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Rr. 22

Marburg, Donnerstag, 27. Januar 1887.

xxn Jahrgang

Erscheint täglich außer an Werktagen nach L onn- und

auFiwßuuerTi.1 iU1U,aw' daß der alle N.o Es war nach Mitternacht, als Ltly es endlich wagte, die arme Fani Yin Ihrem unterirdischen Kerl er aufzusucyeu. . ? * lange Treppe htnadsteigend, verriet das Klirre» der K-tten ihr bereits die Ungeduld der schmachvoll Ge, saugenen. deren Augen aufl uchtcten bei Lily's Eintritt, mfirk ,JurJteJe .schon, daß ich Sie Nicht widcrschen ^oord-, 'prach sie in mächtiger Bewegung.

m,n « «nfnnÜ »e8o?4t fr^er wagen, zu Ihnen zu korn- ?e"' ßlI9 und erzählte den Grund ihres ver­

zögerten Ausbleibens, worauf sie Fanny einen Fluchtplau, den sie ausg. sonnen hatte, aus einander setzte.

fl« k ^örte ihr aufmerksam zu; dann seufzte tt-f und blickte traurig erst auf Ltly und dann auf ihre abgezehrten Hande und die schweren Kette», mit denen sie geseff U war. '

JM fte ?ttter. .Wie sollte ich dazu im h is A. bi" 8" schwach. Der Weg von hier nach

der Stadt ist lang und bis zu Ihres Vaters Haus haben m ?u g'ben. 34 kenne die Entfernung sehr wohl, ich wurde am Tage hierhergebracht. Ich könnte Ihnen (janj genau den Weg zeigen, aber meine armen, entwöhnten Fuße waren nicht im stände, mich eine Meile weit zu tragen! Jh wü,de nur rin Hemmschuh für Sie fetal*

Ath s Brust hob ein tiefer Seufzer.

,h *?n mdnem ®tfer vergaß ich Ihre übergroße Schwäche,* sprach sie traurig.

.. bauu,* fuhr Fanny fort, .tote entfernten wir bisi' Ketten? Wr haben Nichts, um meine Fesseln zu Doch verzagen Sie da. um nicht, Lily. Ihr Bla« ist für Sie nicht unmöglich. Führen Sie ihn bald, morgen schon ans. «ott wi-b Ihnen berstehen! Und bann, sobald Fr Vater Ihre Leidensgeschichte kennt, erzählen Sie ihm die meine und bitten ihn, die Leverets durch die Polizei festnehmen zu laffen und mich zu befreien!*

Die Geister der Finsternis.

Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.

(Fortsetzung.)

. »Arme Fanny,* sagte fte, .könnte ich Sie aus diesem stirchtbaren Gefängnis befreien I Aber wir teilen das gleiche ich bin nur die hilflose Gefangene desselben Schurken, der Ihr Leben zerstörte. Einmal habe ich es versucht, zu entfliehen, aber um Haarbreite hätte mein Leben unter den Zahnen des grausamen Neros geendet. Aber nicht schrecke ich deshalb vor einem zweiten Fluchtversuch zurück und gelingt mir der, dann werde ich auch Sie den Handen Jhrer Peintger entreißen, so wahr ein Gott lebt, der die Unschuld beschützt und die Schuldigen richtet! Doch letzt muß ich gehen. Die alte Molly könnte »ach mir sehen und mich vermissen und dann erst wäre Alles verloren, wieder!*" 9tC Fanny; morgen Nacht sehen wir uns

Gute Nacht, edles Mädchen, sprach die Unglückliche indem sie Lilys Hand ergriff und sie küßte. .Ihr Kommen hat mich glücklicher gemacht, als ich sagen kann, und ich zähle die Stunden, bis ich Sie Wiedersehen werde!*

»Ich werde kommen und Sie werden mich Wiedersehen erwiedelte hierauf das mutige Mädchen. .Vertrauen und glauben Sie!* *»

Und noch einen letzten, verheißenden Blick zurückwerfend, entfernte sich Lily. '

Kein erquickender Schlummer schloß in dieser Nacht die Augen des jungen Mädchens. Furcht, Abscheu, Enttüstung Colville und die alten LeveretS und heißes ihr Herz^ür & e arme' Uef gedemütigte Fanny erfüllten

Die ganze Größe der Gefahr, die ihrer selbst wartete, mit ungeschminkter Klarheit stand dieselbe vor ihr und ttoft- tof« beim je sah sie ben neuen Morgen anbrechen.

Kein Wunder, daß die alle Molly das junge Mädchen,

frage gesiegt, der als Vertreter des Herzogs von Cumber- tand, des Prätendenten auf den Thron in Hannover und Braunschweig der Entwicklung des deutschen Reichs ein geschworener Feind ist. Katholische Interessen sind babet nicht tm Spiele, denn es ist ja bekannt, daß der Kulturkampf im Einverständnifle mit der römischen Kurie seiner vollständigen friedlichen Lösung binnen Kurzem ent­gegen geht.

Das möchte ja alles noch fein, wenn nicht die deutsche Eigentümlichkeit noch einige Gruppen in den Reichstag gebracht hatte, die von deutschen Interessen überhaupt nichts wissen wollen und welche die eigeniliche Mehrzahl der Stimmen herbei führen, wenn es sich um einen Sieg der Opposition handelt. Da sind zunächst die Sozialdemo­kraten, die überhaupt die Idee eines Vaterlandes als eine abgethane Schwachheit verwerfen und in allen Dingen absolute Gegner jeder Gesetzgebung sind, welche die Lage des arbeitenden Volkes zu verbessern im Stande ist. Internationale Verbindung der Arbeiter gegen alle übrigen Stände des Volkes, das ist ihre Losung, Feindschaft gegen eine nationale Regierung, die stark und gerecht ist, ihre Parole

Sind das unsere inneren Gegner, so weist der Reichstag eben auch äußere Feinde des deutschen Reiches auf. 26 eifaner und 15 Polen, denen sich 11 Welfen anschließen, llud die ausgesprochenen nationalen Feinde des deutschen Reiches, die jede Gelegenheit ergreifen, um Alles zu be- sürdern, was dre gedeihliche Entwickelung des deutschen Reiches verhindern kann. Niemals aber hätten diese Par- teien den Mut gefunden, so offen aufzutreten, wenn ihnen die Feindschaft, das gehässige Verhalten der Fortschritts­partei nicht ein Beispiel und einen Rückhalt gewährt hätte.

Das ist also die opposittonelle Mehrheit des Reichs- tages, 56 Freisinnler, 99 Zentrum, 15 Sozialdemokraten, 15 Polen, 26 Elsässer, 11 Welfen und Dänen und von dieser Opposition soll das Wohl und Wehe unseres Eerlandes abhängen? Wenn Zentrum mit Fortschritt 150 Stimmen zählen, so steht ihnen jetzt eine gleiche Zahl von Konservativen und Nationalliberalen entgegen und jene 90 Stimmen der intransigenten Feinde geben den Ausschlag.

k .An fragen wir, ob das ein Zustand ist, den sich das deutsche Volk langer gefallen laffen kann? Auch im Aus­lande, tn Frankreich und England, giebt es OpposirionS- pZrtelen, hat man je gehört, daß diese die Mittel zur Wehrhaftigkeit ihres Landes verweigert hätten? Niemals weil jene Oppositionen unter der Führung von Staats­männern stehen, welche die volle Verantwortung fühlen und tragen, wahrend unsere Opposition geführt wird von Leuten, die sich ihrer Unfähigkeit zu einer verantwortlichen Stellung l" dem Maße bewußt sind, als ihre verbiffene Feindseligkeit die Triebfeder ihres politischen Verhaltens bildet.

als sie dieselbe zu wecken kam, b-rttts wach und von einem heftigen, nervösen Kopfschmerz gequält fand.

Gegen Mittag kam Doktor Pratt, welcher der Kranken ein beruhigendes Mittel verabreichte, worauf dieselbe sofort in einen tiefen, schwere» Schlaf Beifant.

AchMk Zcitiliig

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Miistriertes SonntaasblM

___Tradition Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag vo» Iah. rüg. Koch. " *

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9. Kapitel. Frei!?

.Spät am Abend «st erwachte Lily wieder. Die qiä- lenden Kopfschmerzen waren verschwunden. Als Molly mit dem Abendessen kam, war sie «staunt, zu sehen, bah ihre Patientin aufgestanden sei. 8 1 4 ' B 9

a- «"y erklärte, sich bedeutend Wohler zu fühlen, tränt eine einifle Bissen. Den Rest des Abends ^brachte die Me mit ihrem Strickstrumpf bei Lily, in der nach Klagelauten von unten herauf zu lauschen und deren Wirtung auf ihren Schützling zu beobachten.

störte die Stille Mk6 Äctn Weinen oder Stöhnen

Fanny Colville, beseelt von dem schwachen HoffnnngS- schimmer, den L lys Worte in ihre S eie hatte fallen lassen hatte sich den ganzen Tag über völlig ruhig verhalten. Mit Ungeduld erwartete sie Lilys Wiederkehr.

, Seit dem für Lily so verhängnisvollen Abend ihres miß 8^ten^[u(6tD<;t,1?d)c8 h^e Molly ihre gefesselte Gefangene nicht wieder aufgefu*t, beim zu Fannys Kerker gab eS nur benJ^*en ®efl' durch bie Fallthür in Lilys Zimmer.

Die alte Molly hatte Fanny an jenem Abend ben 2eben8unterbolt fär eine ganze Woche gebracht und ihr ge- oroht, daß das Schlimmst- ihrer harre, wenn sie ihre h Ste l^ß nun daraus, daß Alles

ff?' ba? lh" D obuugen die Gefangene etagefchüch- tert hatten, ob« sollte brr Tod sie endlich erlöst habe»? blitzt Ie^ e ®tbaa,t ließ eS tn ihren Augen tückisch auf.

©rft zu spät« Stnnbb verließ sie Lily's Zimmer, ihr

Deutsches Reich.

Bertt«, 25. Jan. Der Kaiser nahm beute vormit- tags, eine Reihe militärischer Meldungen entgegen und konferierte hierauf nut dem General von Albedyll. Nach­mittags um 4 Uhr erscheint der Reichskanzler zum Vor­trag. DieNordd. Allg. Ztq.* ist in der pnn»

Ministerpräsidenten Goblet^ über selbe^tar"?üml $u bestätigen, welcher die-

'Ä' falsch erachtete. Die Mitteilung der

beruhe a.jf reiner Erfindung; es sei un- Är? ^Efchland beschlossen habe, von Frankreich Aufklärungen über dessen Truppenansammlungen zu ver- Die wegen vorzeitiger Veröffentlichung der Hauptanklagepunkte im Landesverratsprozesse Saraum und Genoffen angeklagten Redakteure Dernburg, Barth, Bor­mann, Regel, Cronheim, Engel und Hammerstein wurden, ebenso wie die angeklagten Berichterstatter Friedländer und Meyer, heute in «cht öffentlicher Verhandlung freige­sprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Redak- 200^ Mark^GAds^raseI ^ 50 Mark und gegen Mey« . 0 Mark Geldstrafe beantragt. Tie Zahl der Oin- bes Seurlaubtenftanbeg betrug nach derMilttär- Zeitung am Schluffe des vorigen.Jahres 12 444. Hjer- ^ttgezählt 225 inakttve Offiziere, welche als Be- zlrkskommandeure oder zur Dienstleistung bei den Bezirks­kommandos fungieren. Reserveoffiziere sind 6667 vor- meÄ' ST benen 1 Major, 74 Hauptleute bezw.Ritt- melster, 431 Preinierleutnants und 6161 Sekondleut­nants sind. Von diese» Reserveoffizieren gehören der In-

Yagern 3964, der Kavallerie 1438, der Ä fS ?er Fußartillerie 116, den Pionieren 104, bem Elfenbahnregiment 86 und dem Train 361 Offiziere an. Die Landwehr zählt außer den Bezirks- q r?htaStULCn K' 5oa2 ^fstilere, nämlich einen Obersten, RittmeL 7L' Majors, 572 Hauptleute bezw. Rittmeister, 1391 PremierleutnantS und 3565 Sekonde- leutnants 401 Offiziere gehören der Garde-Landwehr aller Truppengattungen an. Unter den Linien-Landwehr- utr 3U ben Jägern 66,

Feldartillerie 405, zur Fuß- ^2, ju ben Pionieren 73 und zum Train 128. Zah" man sämtliche in der preußischen Armee vorhan- "iqq ^ätere Zusammen, so «giebt sich die Zahl von schreibt: Wenn auch die Ente, welche die offenbar ^auf die früheren Lacyerfolge des Pariser Tlmesberlchlerstatters eifersüchtige Daily Skews gestern ge­züchtet hat, von federn Politiker sofort als eine solche er- fannt und auch von englischer wie von französischer Seite alS Ente öffentlich bezeichnet worden ist, fo habe ich es doch für gut gehalten, auch hier an zuverlässiger Quelle

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Nufere Oppofitto«.

Der Staat muß unter gehn früh oder spät,

Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet! sagt Schiller und treffender kann man die Thaten der Mehrheit des aufgelösten Reichstages nicht bezeichnen. Es lohnt wohl der Mühe, sich diese Mehrheit des Reichtaqes etwas genauer anzusehen.

Die eigentliche Opposition, welche aus politischen Grün- oen jeden Vorschlag der Reichsregierung bekämpft, es mag sein, welche es will, ist die alte preußische Fortschritts- fih/tztfreisinnig" schelten läßt. Ich kenne dte Absicht der Regierung nicht, aber ich mißbillige sie, sagt der echte Fortschrittsmann. So lange die Partei existiert hat^sie mchts für des Volkes Wohl geleistet, nur genörgelt, Streit mit der Regierung angefangen und sich Blamagen geholt, wo sie in die auswärtige Politik einzu­greifen versuchte. Von den vielen närrischen Stücklein, die sie m dieser Richtung aufgeführt, nur eins als charakte- rlsches Beispiel. Als 1864 der Krieg gegen Dänemark beschlossen werden mußte, sagte die damals mächtige Fort­schrittspartei, indem sie Mittel zur Kriegführung ver­weigerte:Diesem Ministerium (Bismarck) keinen Mann und keinen Groschen!" Der Krieg wurde doch geführt, rasch und energisch zu Ende gebracht. Als man dies der Fortschrittspartei vorhielt, entgegnete d« be­kannte fortschrittliche Abg. Duncker: Dies günstige Re­sultat verdanken wir nur dem Verhalten der Fortschritts­partei.Indem wir der Regierung dir Mittel zur Krieg­führung versagten, zwangen wir sie zu einer schnellen energischen Kriegführung." Dies ist eine wahre

Geschichte! v

Daß Eugen Richter das Kommando über diese Partei erhalten, ist beklagenswert, weil er schon feit Jahren von ber Opposition sein Leben friftet als Zeitungsschreiber, Parlamentarier u. s. w. und von seiner Verbissenheit eine Umkehr niemals zu erwarten steht.

Die zweite und wichtigste Partei der Opposition ist das Zentrum, welches jedoch keineswegs in allen Fragen sich, wie der Freisinn, absolut verneinend verhält. Hier hat der Einfluß des Abg. Dr. Windthorst in der Militär-