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Marburg, Dienstag, 1. Februar 1887.

XXII. Jahrgang.

Nummern nicht eingestellten Militärpstichtigen einberufen worden. Es handelt sich dabei um die Durchführung der neuen Militärvorlage, deren Annahme bi» zum 1. April die Regierung bestimmt vorauszusetzen scheint. Die er­wähnten Einberufungen von Reservisten der Infanterie zur Ausbildung mit dem neuen Gewehr beginnt am 7. Februar. Die Uebung dauert, wie immer, 12 Tage.

Augsburg, 27. Jan. DieAugsb. Abdztg.* ver­öffentlicht folgenden Wahlaufruf:Alte Kampfgenossen von Schwaben! Der Wahlkampf steht vor der Thür«. Man will unserem alten Heldenkaiser seine Forderungen für die Armee nicht bewilligen. Denkt zurück an den Feldzug von 1870/71 und die ruhmreichen Schlachten. Viele von Euch standen unter meinem Kommando oder kennen mich. So wie wir damals miteinander gegen den Feind gehalten haben, wollen wir auch jetzt miteinander stimmen, zum Besten der Armee und des Vaterlandes. Wählet die Männer, welche zu Kaiser und Reich stehen! Es leb« Se. Majestät der Kaiser! Freiherr von der Tann, General-Leutnant z. D."

Die «eister der Finfteruis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

Fortsetzung.)

D-S Gesicht mit beiden Händen bedeckt, lehnte Lily halb ohnmächtig gegen da» hohe Gitter.

Da das Rasseln der Eisenthür ließ sie aufschrecken. Ihre Hände sanken herab und sich aufraffend, wandte sie, den Schleier zurückscblagend, sich dem Diener zu.

Aber mit einem Schrei fuhr derselbe im gleichen Augen­blick zurück und stürzte dem Hause zu.

Ein tiefer Schmerz durchzuckte Lilys Brust. Schon kannte man sie hier nur als eine Tode, denn Furcht vor ihrem Geist allein trieb unverkennbar den Feigen in die Flucht.

Die Front des Hauses war völlig dunkel; die Familie befand sich also in dem auf der Rückseite nach dem Garten hinaus gelegenen Wohnsalon. Kaum wollten ihre Füße sie »och tragen, aber die Aufregung verlieh ihr die Kraft, 618 aus Ende auszuharren.

Sie erreichte die Terrasse, die sich an der Hinteren Seite des Hauses hiuzog. Die beiden dunklen Gestalten, welche durch das von dem furchterschrockeuen Diener offen gelassene «artenthor hineinhuschten, sie sah sie nicht. Mit Aufgebot Ihrer letzten Kräfte erstieg sie die wenigen Stufen und stand M nächsten Moment, Hut und Mantel von sich werfend,

Hellen Gewände, einem Geiste gleich, in dem Rahmen mr hohen Flügelthüren deS WohnsalouS, die weit geöffnet

3hr Blick umfaßte alle in dem Zimmer Befindlichen.

Mrs. Vance saß vor dem Piano, ihre weißen Finger Kitte» leicht und graziös über die Tasten hin. Lancelot »arling stand an ihrer Seite und war ihr bei« Umwenden °« Notenblätter behilflich.

Nahe bei dieser Gruppe, auf einem niedrigen Divan, rahie Ada.

Sie war kaum bleicher, als Lily, in ihrem düstere» Trauerkleide. Ihr Vater saß neben ihr; ernst und kummer­voll war sein Blick.

Nicht länger konnte Lily bei diesem Anblick an stch halten.

.Papa, Papa!« rief ste mit fast erstickter Stimme.

Der leidenschaftliche Schrei, so leise er auch klang, ließ die vier Nichts ahnenden Personen wie auf einen Zauber, schlag aufblickeu und auf Lily starren, die dastand mit auf. gelöstem, goldigem Haar, das Gestcht bleich wie der Tod.

Ein Schrei entrang stch zu gleicher Zelt Aller Lippen.

m »Lily, Lily,* schrie Ada und sank ohnmächtig an die Brust ihres Vaters, während Mrs. Vance wie eine Rasende sich au Lancelots Arm festklammernd, auf ihre Knie uieder- sank. Doch mit rauher Hand machte er stch gewaltsam voll ihr los.

»Lily, Lilyl* schrie der junge Mann auf, vorwärts stürzend.

Aber mit einem gellenden Schrei taumelte er im selben Moment zurück. Die lichte Gestalt im Thürrahmeu war nicht mehr da; sie war verschwunden, als wäre ste in Luft zerflossen, oder als habe die Erde ste von Neuem in ihren dunklen Schoß ausgenommen.

10. Kapitel. Das zerbrochene Medaillon.

Minuten vergingen, ehe die im Zimmer Anwesenden stch so west gefaßt hatten, um zn einem klaren Gedanken ge­langen zu können. Aber kaum war das geschehen, so stand , < °Laudi s<hon "st einem Sprunge an der Thür, die in den Garten hinaus mstndete.

.Lily! Lily!*

Verzweiflungsvoll rang sich der Laut ans des jungen Mannes Kehle. Aber keine Antwort erfolgte. Still blieb es llwher. *

Auch Mr. Lawrence hatte sich aufgerafft. Heftig die

Gffcheint täglich außer aa Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- XbonnementS-PreiS bei der Expedition 2>/4 Mk.. bei den Postämter S Mk- 60 Pfg. (ejcl. Bestellgeld). Hnfertionsgebühr für di« gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile

Glocke ziehend, gebot er der herdeieilenden Zofe, stch um Ada, welche eine Ohnmacht befallen hatte, zu bekümmern, worauf er in Hast Lancelot folgte.

Die Männer eilten an das nach der Straße hinans. führende Gartenthor. Der eine Flügel stand offen aber von Willis, dtm Portier, zeigte sich keine Spur.

Eben wollten Beide in höchster Aufregung ins HauS zuruckkehrev, als Mr. Lawrence'S Fuß gegen eine am Boden liegenbe Gestalt stießt Bestürzt beugte et stch vorüber und sah im nächsten Moment in das todtdleiche Antlitz de» Dieners, welcher Lily das Gartenthor geöffnet hatte.

»Willis*, herrschte Mr. Lawrence den verstört Ans. blickenden strenge an, .waS soll das bedeuten? Das Thor steht weit offen und Du bist nicht auf Deinem Posten I* . ,-dei meiner Seele, Mr. Lawrence, ich konnte nicht» Ml Jch sah einen Geist!* antwortete der Mann und blickte in sichtbarer Angst um sich.

Erkläre Dich deutlicher!' sagte sein Herr ernst.

»3<h folgte dem Rufe der Glocke,* entgegnete der Manu Mernd,und als ich das Thor öffnete, stand vor mir eine

mit btm Gesicht unserer verstorbene» Miß «tly anblickte l*

Mr. Lawcence ward leichenblaß.

»Wir müssen Alles durchsuchen,* sprach er, kaum fähig, n* 112??rte rait Ruhe über seine Lippen zu bringen.Es liegt hier ein Geheimnis vor, welchem wir auf den Grund kommen müssen l*

Die ganze Dienerschaft ward alarmirt; Laternen wurden angezündet und alle« ward durchsucht, aber nicht die leiseste Spur, welche eine Lösung deS Rätsels bot, wurde entdeckt, und nichts blieb den verzweifelnden Männern schließlich übrig, als resultatloS ins HauS zurückzukehren. So myfteriö», « M^uuug, war auch der ganze Vorgang und kein Lichtstrahl, der das Dnnkel erhellte!

(Fortsetzung folgt.)

MF* Bestell trugen für die Monate Februar «nd März auf die

Oberhessische Zeitung

«ft den Gratis-BeiblätternSreisblatt für Marburg

*» Kirchhain,"Illustriertes Sonntagsblatt" rmdErzähler" werden von allen Postanstalten, unserer Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie rmserer Expedstion entgegengenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Jan. Unserem erlauchten Kaiserhause rst heute ein neuer Sprosse geschenkt worden: Ihre König!, liche Hoheit die Prinzessin Wilhelm wurde heute früh

1 Uhr zu Potsdam von einem Prinzen glücklich entbunden. Wenn an dem politischen oder sozialen Gesichtskreis de» Vaterlandes dunklere Wolken Heraufziehen, dann wendet der Blick des Patrioten sich stets mit freudiger Zuversicht nach unserem Herrscherhaus«, dessen Weisheit und Festig­keit seine Getreuen durch alle Gefahren und Stürme hin­durch aus Keinen Anfängen zu glanzvollen glorreichen Zielen zu führen verstanden hat. Unvergleichliche Feld- Herrn und Staatsmänner hat das Hohenzollernhaus seinem Volke geschenkt, in treuer Liebe waren seine Glieder stets dem Vaterlande verbunden, und das Beste, was das Volk dem neuen Sprossen dieses erhabenen Stammes zu wün­schen im Stande ist, klingt in dem Gebet aus, daß Gott den Prinzen seinen Vorfahren ebenbürtig werden lasse in allem Großen, Guten und Schönen, womit unsere Dynastie sich unvergänglich in das Herz der Nation eingeschrieben Hal- Der Kaiser empfing heute vormittags den Prinzen Wilhelm, hierauf den Kronprinzen und nahm später mili­tärische Meldungen und den Vortrag des Militärkabinetts ««gegen. Anläßlich der Geburt des vierten Sohnes des Prinzen Wilhelm hatte sich vormittags 10'/» Uhr eine nach Tausenden zählende Menschenmasse vordem kaiser­lichen Palais angesammelt. Als die Artillerie vom Lust­garten, wo sie die Geburt des Prinzen mit 101 Ka­nonenschüssen begrüßt hatte, unter den Klängen derWacht am Rhein* am kaiserlichen Palais vorüberzog, trat der Kaiser an das Fenster. Die Menschenmaffe empfing den Kaiser mit stürmischen Jubelrufen und stimmte die National« Hymne an. Der Kaiser verweilte während des Gesanges ttefbewegt am Fenster und dankte darauf lebhaft grüßend nach allen Seiten, während die Hurrarufe sich immer toieber erneuten. Prinz Heinrich wird, wie verlautet, in diesem Frühjahre wieder eine längere Seereise antreten und, wie e» heißt, zum ersten Male selbständig das Kom­mando eines Kriegsschiffes übernehmen. Für den zweiten und dritten April sind sämtliche bei der Rekruten- stellung im Herbst vorigen Jahres wegen hoher Los«

Ausland.

Wie«, 29. Jan. DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Sofia aus kompetenter bulgarischer Quelle: Die bulgarische Regierung antwortete der Pforte, daß sie, um den Großmächten ihren Eifer, die Krisis zu beenden, zu bekunden , in di« Bildung einer mit Oppositionsmit­gliedern gemischten Regierung einwillige und bereit sei, an­der Minorität ein Regentschaftsmitglied und 2 Minister zu entnehmen, sobald die Pforte einen annehmbaren Thron- kandivaten offiziell vorgeschlagen habe.

Rom, 29. Jan. Der Munizipalrat hat auf einen von dem Bürgermeister und den Munizipalräten Castellani und Tommassini unterstützten Antrag des Archäologen De Rossi beschlossen, de« deutschen archäologischen Institut an­läßlich des Tode- des Professor Henzen offiziell sein Beileid auszudrücken und HenzenS Büste in dem Saale der konsu- larischen Fasten auf dem Kapitol aufftellen zu lassen.

Petersburg, 29. Jan. DasJournal de St. PeterSbourg" glaubt, die gleichzeitige Anwesenhett ZankoffS und der bulgarischen Delegirten in Konstantinopel könnte «e Gelegenheit zu Erörterungen geben, die, von den Rat­schlägen der Mächte und der Pforte unterstützt, zu Arrange- mmtS nach dem russischen Programm und zur Bildung einer Regierung führen könnten, die seitens Rußland anzu« erkennen möglich wär«. Jedenfalls seien diese Verhandlungen nützlich, wenn auch nur, um Rußland von der Verant­wortlichkeit für die Folgen der fortdauernden Anarchie in Bulgarien zu entlasten. Das Gesetz, betr. dir Besteuerung bet Revenuen au- Eisenbahnaktien, wird veröffentlicht. Danach werden die seitens der Regierung garantierten Revenuen aus Eisenbahnaktien mit 5 pCt., die regierungS«

Anzeigen nimmt entgege» die Expedition b Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasensteiu und Vogler in Franlsurt a. M , Eaffek, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in granffuet a. MBerlin,München und

Köln; G- L. Daube und Eo. in Frankfurt a. St,

feitig nicht garantierten Revenuen, bezw. Dividenden und Superdtvidenten von Eisenbahnaktien mit 3 pCt. besteuert.

Hesse« -Rafla«.

31. Jan. Die Hauptversammlung de» ZwelgveretnS des Allgemeinen deutschen Schul- toC[^e r,am-Sreitaö Abend im großen Saale de» Cafö Quentin stattsand, hatte eine stattliche Anzahl Mtt- glleder, sowie sonstige sich für die Zwecke des genannten VerernS interessierende Gäste versammelt. Die Sitzung »u/ch den derzeitigen etften Vorsitzenden, Herrn ®eb. Rat Nasse eröffnet und zunächst die Erledigung «mger geschäftlichen Angelegenheiten vorgenommen, au« E s°hr erfreulich S« konstatieren ist, daß stetemÄa^n^"-«"^^itglieoer am hiesigen Orte in o-^?Eeu begriffen und gegenwärtig bereits die Zahl x°"s^0erreicht hat. Mch in dem nahegelegenen Bieden- robf traten der guten Sache des Schulvereins wohlgesinnte Manner zusammen und bildeten eine Ortsgruppe. Wie in den vorhergehenden Jahren sandte auch in dem letzt- vergangenen der Verein Geld und Bücher an Deutsch« im Ausland« und wurde ferner der durch di« Wissenschaft- lichen Vortrage m der Aula des Gymnasiums im vorigen Winter erzielte Reingewinn von Mk. 557.76 ebenfalls ru Schulverernszwecken verwandt. Man wandte den letzteren SEM-. lUn9eit sieb-nbürger Deutschen zu, um dem­selben das Studium an hiesiger Universität zu ermöglichen. Weiter gab der Vorsitzende einen kurzen Ueberblick der Lage unserer Stammesbrüder im Auslande und betonte gerbet insbesondere die traurige Lage der Deutschen im Osten, denen die Unterstützung seitens des Mutterlandes Ä. Ä0t dürfe. Bei der hiernach folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde der seitherige per '2lftta=

Derselbe besteht aus bei Herren: ®e$- R?t. Nasse, Professor Fischer, Prof. Sickeh Wiutzer, Buchhändler W. Braun, Pri- vatter Ehr. Bang, Kaufmann Binder und Apotheker ^"bert, sowie einem Vertreter der dem Verein angchöreuden studentischen Korporattonen. Herr Professor Lenz hielt hierauf einen Vortrag über die geschichtlich« Stellung des Deutschtums in Böhmen".

; Vortragende gab m demselben einen zwei Jahrtausende umfassenden historischen Rückblick der wechselvollen Geschichte Böhmens uno gelangte am Schluffe desselben zu folgenden auf die Lehre der Vergangenheit gestützten, für die Gegen- wart und Zukunst wichtigen Sätzen: 1) Jedesmal nxttn d'e.Deutschen und Tschechen parallel gleich und wirklich paritätische Existenzbedingungen auf demselben Boden hatten, waren die Eristenzen der Deutschen denen der Tschechen überlegen und wuroen gefördert; 2) erlegen sind die Ä« schen jedesmal m Böhmen, wenn sie von den Deutschen im Mutterland« im Stich gelassen wurden; 3) die Tschechen

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- ____________Berlin, Hannover u.Pari»

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt

___________:____ , Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und »erlag von Joh. Ang. *