Rr. 6
Marburg, Sonnabend, 8. Januar 1887.
XXII. JahkMss
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AechlMk jritmig.
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, Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von 2 oh. Aug. «och.___________________________________________________________
Die Geister der Finsternis.
Roman au» dem Amerikanischen von A. Bayard.
(Fortsetzung.)
Wie vom Wahnsinn gepackt, stürzte Mr. Colville auf den Sprechenden zu. , ,, t
«Mensch/ rief er, seine beiden Hande erfaffeud und sie wild schüttelnd, «Mensch, bringe mich nicht zur Verzweiflung mit Deinem Hohne! Du weißt, daß ich dieses Mädchen geliebt habe bis zur Raserei. Sie ist tot und begrabe» und keine Macht der Welt kann sie auf neue zum Leben erwecken!"
«Keine Macht der Welt," versetzte Doktor Pratt kalt, «aber ich — ich kanu es, denn die gestorben ist für Alle, sie ist nur scheintod und einzig ich kenne das Geheimnis, sie ins Leben zurückzurusen, in ein Lebe» für einen Einzigen — für Dich!"
.Pratt, Du sprichst im Fiebenrahul" Und wie vor eiuem Geistesverwirrten wich Mr. Colville von dem Arzte zurück. «Was Du sagst, eS ist nicht, es kann nicht sein.
«Was ich Dir sagte, ist die Wirklichkeit, so unglaublich auch Dir es scheint!" versetzte der Andere scharf. »Höre mich an, ich werde Dir Alles erklären. Als man Miß Lily leblos sand, wurde ich, zufällig an dem Lawrenceschen Hause vorübergehend, so dringend hineingerufen, daß ich nicht ab- lehueu konnte. Man führte mich au den Schauplatz der geschehenen Dhat und ich untersuchte sorgfältig die Daliegende, die allem Anscheine nach kalt und tot war. Bet scharfer Prüfung fühlte ich jedoch eiue fast unmerkliche Wärme am Herzeu, entdeckte in der inneren Handflache einen Farbenschimmer und einen leeren Starrblick in den Augen, dem Tode ähnlich, welchen wir Mediziner indeß Starrkrampf nennen. In der Nähe d«S Herzens war eiue leichte Wuude, allein der Dolchstoß war von zittternder
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Die Exped. d. Oberh. Zeit.
Die Mitttärkommisfion
hat gestern ihr Werk gekrönt. Diese Krone hätte sie ihm freilich schon am 18. Dezember aufsetzcn können; zu ihrer Anfertigung hätte es so langer Zeit und Ueberlegung nicht bedurft. Wenn die Sache nicht so ernst wäre, so könnten diese Beschlüsse Heiterkeit erregen. Oder ist cs nicht Heiterkeit erregend, daß diese Kommission in ihrer Hülf- losigkeit und Oppositionssucht schließlich gegen ihren Willen auf den von uns gewiesenen Weg gerät und ohne Zeit- begrenzung, für immer, sämmtliche Kaders bewilligt, welche die Regierung verlangte: 518 Bataillone Infanterie, 465 EskadronS Kavallerie, 364 Batterieen Feldartillerie, 31 Bataillone Fußartillerie, 19 Bataillone Pioniere und 18 Bataillone Train! Nur die 16 Bataillone Infanterie sollen bloß bis zum 1. April 1888 bewilligt und formiert werden. Die erstere Formation der ganzen Armee ist also dauernd und ohne Zeitbeschränkung genehmigt. Aber die Hauptsache haben die Herren vergessen — nämlich die Soldaten; sie haben bloß Bataillone und Eskadron«, aber keine Soldaten bewilligt; die Regierung verlangt 468000 Mann Soldaten, diese Forderung des § 1 der Vorlage haben die Herren abgelehnt. Die Regierung weiß also nicht, wieviel Soldaten sie bei der nächsten Rekrutierung einstellen darf; in den von der Kommission angenommenen Beschlüssen steht aber auch nichts davon, wie und von wem das festgesetzt werden soll. Die „Voss. Ztg." belehrt uns aber, daß das alljährlich von dem Reichstage bei der Festsetzung des Armeebudgets geschehen soll, und somit gedächten die Herren auf diesem Hinterwege die alljährliche Festsetzung der Friedensstärke einzuführen; aber im Gesetz selbst steht von der Festsetzung der Friedenspräsenzstärke kein Wort, nur in der Ueberschrift ist davon die Rede. Gerade das, waö ste nach der Ueberschrift des Entwurfs festsetzen wollten, haben sie weggestrichen und abgelehnt; nicht die Friedenspräsenz, sondern die Zahl der Kadres haben die Herren durch dieses Gesetz geregelt. Sie hätten dann auch die Ueberschrift ändern müssen; dieselbe dürfte nicht lauten: „Entwurf eines Gesetzes über die Friedens- Präsenzstärke des deutschen Heeres" — sondern: „Entwurf eines Gesetzes betreffend die Zahl der Kadres des deutschen Heeres". Die Logik der Herren Richter und Windthorst hat das übersehe» und so haben sie dem Titel ihres Opus ein ganz anderes Werk untergeschoben. Und mit diesem Opus wollen die Herren vor den Reichstag treten. Wir gratulieren dem Berichterstatter, der die Auf
gabe haben wird, dieses Ungetüm von Kops ohne Rumpf und Rumpf ohne Kopf dem Reichstage vorzuführen und zur Annahme zu empfehlen! — Die Herren von der Opposition schienen überhaupt ganz vergessen zu haben, was ihre Aufgabe war. Wie sie statt der Friedenspräsenz die Kadres festsetzen, so beschäftigten sie sich des längeren mit allerlei Steuerfragen, von denen ebenfalls kein Wörtchen in der Gesetzesvorlage stand und man kann sich nur wundern, daß sie ihrem Werk zu weiterem Zierrat nicht auch noch einige Beschlüsse über Reichs- und StaatS-Ein- kommensteuer angehängt haben! Wenn noch etwas gefehlt hatte, das Gebühren der Opposition Windthorst - Richter vor der Nation in das gebührende Licht zu setzen, so waren es diese gestrigen Kommissionsverhandlungen und ihre Beschlüsse: Man debattiert über Steuern, wo man über Solcaten beraten sollte, mau setzt für unbestimmte Zeit die Zahl der Kadres fest, wo man die Friedenspräsenz auf eine bestimmte Zeit festsetzen sollte! Der böse Geist, der stets verneint, hat den Herren der Opposition einen schlimmen Schabernack gespielt, und ganz Deutschland wird es als ein Glück preisen, daß diese Herren nicht im Generalstab unserer Armee sitzen! Hoffentlich wird die Abgeschmacktheit dieser Beschlüsse angesichts des großen Ernstes der Sache, um die es sich handelt, und der politischen Si< tuatton des Vaterlandes mächtig genug auf die verständigen Mitglieder des Reichstages wirken, daß sie dem Spiel ein Ende machen und die Vorlage so annehmen, wie sie ihnen von den größten Autoritäten auf militärischem Gebiete, welche die Welt kennt, gemacht ist und den Torso von Gesetzentwurf ablehnen, den ihnen die Herren Windthorst und Richter zurechtgezaubert haben.
Daß der Kriegsminister dieses Opus für unannehmbar erklärte, versteht sich von selbst. Ob sich aber im Reichstage noch eine Mehrheit für die Regierungsvorlage findet oder nicht: die oppositionelle, aus dem Kleeblatt von Ultramontanen, Freisinnigen und Polen bestehende Majorität hat sich gestern vor der ganzen Nation selbst ihr Urteil gesprochen.
Folgende Gestalt hat die Militärvorlage in der zweiten Lesung der Kommission nun erhalten: § 1 ist abgelehnt. § 2. Vom 1. April 1887 ab werden die Infanterie in 518 Bataillone, die Kavallerie in 465 EskadronS, die Feldartillerie in 364 Batterien, die Fußartillerie in 31, die Pioniere in 19 und der Train in 18 Bataillone formiert. Außerdem können von dem gleichen Tage an bis zum 1. April 1888 16 Bataillone Infanterie formiert werden. § 3. Der Artikel I § 1 und 2 des Gesetzes vom 6. Mai 1880, betreffend Ergänzungen und Aende- rungen des Reichsmilitärgesctzes vom 2. Mai 1874 (Reichs-Gesetzblatt 1880, Seite 103), und die noch in Geltung befindlichen, auf die Zahl der Truppenteile bezug habenden Bestimmungen des § 2 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 (Reichs-Gesetzblatt 1874, Seite 45)
Hand ausgeführt, daß er keine wesentlichen Teile verletzt hatte. Der surchibare Schrecken jedoch, ermordet zu werden, — denn ich glaube nicht an den Spruch der Jmy, der auf Selbstmord lautete, — versetzte das arme Mädchen in eine tiefe Ohnmacht, in Starrkrampf, ein Zustand, dem Tode so verwandt, daß er Alle täuschte, aber nur mein ärzlicheS Auge nicht!"
«Teufel, Du ließest eine Lebende begraben?"
„Um Deinetwillen, Colville! Während ich neben dem Mädchen kniete, fast betäubt vor der gemachten Entdeckung, kam mir, gleich einer Eingebung, der Gedanke an Dich, und ich beschloß, sie ruhig begraben zu lassen, um sie desto sicherer ganz in Deine Macht geben zu können."
„Pratt, Du bist ein Dämon!"
„Sind denn das die DankeSbezeuguugen für meine Freundschaft?"
„Nein, Du sollst mich erkennllich finden, Du sollst Deine wohlverdiente Belohnuug Haden. Aber, entsetzlicher Gedanke, zu denken, daß sie in ihrer Schönheit in der unheimlichen Gruft liegt, vielleicht jetzt schon zum Lebeu wtedererwacht!"
Und schaudcrud sprang er von seinem Sitze auf.
„Rege Dich nicht umsonst auf; eS hatte keine Gefahr," sprach der Arzt finster, bedächtig. „Noch ist das Wiederkehren des scheinbar entschwundenen Lebens nicht zu befürchten. Höre mir zu. Ich bestach den Küster und besitze nun den Schlüffel zu der Gruft. In wenige» Stunden ist es Nacht und wir werden die schöne Lllh Lawrence, die alle Welt tot glaubt, zu einem neuen Leben erwecken."
Starr blickte ColMe den Sprecher an.
„Aber wo sie unterbringen? Und wen» der Leichenraub entdeckt wird, — waS' dann?"
„Ich weiß ein sicheres Asyl. Du erinnerst Dich des alten Ehepaares, der Bewohner deS roten Hauses, welches
treten mit dem 31. März 1887 außer Kraft. § 4. Gegenwärtiges Gesetz kommt in Bayern nach näherer Bestimmung des Bündnisvertrages vom 23. November 1870 (Bundes-Gesetzblatt 1871, Seite 9) unter III. § 5, in Württemberg nach näherer Bestimmung der Militärkon- ventton vom 2t. 25. November 1870 (Bundes - Gesetzbl. 1870, Seite 658) zur Anwendung. Resolutionen. I. Den Reichskanzler zu ersuchen zu veranlassen, daß dem Reichstage baldmöglichst ein Nachtrag zum Etat pro 1887/88 vorgelegt werde, in welchem: a) unter den „Fortdauernden Ausgaben" diejenigen Forderungen eingestellt sind, welche als dauernde Ausgaben zur Bildung von: 5 Regimentern Infanterie, 24 Batterien Feldartillerie, 9 Kompagnieen Eisenbahntruppen, 1 Kompagnie Pioniere, 14 Kompagnien Train, sowie den mit diesen Neuformationen in Verbindung stehenden Stäben erforderlich sind, b) unter den „Einmaligen Ausgaben" außer den durch die unter a aufgeführten Formationen benötigten einmaligen Ausgaben noch eine Pauschalsumme eingestellt ist, zu temporären Formationen bis zur Höhe von 16 Bataillonen, sowie zur Etats- Verstärkung bereits vorhandener Truppenteile, falls solche Formationen beziehungsweise Etatsverstärkungen in anbetracht der Gestaltung der politischen Verhältniffe unab- weislich erscheinen sollten. II. Die Erwartung auszusprechen, daß bei den vorzunehmenden Formationen und Etatsverstärkungen die Einberufung von Dispositionsurlaubern soweit wie möglich eingeschränkt und auch für die Zukunft auf eine möglichste Erleichterung der militärpflichtigen Mannschaften durch Einschränkung der that- sächlichen Dienstzeit Bedacht genommen werde.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Jan. Der Kaiser nahm heute vormittag militärische Meldungen entgegen und empfing daraus den Kriegsminister Bronsart von Schellendorff und den Chef des Militärkabinetts General von Albedyll zu Vorträgen. Morgen findet zu Ehren des heute hier ein» treffenden Herzogs von Koburg ein größeres Diner bei den Majestäten statt, wozu gegen 30 Einladungen ergangen sind. — lieber die Unzulässigkeit der Ausführung der zu einer räudekranken Herde gehörigen Schafe nach dem Auslande hat der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, sich in Anlaß eines Spezialfalles, dem „Hannov. Kour." zufolge, dahin ausgesprochen, daß er die Ausführung der zu einer räudekranken Herde gehörigen Schafe nach dem Auslande bei den bevorstehenden Vorschriften weder für zulässig, noch im Interesse des deutschen Vieh- Exports für wünschenswert erachte. Die Unzulässigkeit eines solchen Export folgert der Minister aus den Bestimmungen der Bundesrats - Instruktion vom 24. Febr. 1881 zum Viehseuchengesetze. Nach § 125 dieser Instruktion soll nämlich ein Wechsel des Standortes solcher Schafe grundsätzlich nicht gestattet werden, und der § 126 a. a. O 1|---- —-----■ ■- ' -..... r-.=
auch die arme Fanny beherbergte, bis der Tod ste von ihrem Wahnsinn befreite?"
„Erinnere mich nicht daran. Beschwöre nicht Geister au» ihren Gräbern herauf. Laß die Vergangenhett begraben sein! Was soll es mit jenen beiden Alten?"
„Zu diesen Leute» werden wir Lily bringen. Beide find durch mich schon doibereitet. Es wird Dich schweres Geld kosten, aber Du wirst nicht geizen, wo eS gilt, an das Ziel Deines heißesten Wunsches zu gelangen. Bist Du also bereit, mich heute Nacht auf den Friedhof zu begleiten V
„Ich bin es und möge der Böse, der sicher auch hier Dein Helfershelfer ist, uns Beide» seine Hüfe leihen! Um Mitternacht denn! Ich werde bereit sein! Doch wenn Dein ärztlicher Scharfblick Dich getäuscht hätte? Wen» die schöne Lily nie z»m Leben wieder erwachen würde?"
„Du mutzt wahnsinnig fein, um nur zu denken, daß ich um eine wirklich Tote ein solch verwegenes Spiel wagen könnte!" sprach der Arzt mit finsterem Hohne. „Ist eS der Geist der toten Fanny, der Dich zum elenden Feigling macht?
„Still — Nichts mehr davon!" unterbrach ColMe den Sprecher zitternd.
„Also um die Mitternachtstunde!" schnitt Doktor Pratt kalten Tones das Wort ab. „Ehe der neue Tag anbricht, muß der Koup gelungen fein!"
3. Kapitel. In der Gruft.
Es war der Tag uach Lilys Leichenbegängnis, ein herrlicher, sonniger Tag, prangend im reichsten Schmucke deS Sommers.
Außerhalb des stattliche» HauseS von Mr. Lawrence, in dem Garten, welcher dasselbe umgab, blühten und dufteten köstliche Blumen. Der Springbrunnen warf seine Strahle» gleich einem Diamantregen in die Luft; in de» Bäumen und Sträuchern fangen und jubilierten die Vögel.