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Rr. 27

Marburg, Mittwoch, 2. Februar 1887.

XXII. Jahrgang

Die Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

Mrs. Staute hatte sich in furchtbarer Aufregung auf ihr Zimmer zurückgezogen und das Gesicht mit beiten Händen bedeckt, saß sie wie gebrochen, nicht wagend, ihre müden Augen aufzuschlagen, aus Furcht, den ruhelosen Geist des Weseus, welches sie mit unbarmherziger Hand niedergestoßen hatte, mit borwurfsbollen, drohenden Blicken aufS neue bor sich erstehen zu sehen.

„Mörderin!"

Hatte wirklich Jemand das Wort neben ihr gesprochen, oder war es eine Täuschung ihrer wild erregten Phantasie? Wie im Fieberfrost durchschüttelte es sie.

Ein plötzliches Pochen an die Thür ließ sie so heftig zitternd aufschrecken, wie das schuldbewußte Gewisien allein sich bor dem leisesten Mahner entsetzt.

„Herein!" brachte sie fast unhörbar herbor.

Die Eintretende war die Zofe, welche erschrocken in das geisterhafte Antlitz ihrer Herrin blickte.

„Sind Sie krank, Mrs. Baute?" fragte sie besorgt.

„Nicht gerade krank, aber mein Kops schmerzt mich ent­setzlich!" war die berwirrte Antwort.

Das Mädchen hatte natürlich auch bon dem rätselhaften Ereignis des Abends gehört und schrieb die furchtbare Auf­regung ihrer Herrin dem Vorgefallenen zu.

„Ich fand soeben dieses Schmuckstück auf der Terrasse, Mrs. Baute," hob die Dienerin nach einer kleinen Pause wieder an. „Ich zeigte es Miß Ada, doch ihr ist es fremd!"

MrS. Baute richtete sich auf und betrachtete das Ge­schmeide mit trübem Blick. Es war die Hälfte eines zer­brochenen, goldenen Medaillons, kunstvoll gearbeitet, reich ziseliert, und trug ein Monogramm in kleinen Diamanten. Es waren die verschlungenen Buchstaben H. C.

Eingebung zur Annahme des wahren Friedens gelenkt werben. Aber die Regierung unter General Boulanger wird kaum noch temporisieren. Derselbe ist Herr der Lage in einem Grade, wie es weder Thiers, noch Gambetta ge­wesen ist. Aber er kann die Lage nur durch die Fort­setzung des kriegerischen Impulses beherrschen, den er ihr gegeben hat. Rach den Eindrücken aller Beobachtungen werden die Rüstungen in Frankreich mit fieberhafter Energie betrieben. General Boulanger hat es nicht mehr in der Hand, das französische Volk in die Bahn des Friedens zurückzulenken, oder er müßte seinen Platz räumen, mit dem Vorwurfe beladen, Frankreich an den Rand großer Gefahr geführt zu haben. — Die „N. Fr. Pr." schreibt: Mit dem auf die deutschen Wahlen bezüglichen Briefe des Papstes hat es, wie in dem Vatikan nahestehenden Kreisen verlautet, folgende Bewanduis: „Der Bries wurde nicht an den Kaiser, sondern an den Münchener Nuntius, offen­bar auf Betreiben des Herrn von Schlözer geschrieben. Der Brief, den der Nuntius den Bischöfen mitteilte, ist von friedlichem Geiste durchweht, jedoch in ganz allge­meinen Ausdrücken gehalten; dagegen, daß man ihn wider die katholische Partei ausspiele, verwahrt sich der Papst entschieden, welcher sich in politische Streitigkeiten nicht einmischen und daher auch nichts gegen das Zentrum unternehmen wird. Das Gerücht, daß Leo XIII. Herrn Ur. Windthorst zu dessen Geburtstag den Segen verwei­gert hätte, ist unrichtig. Der Papst vermied wohl aus politischen Rücksichten die Erteilung des feierlichen Segens, ließ jedoch dem Führer der deutschen Zentrumspartei seine herzlichen Glückwünsche zukommen. — Wie die „Donau- Zeitung" von durchaus glaubwürdiger Seite erfahren haben will, habe der Papst, berücksichtigend die kirchen- politischen Verhandlungen mit Preußen, den Wunsch aus­gesprochen, das Zentrum möge die Verhandlungen bei der Militärvorlage berücksichtigen. Ein Aktenstück, welches diesen Wunsch des Papstes bestätigt, hat Fürst Bismarck in Händen. Diese vertrauliche Willensäußerung fand vor der zweiten Lesung der Militärvorlage statt.

Neutz, 31. Jan. In einer gestern nachmittag hier stattgehabten zahlreich besuchten Versammlung von Reichs­tagswählern aus dem Wahlkreise Neuß-Grevenbroich, welche dem Septenuat zustimmten, wurde beschlossen, dem bisherigen Abgeordneten von Dalwigk, welcher gegen das Septeimat stimmte, einen anderen katholischen Kandidaten in der Person des aus dem Kreise Neuß gebürtigen Oberlandes­gerichtsrat Saurland in Colmar entgegenzustellen. Die Kandidatur wurde einstimmig atceptiert und die Ver­sammlung trennte sich unter stürmischem Hoch auf den erhabenen Schutz- und Schirmherrn des Deutschen Reichs

Neustadt a. d. H., 30. Jan. Der heute hier statt- gehabte Parteitag der Nationalliberalen von Südwest­deutschland, welcher von über 4000 Personen besucht war,

Deutsches Reich.

Berit«, 31. Jan. Der Kaiser nahm heute vor­mittag den Vortrag des Geheimen Kabinettsrats v. Wil- mowski entgegen, machte darauf eine Spazierfahrt und konferierte nach seiner Rückkehr mit dem Kriegsminister Bronsart von Schellendorff. — Unter dem Vorsitze des Reichskanzlers als Ministerpräsidenten hat am Sonnabend Nachmittag eine Sitzung des Staatsministeriums stattge- funben. Man glaubt, daß es sich um die in Aussicht ge­stellte Proklamation des Kaisers bezüglich der Auflösung des Reichstags und der Neuwahlen zu demselben gehan­delt habe. — Der „Reichs-Anz." meldet: Die deutschen Behörden, namentlich das Auswärtige Amt, erhalten fort­gesetzt aus verschiedenen Teilen des Reiches, auch aus dem Auslande, zahlreiche Gesuche um Anstellung und Ver­wendung ober Aiisiebelung in unter deutschem Schutz stehenden überseeischen Gebieten, um kostenfreie Beförderung dorthin, Zulassung zum Militärdienst daselbst, AuSkunftS- erteilung über dortige Verhältnisse u. f. w. Es ist wieder­holt darauf aufmerksam gemacht worden, daß das Reich Stellen in den Schutzgebieten nicht mehr zu vergeben hat und Unterstützungen zur Uebersiedelung dorthin um so weniger gewährt werden können, als überhaupt nicht die Absicht besteht, die Auswanderung nach jenen Gebieten zu lenken. Auch steht in den Kolonieen kein Militär, daher bietet sich keine Gelegenheit, daselbst der Militärpflicht zu genügen. Die Behörden sind somit nicht in der Lage, den Gesuchen der erwähnten Art irgend welche Folge zu geben. — Der „Reichs-Anzeiger" meldet: Der Herren­meister des Johanniterordens ernannte den Feldmarschall Grafen Moltke zum Ehrenkommandeur des Johanniter- OrdenS. — Die „Post" schreibt in ihrem „Auf Messers Schneide" überschriebenen Leitartikel: Die Stellung des französischen Kriegsministers General Boulanger ist nicht nur befestigt, sondern zur Zeit vielleicht unangreifbar. Der General, gestützt auf die Radikalen und Chauvinisten, be­herrscht auch die friedlichen Massen, weil diese nicht int Stande sind, ihren Wünschen annehmbare Gestalt zu geben, vielmehr durch jahrelanges Schüren in ihrem Urteile ver­wirrt sind. Dieser Zustand kann durch eine tempori- fterenbe Regierung geändert, vielleicht durch eine glückliche

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hett, daß das Mädchen ihre Getslerrolle vorzüglich gesvielt hat, werden sie ihren Besuch wiederholen. Ich bin fest überzeugt, daß diese Angelegenheit mit dem Leichenraube ßt «er_®rUft 36ler 9amiIie im engsten Zusammenhänge

Mr. Lawrence blickte den Sprecher überrascht an.

... k mir gelungen," fuhr dieser fort, „bas erste Glied zu der geheimnisvollen Kette zu finden. Es ist eine nur schwache Spur und ich möchte Sie bitten, keine allzu großen H°I/iungen barauf zu gründen, denn das Wenige könnte leicht zu Nichts zerrinnen. Der Fall ist ein sehr geheimnis- ^.u"d hat bis^ jetzt vollständig alle Nachforschungen ohne

„Slber sollte das, was Sie in dieser Sache entdeckt, denn zu gar keinen Hoffnungen berechtigen?" fragte der Bankier. »Hat nicht oft schon der unbedeutendste Anhaltspunkt zu den ^AWen Entdeckungen geführt? Dürften wir Sie um gefällige Mitteilung ihrer Ermittelung bitten?"

„Ja, doch muß ich um die strengste Verschwiegenheit bitten/' antwortete Mr. Shelton, und sah von Mr. Lawrence ans Mr. Darling, welcher der ganzen Verhandlung stumm Mgehört hatte. „Die geringste Unbedachtsamkett könnte die Schuldigen warnen."

Die beiden Männer gelobten unverbrüchliches Schweigen . »3-h habe erfahren," begann Mr. Shelton nun, „daß der Küster sich bestechen ließ und noch am Abend des Be- gräbnistages den Schlüssel zu Ihrer Gruft hergab."

„Der Schurke!" rief Mr. Lawrence.

„Gemach," sagte der Detektive. Der Mann ist nicht so schlecht, wie Sie glaube». Schreiben Sie vielmehr seinen begangene» Fehler seinem schwachen Kopfe und seinem aut- mutigen Herzen zu." "

D» Bankier blickte Mr. Shelton befremdet au.

(Fortsetzung folgt.)

wurde von dem bisherigen Reichstagsabgeordneten I r ?*« »« ewern Rückblick auf die Vorkommnisse vor der Auflösung des Reichstags eröffnet. Sodann rgriff Oberbürgermeister Miquel, stürmisch begrüßt, das Wort und rotes auf bte ernste Lage hin, in welcher die Divlo- matte den Leidenschaften des Volkes gegenüber macht- Io« et unb die Erhaltung des Friedens nur auf der Stark- des deutschen Heeres beruhe. Deßhalb sei von der ^Eg'erung bte Mtlttärvorlage eingebracht; die Majorität des Reichstags habe die Entscheidung erst verzögert und dann die Vorlage ungenügend bewilligt, obwohl das Sev- tennat sich bei hinreichender Sicherung der Rechte des Parlaments zweimal bewährt habe. Durch Bruch dieses Abkommens, welches eine Lücke in der Verfassung aus- gefullt habe, fei die Gefahr eines Konfliktes im Innern herausbeschworen worden. Der Redner beleuchtete hierauf die Grunde, welche die Annahme der dreijährigen Be­willigung unmöglich gemacht und erklärte: In einem

geg-n das nationale Interesse und die Sicherheit ^..Reiches onne der Liberalismus nicht wachsen; die Nattonalliberalen seien Verteidiger einer ruhig fortschrei­tenden Entwickelung des Vaterlandes. Durch einen in« neren Kampf würden Kaiser und Reich schwer geschädigt: wenn vor Ausfechkung eines solchen Kampfes ein Krieg ausbreche, sei die Gefahr doppelt groß. Die Opposition habe aus der Geschichte nichts gelernt Die Haltung des Zentrumsset unbegreiflich, da eö sich nicht um eine kon- fesslonelle Frage handle, sondern um die Wohlfahrt und Sicherheit des Vaterlandes. Die alten Gegner verschleier- t^",das Wesen des Streits durch Schlagworte wie „Mono- pol , Absolutismus', „Parlamentsrechte", „Gleichberech­tigung der Konfession" u. a. Er appelliere nicht nur an bte^ugenb, fonbern auch an Familienväter und ehemalige Soldaten. Man sollte dem Kaiser dankbar fein, das Volk aufnaren und Parteizwistigkeiten vergessen. Das Volk » ^in zwischen denen, welche die Zwie-

Verfassung gefährden und denen, welche bte Wehrkraft befestigen unb für Kaiser unb Reich emstehen wollen. (Lebhafter Beifall.) Bürklin prokla- "^rte hleranf unter allgemeiner Zustimmung Miquel als Reichstagskandldaten für den Wahlkreis Kaiserslautern- Kirchheimbolanden und verlas ein aus Mannheim einqe- troffenes Begrußungstelegramm. Die Versammlung be- schloß em Huldigungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser zu senden.

Straßburg, 29. Jan. Dieser Tage herrschte in Straßburg und Metz eine wahre Kriegspanik. Es hieß, das Verhältnis zwischen Deutschland und Frantreich fei gespannter als je, die Erhaltung des Friedens hänge nur an einem Faden. Die Abwesenheit des Statthalters wurde damit m Zusammenhang gebracht Es hieß, er fei von •oerlm aus, nach dem Ordensfeste, direkt nach Paris ge-

„Das Medaillon gehört nicht mir, Mary," anlroortete Mrs. Vance. „Es muß Jemand hier verloren haben, doch entsinne ich mich nicht, welchem unserer Bekannten die An­fangsbuchstaben H. C. angehören könnten. Was gedenkst Du mit dem Schmuckstück anzufangeu?"

„Ich werde es Mr. Lawrence geben," entgegnete Mary. „Der Eigentümer des halben Medaillons wird sich sicher melden."

Die Zofe entfernte sich bald, ihrer Herrin eine „gute Nacht" wünschend. Mrs. Vances aufgeregte Gedanken aber hatten durch diesen Zwischenfall eine andere Wendung erhalten.

„Wem nur kann dieses Schmuckstück gehören?" fragte sie sich wieder und wieder. „Wie, wenn es in Verbindung stände zu unserem geheimnisvollen Besuch von heute Abend?"

11. Kapitel. Zwei Buchstaben.

Inzwischen hatte Mr. Lawrence und Lancelot das Haus verlassen, um den Geheimpolizisten Mr. Shelton aufzusuchen und ihm den nächtlichen Vorfall mitzuteilen, und mit der gespanntesten Aufmerksamkeit hötte der Detektiv der Erzäh­lung des älteren Mannes zu.

Als Mr. Lawrence mit seinem Berichte zu Ende war. hob Mr. Shelton an: '

„Ich bin ein sehr praktischer Mann und komme ich in Berührung mit einem Geheimnis, so vermute ich unwill­kürlich sogleich ein Verbrechen. Ich glaube au die sogenannte Geistererscheinung Ihrer Tochter eben so wenig, wie an alles andere Uebernatürliche. Das Ganze war einfach ein Raub- Arsuch. Irgend welches Mädchen, das Ihrer verstorbenen Tochter ähnlich sieht, wurde dazu benutzt, den Diener von ber^Thür zu verscheuche», während ihre Helfershelfer den beabjttätigten Diebstahl ausführen wollten. Für diesmal wurden die Diebe freilich verscheucht; aber mit der Gewiß-

A»zeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu undVooler in Frantfurt a. 8R., Caffq Magdeburg und Wien' Rudolf äiloffe in Frankfurt ♦ a. Berlin,München unb

Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M.

AklMche Miig

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt

Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch. " *