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Marburg, Mittwoch, 12. Januar 1887.
xxil. Jshrg«,.
B®’ Postanstalten, unsere Agentur in Kirchhain, sowie die unterzeichnete Expedition nehmen noch Bestellungen aus unser Blatt sür das erste Quartal entgegen, und werden soweit es noch möglich ist, die erschienenen Nummern und der Wandkalender nachgeliefert.
_____________ Die Exped. d. Oberh. Zeit.
Die Geister Ver Finsternis.
»toman aus dem Amerikanischen 00a A. Bayard. (Forffetzung.)
4. Kapitel. Das rote HauS.
fwntftL6011 ?em, ®c{rle6^. fctr Welt, an einem von der Zweigenden Landwege lag ein kleines, arm- dessen Thur stets verschlossen gehalten ward. "e toar aus roten Quadersteinen aufgeführt und eine Mauer um den verwilderten, das Haus umae- benden Platz trennte den kleinen Besitz von aller Welt ab.
■jn ^ncn* armselig ausgestatteten Zimmer des ersten « ar-nt- ttotz der späte» Nachtstunde noch Licht. Mit ängstlicher Miene über ein Lager gebeugt, auf dem ^ue leblose, mädchenhafte Gestalt ruhte, stauben Doktor ®^rcHb Dom Fuße des Bettes ans ein alles Weib mtt grauem Haar, welches zum Teil ei» zerk»lttertes, schwarzes Spitzenhäubchen bedeckte, mtt brennendem Blick auf die Daliegeude starrte.
Siner H-xe gleich, runzelig und gebückt, mit Angen, die trtel eher das Aussehen schwarzer Glasperlen hatte», und n»er Hant, wie Pergament, war der Aublick dieser Frau em abscheuerregender.
»Pratt/ ries Harald Colville jetzt finster aus, „Pratt, Du haßt mich bettogen! Alle Deine Wiederbelebungsver- fi«d mitzgluckt. Deine ganze Kunst ist Nichts als Schein! sieh dieses marmorgletche G-sicht und ppen dÜcht dem Leben, dem Tode schauen wrr ins Antlitz I-
-.Doktor Pratt erwiederte Nichts. Den Kopf der schein- ^^blosen auf eine Seite wendeud, veränderte er auch gleichzeitig die Lage des rechten Armes; beide beharrten nur kurze Zett in dieser ihnen neu gegebene» Stellung, um van» langsam wieder ihren ölten Platz einzuuehmeu. Als- dMu öffnete er ihre Lider, die sich ebenfalls langsam wieder
Anzeigen nimmt, entgegen die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v»n Haasensteiu undBvqker in Frankfurt a. Di., Cassel, Magdeburg und Men- Rudolf Moffe in Frankfun ®*®L> d"lm,München und ÄMn; G- L. Daube und Co. m Frankfun a. M», Berlin, Hannover u. Paris-
Deutsches Reich.
Beeiiu, 10. Jan. Der Kaiser nahm heute vormittag den Vortrag des Geheimen Kabinettrats v. Wil- mowski entgegen und empfängt nachmittags um 4 Uhr ,.en R/lchskanzler zum Vorträge. — Dem Bundesrate sind Ueberstchten über die Geschäfte des Bundesamts für aooK cl-ma^e^n während des Geschäftsjahres vom i. Der. 1885 bis dahin 1886 zur Kenntnisnahme zugegangen. Danach waren in diesem Zeitraum zu bearbeiten 476 £>a$en, und zwar Spruchsachen des Geschäftsjahres 438 Darunter 381 neue); unerledigt vom vorhergehenden Ge- schaftSfahre 38. Davon sind unerledigt durch Zurücknahme der Berufung 12, durch Erkenntnis bez. Beweis-
« %3~ Sitzungen 417 Sachen, so daß am Jahres- schlusse 47 Sachen unerledigt blieben. — Dem Bundesrate sind ferner zwei Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen zugegangen. Der eine betrifft Bestrafungen von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Feld- und Fähr- pollzei, der zweite die Versetzung erkrankter Richter in den Ruhestand. Beide Entwürfe bezwecken im wesentlichen eine UeberelNftimmung mit der übrigen deutschen Gesetzgebung. — Während der Entwurf über die Unfallver- K^ung der Seeleute zur Beratung im Plenum des Bundesrates vorbereitet ist, beschäftigt der Entwurf betr. die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Per- loneu noch die Ausschüsse, da von Bayern wesentliche Ab- anverungsvorschläge gemacht wurden, über welche noch die Verständigung herbeizuführen bleibt. — Die „Kreuz-Zta." bringt eine mit mehreren hundert Unterschriften verfthene Einladung zu einer kirchlichen Versammlung in Berlin
o 2 Februar. Es soll darin über die kirchenpoli- Lage, über den Anspruch der kirchlichen Organe auf die Mitwirkung bei ^er Besetzung der kirchenregimentlichen Aemter, über die Stellung des Staatsministeriums bei dem Erlasse von Kirchengesetzen, über die Mitwirkung des Landtags bei den Organisationsfragen der evangelischen Krrche, über das Zusammenwirken der kirchlichen ^n- stanzen mit den Staatsbehörden bei der Besetzung der theologischen Profeffuren und über die Dotationsfrage ver- werden. - Auch die „Nat.-Ztg.- beschäftigt sich an der Spitze ihrer Sonntagsnummer eingehend mit der ..Zeitfraae im Das Blatt gelangt am
Wie lange «och!
Wie der Geschichtsschreiber Tacitus bekundet, begründete der römische Kaiser Tiberius seinen Entschluß, von der weiteren Bekriegung Deutschlands Abstand zu nehmen mtt der Erwägung, daß man den inneren Zwistigkeiten der Deutschen und den Herrschaftsgelüsten ihrer Stämme und pursten mit Ruhe das Werk der Zerstörung der Macht Deutschlands überlassen könne. Die Geschichte hat ihm Recht gegeben und zwar nicht blos für seine eigene
erne£ ^aUf unfete Tage. Nicht die überwiegende Macht oder Kraft anderer Nationen halte Deutschland vor srmer jüngsten Erhebung zu einem geographischen Begriffe ßSeCthUdL xnb- ma“?e feinet besten und kräftigsten Glieder dirett der Fremdherrschaft unterworfen, sondern der Mangel an Einigkeit und an Unterordnung der Sonder- mteressen unter das Gesamtintereffe der Nation
^nzpunkt unserer Geschichte, die rühm- und Erreiche Herstellung der nationalen Einheit in Kaiser und Reich, ist zugleich charakteristisch als ein Moment der Uederwlndulig jener 'nationalen Schwäche; der Einigkeit aller seiner söhne, der Herrscher wie der Unterthanen, im Augenblick der Bedrohung durch den äußeren Feind, dankt Deutschland seine staalliche Einigung. Auch läßt sich ^>ffen daß die gegenseitige Eifersucht der Stämme und 1 Mcherhauscr, durch welche das deutsche Kaisertum im j Mittelalter untergnig, in der nationalen Begeisterung i jener großen Zeit und unter der weisen Politik des Reiches Ut»r Jahren dauernd überwunden ist und
vollem Vertraueri sowohl der Bundesstaaten und -Fürsten u^re-nander, wie zu dem Reiche Platz gemacht hat. Wer entschwunden ist deshalb jener Erbfehler der deutschen Nation noch Nicht; er hat nur eine andere Form angenommen und sich einen anderen Wirkungskreis erwählt. ?£n bem Reichstage treibt er sein Wesen und bewegt, wie einst Stamme und Herzöge, so heut die Parteien und ihre Führer, ihren Sonderinteressen und Machtgelüsten, auf Kosten des Gemeinwohls, selbst der Sicherest und des Fnedens Deutschlands zu stöhnen. Sogar jetzt, wo die von außen immer deutlicher hervortretende Kriegsgefahr die emrnuhge Annahme der Militärvorlage im Interesse der Erhaltung des Frieoens gebot, treibt die Absicht, aus «v JLarau! I'H ergebenden Zwangslage Kapital für die Macht- und Herrschaftsbestrebungen der Führer der Reichs- MüflülPhrhptf iit Ka... d)__rxrr___ . — '.
Schüsse seiner Betrachtungen zu folgender Konttussion: „^ojange der Streit um die Militärvorlage die Stärke des yriedensheeres und die Kosten desselben betraf, war ®le Emer man auch darüber denken mochte, ein Interesse m- ^Äa9e: dei dem Streit um die Dauer der fehlt em solches unter den heutigen Welt- verhaltmssen durchaus. Er wird geführt im Znleresse der p--l-m°nl-n,chm M-« d.« Zknlrums. ferner^ zuEhrni L"'°'««ch-n D«n-L «Ich- früher ?-f L Puickten zuruckgeschlagen werden mußten, damit das Deutsche Reich begründet und ausgebaut werden konnte, und endlich infolge des verhängnisvollen Fehlers, daß die Sezes- siomsten ihre Stellung als zeitweilig losgctrennter linker ValtonalI.i6era[en Partei aufgaben, um sich Mit der.Fortschrittspartei zu verbinden. Auf diese Ursachen wurde es zurückzuführen sein, falls angesichts der 5^^bstm Lage Europas die Militärvorlage scheitern und Deutschland in die schwerste innere Krisis gestürzt werden KuT fdt -86(3 burchzumachen war. Wi/wünschen sie nicht, aber wir furchten sie eben so wenig; denn die nnb ÄTn ""'s heilsamen Verlaufs sind vorhanden Ernst^^benselben entsprochen würde, darauf müßte hier d°ch w°« Ä? um wü-d..
— [@raj Moltke über die zweiiäbriae d» 2? st * 9 Den Eugen Richterschen, auf eine Brechung der betreffenden Verfassungsbestimmungen abzielenden Bestrebungen gegenüber wird es von Interesse sein zu hören wie sich seinerzeit Graf Moltke über die zweijährige Dienst- zert ausgesprochen hat. Der Chef unseres Generalstabs rÄthr te^Ut°rrJ.tät .militärischem Gebiete, welche Dentsch- land und welche zurzeit das Menschengeschlecht besitzt, er- hpuH*0 0«11 ?er 26, Sitzung des Reichstags des Nord, deutschen Bundes vom 3. April 1867- milT »,,k politische Feld nicht eintreten; ich bleibe'Ä der^mÄ tarischen Sette. Man macht mit Recht geltend, daß die ble öanze waffenfähige Mann- schast durch die Schule der Waffen gehen läßt. Es ist richtig, es bleibt etwas übrig. Nicht überall, denn in ®'h^",Bezlrken wird die dienstfähige Mannschaft bis auf den letzten Mann erschöpft. Es ist ferner richtig, daß b" d-r zweijährigen Dienstzeit gerade noch genügt Dienste brauchbare sein werden, um die Bataillone - denn der ^"sfallfallt lediglich auf die Infanterie; eine Herabsetzuna Sp^l?lwaffen kann nicht beabsichttgt sein - auf 500 Mann bringen zu können. Ich will nun nickt behaupten, daß solche Bataillone nicht mehr lebensfähia bet -ber dreijährigen Dienstzeit, höchstens ein dnttel Rekrutm waren; bet der zweijährigen Dienst, zett aber ist die eine Hälfte eines solchen Bataillons in der elementaren Ausbildung begriffen. Ziehen Sie nun etwa^60^Unteroffiziere^ab, ziehen Sie ab, was alles auf
geinäßheit, Notwendigkeit und Dringlichkeit im Ernst von Niemanden bezweifelt wird, Schwierigkeit auf Schwierigkeit zu bereiten, und alle Kunst und aller Scharfsinn werden angewenoet, um dem Reiche die erforderliche Sicherheit nur um den Preis einer Steigerung der eigenen Macht der Parteiführer zu gewähren. Wird sich die Verttetung des deutschen Volkes wirklich zu einem so unwürdigen Treiben ^ergeben und wird das deutsche Volk es dulden, daß mit feiner Sicherheit ein so frevles Spiel gespielt wird?
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2% Mk.. bei den Postämter 2 Mk. 50 Bfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 -Bfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
„So mutmaßest Du!"
c! vahrzuuehmeu, daß ein schwerer Kör§r nnb ^ch wundert nur, £ie b Sfü 'J Genchtsbeamten entgehen konnte."
"dsicht Alle find so schlau, wie D», Pratt. Sie dachten vermutlich gar nicht au die Möglichkeit einer solchen Aus- des Verbrechens! Und ist es Deinem Scharffimi ^ll-icht auch gelungen, de» Mörder ober die Mörderin ^ enioeaen r 0
„Zu entdecken, nein; aber ich habe jenes schöne das im Hause des Bankiers Lawrence lebt, eine Verwandte' — Mrs. Vance mit Namen, — stark im Verdacht! Ihre Zeugenaussage ging wetter, als die aller Anderen. Sie will bestimmt gehört habe», daß Lily an jenem Abend ihre E"^^hur abschloß. War es noch nicht geschehen, so ward der Gedanke an einen Selbstmord dadurch zur Gewißheit.
ihrer Einbildungsgabe Miß Lawrence einen geheimen Kummer andichtete uud wissen wollte, daß sie sett längerer Zeit an Niedergeschlagenheit und Zestreutheit ge- litteu habe, ließ mich aufmerksamer werde». Ich sann nach erwog Alles u»d gelangte zu der feste» lleberzeugung, daß diese Frau Grunde habe» müsse, einen Selbstmord festgestellt zu sehen. Das aber kann sie nur aus einem Gruude be- Ä Sä“1“"“’ 111
Colville stand bestürzt.
stieß ^-hervor. *“ W ßetrie6en haben?"
ich nicht. Ich hätte wetter nachgeforscht, ad^r wie die Sache» liegen, offen gestanden, hat es für «ich ja durchaus keinen Wett!" (Fottschung folgt)
A"uen Augen waren weder gläsern noch starr, obgleich ihr Blick leer und unnatürlich war. ständuisvollen Sf* mit fd“em ^Endeten einen ver- stch wiederhole Dir, es ist Leben und nicht Tod! versetzte er mtt Festigkeit „Dieser Fall ist jener seltene und geheimuiSoolle Zustand, Starrkrampf genannt, ß* Ach^nleben im Tode, oder ein Tod im Leben. — ®s 'st wahr, daß alle meine Mittel fehl schlugen, aber eben so fest steht es auch, daß das Lebe» in dem Mädchen " ist, daß der schwache Funke jedoch vor »«StaS? m" ,le E 6aIb
Beide Männer entfernten sich etwas mehr von dem Lager, während Doktor Pratt eS jedoch keinen Augenblick .""/Eß- ein wachsames Auge auf feine Patienttn zu haben, hÄ blicke nicht anders, als voller Entsetzen auf glich^^^ blicken konnte», die so ganz der einer Toden - wir das erste Mal über den Vorfall sprachen, ""ßettest Du Dich in der Weise, als sei Mß Lawrence ermordet worden," bemerfte Colville plötzlich. „Aus welcher Quelle fchopftest Du solche Vermutung, während doch alle Aussehen auf Selbstmord hindeuteteu?"
Mutmaßung, sondern Gewißheit," antwortete Doktor Pratt. „Es ist völlig richttg, daß Miß Lawrences ;nncn ""schlossen war, aber," - er hielt einen um seinen Worten die gewünschte Wir- fi^h9nmU^berrei^n' — man übersah den Umstand, daß N bis zu ihrem Fenster im zweiten Stock hinauf ffiÄCL^bI^8eranf befand. Ler Möde!, oder die %°r bie Thür in da» Zimmer eingetreteu, fübrt S Mab9eJMr?' ba8 Siplante Vorhaben ausge- & im?1 ®“ft @,eä|6f'e I--X»