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Marburg, Dienstag, 18. Januar 1887.
XXII. Jahrgang
(Olicrljrflifdjr Mng
Die Geister der Kinsternis.
Roman auS dem Amerikanischen von A. Bayard.
(Fortsetzung.)
„Elende, Du kamst einzig und allein hierher, um mich zu plündern! Du willst mich mit Deinem erdichteten Verdachte erschrecken! Aber D» sollst Dich getäuscht haben. Ich werde Dein Schweigen nicht erkaufen!" rief Mr«. Vauce leidenschaftlich erregt aus.
„Sie wollen wirklich nichts Nun, so werde ich zu Mr. Lawrence und Mr. Darling gehen, und ihnen das Geheimnis anvertraucn," sprach die Spitzenhändlerin kurz, sich zum Gehen wendend.
Die Gestalt Mrs. Bances durchlief ein Schauder.
„Halt!" hielt sie die Alte zurück. „Nimm das Geld und schweige!" Und voller Verachtung ihr die Börse zu Füßen werfend, setzte fie hinzu: „Aber lasse Dir nicht eiu- fallcn, wieder zu kommen, um mich plündern zu wollen. Dies Geld ist alles, was ich besitze. Ich bin eine arme Mau und kann Dir Nichts geben außer diesem!"
Voller Habgier raffte die Frau die Börse auf, verbarg sie in ihre Kleidertasche und verließ unter den unterwürfigsten Davkesworten das Gemach. Draußen jedoch leuchteten ihre Augen in wildem Triumphe anf, indeß fie flüsterte:
„Gewonnen — sie ist in meiner Gewalt!"
Mrs. Vance aber sank, kaum daß di- Alte sich entfernt hatte, auf ihre Knie, wie verzweifelt die Hände ringend.
„Ich bin verraten! Meine Schuld ist zur Verräterin an mir geworden!" stöhnte sie. „£), Lancelot, Lancelot, «nd alles geschah um Deinetwillen!"
„Ein glücklicher Tag!" murmelte die alte Molly vor fich hin, während fie auS dem Lawrenceschen Hanse auf
die Straße hinaust-at. „Einen Beutel Gold und einen Mamanten!"
Sie blieb stehen, zog Lilys Billet aus der Tasche her- vor, zerriß es in winzige Stückchen und verstreute dieselben tm Winde.
Ein Herr, der gerade vorüberging, sah dem Treiben der Alten neugierig zu.
Es war Mr. Lawrence.
hätte, er ahnen können, daß die nmhei fliegenden Pavterschnitzel die Handschrift seines geliebten Kindes trugen, daß sie ihm Botschaft zu bringen haben würden von Derjenigen, die lebte und doch tot war für alle Welt!
... waren Stunden vergangen, als die alte Molly endlich das entlegene Haus, welches das Leweretsche Ehepaar bewohnte, wieder erreichte. v v
Sie war eben im Begriff, die Schwelle ihrer Behausung zu überschreiten, als ein Oeffnen der Gitterthür hinter ihr fie sich umzublicken veranlaßte. ’
Es war Doktor Pratt, der ihr auf dem Fuße folgte.
„Woher des Weges s" fuhr er die Alte in mißtrauischem Tone an.
„Ich war anf dem Markte in der Stadt, Herr Doktor " erwiederte die Frau, zurücktreteud, um ihn passieren zu lasten.
Dottor Pratt fand seine Patientin unruhig und auf. schlugt heftig toQr höchsten Grade fieberhaft. Ihr Puls
Der Arzt schütteüe mißmutig den Kopf.
eu sticht allzu sehr erregen," sagte er, „ober
Sie werden nie genesen!"
.Die Thür öffnete fich uüd herein trat die alte Molly mit einer Schale ftischer Pfeilwurz. Lily blickte erwartungsvoll ans die Fran, aber ans deren vorsichtigem Kopfschütteln
die gesicherte dauernde Herstellung des Gleichgewichts im «Staatshaushalts-Etat hinaus ein viel weitergehendes Be- bürfnte nach besserer Verteilung der Lasten, namentlich der Kommunal- und Schullasten, obwaltet, welches von der Bevölkerung immer drückender empfunden wird, in Ihren Verhandlungen wiederholt als solches anerkannt ist und anders als auf dem Wege der weiteren Entwickelung der der Reichsgesetzgebung überwiesenen indirekten Steuern schwerlich jemals befriedigt werden kann. Wenn die Staatsregierung gleichwohl zur Zeit darauf verzichtet hat, durch erneute Anträge beim Reich auf eine Förderung in dieser Richtung hinzuwirken, so hat sie sich hierzu durch die abweisende Aufnahme ihrer bisherigen Anträge und in Erwägung genötigt gesehen, daß die Bedürfnisse, um die es sich handelt, sich bei den Wählern und den Gewählten zum Reichstage nachdrücklicher werden geltend machen wussen, bevor auf zum Ziele führende Verhandlungen mit dem Reichstage gehofft werden kann. Der Entwurf des Staatshaushalts - Etats für das nächste Jahr und eines Gesetzes wegen Aufnahme einer Anleihe zur Ergänzung der nächstjährigen Staatseinnahmen wird Ihnen alsbald vorgelegt werden. Auch in diesem Jahre werden Ihnen Vorlagen zugehen, welche die Erweiterung und günstigere Gestaltung des Staatseisenbahnnetzes im Interesse der Landeswohlfahrt durch Herstellung wichtiger neuer Linien, wie durch Ueberführung noch einiger Privatbahnen in den Staatsbesitz zum Gegenstände haben. Die Durchführung *5rrr. erroa^un98reform wird auch in der bevorstehenden Session ^hre Thätigkeit in Anspruch nehmen. Nachdem durch die tn der vorigen Session vereinbarte Kreis- und Provlnzialordnung für die Provinz Westfalen die neuere Verwaltungsgesetzgebung auf diese Provinz ausgedehnt
JnJ.ft'^erbcn Zhrer Beschlußfassung zu dem gleichen Zwecke die Entwürfe einer neuen Kreis- und Provinzial- Ordnung für die Rheinprovinz, deren hierbei in Betracht kommende Verhältnisse mit denjenigen der Provinz West- mlen nn wesentlichen gleichartige sind, unterbreitet werden. Die Maßregeln, welche unter Ihrer Mitwirkung in den Landestellen mit polnischer Bevölkerung ergriffen worden find, befinden sich in Erfolg verheißender Ausführung und lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß sie der Entwickelung der deutschen Bevölkerung einen kräftigen Aufschwung geben werden. Um diesen Erfolg nach allen x sollen und zugleich für die Erhaltung
deutschen Bestandes, wie für die Förderung der deutschen Bestrebungen einen vermehrten Schutz zu gewinnen, erweist es sich als notwendig, die in ihrer < egenwärtigen Abgrenzung zum Teil zu umfangreichen landrätlichen Kreise in diesen Landesteilen zu vermehren. Es wird Ihnen daher zu diesem Zwecke ein Gesetzentwurf über die Teilung von Kreisen m den Provinzen Westpreußen und Posen vorgelegt werden. Durch die kirchenpolitische Novelle vom rl’ ~ h^en die freundlichen Beziehungen, welche sich zur lebhaften Befrioiegung Sr. Majestät des Königs
Landtag.
Berlin, 15. Januar 1887.
Die zweite Session der 16. Legislaturperiode des Landtages wurde heule, 15. Januar, mittags 12 Uhr, von dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern von Putlkamer, der mit den Staatsministern Maybach, Ür. v. Goßler und Bronsart von Schellendorff auf der linken Seite des verhüllten Thrones Aufstellung genommen, mit folgender Rede eröffnet: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages! Se. Majestät der Kaiser hgben mich mit der Eröffnung des Landtages der Monarchie zu beauftragen geruht. Die Finanzlage des Staats hat die mannigfach erstrebte und namentlich im vorigen Jahre von einer Reform der Branntwcinbesteuerung erhoffte weitere Besserung durch die Reichsgesetzgebung nicht erfahren. Das letzte, abgeschlossene Rechnungsjahr vom 1. April 1885/86, für dessen Etat nach einmaliger Unterbrechung zuerst wiederum die Notwendigkeit einer Anleihe zur Herstellung des Gleichgewichts der Einnahmen und Ausgaben hervorgetreten war, hat, abgesehen davon, ein befriedigendes Ergebnis geliefert. Ungeachtet nicht unerheblicher Ausfälle bei oer Bergverwaltung und der Eisenbahnverwaltung hat dasselbe infolge reichlicher Mehrerträge anderer Einnahmezweige und größerer Ueberweisungen aus dem Ertrage der Zölle und der Reichs-Ttempelabgaben einen Gesamt-Ueber- schuß von mehr als 7 Millionen Mark ergeben, welcher indessen den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen gemäß auch bereits in der Rechnung jenes Jahres zu einer Mehr- tilgung der Staats-Eisenbahnschuld hat verwendet werden müssen. Das laufende Rechnungsjahr wird mit Hülfe der im Etat vorgesehenen ergänzenden Einnahme aus Anleihe nach allen bisherigen Wahrnehmungen in ähnlich befriedigender Weise abschließen. Für das nächstfolgende Jahr können die Erträge einiger Betriebsverwaltungen, namentlich auch der Eisenbahnverwaltung, nicht ganz in der bisherigen Höhe und die Einnahmen des Staats insgesamt nur zu einem Betrage angeschlagen werden, welcher um nahezu 2* l * * * */e Millionen Mark hinter dem im Etat des laufenden Jahres ohne die ergänzende Anleihe angenommenen Betrage der Einnahmen zurückbleibt. Andererseits ist, bei aller Sparsamkeit und Beschränkung auf die dringendsten Bedürfnisse, eine Vermehrung der Ausgaben an vielen Stellen des Etats unvermeidlich, und war namentlich nach dem dem Reichstage vorgelegten Entwurf des Reichshaus- Halts-Etats für das nächste Jahr eine abermalige Steigerung des Matrikularbeitrags Preußens um rund 19 Mill. Mark vorzusehen. Unter diesen Umständen erhöht sich der Anleihebetrag, dessen der Staatshaushalts-Etat für das Jahr vom 1. April 1887/88 wiederum zur Ergänzung der Einnahmen bedarf, auf nahezu 28V, Millionen Mark. Daß bei einer solchen Finanzlage die Notwendigkeit vor- lwgt, die Art der Beschaffung des öffentlichen Geldbedarfs zu ändern, werden Sie in lieberem stimmung mit der Staats- Regierung umsomehr anzuerkennen geneigt sein, als über
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Mischen Allerhöchstihrer Regierung und der Römischen : Kurie immer mehr befestigt haben, eine Betätigungl," fundeii, welche je langer desto mehr auf vielen und wichtigen Gebieten des kirchlichen Lebens für die Interest der katholischen Unterthanen Sr. MajesM sch Sfcfi bringend erweist. Es ist damit der Weg geebnet durch ro.ettete Revision der kichenpolitischen Gesetze, über welche die vorbereitenden Verhandlungen mit der Römischen Kune schweben, das Verhältnis mit dem Staate und der flefffin n Arche zu beiderseitiger Zufriedenheit auszu- gestalten. Dre Staatsreglerung wird Ihnen eine ent- Belage machen, und Sr. Majestät geben Aller- hochststch gern der Hoffnung hin, daß dieselbe gleich dem ^vergangenem Jahre unterbreiteten Revisions- ^Arl /e ^hrer bereitwilligen Förderung begegnen wird. Es wird ^jhnen ferner em Gesetzentwurf zur Beratung vorgelegt werden, welcher bezweckt, bei der Feststellung der Leistungen für Volksschulen die Mitwirkung der Selbst- verwaltungsbehorden in erweitertem Umfange“ in Anspruch
Durchführung der im Reichsgesetze wm 5. Mai v. I. vorbehaltenen landesgesetzlichen Regelung wird ^hnen die Vorlage zugehen, nach welcher die Unfallversicherung auch für die in land- und forstwirt-
• ^etIie6en beschäftigten Personen mittelst einer möglichst einfachen und die Steuerkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung schonenden Organisation und Verwaltung alsbald m Wirksamkeit treten soll. — Um die Aqrar- ^em Abschlüsse entgegenzuführen, werden zwei Vorlagen erfolgen, von welchen die eine für die durch ^^usemandersetzungsverfahren begründeten gemeinschaf? liehen Anlagen eine dauernde Vertretung ordnen soll wahrend die andere für die Güterkonsolidationen im Regierungsbezirk Wiesbaden Erleichterung der Kosten und Vereinfachung des Verfahrens anftrebt. — Meine Herren' Indem ich Sre im Auftrage Sr. Majestät begrüße, lade ich «le em, Ihre Arbeiten wieder aufzunehmen, und spreche L "En d°r Staatsregierung die Hoffnung auch daß ^hre Tätigkeit auch tn der neuen Session unter Gottes 81* einer fruchtbringenden sich gestalten wird. __
Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet. — Demnächst brachte der Präsident des Herrenhauses, Herzog v o n R a- ^bor, ein dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den u'tb König Wilhelm aus, in welches die Mitglieder des Landtages, von denen vorzugsweise Mit- gl-eder des Herrenhaufes zahlreich erschienen waren, dreimal enthusiastisch einstlmmten.
Abgeordnetenhaus
1 UhreVSi0e "ste Präsident Äöller eröffntte^en 1 Uhr die Sitzung, indem er das Haus anfforberte wie immer, so auch heute bei Beginn der Verhandlungen Zeugnis
^dav^abzulegen^daß dieVerbandlungen dieses Hauses^alle
i£.mfnnfia8 LUr0c Mädchen mit Schrecken, daß der Alten Weg umsonst gewesen fern mußte. H
anfÄfl?nbS Enttäuschung sank sie
ihr 'ftundlich /u. bkfe’ Erfrischung!» redete Doktor Pratt s,„^ber fie schüttelte energisch den Kopf, denn ihre unglück- ibr^nffnmm1!«6 * Sh“ <“0<6 Mitteln zum Leben in l^r aufkommen. Die eben erfahrene, bittere Enttäuschung Überwältigte fie vollkommen und ganz unter diesem Eindrück stehend, kam ihr der Gedanke, den Versuch zu waaen das M rühren b*^ter aussehenden Mannes für ihr Schicksal
Bittend die Hände faltend, begann fie:
Ihrer Ehre, bei Allem, was Ihnen heilig zurück.^—" $ ®e' ^ben Sie mich meiner Familie
Doktor Pratt schüttelte das Haupt.
^s."^M°Slich," versetzte er, „ich habe hier nur die Auf- Krankheit zu pflegen; alles Weitere liegt Mr. Colvilles, in dessen Gewalt Sie sich vollständig befinden." 1
Mt eiu.m Schrei sank Lily in die Kissen zurück.
„In der Gewall Mr. Colvilles!" schrie die Unglückliche auf. „O bann bin ich verloren." ä a,e
JÄlanfl lafl still, bleich, durchschüttelt von einem
„Herr Doktor!" begann fie dann plötzlich hastigen Tone« „Geben Sie mich den Meinen zurück! An dem Tage meiner swE^Vk8 biefem E-fängnis sollen Ihnen zehntausend ,^°rs werden, wenn Sie zu meinem Vater gehen und ihm sagen, wo ich bin!*
(Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf yiicffe in Frankfurt ♦ a. M., Berlin,München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover ».Paris.