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Rr. 13.

Marburg, Sonntag, 16. Januar 1887.

XXII. Jahrgang.

ObklheUche Mmig

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Tonn» und Feiertagen. Ouartal» AbvnnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei den Postämter 2 Mk. 5') Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für dir gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

in Frankfurt a. SB?, Caffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moffe in Franlfurt a. M., Berlin,München und Udln; ®. 8. Daube und Co. in Frankfurt a. SB?., __________________________________________________________Berlin, Hannover u. Paris- Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f.-. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt. ________________________________________________ Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. "

Reichstag.

Berlin, 14. Januar.

Die Beratung der Militärvorlage wird in zweiter Le­sung fortgesetzt.

Zunächst erklärte in einer kurzen Geschäftsordnungs­debatte cer Abg. Magdzynski namens der Polen, daß dieselben aus taktischen Gründen für die Anträge des Zen» trums resp. Freisinnigen stimmen würden, sich ihr defini­tives Votum aber vorbehielten.

Abg. Langwerth v. Simmern erklärte namens der Deutschhannoveraner (Welfen), daß dieselben in der Eventualabstimmung für den Antrag von Stauffenberg, schließlich aber gegen das ganze Gesetz stimmen würden.

Endlich erklärte Abg. Singer, daß die Sozialdemo­kraten sich bei der zweiten Abstimmung der Abstimmung enthalten, schließlich aber gegen das ganze Gesetz stimmen würden.

Demnächst erfolgte bei Namensaufruf die Eventual­abstimmung über den Antrag von Stauffenberg, wonach bei Annahme des §. 1 der Reg. - Vorlage statt des31. März 1894" gesetzt werden soll:31. März 1890". Bei der Abstimmung gaben die Parteien, ihrer bekannten Stellungnahmen bezw. ihrer heutigen Erklärungen gemäß ihr Votum ab. Erwähnenswert ist nur, daß die Elsaß- Lothringer sich der Abstimmung enthielten, mit Ausnahme des Abg. Baron Zorn v. Bulach, welcher den Antrag von Stauffenberg ablehnte, während andererseits der Abg. An­toine für denselben stimmten. Abg. Graf von Hacke (frak­tionsloser Liberaler stimmte gegen den Antrag. Graf v. Chamar« (Zentrum) enthielt sich der Abstimmung.

Das Resultat der Abstimmung, an welcher sich 368 Abgeordnete beteiligten, war, daß 28 Mitglieder sich der Abstimmung enthielten; von den verbleibenden 340 stimmten mitJa" für den Antrag Stauffenberg 186, gegen den­selben 154 Abgeordnete, derselbe ist also mit 32 Stimmen Majorität angenommen.

Demnächst gelangte zur Abstimmung § 1 der Regie­rungsvorlage, welcher mit dem Amendement v. Stauffenberg nunmehr lautet:

In Ausführung der Artikel 57, 59 und 60 der Reichsverfassung wird die Friedenspräsenzstärke des Heeres an Mannschaften für die Zeit vom 1. April 1887 bis zum 31. März 1890 bis auf 468409 Mann festgestellt. Die Einjahrig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenz­stärke nicht in Anrechnung.

An dieser Abstimmung beteiligten sich wiederum 368 Abgeordnete, von denen sich jetzt 31 der Abstimmung ent­hielten. MitJa" für § 1 in der vorerwähnten Faffung wurden 183, mitNein" 154 Stimmen abgegeben.

Als darauf der Präsident in der Beratung fortsahren

Die Geister Ver Finsternis.

Roman auS dem Amerikanischen von A. Ba yard.

(Fortsetzung.)

Sorgfältig sodann mittelst einer Nadel einen Stein aus ihrem Ringe lösend, gab sie denselben samt dem Briefe der Atten mit der flehenden Bitte, sogleich zu gehen.

Es ist ein weiter Weg und ich werde Stunden ge­brauchen, ehe ich zurück sein kann," war die Antwort der alten Frau.

Die Minuten werde ich zählen bis zu Ihrer Rückkehr," entgegnete Lily,bringen Sie mir gute Nachrichten und Gottes Segen wird über Sie kommen!"

Die Alte wendete fich ab und es war ein unheimliches Lächeln, welches ihre Züge entstellte, als sie hinsusging und die Dhüre hinter fich abschloß.

Am Fuße der Treppe, welche ins Erdgeschoß führte, blieb sie stehen und las bedächtig die Aufschrift des Briefes.

Nummer achtzehnhuudert, fünfte Avenue!" flüsterte fie ausleuchtenden Blickes vor sich hin.Ah, das genügt! Ich wollte ja weiter nichts wissen, als die Adresse. Sie ist in die Falle gegangen!"

Und in das Zimmer zur Sette des Flms eintretenb, betraute sie ihren Mann mit der Bewachung der Gefangenen, um bald darauf rüstigen Schrittes den Weg nach der Stadt einzuschlageu,

5. Kapitel. Verraten.

Mrs. Vance, unten ist eine alte Frau mit den Spitzen, welche Sie zu sehen wünschten!" berichtete die niedliche Zofe der jungen, schönen Anverwandten Mr. Lawrences.

Die Dame sah ungeduldig von ihrem Buche, in welchem sie gelesen hatte, ans.

Ich habe keine Spitzen bestellt!" sagte sie scharf. Schicken Sie die Lügnerin wieder fort, Felice!"

Die Zofe ging, kehrte ober gleich darauf zurück.

Die Alte läßt sich durchaus nicht fortschickcu," berichtete

wollte, erbat sich der inzwischen im Hause erschienene Reichs­kanzler Fürst v. Bismarck das Wort zur Verlesung der Allerhöchsten Botschaft, durch welche der Reichstag mit Zustimmung des Bundesrats auf Grund des Art. 24 der Verfassung aufgelöst wird. (Während der Verlesung der Allerhöchsten Botschaft hatten sich die Mitglieder von ihren Sitzen erhoben.)

Auf Allerhöchsten Befehl erklärte alsbald der Reichs­kanzler die Sitzungen des Reichstags für geschlossen, und das Haus trennte sich mit einem von dem Präsidenten v. Wedell-Piesdorf auszebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König Wilhelm in welches die Mitglieder dreimal begeistert einstimmten.

Die Kaiserliche Verordnung betreffenb die Neuwahlen zum Reichstag, lautet:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, rc., verordnen auf Grund der Be­stimmung im § 14 des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869, im Namen des Reichs, was folgt:

Die Wahlen zum Reichstag sind am 21. Februar 1887 vorzunehmen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unter­schrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel.

Gegeben, Berlin, den 14. Januar 1887.

(L. 8.) gez. Wilhelm.

ggez. v. Bismarck."

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Jan. Der Kaiser empfing vormittags den Herzog von Ujest, sodann den früheren Kriegsminister General von Kameke, endlich den deutschen Botschafter in London, Grafen v. Hatzfeldt, nahm hierauf mehrere mili­tärische Meldungen entgegen, machte später eine Spazier- I fahrt, erteilte nach seiner Rückkehr dem Bischöfe von Lim­burg Dr. Klein, im Beisein des Kultusministers Audienz und empfing schließlich noch den Geheimen Kabinettsrat von Wilmowski zum Vortrage. Nachmittags machte der Kaiser eine Spazierfahrt, empfing um 37. Uhr den Fürsten Bismarck in halbstündiger Audienz und nahm um 47» Uhr die Meldungen des Prinzen Wilhelm entgegen. Als ber Reichskanzler Fürst von Bismarck heute nachmittag 2 Uhr in das Reichstagsgebäude einfuhr, wurde er von dem daselbst zahlreich versammelten Publikum mit lang­dauernden brausenden Zurufen empfangen. Heute mittag 1 Uhr findet eine Sitzung des Bundesrates statt, in welcher Wäre es Jynen Ueo, wenn ich es vor dritten Personen sagen würde?" v '

. .Die Alte sprach in einem so bedeutungsvollen Tone, daß Mrs. Vance die Hand von dem Glockenzuge sinken ließ

Sprich weiter!" gebot sie hochmütig, zweifelhaft, ob die ölte Spitzenverköuferiu irrsinnig geworden sei, oder was ihre Reden sonst bedeuten könnten.

Treten Sie etwas näher, Mistreß, denn die Wände haben bisweilen Ohren, und meins ist ein Geheimnis * sprach die alte Molly feierlich,das kein Ohr außer dem Ihren hören darf!"

Mrs. Vance stand erschreckt, regungslos und die Alte, sich aus ihre Fußspitzen erhebend, daß sie mit ihrem Munde dem Ohr Derjenigen, welcher ihre Worte galten, nahe war, flüsterte: '

In diesen stattlichen Mauern wurde vor wenigen Tagen erst ein junges Mädchen ermordet. Ha, Sie zittern! Die Arme zitterte auch, als das von Eifersucht dazu getriebene Weib sich leise in ihr Zimmer schlich, es abschloß und sie, die gerade im Brautgewandte vor dem Spiegel stand, mit einem jähen Dolchstoß zu Boden streckte, daß die lieblichste Braut im nächsten Moment wie eine Tote dalag. Die Mörderin entkam, nachdem sie fich überzeugt hatte, daß ihr nachtdüsteres Werk gelungen sei, durch das Fenster mit Hilfe des Geißblattgeraukes, an dem sie hinabglitt. Die Jury beschuldigte das anderen Tages tot aufgefundene Mädchen des Selbstmordes, aber wir, wir wiffen das besser, nicht wahr, schöne Mistreß?"

Du mußt rasend sein, Alte!" rief Mrs. Vance, heftig schaudernd und fest die Hand um die mit Goldstücken ge­füllte Börse krampfend.Niemand hat sie ermordet, sie starb durch ihre eigene Hand."

.Sie starb durch diese Hand, welche die Börse hält!" triumphierte die Alte.Aber fürchten Sie Nichts, Mistreß! Niemand soll um_ das Geheimnis wissen, wenn Sie mir Geld, vi l Geld für mein Schweigen geben wollen."

(Fortsetzung folgt)

«Algste Frage, die Frage der Sicherheit des Reiches nKt zu vernandigen gemocht, schroff und schroffer haben sich die Gegensätze gestaltet, bis nun endlich der Bruch ae- kommen ist: Der Reichstag ist aufgelöst'

Der elektrische Funke hat die Kunde in alle Gaue unseres deutschen Vaterlandes getragen, überall wird sic wenngleich sie nicht unerwartet gekommen, in hohem Maße Aufregung erweckt haben. Der Reichstag aufgelöst! Tas ist ein erschütterndes Wort, welches jeden einzelnen zum ernsten Nachdenken zwingt. Ist der alte Reichstag vor­eilig gestorben, so muß doch ein neuer kommen und Sache jedes Wählers ist es, an sein Wahlrecht zu denken, reiflich sich zu prüfen und für den neuen Tag der Entscheidung die Neuwahl zum Reichsparlament vorzubereiten Der Reichstagsauflösung folgt die Neuwahl, und sie wird dies­mal mit besonderer Schnelle folgen. Noch muß die ganze Militarvorlage , abermals bis zum 1. April beraten werden, noch ist der Rerchshaushalt für 1887 88 in den Anfängen der zweiten Lesung. Hier thut also größte Eile not, und deshalb heißt es jetzt, gleich nach der Auflösung, als Parolefrisch ans Werk zur Vorbereitung für die Neu-

Die Krisis, in welcher gegenwärtig wir uns be­finden, ist schärfer, als seit der Existenz des Deutschen Reiches sie bisher dagewesen, sie macht erhöhter- Ansprüche an alle Staatsbürger geltend. Der Wahlruf wird dies­mal die tiefsten Tiefen im Reiche aufrütteln, und diesmal heißt es in Wahrheit, niemand darf zurückbleiben. Die Zeiten find ernst; jetzt können wir aber auch zeigen, daß Deutschlands Bau ein unbedingt sicherer ist. Wir haben eine schwere Krisis; aber die Einigkeit des Reiches tastet sie nicht an, und das ist unser Trost.

Der Reichstag ist aufgelöst.

Es ist gekommen, wie es seit dem ersten Tage der Militärdebatte im Reichstage zu erwarten war: Die For­derung der Regierung auf siebenjährige Bewilligung ber Friedensstärke ist verworfen, mit 183 gegen 154 Stimmen (erstere Zentrum, Freisinnige letztere Konservative, Nationalliberale, während die Sozialdemokraten sich der Abstimmung enthielten) ist die Friedensstärke nur auf drei ^ahre bewilligt worden; Fürst Bismarck verlas darauf sofort die Kaiserliche Ordre, welche den Reichstag auflöst und schloß die Session. Damit haben wir zum ersten Male wieder seit dem Attentatsjahr, in welchem um das Sozialistengesetz sich der Streit drehte, einen Konflikt zwischen Reichstag und Reichsregierung; nur ist der jetzige weit schärfer, als der frühere. Mit Sorgen ist in den letzten Jahren der Gang unserer inneren Politik von jedem Deutschen begleitet worden, wiederholt schon wurde ein Zu­sammenstoß zwischen den beiden ausschlaggebenden Faktoren im Reiche erwartet, aber immer noch sind wir davon ver­schont geblieben. Näher und näher zog das Gewitter, und nun ist die Katastrophe doch da. Die verbündeten Regierungen und die Volksvertretung haben sich über die sie.Sie sollten fich übrigens die Spltz n ansehen, Mrs^ Vance; fie sind sehr schön und spottbillig!"

So laß sie in Gottes Namen heraufkommen, ich will die Aufdringliche schon abfertigen."

Die Zofe verschwand und öffnete kaum zwei Minuten später die Thür für die alte Molly, welche, einen Korb am Arme tragend^ das Zimmer betrat.

Mit hochmuttgem Blick maß Mrs. Varce die Etugetretene, die ihr völlig unkekanut war.

Was soll das heißen?" fuhr sie die Alte scharfen Tones an.Ich habe keine Spitzen bestellt. Was führst Du mit dieser Unwahrheit im Schilde?"

O, schöne Dame, verzeihen Sie einer alten Frau, die notgedrungen nach einer Ausflucht suchen mußte, um bei -öhuen vorgelassen zu werden. Ich treibe Handel mit Spitzen, die ich Ihnen, weil eingeschmuggelte Waare, viel billiger lassen kann, als jeder Andere!"

Laß sehen, was Du hast!" schnitt Mr. Vance der Sprecherin das Wort ad.

Die alte Molly breitete eine kleine, aber schöne Auswahl echter Spitzen vor der Dame ans.

Nach einigem Feilschen wählte die schöne Wtttwe mehreres, was sie mit Goldstücken de-ablte.

Sie nahm das Geld u..a einer seidener? Börse, welche augenscheinlich mit Goldstücken gefüllt «ar. In den Augen der Alten funkelte es habgierig auf.

Geben Sie mir die Börse, schöne Dame!" bat sie. Mrs. Vance trat erstaut einen Schritt zurück.

»Bist Du von Sinnen, Alte? Sofort verlasse dieses Zimmer!"

tert fmten mir das Gold!" fuhr Molly uneingeschöch- Aus dem Hause lasse ich Dich werfen, Unverschämte!"

rief MrS. Vanc-, aus die Klingel zuschreitend.

, , »Warten Sie einen Augenblick, meine schöne Mistreß," hielte die Alte fie am Arme zurück.Ich habe Ihnen etwas zu sagen, Ihnen ein Geheimnis anzuverttauen.