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Nr. 1

Marburg, Sonnabend, 1. Januar 1887-

XXII. Jahrgang

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25 Pfg.

Wöchentliche Beilage«: Kreis-Blatt f. L. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Somitsgsblstt

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck uud Verlag von Joh. Lug. Koch.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BletteS, sowie d.Annoncen-Pureaux von Haasensteiu untVo'ler inFiankfurt a. SR., Cassel, Wlogbeburg und Wien ; Rudolf licjft in Franlfnrr a. fi1,Berlin,München uns .fiöln; G L. Daube unu Co. in Frankfurt a. SR. Berlin, Hannover u. Paris

Arscheint täglich außer an , Werktagen nach L onn-und

Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis bei der Expedition 21/. Mk., bei den Postämter 2 Mk. 5 * Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnfertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Bfg, Reklamen für die Zeile

wird im neuen Quartal die

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Neujahr 1887.

Zum Himmel steig' ein Danklied auf, Jetzt, wo das Jahr sich neiget, Ans dunkler Nacht zu neuem Lauf Eia Jahr des Heils entsteiget I

Ja, lobet Gott, der allzeit war

Uns Schutz, uns Schirm und Hüter, Uns nicht verließ in Leibsgefahr, Uns schenkte Geistesgüter.

Gab er nicht Segen auf dem Feld, Daß wir nicht Hunger litten, Nicht was dem Heiden wohlgefällt, Weit über Wunsch und Bitten?

Der fand sein Glück im Ehestand, Nach dem er hat geschmachtet, Ein Andrer stteg zu Ehr' uud Amt, Nach dem er hat getrachtet.

Ein Andrer, der betäubt und blind Wich von dem rechten Wege, Fand sich zurück, ward Gotteskind, Zur Heiligung nicht träge.

Ob manche Seele ist geeilt

Hin zu des Grabes Schlummer, Ward von dem Siechtum doch geheilt Mauch Kranker und von Kummer.

Die Sorgen, die ein Herz bedrückt, Sind über Nacht verschwunden, Uud Freude ward, die hoch beglückt, Der Perle gleich gefunden.

Brich, neues Jahr, zum Segen an Für Kaiser, Reich und Staaten,

Auf das I. Quartal d. I., in dem unser Blatt den 22. Jahrgang beginnt, bitten wir die Bestellungen bei den Post­ämtern baldigst zu machen, damit in -er Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet.

Außer ihren seitherigen Gratisbeilagen Kreisblatt

für die Kreise Marburg und Kirchhaiü und

Zum Jahreswechsel.

Das alte Jahr hat seinen Lauf beendet. Jetzt, da wir an der Schwelle des neuen auf die verflossenen Monate zurückblicken, erscheinen sie uns nur als eine kurze Spanne Zeit, in der wohl manches begonnen, aber wenig zur Vollendung gelangt ist. Es war ein sehr, sehr aufregendes Jahr, das Jahr 1886. Die Welt, und nicht

Der Pränumerations-Preis für das Quartal beträgt: ») bei der Post, frei ins Haus . . . Mk.

' b) bei unserer Kirchhainer Agentur frei ins Haus..... n

c) desgl. bei unserer Expedition ... "

eine weitere 2 mal monatlich erscheinende Beilage unter dem Titel

Der Erzähler

erhalten, dieselbe wird in Buchform erscheinen und einen größeren Roman, Novelle oder Erzählung zu ihrem Inhalt haben, sodaß sie gesammelt und gebunden ebenso wie das Sonntagsblatt einen Band von bleibendem Werte bildet.

Unsere Abonnenten in der Stadt Kirchhain wollen ihre Bestellungen bei unserer dortigen Agentur, Herrn Buch­binder Rindt daselbst, ges. machen.

Bestellungen für hiesige Stadt sind irn unsere Expedition oder auch an unsere Träger zu richten.

Illustriertes Sonntagsblatt

Nun war die alte Dame tot. Wen mochte sie zu ihre« ®rb£« eingesetzt haben? Diese Frage beschäftigte tagelang all- Beteiligten nicht wenig und nun diese Bekanntmachung' Einen Sturm rief dieselbe in nicht wenigen Häusern des Städtchens hervor.

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Jeremias Hinkebein, NotariuS und Rechtsbeistand.« Diese, wenn auch vielleicht ein wenig komisch klingende, au sich doch sonst im Ganzen nicht ungewöhnliche Anzeige bracht- eines Morgens die Einwohnerschaft der kleinen Stadt Dldeldum m nicht geringe Gährung. Der Tod der alten Jungfer Nimmersatt hatte die Gemüther so wie so schon in außerordentliche Aufregung versetzt. Die Verstor- bene war ein Gast in aller Welt Hause gewesen und überall hatte sie hausig Worte fallen lassen, welche die Erbschaft nach ihrem Hinscheideu betrafen. Natürlich hütete Jeder sein Geheimnis nach Kräften.

Und wandle, Volk, auf rechter Bahn, Von gutem Geist beraten!

Nun öffne Dich zum neuen Jahr, Zum ersten Tag, o Pforte!

Gott mache gute Wünsche wahr, Wenn's stimmt mit deinem Worte.

Und Marburg, das den Preis gewann, Wohl unter Hessens Städten, Weil silbern glänzt im Thal die Lahn, Grün sind des Lahnbergs Ketten.

In der Natur, die dich umgiebt Bewahre deine Krone!

Kein böser Frevel sei geübt, Was schön ist, acht und schone!

Und würdest groß du wie Paris Mit tausend Elyseen, Wie wär's, wenn dich dein Schmuck verließ. Die Axt schlüg' die Alleen.

Wenn keine Biene Blumen fänd, Die Amsel nicht mehr sänge, Im Staul'gewölke ohne End' Wir machten unsre Gänge?

Was die Natur voll Güt' und Gunst Läßt blühend uns umgeben, Ist Musterbild für schöne Kunst Uud zaubert Lust und Leben.

Ans Eins noch habt Ihr Lieben Acht, Daß kein Gelärm der Freude Bei Jahrsbegrüßuug in der Nacht Sich misch' iu'S hehr Geläute.

Lachende Erben.

Humoreske von E. I. Wippchen.

Bekanntmachung. Ich, der unterzeichnete Rcchtskonsu- lent, thue als Testamentsvollstrecker der verstorbenen Jungfer Rosalia Armida Veronika Theodosia Nimmersatt hiermtt kund und zu wissen, daß Alle, welche berechtigte Ansprüche an den Nachlaß der Dahingeschiedenen gelteud machen zu können vermeinen, sich binnen der nächsten acht Tage bei mtr in meinem Bureau, Hühnersteig, im Waschtrog, Zimmer Nr. 3, emzusinden haben. Alle nach Ablauf dieser Frist geltend gemachten Ansprüche können, einer Klausel des Testaments zufolge, keine Beachtung finden.

Manchen Kampf gab es auch im wirtschaftlichen Leben, jeder friedliche Bürger hatte seinen Strauß zu bestehen Noch immer nicht ist die, Geschäftslage wieder eine derartige geworden, daß sie der ehrlichen Arbeit einen solchen Erfolg gewährt, wie sie wirklich ihn verdient. Hier und da heißt es wohl, daß es etwas besser geworden, andererseits wird aber immer noch geklagt, daß die Besserung so ungemein langsam fortschreite. Eine genaue Uebersicht über das Wirtschaftsleben des abgelausenen Jahres kann erst in kommenden Monaten sich ergeben. Aber was sicher ist das ist, daß die große Mehrheit der deutschen Geschäfts­welt-J, 'dustrie unerschrocken und tapfer im wirtschaftlichm Streite dasteht und nicht zurückweicht, vielmehr sich be­müht, neuen Boden zu gewinnen. Und einer Industrie die sich selbst nicht aufgibt, blüht auch sicher wieder eine erfreuliche Zukunft. Wenn aber diese gekommen, wird auch jener Klassenstreit verschwinden, der jetzt so hohe Wellen schlägt; man wird erkennen, daß der Kopf nichts ohne den Arm, der Arm aber erst recht nichts ohne den Kopf vermag. Vieles können wir so vom Neuen Jahre er» wünschen; ob diese Wünsche erfüllt werden, ist fraglich aber wir haben doch die Kraft, selbst auf ihre Erfüllung mit hiuzuarbeiten. Mag uns in 1887 nicht fehlen deshalb vor Allem die Arbeitskraft uno die fteudige Schaffenslust

Ansprüche an die Erbschaft der Nimmersatt!« rief der dicke Braumeister Spundloch, während er die Zeitung auf den Tisch warf und aufsprang.Wer hätte die mehr als ich?«

Erbe der Nimmersatt!« triumphierte Schneider

zum mindesten Deutschland, ist wenig aus der Erregung herausgekommen. Wieder und wieder drängte sich die Frage auf die Lippe :Wie wird es werden?«, aber selten nur erfolgte die Antwort. In dem Hangen und Bangen, in dem Harren und Hoffen auf die erlösende Entscheidung gingen die Wochen und Monde dahin, schwand das ganze Jahr. Nun stehen wir an seinem Ausgang und immer noch fragen wir:Wie wird es nun werden?« Jeder Brust will es scheinen, als komme eine große Völler- katastrophe näher und näher; wir wissen nicht, wann oder wo sie hereinbrechen wird, aber das Gefühl, daß sie der­einst erscheinen wird, wird stärkerundstärker. Wir freuen uns, daß wir vom neu abgelaufenen Jahr nicht durch Krieg und Kriegsnot heimgesucht worden, daß wir vom schlimmsten verschont geblieben, trotzdem cs zeitweise mit unheimlicher Dunkelheit auf dem Wege des Friedens auf­tauchte, und deshalb, sagen wir deshalb, trotz der Stürme, die es gebracht, Lebewohl wie einem guten Freund, mit dem wir lange Zeit gekämpft und gearbeitet haben. Das Bittere, welches wir im Verlauf des Jahres erfahren, wird vergessen beim versöhnenden Abschluß; uns bleibt nur die Erinnerung an das empfangene Gute. So scheiden wir in Frieden vom alten Jahre.

Ungelöst ist zwar die Frage einer langen Fortdauer des Friedens, wenn Kaiser Wilhelms ehrwürdige Heldengestalt uns auch dies köstlichste Gut für die gegenwärtige Zeit­periode sichert, ungelöst ist auch so manche Frage noch in der Entwicklung unseres Deutschen Vaterlandes. Unter lebhaften parlamentarischen Kämpfen traten wir in das Jahr 1886 ein, unter gleichem Zeichen scheiden wir aus ihm. Die Lösung der Steuerreform und die Einführung des Branntweinmonopols war es, welche beim Eintritt in das Jahr die Tagesdiskussion beherrschte, die Reichsmilitär- Vorlage steht an der Spitze der Erörterungen beim Scheiden aus dem Jahr. Und um diese beiden wichtigsten Gesetze schlangen sich manche andere, aber immer noch hochbedeut­same Gesetzesfragen, über die bet Streit hin- und her­wogte. Wie der äußere, so schien auch der innere Friede dann und wann bedroht, die Gefahr eines Konfliktes in naher Aussicht. Immer wieder aber ging der Sturm vor­über, es zeigte sich, daß das deutsche Reichshaus viel zu fest gefügt ist, als daß einzelne Stürme es erschüttern könnten. Vieles bleibt, wie gesagt, in seiner Lösung der Zukunft Vorbehalten; mag uns das neue Jahr diesem Ziele einen weiteren, befriedigenden Schritt entgegenführen. Das ; alte Jahr brachte uns als besonders freudiges Ereignis das 25jährige Regierungs-Jubiläum Kaiser Wilhelms als preußischer König. Das war ein Festtag, und nicht allein für Preußen. Das neue Jahr bringt den 90. Geburts­tag unseres Heldenkaisers. Zum 22. März wird, das sind wir sicher, unser Volk recht und aus vollem Herzen sagen:Ehre dem Ehre gebührt!«

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Dez. Der Kaiser nahm vormittags militärische Meldungen entgegen, arbeitete alsdann mit dem General v. Albedyll und machte nachmittags eine Spazier­fahrt. Abends trifft der Fürst von Hohenzolleru hier ein und steigt im königlichen Schlosse ab. DerReichsan- zerger veröffentlicht einen Allerhöchsten Erlaß vom 29. November, wodurch genehmigt wird, daß bei der Erwerbung deö Grundeigentums für den Nordostseekanal das Enteig­nungsrecht angewendet werde. Der preußische Finanr- minister hat, denB. P. N.« zufolge, an sämtliche König- »chen Regierungen folgende Verfügung erlassen: in längster Zeit sind durch die Presse aus verschiedenen Landesteilen Fälle mitgeteilt worden, in denen behufs Vor- bereitung der Veranlagung der Klassen- und klassifizierten Einkommensteuer die Steuerpflichtigen zur Anmeldung ihrer Schulden unter der Androhung aufgefordert sein sollen, daß anderenfalls deren Berücksichtigung bei der Einschätzung unterbleiben werde, oder daß grundsätzlich nur solche Schulden berücksichtigt werden würden, welche durch Angabe der Gläubiger und Vorlegung von Zinsenquittungen nach- gewiesen worden seien. Aus diesem Anlaß verweise ich auf die diesseitige Verfügung vom 15. Januar 1; 78, welche Aufforderungen der gedachten Art ausdrücklich als unzulässig bezeichnet, und mache der Königlichen Regierung zur Pflicht, mit Nachdruck darauf zu halten, daß in Ihrem Bezirke streng nach den in gedachter Verfügung entwickelten

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