Rr. 16
Marburg, Donnerstag, 20. Januar 1887.
xxn. Jahrgang
OWMk Jritmig
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f.-. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Som,taasblatt
__________ Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. «och. " *
8
1863
7
1864
2
1865: 3
7
1880
3
1884
2
und 1886
Schwarzen Adlerordcn
2
3
3
1869
1874
4;
2
1870
1875
5
4
2
1868
1873
1878
1
8
1866
1871
1876
1867:
1872:
1877:
1885:
2
4
8
1
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Beiertagen. — Quartal- bonnementS-Preis bei der
Expedition 2*/t Mk.. bei den Postämter 2 Mk- S > Pfa. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile- 25 Pfg.
Deutsche» Reich.
. Berlin, 18. Jan. Der Kaiser empfing vormittags Len Besuch des Prinzen Heinrich, nahm dann Vorträge des Polizeipräsidenten von Berlin, des Generals Grafen v. d. Goltz, des Generals van Albedyll und des Admiralitäts- chefS v. Caprivi entgegen, begab sich mittags nach dem Schlosse, wo Se. Majestät ein Kapitel der Ritter des Schwarzen Adlerordens abhielt. Nach seiner Rückkehr empfing der Kaiser den Vortrag des Ministers v. Putt- kamer. Um 4 Uhr erscheint bei Sr. Majestät der Staats- sekretär Graf Bismarck zum Vortrage. Um 5 Uhr findet anläßlich des heutigen Ordensfestes ein größeres Diner statt, wozu gegen 50 Personen geladen sind. — Tie Reichsbank setzte den Diskont auf 4, den Lombard-Zins- fuß auf 4l/i, resp. 5 Prozent herab. — Die Gesamtzahl cer beim Reichstag eingegangenen Petitionen um Annahme des Mültargesetzes beläuft sich nach der „Nat.-ätg." auf ^059 mit 142334 Unterschriften. Gegen die Vorlage sttw 9 Resolutionen von Versammlungen (ohne Unter« fünften) eingegangen. An Petitionen aus theologischen , Kreisen, welche gegen die Befreiung der Studierenden der
Theologie vom Militärdienst sich richten, sind 87 mit 739 Unterschriften und 1167 Unterschriften durch Telegramme erngelaufen. ö
Als König Friedrich Wilhelm IV. am 18. Oktober 1849 den jungen Prinzen Friedrich Wilhelm, den jetzigen Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen, mit Mantel und Kette des Schwarzen Adlerordens schmückte, nannte in der Ansprache an seinen Neffen der König das Kapitel des Schwarzen Adlerordens den „vornehmsten Ver- em Preußens". Die Verleihung dieses Ordens ist die höchste Ehrenerweisung, über die der König von Preußen gebietet. In einer 26jährigen, an Ruhm und Ehren reich gesegneten Regierung hat Se. Majestät der Kaiser und Komg Wilhelm in seiner Eigenschaft als „Oberhaupt und Metfter des Ordens, den Schwarzen Adlerorden an 182 durch Geburt und Verdienst hervorragende Persönlichkeiten verliehen; es kommen somit auf jedes Jahr genau 7 Verleihungen. Am morgenden Tage, dem glorreichen Gedenktage der Hohenzollern, gedenkt unser hochehrwürdiger Kaiser- licher Herr wieder ein Kapitel abzuhalten, und diese That- fache bietet die Veranlaffung, die erwähnten 182 Ritter Revue passiven zu laffen. Von ihnen kommen fast die Hälfte, und zwar 89, auf das Ausland, während auf die zum Deutschen Reiche geeinten Staaten deren 93 entfallen. Unter den fremden Mächten steht Rußland mit 21 Rittern öes Schwarzen Adlerordens, unter ihnen 11 Großfürsten, an i)er Spitze; es folgt Frankreich mit 16, Italien mit 12, Oesterreich mit 10, England mit 5, Portugal und die
„Ich will es versuche»," antwortete er, Mrs. Vance traurig anblickend.
. . P' wie geschickt die schöne Versucherin ihre Rolle zu -L wußte sie die Trösterin
zu sein, welche durch sanfte Worte den Verzweifelnden an einzuträufeln I bie "och blutende Wunde
So fand sie Mr. Lawrence, bleich und sorgenvoll von seiner kranken Tochter kommend, bei seinem Etutrftt in den Talon.
Während der Mittagstafel herrschte eine so gedrückte Stimmung, daß weder der perlende, goldene Wein, noch die auserlesenen Speisen den Appetit der beiden Männer erregen konnten, indessen MrS. Vance dem schmackhaft be- retteten Mahle alle Ehre widerfahren ließ
stockte stets von Neuem, obgleich die fwrÄA ,Wi"we alle ihre Gewandtheit ausbot, um daS Ge- il r n?(n; Allein die Herren ermunterten «u m. nitF ?nd sie atmete deshalb erleichtert aus, als die Tafel aufgehoben wurde.
werde Ada einen Besuch abstatten," sagte sie zu Nch- .Me Fürsorge, die ich damit an den Tag lege, kann wich in Lancelots Augen nur steigen lassen I" 8
Und leichtfüßig schritt sie die Tr.ppe hinauf inS erste Stockwerk nach Adas Krankenzimmer.
„-^e Furcht, 'welche vor kaum einer Stunde erst der “yW) der rätselhafte», alten Spitzenverkäuferin in ihr er- n6 u>ie hiNDe^gewlscht. Triumph erfüllte einzig und allein ihre Brust. War es ihr dock> gelungen, den verzweifelten Verlobten Lilyr, »d e, wie von allen auch von ihr totgewähnt ward, in ibre N.tze zu locken. Und schon regte sich in ihr das Vorgefühl d s vollendeten Sieges, welchen sie über den mit dämoeiscker Leidenschaft gelbbteu Mann davontragen wollte und darontragen würde, so wahr ihre Hand vor Nichts, Nichts znrückschreckte, was sie an daS hetßersehnte Ziel brachte. • '
7. Kapitel. Flucht.
Die große Auftegung, in welche die Erkenntnis ihrer
Die Geister ver Finsternis.
Roman aus dem Amerikanischen von A. Bayard.
(Fortsetzung.)
.Dank, tausend Dank!" stieß er weich hervor. „Mit Recht kann man dies Haus ein Trauerhaus nennen. Wie geht es Ada heute, Mrs. Vance?"
, ".deicht besser, zu meinem lebhaften Leidwesen," antwortete die Gefragte, sich scheinbar die Augen trocknend, die noch ferne einzige Thräne gefeuchtet hatte. „Das Fieber will trotz aller Verordnungen und aller Sorgfalt deS Arztes nicht weichen. Verhüte Gott, daß wir nicht auch noch unsere liebliche Ada verlieren! Ist dieses Haus doch schon schwer genug heimgesucht durch Lilys Selbstmord!" --.^^iungen Mannes starker Körper erbebte bet den letzten Worten der Sprecherin.
«- »Selbstmord, Selbstmord!" stöhnte er. „O, mein Gott, ?uf' jene unselige That in fich birgt! Ein S.lbstmord, wahrend in der heißesten Liebe, die 1- ein Mann für ein Weib in seinem Herzen getragen ^in Paradies auf Erden ihrer wartete! Nein, ich kann es nicht fassen, ich kann es nicht glauben, wenn ich nicht meinen Verstand darüber verlieren soll!"
,,.»Zch beschwöre Sie, härmen Sie fich nicht zu sehr!" rief die schone Circe in einschmeichelndem Tone, während sie seine Hand erfaßte und ihn nach einem Sitz geleitete.
m »,c' .verzeihen Sie mir, wenn ich Sie mit meinen Wvften angftigie. Ich hätte mit meinem wilden Schmerze nicht hierher kommen sollen!"
„Nicht hierher kommen sollen?" wiederholte sie mit Innern. Vorwurf. O, im Gegenteil, noch öfter, als Sie » bis jetzt gethau, sollen Sie kommen und mich an Ihrem Schmerze teilnehmen lassen. Wer könnte besser mit Ihnen irauern um unsere Tote, als ich, die Ihre Lily so sehr liebte? Kommen Sie täglich, Lancelot; versprechen Sie es mir und laffen Sie uns den großen Kummer gemeinsam tragen I" 1
übliche Freundschaft, ihm entgegengebracht, rührte den jungen Mann sichtlich.
Jle verfitzt, hatte zur Folg-, daß .tue jcyw-re Krankaett P^^derkam. und es bedurfte der größten Kunst and Ge Mk-it des Arztes, um sie zu >elt n. Die alte Molly als -ine sorgsame und geschickte Krank.nwä.uriu und nach drei Wochen konnte Lily das Lager wieder ver- »""klleich sie noch sehr schwach und von einer gei'ter- poften Bläffe war. Kummer und Verzweiflung erfüllten ihr Herz. Wieder und nieder hatte sie die alte Molly ge. bfiev- ihrem Vater eine Botschaft zu bringen, aber umsonst: ch«?Höhepuntt^^ " ich und LtlyS Trostlosigkeit erreichte
So saß sie eines Tages in dem großen Lehnsessel am Fenster und brütete über einen Plan zur Flucht nach.
Einen Plan zur Flucht! Auf welchem Wege sollte die. selbe gelingen? Die Fenster waren mit dicken, schweren Eisenstaben dicht vergittert. Wie sollte sie da aus ihrer Gefangenschaft entkommen? 9
Sie prüfte die Eisenstäbe einen nach dem anderen.
^lieben unbeweglich. Jede Möglichkeit zu einer Flucht schnitten sie ab.
Doch — was war das?
_ Sie war bei dem letzten der Eisenstäbe angelangt und welche Überraschung! Das verwitterte Holzwerk gab nach und der Eikenstab blieb in ihrer Hand. Vorsichtig blickt sie durch die auf diese Weise entstandene O.ffnuug.
Sie befand sich in einem von einem verwilderten Garten umgebenen Hause. Ringsum war kein anderes Haus mehr zu erblicken. *
Mit Schwere überwältigte sie die Gewißheit, daß sie sich weit außerhalb Newyorks befinden mußte.
Ein G-räusch im Innern des Hauses schreckte sie auf.
Hastig brachte sie den Eisenstab an seinen alten Platz zurück, zog die Vorhänge zusammen, sank auf ihr.n Sitz wieder nieder und nahm eine gelangweilte, gleichgültige Mine an.
Die Thür öffnete fich vnd Harold Colville überschritt die Schwelle.
(Forts-tzung folgt.)
? bm Kriegen führten, hat der Kaiser auch
X? beS Schwarzen Adlerordens Ausdruck ge. geben. Die also ausgezeichneten Generale sind 1861 v. Lind.
'1863 ö;Waldersee, v. Peucker, v. Wussow, v. <.chLchv.Bonln,v. Hahn; 1865 v. Tümpling; 1866 v. Stein« metz, v. Moltke, v. Roon, Herwarth v.Bittenfeld; 1871 Vogel °°u Falckenstem von Manteuffel; 1873 von Manstein »on Volgts-Rhetz; 1875 von Fransecky, von Goeben von Werder, von^ümpling, von Kirchbach, von Bose; 1877 von Boyen, Grat Blumenthal; 1879 Freiherr v. Barne- kow, Hann von Weyhern, von Kameke; 1880 Graf Stob berg^ertttaerobe, von Groß, genannt von Schwär,rhoff wn Rhernbaben; 1881 von Treskow, von Stosch; 1882 v°v b^r 1883 von Schachtmeyer; 1885 von ^kEtz und 1886 von Pape. — In ihrer Eigenschaft als Standesherren ober als Oberste Hos- und Ober-Hof. chargen erhielten den Orden: 1861 der Fürst Moritz^ ru Bentheim-Tecklenburg-Rheda, der Ober-Jägermeister Fürst W ru Carolath-Beuthen, betgiirMS?nS 1873^6^0 ber OberßKmmerer Graf von Redern; Er Tvraf?o^^cötr' H°fmarschall König Friedrich Wilhelm B.; 1875 Graf von Pückler, Ober-Hof- und Hausmarschall; 1879 der Oberstmarschall Fürst Salm« Reifferscheid-Dyk; der Ober-Zeremonienmeister Graf Still- frted. Als hohe Staats- und Reichsbeamte wurden für chre dem preußischen und deutschen Vaterlande geleisteten x bem Schwarzen Adlerorden belohnt: 1861
~r Minister von Flottwell; 1864 der Ministerpräsident Sak2n(n3t-rTr?' ber ^I0e r?ürst Reichskanzler; 1865 ber Ober-Prasident von Duesberg; 1869 der Minister öon bet H-M; 1870 ber Botschafter Graf Bernstorff, der Präsident des Obertnbunals von Uhden; 1872 der Minister Freiherr von Schleinitz; 1876 der Botschafter Freiherr von Werther; 1877 der Wirkliche Geheime Rat von Frankenberg- Ludwlgsdorff; 1878 der Fürst Chlodwig Hohenlohe-Schllllngsfurst, jetzt kaiserlicher Statthalter von Clsaß Lothringen, und 1882 der Herzog von Ralibor. — Als eine äußerst seltene und um desto wertvollere Auszeichnung wird der Schwarze Adlerorden an Staatsmänner ^.^utschen Bundesstaaten verliehen. Nur zweimal bat Kaiser Wilhelm solche hervorragende Dienste' anerkannt und beide Orden gingen nach dem Königreiche Sachsen: 1872 an den Staatsminister von Friesen und 1884 an den Staatsminister, General Grafen von Fabrice.
^ber die Stimmung in Petersburg wird der „Köln Ztg. von dort geschrieben: Die Rede des Fürsten Bismarck im deutschen Reichstage hat auch hier das größte Aufsehen gemacht und wegen ihres ausgesprochenen Wohl- wollens für Rußland in jenen Kreisen allgemeine Befried
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVoaler in Frankfurt o. M, Gaffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Messe in Franlsurt ♦ « Berlin,München und
Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris
Türkei mit je 4, Schweden und Spanien mit je 3, und Dänemark mit 2 Rittern. Verliehen wurde der Orden je linal nach Serbien, Rumänien, Belgien Griechenland, den Niederlanden, Japan, Egypten, Persien. Von den 93 Verleihungen, die auf Deutschland fallen, kommen auf das Jahr 1861' Q • * CCQ 1 n 1 . r> . „ 1 ____7
1879: 7; 1880: 3; 1884: 2;
3 An der Spitze der durch den .. - _ . .. Ausgezeichneten steht Ihre Majestät
die Kaiserin, die den Orden, und zwar als erste regierende Königin von Preußen, am 18. Oktober 1861 erhielt. Am s-lben Tage überreichte König Wilhelm auch der verwitt- weten Königin Elisabeth den Orden. Diesen beiden erlauchten Damen reihen sich, und zwar nach dem Patente leibung, als Mitglieder souveräner Häuser an: 1863, ber Kronprinz und inzwischen verstorbene König Ludwig II. von Bayern; 1864 der Prinz Ludwig, jetzige Großherzog von Heffen; 1866 der Erbgroßherzog von Sachsen; 1867 der Fürst Paul zur Lippe und der damalige Prinz, jetzige König Otto von Bayern; 1868 der Fürst von Waldeck und der Fürst Albert von Schwarz- burg-Rudvlstadt; 1869 der Prinz Wilhelm von Preußen, der Prinz Ludwig ton Bayern, der Erbgroßherzog und jetzige Großherzog von Mecklenburg-Schwerin; 1870 Prinz Wilhelm von Württemberg; 1872 Prinz Heinrich von Preußen; Herzog Max Emanuel in Bayern; 1874 die Prinzen Leopold und Arnulph von Bayern; 1875 der Erbgroßherzog von Baden und Prinz Friedrich Leopold von Preußen; 1876 der Erbgroßherzog von Mecklenburg- ^lrelitz ; 1877 der Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, der Pruiz Heinrich von Heffen, der Prinz Karl von Baden, der Erbprinz von Meiningen; 1878 der Erbgroßherzog oon Oldenburg, Prinz Waldemar von Preußen; 1879 der Erbprinz und jetzige Fürst Leopold von Hohenzollern, der Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin; 1881 der Prinz Christian zu Schleswig-Holstein; 1882 der Prinz Friedrich August von Sachsen; 1883 der Fürst Heinrich XIV ^eUjU‘ &lber Prinz Ludwig Wilhelm von Baden; 1884 der Prinz Friedrich Heinrich von Preußen und endlich 1886 ber Prinz Joachim Albrecht von Preußen und als jüngster Ritter der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg —
?en schlachten von Königgrätz und Gravelotte hat Komg Wilhelm, was die Zahl der disziplirierten Streiter betrifft, die beiden gewaltigsten Schlachten geschlagen, von denen die Weltgeschichte zu berichten weiß; seiner Dankbarkeit und Anerkennung gegen die bewährten Heerführer, welche die Armee teils zum Kampfe vorbereiteten, ober die