animosen Antwort gegen das Professorentum zugespitzt hat, so kann ich das zwar nicht zugeben, aber wenn es wäre, so würde das sehr begreiflich sein. Denn, wenn ich mit einzelnen Blumenlesen aus diesen Broschüren aufwarten wollte, in denen eine Aeuße- rung, wie die vorhin erwähnte:die heutige Examenwirt­schaft in Preußen ist ein wahrer Skandal", eigentlich noch zu den maßvolleren gehört, so würden Sie mir zugeben, daß ein starkes Gefühl von Objektivität dazu gehört, um derartigen Angriffen gegenüber nicht endlich auch einmal die rauhe Seite herauszukehren. Da nun in den bis­herigen Reden vielfach auf persönliche Erfahrungen zu­rückgegangen ist und namentlich der Herr Abgeordnete Eneccerus erklärt hat, daß seiner Zeit viel mehr ge­lernt worden wäre, als heute, so gestatten Sie, daß ich auch an eine eigene Erfahrung anknüpfe. Vor einer langen Reihe von Jahren ich war damals jung und glaubte darum leichter als, heute die Welt verbessern zu können, das namentlich auf dem Gebiete der Examina zu ver­mögen. Ich sprach darüber mit dem verewigten Professor Stahl und klagte, ganz wie Professor Enneccerus heute, über die Faulheit der Studenten, daß sie nicht genug lernten und schlechte Examina machten. Darauf antwor­tete mir Herr Stahl: Ich weiß nicht, ob Sie fleißiger ge­wesen sind, ich kann Ihnen sagen, ich war noch viel fauler wie die heutigen Studenten, und in Summa ist das, glaube ich, das einzige Richtige. Die Studenten sind weder flei­ßiger noch sind sie fauler wie ehemals, die Menschheit als solche ändert sich nicht, sondern die Studenten werden früher ich darf wohl den Ausdruck gebrauchen ebenso ge­schwänzt haben wie heute, namentlich bei solchen Professoren, Posto fasse». Es steht außer allem Zweifel, daß sie nir­gend anders wohin, als nach Lawrenc^-Hall gehen wird. Unsere Aufgabe besteht also darin, ihr aufzupassen und sie in unseren in der Nähe haltenden Wagen zu tragen, sobald wir sie erblicke». Gelingt uns das, so ist jegliche Gefahr beseitigt. Mit Chloroform werden wir jeden Schrei, den sie ausstoßen könnte, ersticken und noch heute Nacht wird sie in ihrem alten Gefängnis die Augen wieder aufschlagen!"

Aber der Kutscher, Doktor, wenn er uns verriete?" Ich werde mein eigener Kutscher sein," antwortete Doktor Pratt.In der Nähe von Lawrence-Hall halte» wir. Wir steigen aus und lauern auf Lily. Bei ihrem Näherkommen wirft einer von uns schnell einen Mantel über die Ahnungslose, das Uebrige dann ist meine Auf­gabe!" 1

Vortrefflich geplant! Machen wir uns sofort auf den Weg. Jeder Augenblick ist kostbar!"

Zuerst müssen wir uns ein Fläschchen Chloroform, einen Schwamm und einen weiten, dunklen Mantel ver. schaffen," sagte der Doktor, an die Vorsichtsmaßregeln mahnend, die Harold Colville in seinem Ungestüm zu ver­gessen schien.

Wenige Minuten und das Nötige war beschafft; die Männer verließen das Haus. Eine kurze Fahrt und das Ziel war erreicht.

Das Lawrencesche Besitztum mündete nach drei Seiten in verschiedene Straßen aus.

An der hinteren Ausgangsseite, zogen die Verfolger Lilhs es vor, mtt dem Wagen, der das entschlüpfte Opfer in die Gewalt seiner Feinde zurückbringen sollte, zu halte», während sie das Gefährt in der sehr stillen Straße sich selbst überließen, um dem Mädchen aufzulauern. Sie waren gerade im Begriff, die Riegel der Hinteren Garten- thür von außen zu öffnen, um fich so den Eingang zu er­zwingen, als ein heftiges Schellen von der Frontthüre her sie hastig in ihrer Arbeit inne halten und die Straße hinauf nach dem vorderen Gartenthor eilen ließ.

Sie kamen eben hier an, .als der entsetzte Willis von dannen stürzte, während Lily in zttternder Hast um das