Rr. 15.
Marbur g, Mittwoch, 19. Januar 1887.
XXII. Jahrgang.
GtthMe jcitiing
auf dieser Grundlage zwischen der Neichsregierung und dem Reichstage gefundene Einigung, welche sich zwölf Jahre I hindurch den Anforderungen einer festen Heeresorganisation
Dr. Tröndlin.
Anzeigen nimmt entgegn, die Expedition d Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu undBoaker in Frankfurt o. M, Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Mrffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und
Ein gefährlicher Streit ist über unser Vaterland hereingebrochen. Die Auflösung tes Reichstages und die bevor- stehenden Neuwahlen rufen alle Deutsche zu einer folgenschweren Entscheidung. Eine aus bunten Bestandteilen der Opposition zusammengesetzte, nur in der Verneinung einige Mehrheit wich zwar angesichts der Macht der That- sachen und der Stimmung des Deutschen Volkes vor dem anfänglichen Versuch, die Notwendigkeit der Verstärkung unserer Wehrkraft offen zu bestreiten, zurück, weigerte sich dann aber, die Friedenspräsenz des Heeres wie bisher auf sieben Jahre zu bewilligen. Sie brach die selbst in friedlicher Zeit von allen Seiten für notwendig erachtete und
Die Geister der Finsternis.
Roman aus dem Amerikanischen von A. Bavard.
„ (Fortsetzung.)
Mit spöttischem Grsichlsausdruck entnahm er eine Zeitung seiner Rocktasche, reichte ihr dieselbe und lenkte ihre Stuf» T.r?-keit auf eine unterstrichene Stelle, welche Ltly mit überströmende» Augen las; dieselbe lautete:
»Große Teilnahme wurde der Familie Lawrence bekundet wegen der schmerzlichen Entdeckung, daß der tobe "°rper von Miß Lily Lawrence aus der Familiengruft «'raubt worden sein muß. Der wohlbekannte Reichtum des Bankiers macht es wahrscheinlich, daß die nichtswürdige That verübt wurde in der Voraussicht auf ein schweres Lösegeld. Aus den Spalten dieses Blattes ist ersichtlich, daß Mr. Lawrence für die Rückgabe des toben Körpers zehntausenb Dollar Belohnung aussetzt.*
"Sie sehen, Ihr Vater bietet bas Gleiche für die Tode, aI8 toie @ie für die L-benbe bieten,* bemerkte der finstere Arzt lachend. »Nein, Miß Lawrence, ich kann Ihre glänzende Bestechung nicht annehmen. Rechnen Sie meinerseits auf letne Hülfe. Meine Pflicht gegen Mr. Colville gebietet mir, nur ihm auf das Srrengste zu gehorchen. Und nun üer»
Sfi ruW 3<h muß g Heu. Ich lasse Ihnen eine Arznei hier; morgen werde ich von Neuem nach Ihnen sehen. Und fich der Alten zuwendend, sprach er mit deutlich genug redendem Blick: »Hüte sie gut, Molly!*
Mit diesen letzten Worten verließ er das Zimmer und gleich darauf das Haus.
war sein Schritt verhallt, als Lily fich erregt ihre« Wärterin zuwcndete.
vorwurfsvoll, »Du warst nicht bei meinem Vater?*
»Doch, M>ß Lily, allein Ihr Vater war nicht zu Hause!* antwortete geschickt die verräterische Alte.
"eW Du düs Billet in anderen Händen für ihn zurück r"
An Deutschlands treue Wähler*).
Bist Du tut Deulicher, fer-nü Du Dcme« Ämfci ? Weißt Du es wohl, was Du Ihm schuldig bist? Weißt Du, daß auf dem Throne niemand weiser, Nie jemand gütiger gewesen ist?
Schau' an was Er vollbrachte, Wie Er für Deutschland wackle, Wie Er, trotz Widersacher Unverstand, Zn Deutschlands Heile stets das Rechte sand!
Bist Du ein Deutscher, willst Dn Deutschlands Stärke, Und willst des Reiches Schöpfern nicht vertrau»? Willst unterwühlen laffen ihre Werke, Willst müßig auf der Bosheit Treiben schaun? Geh' hin zur Urne, — wähle!
Kein deutscher Wähler fehle!
Heb’ aus Dein Recht, erfülle deutsche Pflicht, Es ruft Dich Deutschland, darum fehle nicht! Geschlossen zieh'» zur Ur»' des Reich s Feinde, Verhetzt von Arg und List und Umsturzbrut, Und fehle» sollten wir des Reiches Freunde Und wählen nicht zum Schutz für Gut und Blut? Wir sollten schläftig meinen: Was nutzt die Stimm' des Eine»?
O! Schande dem, der fich als Deutscher weiß Und giebt sein deutsches Recht dem Feinde preiß! Hast Du's verstanden was in diesen Zeiten Partei und Umsturz hat zu Weg' gebracht? Siehst Du nicht klar den Untergang bereiten Den Schöpfungen, die Deutschland groß gemacht? Willst träge Du es dulde», Durch Lauheit Mitverschulden?
Zur Urne geh', für Deutschlands Ehre wähl'!
Von treuen Deutschen auch nicht einer fehl! -e.
et*u*t$eittrtittbreitUnfl brutschgefimite Blätter freund-
und den Rechten des Parlaments gegenüber als der beste Ausgleich bewährt hatte. Das deutsche Volk, umringt von äußeren Gefahren, mußte erleben, daß die 'ir ehrheit seiner Vertreter eine maßvolle, hinterher selbst von der Mehrheit des Reichstages alö notwendig zugestandene Erhöhung der Friedenspräsenz trotz der eindringlichsten Bitten und Ermahnungen des großen Heerführers in seiner Mitte an Bedingungen knüpfte, welche nach der Natur der Sache nach den Erklärungen der Reichsregierung und den be- stimmteften Versicherungen aller bewährten Sachkenner unvereinbar sind mit den festen Grundlagen der Heeres- organlsation und somit die durch eine Erhöhung unserer Wehrkraft verstärkte Sicherheit unseres Landes gerade im gegenwärtigen Augenblicke gefährden würden. Die Mehrheit des Reichstages hat so die Verstärkung unserer Heeres- macht zur Verteidigung des Vaterlandes und zur Wahrung des Friedens ins Ungewiffe verzögert und wenn die deutschen Wähler nicht helfen, verhindert. Sie hat ohne Not, wo die höchsten Interessen des Vaterlandes die volle Einigkeit im Innern erfordern, die Brandfackel der Zwietracht in das junge deutsche Verfassungsleben geschleudert und wahrlich, unheilvoll werden die Folgen sein, falls nicht das deutsche Volk Wandel schafft.
Darum wenden wir uns an alle Deutsche ohne Unterschied der Partei und Konfession, deren Herzen be-
Osten. von Puttkamer Plauth. Reich. Graf von Rittberg. Graf von Saldern-Ahlimb-Ringenwalde. v. Sal- dern-Plattenburg. Saro. Dr. Scheffer, von Schlieck- mann. von Schöning. Seyfarth. Prinz zu Solms- Braunfels. von Sperber. Staudy. Stöcker (Siegen). Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode. Freiherr v. Trettau. Uhden. Freiherr von Ungern-Sternberg, von Waldow- Reitzensteill. von Wedeü - Malchow. Wichmann, von Wrisberg.
Wahlaufruf der NattonaMb-ral-u.
Wahlaufruf Ver Konservative«.
Der Reichstag ist aufgelöst.
Die Wähler werden ihre Stimmen darüber abzugeben haben, ob sie die Wehrkraft Deutschlands auf unerschütterlicher Grundlage, welche allein die Sicherung des Vaterlandes verbürgt, erhalten, oder ob sic die deutsche Armee dem Zufall wechselnder Parlaments-Majoritäten preisgeben wollen. Eine dreijährige Bewilligung heißt den Bestand des Heeres bei jeder Reichstagswahl zum Gegenstand des Wahlkampfes machen.
Seine Majestät der Kaiser und die mit ihm verbün- deten Regierungen haben es deshalb angesichts der überaus ernsten Lage Europas und bei den gewaltigen Rüstung, n der Nachbarstaaten abgelehnt, die Armee-Organisation, den festen Grundpfeiler unserer nationalen Entwickelung, aus so kurze Zeitbewilligung stellen zu lassen.
Deutsche Wähler! Habt Ihr Vertrauen zu der Führung unseres Kaisers, der deutschen Fürsten und ihrer bewährten Ratgeber, welche das Deutsche Reich aufgerichtet haben, oder avollt Ihr durch die Männer der Opposition Euch irre führen laffen?
Soll, nur um dem Herrschastsgelüst einzelner Parteien zu dienen, die nachhaltige Sicherung unseres Heeres in dem Augenblicke in Frage gestellt werden, wo unleugbare Gefahren uns, und zwar auf lange Jahre hinaus, bedrohen ?
Wem des Vaterlandes Größe und Sicherheit am Herzen liegt, der wähle nach dem Rate derer, welche die schwere Ausgabe der Erhaltung des Friedens mit so vielem Erfolg seither erfüllt haben und welche feierlich erklären, daß ohne die fernere Sicherung der nachhaltigen Schlagfertigkeit unserer Armee dem Lande der Frieden nicht verbürgt werden kann.
Kein Parlamentsheer, sondern ein Kaiserliches Heer, das fei die Parole, mit welcher wir in den Wahlkampf treten!
Ackermann. Bergmann. Bock Minden). Dr. Freiherr von Bodenhaufen. von Brand, von Buffe, von Carlowitz. von Colmar-Meyenburg. Dietz von Bayer. Graf von Dönhoff-Friedrichstein. Dr. von Frege. von Funcke, von Gehren, von Gerlgch. Freiherr Göler von Ravensburg. vonGramatzki. Dr.Grimm. Baron von Gustedt - Lablacken. Hahn. Freiherr von Hammerstein. Dr. Prinz Handjery. Dr. Hartmann. Hartwig, von Hasselbach. von Helldorff-Bedra. Hellwig. Dr. von Heydebrand und der Lasa. Erbprinz zu Hohenlohe - Oeh- rmgen, Graf von Holstein, von Kessel - Zöbelwitz. von Kleist-Retzow. Gras von Kleist-Schmenzin? Klemm, von Köller. Dr. Kropatscheck. Krug von Nidda. Dr' Lotz, von Lüderitz. Freiherr von Maltzahn - Gültz. Freiherr von Manteuffel, von Massow. Maubach. Menzer. Freiherr von Mirbach. Dr. Graf von Moltke. von der
ftrgt sind um Zukunft des Vaterlandes, welche die Unabhängigkeit des neu entstandenen deutschen Reiches hoher achten, als die rücksichtslose Geltendmachung Fraktionsprogrammen, welche in dem Kampf um die gesetzlichen Grundlagen nnsires deutschen Heeres, dieses Palladium der Unabhängigkeit der Nation, zugleich eine greine gedeihliche fortschreitende Entwickelung im Innern^ erblicken. Mögen sie sich fest zusammen, scharen, möge ein jeder ohne Rücksicht auf persönlichen Vorteil oder Nachteil, ohne Befangenheit in den Anschauungen der Fraktionen nur des Vaterlandes gedenken.
Unseren näheren politischen Freunden aber rufen wir bat ^'or allem ein jeder seine Schuldigkeit Müttik V mc"9 bcn großen Fragen der ^ei^^6= dieselbe^ wie bisher. Entscheidend aber ist heute die Sicherung des Landes, der Friede nach Außen und nach Innen. Steht fest auf der Schanze, kläret das Volk aus, tretet den Keim schon der inneren Zwietracht nieber, verhütet die Ermutigung des Auslandes, wählt nur Manner, welche hierfür Sicherheit bieten! 9 .. ®lrr lind des Vertrauens, daß das deutsche Volk auch e .Sccf?!’9en und Versuchungen zum Rückfall in die alte Uneinigkeit und den inneren Hader, unter dem w!isen"wird"°"^ 9eIitten unb verdarben, siegreich zurück-
Urfcheint täglich außer an Werktagen nach L on» und Feiertagen. — Quartal- NbonnementS-Preisbei der Expedition 2% 'Jin., bei den Postämter 2 Mi. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 $fg, ««kamen für die Zeile
Die Vorstande der konservativen Partei, der Reichspartei und der nattonalliberalen Partei haben sich für die bevorstehenden Reichstagswahlen über folgende Punkte verständigt und bitten ihre Parteigenossen für die Durchführung derselben zu wirken: 1 q
I I.
e« foüen nur,solche Kandidaten aufgestellt werden, welche bereit sind für das Septennat zu stimmen.
. Miß * versetzte die Alte schlagftttig. .Ich ver» traute Alles einer sehr schönen Dame an.* ’ Zittem°beA "e.1”6 aba?e fraßte SiIt> und ein lautete die wohlberechnete Erwiderung.
„^jhre Schwester liegt am Nerverfieber schwer krank bar» M?s?Va?tt!^°E' ber die Botschaft übergab, heißt Qir^Ura^^r=tfettr u^b Abscheu drückten sich deutlich auf hi%r^C1M 8 A !^sen Namen nennen hörte, und die Alte, die forschend jede Veränderung in ihren Ziiaen überwachte, beobachtete Alles! y
SÄ1' schluchzteLily todesfröstelnd auf, »nun ?rsl ist, "Ke Hoffnung verloren. Sie wird meinem Vater den Brief nicht geben, den» sie ist es, die mich zu toben Ersuchte. Mrs. Vance ist meine Mörderin! Sie wird hierher kommen unb b-n mißlungenen Stoß diesmal sicherer fuhren. O, Molly, Molly, laffe sie nicht zu mir, denn hat »mÄ SM "* •*b-siw-it-R-l
Die Alte frohlockte über des Mädchens Worte ^,'Ach' mein armes Kind,* heuchelte das falsche Weib, »wie leib ist es mir, daß ich der Dame den Brief gab. «ber feien Sie unbesorgt, hierher wird sie nicht kommen. Sie zu töten, das soll ihr nicht gelingen !*
Arme, atme Lily!
Diese Nacht fand sie keine Vergessenheit für ihren Schmerz w> Schlafe , ttotz deS ihr von Dottor Pratt verordneten Schlaftrunkks.
Die ganze Nacht hindurch lag fie eine Beute ber heftigsten ^eberbljantaüen, nnb die ttotz ihrer Gefühllosigkeit doch wenig beunruhige alte Molly athmete erleichtert auf, aI8 fie bereite zu früher Morgeustunbe Dottor PrattS Schrttte vernahm. v
Berlin, 16. Januar 1887.
Das Nationalliberale Zentral-Wahl-Komitee und die bis» herigen nationalliberalen Mitglieder des Reichstages:
Dr. Adae. Dr. Arnsperger. v. Benda, v. Ben- nmgsen. Dr.^ Bernuth. Dr. Böttcher. Buderus. Dr. Burklin. Brünings. Dr. Buhl. Cornelsen. Dr. v Kmist ?' Francke. Gebhard. Dn
Gneist. Gottburgsen. Dr. Groß. Dr. Haarmann. Dr. inm>maCoir’ -Hvbrecht. Holtzmann, v. Hülst. Kalle. Klumpp. Kramer. Krafft. Dr. Kruse. Seemann. Lent. Dr. Marquardsen. Meier (Bremen) Dr S-- (Z.N» 'M,--,. Dr. SXÄ Doppel. Oechelhauser. Dr. Oetker. Penzig. Pfähler. Dr. Roemer. Dr. Sattler. Scipio. Dr. Schreiner
UkidT Struckmann. Dr. Tröndlin^
S. S »b-r. M-r