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Marburg, Freitag, 4. Februar 1887.

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Bestellungen für die Monate Februar und März auf die

Oberhessische Zeitung

mit den Gratis-BeiblätternKreisblatt für Marburg «. Kirchhain,"Illustriertes Sonntagsblatt" ' undErzähler" werden von allen Postanstalten, unserer Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie unserer Expedition entgegengenommen.

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und stets ist es mir, als müßte sie auf neue vor mich hin­treten. O, wenn es nicht Wahnsinn wäre, so würde ich einen Eid darauf thun, daß jenes Wesen keine Andere war, als in Wirklichkeit unsere arme, verlorene Lily!»

12. Kapitel. Die Entdeckung.

Die Wut, welche die alte Molly empfand, als sie sich von Lily so schmählich überlistet sah, kannte keine Grenzen. Doch vergeblich suchte sie, die Thür zu öffnen; vegeblich rüttelte sie an den Eisenstäben des Fenstergittes; sie wider­standen all ihren Astrengungen.

Sie war eine Gefangene des Mädchens, über das zu wachen ihr zur Aufgabe gestellt worden war.

Die List hatte nun über die Gewalt den Sieg davou- getragen.

Lily hatte ihre Gefängnisfesscln gesprengt, und niemand war da, um sie zu verfolgen und zurückzubringen. Der mte Lederet konnte so bald nicht zurückerwartet werden. Wenn ihre Kräfte die Fliehende nicht verließen, so konnte sie sicher und geborgen sein, bevor nur der alte Mann im Stands war, Doktor Pratt und Mr. Colville vou dem Ge­schehenen zu unterrichten.

Und Harold Colville halte für die sichere Gefangen­haltung des Mädchens eine fürstliche Belohnung augesetzt.

Aber nicht nur der drohende Verlust des von Colville zugesagten Preises versetzte der Habgier der Gewissenlosen einen harten Schlag, sondern mehr noch ängstigte sie die Furcht.

Wenn Lily sie verriet, Alles, was seit Jahren in dem roten Hause- geschehen war, mußte damit ans Tageslicht kommen, und die Angst vor der Strafe ließ sie erbeben.

Schrecke» erfaßte sie.

Mit einem Male kam ihr blitzartig der Gedanke cm die lebend so gut wir begrabene Fakny Colville.

Die Unglückliche, welche den Tag über mit der ge«

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Wöchentliche Magen: Kreis - Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlas von 3d6. sr-ta en*

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu undVogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M. Berlin, Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Tonn- und Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 21/. Mk.. bei d«i Postämter 2 Mk. 5*J Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Dfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

gestellten Kongregationen eine Modifikation zu deren gunsten : erfährt. In Bezug auf die Redemtoristen und die Väter ' vom Heiligen Geiste spricht mancher Umstand dafür; u a

haben sie Missionen in Afrika, viele ihrer Mitglieder sind Deutsche, und ihr Orden ist noch nicht in Provinzen ein- geteilt, so daß die Schaffung einer selbständigen deutschen

Provinz möglich ist. Die Lazaristen werden als franzö­sische Kongregationen jedenfalls ausgeschlossen bleiben." Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abgrenzung der Organi­sation der Berufsgenossenschaften auf Grund des Reichs­gesetzes über die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwissenschaftlichen Betrieben beschäftigten Per­sonen hat in der ersten Lesung die Vorlage im übrigen unverändert angenommen; und wurde Artikel 5 dahin ge­ändert, daß die Schemata zur Aufstellung der Verzeich­nisse der Betriebsunternehmer nicht von der Sektion, son­dern von der Provinz entworfen werden. Außerdem wurde eingefügt ein Artikel Ha.: welcher besagt: Für jede Ge­meinde bezeichnet die Gemeindevertretung, oder, wo eine solche nicht besteht, die Gemeindebehörde aus der Mitte der der Gemeinde angehörenden Unternehmer oder bevollmäch­tigten Betriebsleiter einen Wahlmann. Innerhalb jedes Kreises (Oberamtsbezirks) wählen die demselben ange­hörenden Wahlmänner aus ihrer Mitte je einen Vertreter. Diese Vertreter bilden die konstituierende Genossenschafts- Versammlung. Auf die späteren Genossenschafts-Versamm­lungen finden diese Bestimmungen entsprechende Anwen­dung Jedoch kann durch das Genoffenschaftsstatut vor- geschnebcn werden, daß die Zahl der für jeden Kreis zu wählenden Vertreter vermehrt oder vermindert wird, und daß m letzterem Falle Kreise zu gemeinsamen Wahlbezirken vereinigt werden. Die Berufung und Leitung der kon­stituierenden Genossenschafts-Versammlung liegt, soweit sie nicht dem provisorischen Genossenschafts - Vorstande zu- steht auch in dem Falle, daß der Bezirk der Genoffen- schaft über die Grenzen des Staates hinausgeht, der Landes-Zentralbehörde oder deren Beauftragten ob. DieRordd. Allg. Ztg." bringt längere Mitteilungen über die Pariser Anarchisten, deren verschiedene Gruppen unter Scheidung der einzelnen Kategorieen sie aufzählt und deren Leben und Treiben sie eingehend schildert. Das Herrenhause ist die Ankündigung zugegangen, daß der klrchenpolitische Gesetzentwurf den Mitgliedern noch vor dem 14. Februar auf die Tagesordnung gesetzt werden wird. Dem Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf betreffend die Aenderung der Kreiseinteilung in den Pro­vinzen Posen und Westpreußen zugegangen. Die dem Abgeordnetenhause zugegangene Nachweisung der einge­stellten Leistungen aus Staatsmitteln für römisch-katho- lische Bistümer und Geistliche beziffert den Zugang im spanntesten Aufmeiksamkeit auf das leisesie Geräusch vo» oben her gelauscht hatte, hörte zitternd die furchtbare» Zornausbrüche der alten Molly.

Sie entnahm daraus, daß Lilh's List gelungen und daß sie entkommen war. 0

. Ambe schwellte ihr das Herz, aber zugleich auch Bange», daß dieser Vorfall die alte Molly zu neuen Grausamkeiten gegen sie aufstacheln wurde.

Der Wunsch, zu leben, hatte sich neuerdings wieder so lebendig in ihrer Brust geregt, daß der Gedanke, die Alte könne sie in ihrer Wut töten, sie mit Schauder erfaßte.

Zeternd hörte sie darum die schweren Fußtritte der 1 Men sich dem Gelaß, das ihr Kerker war, nähern.

"Wie, Du lebst noch?' rief st-, hart an die Unglück­liche herantretend, und sie rauh am Arme erfassend, schüttelte ?! fapftig. »Was hast Du vor, weiter zu leben? Muß ich Dich denn mit meinen eigenen Händen töten?»

Schone meiner!» stöhnte die Aermste in herzzerreißen­den Lauten.Töte mich nicht, ich hänge so sehr am Leben!»

Längt am Leben!» höhnte die Alte, von ihrem hilflosen Opfer ablassend.Nun, so lebe denn, so lange Du es noch kannst. Im Grunde genommen hast Du mir ja nichts zu Leide gethan. Du hast nicht einmal den Ver­such gemacht, zu entfliehen und uns der Strafe zu über­liefern! Warum sollte ich Dich also unbarmherzig be­handeln? Nein, lebe! Fürchte nichts! So lange die alte Molly hier ist, sollst Da Deine Brotkruste und Deine» Trunk Wasser haben!»

Mit diesen Worte» entfernte sich die Alte und Fanny's Augen weinten Freudenthränen. Die Hoffnung auf Be­freiung aus ihrem entsitzlichen Kerker trat aus's neue als uchter Engel an sie heran und legte schmerzlindernd die Hand auf das heiß pochende Herz der Unglückliche».

Ach, arme, arme Fanny!--

(Fortsetzung folgt.)

i wenn nur eine Verkürzung der Dienstzeit, d. h. eine Ver­minderung der Kriegstüchtigkeit des Heeres zu erlangen gewesen wäre. Man wollte also, was man dem Heere an Mannschaften mehr zuzuführen sich nicht weigern zu können vermeinte, wenigstens durch eine entsprechend ge­ringere Kriegsausbildung und Schlagfertigkeit ausgleichen, damit ja die beabsichtigte Stärkung der Wehrkraft der Nation vereitelt werde! Dies ist die wahre Bedeutung der Parole:Jeden Mann und jeden Groschen!»

Deutsches Reich.

Berti«, 2. Febr. Der Kaiser nahm vormittags den Vortrag des Geheimen Kabinettsrats von Wilmowski ent­gegen, empfing im Beisein des Staatssekretärs Grafen Bismarck den mexikanischen Ministerresidenlen Mena zur Ueberreichung seines Abberufungsschreibens in Audienz, konferierte darauf mit dem Staatssekretär Grafen Bis- marck und machte nachmittags eine Spazierfahrt. Auf eine diesbezügliche Anfrage hat der Reichskanzler ge­antwortet:Eurer Wohlgeboren danke ich verbindlich für die gefällige Mitteilung vom 25. d. Mts. über die im dortigen Wahlkreise (dem hannoverschen Dorfe Kirchweyhe) verbreiteten Gerüchte über den Grund der Auflösung des Reichtstages. Ich kann Ihnen nur bestätigen, daß es sich bei der von der Mehrheit des aufgelösten Reichstags ver­worfenen Militärvorlage in keiner Weise um eine Ver­längerung der gesetzlichen dreijährigen Dienstzeit des Ein­zelnen, sondern ausschließlich um die Feststellung der Stärke des Gesamtheeres im Frieden für einen siebenjährigen Zeit- raum handelt. Die von Ihnen erwähnte Ausstreuung, daß der Allerhöchste Kriegsherr wünsche,die Jungens sollten jetzt ganze sieben Jahre dienen», fällt daher unter die leider nur zu zahlreich eintretenden böswilligen Ent­stellungen der Absichten Sr. Majestät des Kaisers und Königs." Ueber den derzeitigen Stand der Verhand­lungen zwischen der preußischen Regierung und der römi­schen Kurie geht derN. fr. Presse" aus Rom folgende Mitteilung zu:Die Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan gehen, sicherem Vernehmen nach, ihrem Abschlüsse entgegen. Die Abmachungen über die Anzeige- Pflicht sind bereits bekannt. Rücksichtlich der Militärpflicht wurde festgestellt, daß Zöglinge, welche für Missionen be­stimmt sind, und alle Priester von derselben vollständig befreit sind; bis zur Erlassung des Gesetzes wird der König in jedem Einzclfalle die Befreiung aussprechen. Alle auf Grund preußischer Gesetze ausgewiesenen geistlichen Ge­nossenschaften werden wieder zugelassen werden. Die Aus­weisung der Jesuiten beruht auf einem Reichsgesetze, und kann deren Zulassung wenigstens vorläufig nicht zur Sprache kommen, wohl aber ist es möglich, daß die Bun- dcstags-Verordnung über die dem Jesuiten - Orden gleich-

Derdeutsche" Freisinn.

Wenn in der deutschfreisinnigen Presse und namentlich in demjenigen Teile derselben, welcher von der Partei­leitung inspiriert wird, den freisinnigen Wählern empfohlen wird, lieber einen Polen oder Dänen, als einen Verteidiger der Militärvorlage zu wählen, so zeugt dieser Rat von einem Mangel an deutschem Sinne, dem gegenüber die Bezeichnungdeutsch" in dem Parteinamen wie Hohn klingt. Für alle, welchen das nationale Ehr- und An- standsgexühl nicht völlig abhanden gekommen ist, steht es außer aller Frage, daß das gemeinsame Deutschtum bei nationalen Gegensätzen auch für die Wahlen das entschei­dende Moment bilden und demzufolge im Zweifelsfalle dem deutschen politischen Gegner der Vorzug vor dem Polen oder Dänen gegeben werden muß.

Allein dies Verhalten der Parteileitung wirft in Ver­bindung mit der Unterstützung, bereit sich auch die intran- sigentesten Welfen von freisinniger Seite zu erfreuen haben, und deren Liebäugeln mit der Sozialdemokratie, das trotz zahlreicher Fußtritte von Seiten der letzteren beharrlich fortgesetzt wird, ein neues grelles Schlag­licht auf die Aufrichtigkeit der Behauptung, daß man bereit sei,jeden Mann und jeden Groschen" zu be­willigen. Denn, wenn man diejenigen, welche unbedingte Gegner jeder Verstärkung des Heeres sind, in einer Zeit voll äußerer Gefahr denen vorzieht, von welchen man nur in Bezug auf die Zeit getrennt zu sein behauptet, so ist der Schluß nicht abzuweisen, daß der gänzlich ablehnende Standpunkt derjenige ist, auf dem der Freisinn in Wahr­heit steht und welchen er nur scheinbar aufgegeben hat, um die Wähler nicht kopfscheu zu machen. Auch be­stätigen Wahlreden minder vorsichtiger freisinniger Poli­tiker die schon aus dem ganzen Verlaufe der Reichstags­verhandlungen sich ergebende Annahme, daß dir formelle Bewilligung der ganzen Friedenspräsenzstärke auf drei Jahre am 14. Januar nur erfolgte, weil über die einer Verwerfung der Vorlage gleichkommende Bedeutung der Verkürzung der Bewilligungöfrist kein Zweifel bestand. So hat u. A. einer der Berliner Adjutanten Eugen Richters erklärt, man wäre zu jeder Bewilligung bereit gewesen,

Die Geister ver Finsternis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Wirft diese Entdeckung einen Lichtstrahl in das ge­heimnisvolle Dunkel des Geschehenen?» foischte der Bankier.

Nein, Mr. Lawrence. Die Angelegenheit ist in meinen Augen für den Moment verwickelter, denn je zuvor, aber es ist mein Beruf, verwirrte Knote» zu lösen, und es ist mir gelungen, schon manche dunkle That aufzuklären. Mein guter Stern wird mich auch diesmal den rechte» Weg wähle» lassen. Wollen Sie mir erlauben, das Schmuckstück mit mir zu nehmen? Ich werde versuchen, zu erfahren, ob Mr. Colville die fehlende Hälfte dazu beibringen kann.»

Sie haben einen Verdacht?» drang der Bankier in den verschlossenen Sprecher.

Vielleicht!» lautete die lakonische Erwiderung.Mr. Lawrence, wollen Sie diese Entdeckung völlig geheim halte» bis ich Ihnen die Freiheit gebe, darüber zu sprechen? Selbst gegen Ihre Tochter und Mr. Darling möchte ich Sie bitten, darüber zu schweigen. Vielleicht täusche ich mich nicht, wen» ich anfange, die kunstvoll verwickelten Fäden eines furchtbaren Geheimnisses zu sammeln, das zu enträtseln, wenn menschliche Geschicklichkeit überhaupt dazu im Stande ist, fortan die wichtigste Aufgabe meines Lebens fein soll!» Die wichtigste Aufgabe seines Lebens?» wiederholte

Mr. Lawrence vor sich hi», nachdem Mr. Shelton sich ent­fernt hatte, von dem Fenster aus, an das er getreten war, sinnend dem die Sttaße hinabschreitenden Detekttv, dem Keiner seine» Beruf angesehen hätte, »achblickend.Was kann er damit sage» wollen? Was kann das für ein Ge­heimnis sein, dessen verworrene Fäden er zu sehen glaubt? £>, Himmel, das Ereignis des gestrigen Abends hat mir den klaren Verstand geraubt! Sehe ich denn überall Ge­spenster? Aus jedem Winkel blicken mir die Auge» ent­gegen, mst denen jene rätselhafte Erscheinung mich ansah,