Mavburg, Freitag, 31. Dezember 1886.
Rr. 306
— Illustriertes Sonntagsblati
Wöchentliche Beilage»: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain
1 Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
2.90.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Lonn-und Feiertagen. — Quartol- AbonnementS-Preis bei der Expedition 21 */* Mk.. bei den Postämter 2 Mt 5') Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vsg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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Zwei Stunden später. Das junge Ehepaar hat die Stürme, welche dem Mittagsmahle voraugegangen, ganz vergessen. Beide sitzen im traulichen Geplauder nebeneinander, und sprechen über Manches, was junge Ehepaare besonders interessiert. Der Frau Schwiegermama wird nicht mehr gedacht, auch Jenny spricht nicht mehr von ihr. Da klingelt es draußen mit besonderer Stärke. Herbert fährt erstaunt auf und eilt selbst hinaus. Gleich ist er zurück. „Ein Telegramm!" Das ist etwas sehr Ungewöhnliches in dem jungen Hausstände. Frau Jenny erbleicht, und auch Herberts Finger ztttern ein wenig, als er das Blatt auseinanderfaltet. „Vom Onkel!' ruft er dann. „Höre. Komme heute abend zur Sylvesterfeier zu Euch. Sourad Habermann!' — „Zn uns!', sagt Jenny. „Wir wollten doch so gern allein sein. Desdalb sollte auch die Mama zu Hause bleiben!' — „Aber, Kind', wir können ihn doch nicht abweifen. Er ist mein Onkel.' — „Weshalb warft Du gegen Mama aber so?', beginnt die junge Frau sich schon wieder etwas zu ereifern. — „Pft', macht ihr «Satte, „fangen wir nicht von Neuem au. Eie sollen denn
fort sollten alle Beide, das war bei Herbert zum festen Entschluß geworden, der sich beim Anblick des Herrn Konrad noch verstärkte. Habermann erschien natürlich in großer Gala.
„Ihr habt Gesellschaft heute, Kinder, nicht?" Das war seine erste Frage. — „Nein, Onkel", war die Antwort. „Wir werden ganz unter uns sein. Damit auch Du eine Dame hast, wollte ich soeben gehen, Jennys Mama zu bitten. Willst Du mich begleiten?" — „Gewiß, gewiß, mit tausend Freuden!' Herbert athmete tief auf. Sein Plan ließ sich vortrefflich an.
Frau Dorothea war allerdings sehr empört über ihre« Schwiegersohn; als er aber harmlos sie bat, heute Abend zur Sylvesterfeier zu ihnen zu kommen und Herr Konrad diese Bitten verstärkte, da schwand ihr Groll und sie willigte
ein. Aber sie mußte Herbert doch zu verstehen geben, daß er diese Nachsicht eigentlich gar nicht verdiene uno so sagte sie denn, nur zu dem sich in galanten Redensarten erschöpfenden Onkel gewendet: „Ich entspreche Ihrer Bitte gern, Herr Habermann. Mein Herr Schwiegersohn", hier fing sie an zu hüsteln und warf dem Missethäter einen zürnenden Blick zu. Herr H b rmann folgte ihrem Beispiele und küßte der stattlichen Wittwe die Hand. Herbert verzog ein wenig das Gesicht, sagte aber daun ganz ernt,oft, er habe einen kurzen Gang noch zu thun, ob die Frau Mama gestattete, daß er in einer halben Stunde den Onkel abhole. Frau Dorothea erteilte huldvoll die Genehmigung und der junge Mann eilte davon. Auf der Treppe aber rief er wiederholl aus: „Es gelingt, es gelingt!"
Frau Dorothea und Herr Konrad waren allein geblieben. Sie erzählte ihm den Aufttitl, den sie am Mittag in Herberts Haus gehabt. Konrad konnte sich vor Enttüstung gar nicht fassen, er nannte die junge Generation eine lieblose, die ganz die guten Eigenschaften der älteren verlängne. Frau Dorothea nickte ihm lebhaft Zustimmung und klagte, wie fie nun ganz allein, getrennt von ihrer armen Tochter werde
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Sylvester.
Eine launige Geschichte.
(Fortsetzung und Schluß.)
Einige Minuten später sind beide Gatten im Speisezimmer. „Jenny, sagte der junge Mann mit leiser, zärtlicher Stimme. Sie zögert, aber dann schlingt sie die Arme doch um seinen Hals. „Ach Herbert, die arme Mama! Was hast Du nur gegen sie!" — „Nichts, mein süßes Kind", sagt er, aber wenn Jemand hier im Hause kommandieren soll, dann hast Du das größte Recht darauf und nicht die Mama!" Dabei küßt er fie herzlich. Sie fieht ihn noch etwas zweifelhaft an, aber er faßt heiter ihren Arm und meint: „Alur, nun komm', Liebchen, mein
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Dez. Der Kaiser empfing heute vormittags den Chef des Generalstabs des 10. Armeekorps, Oberst von Bomsdorff, nahm später den Vortrag des Geh. Kabinettsrats von Wilmowski entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. Um 3 Uhr hielt UnterstaatS' sekretär v. Berchem Vortrag. — Die Fabrikation des neuen Repetiergewehrs ist, wie wir einem längeren Aufsätze der „Mil.-Ztg." entnehmen, nunmehr so weit gediehen, daß die Ausrüstung der gesamten deutschen Linien- Jnfanterie auf voller Kriegsstärke fast ganz beendet ist und die Ausgabe der Gewehre in wenigen Tagen erfolgt sein wird. Das deutsche Heer hat dadurch vor den übrigen europäischen Heeren einen Vorsprung gewonnen, der erst in einer Reihe von Jahren wieder einzuholen ist, denn noch keines dieser anderen Heere ist über das Versuchs- sladium hinausgekommen. Tas neue Jnfanteriegewehr führt die Bezeichnung M. 71/84, um anzudeuten, daß daS Gewehr im Prinzipe das alte Modell 71 geblieben ist, das durch die im Jahre 1884 festgestellte Abänderung eine Magazinvorrichtung und einzelne sonstige, das Wesen der Waffe jedoch nicht tangierende Veränderungen erfahren hat. Ein besonderer Erfinder kann für das neue System nicht genannt werden; es ist ein Produkt vereinter Thätigkeit der Schießschule und der Gewehrfabrik. Eine offizielle Verordnung, welche die reglementarischen Kommandos und Formen für die Chargierung mit dem neuen Gewehre vorschreibt, ist noch nicht erschienen und das Einüben geschieht bisher nur nach den auf der Schießschule üblichen Formen; es steht jedoch zu erwarten, daß hierauf bezügliche Vorschriften in kurzer Zeil zur Ausgabe gelangen werden. — Es ist nunmehr bestimmt, daß zur Feier des 80- jährigen Dienstjubiläums des Kaisers keine bef nberen Festlichkeiten veranstaltet werden; nur sämtliche k .man- bierenben Generale ber preußischen Armee und wa cheiu- lich auch ber übrigen deutschen Armeekorps wert r zur Gratulation erscheinen. — Beim gestrigen Botschafterdiner beim Kaiser ist der französische Botschafter Herbette, vom Kaiser, dem Kronprinzen und dem Grafen Moltke, deffen Nachbar er war, in einer Weise ausgezeichnet worden, die Beachtung gesunden hat und die, wie Privat - Telegramme aus Paris melden, bereits von dortigen Blättern verzeichnet wird.
— lieber das deutsche Repetiergewehr wird dem „Fränkischen Courier" folgendes mitgeteilt: „Das Gewehr ist im allgemeinen das Gewehr-Muster 71 (Mausergewehr) und hat nur die für ein Repetiergewehr nötige Mehrladevorrichtung erhalten, welche sich der Hauptsache nach im Schlosse vereinigt. Die Mehrlabevorrichtung nimmt acht Patronen iu sich auf und hat den Zweck, diese Patronen beim Oeffnen und Schließen der Kammer in die Palronen- einlage zu befördern und somit den Ladegriff entbehrlich zu
Auf das I. Quartal k. I., in dem unser Blatt den 22. Jahrgang beginnt, bitten wir die Bestellungen bei den Postämtern baldigst zu machen, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet.
Außer ihren seitherigen Gratisbeilagen
Kreisblatt
für die Kreise Marburg und Kirchhain und
Illustriertes Sonntagsblatt
wird im neuen Quartal die
4 Züge; der Schaft ist aus gutem Nußbaumholz geschnitten und gefirnißt."
— Eine von ca. 1200 Personen besuchte Versammlung des konservativen Vereins für Halle und den Saalkreis nahm durch folgende, einstimmig angenommene Resolution zur Militärvorlage Stellung: „In Hinsicht aus die drohende politische Lage, in welcher unser Vaterland sich gegenüber den offen zutage tretenden französischen und russischen Kriegsrüstungen befindet, hält die Versammlung die baldige, unveränderte Annahme der durch unsere weise Regierung gemachten Militärvorlage seitens des Reichstages für eine nationale Pflicht, der gegenüber alle Parteiinteressen in den Hintergrund treten müssen. Die Verzögerung der Er- füttung dieser Pflicht, wie solche durch die Arbeiten ber Reichstagskommission herbeigeführt ist, kann nur durch eine möglichst rasche und einstimmige Erledigung der Vorlage im Reichstagsplenum wieder gut gemacht werden. Die Versammlung hat trotz des Beschlusses der Militärkommission die feste Zuversicht, daß das nationale Bewußtsein der Mehrzahl unserer Reichslagsabgeordneten groß genug sein wird, um die Regierungsvorlage in unveränderter Form und thunlichster Beschleunigung zur Erledigung zu bringen." — In Pforzheim gelangte eine Re-
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machen, wenn ausnahmsweise besonders schnell geschossen werden soll. Das Patronenmagazin besteht §uS t'"' Rohr von dünnem Stahlblech, welches im Schaft x halb des Laufes liegt, hinten in die Hülse mündet $ dagegen über den Oberring vorsteht und mit eine schraubbaren Deckel versehen ist. Im Magazin b sich eine lange, das ganze Rohr ausfüllende Spira / — Magazinfeder — zu dem Zwecke, die eingetabv. Patronen nach hinten, beziehungsweise auf den Zubrintz. löffel zu bringen. Beim Aus- und Zumachen drr Kammer ; mittels des Hebelknopfes wird, wenn das Schloß zum Magazinfeuer gestellt ist, durch das gleichzeitig ftattfindende u Auf- und Abbewegen des Löffels die aus dem Magazin- ... rohre tretende Patrone in die Pattoneneinlage befördert,^ von wo sie beim Vorschieben der Kammer in den Lav ;iZ gelangt. Das Abfeuern geschieht wie gewöhnlich. S>^, das Gewehr als Einzellader benutzt werden, so wird 4-, Löffel festgestellt. Das Gcwehr hat eine Länge von > ohne und 1,8 m mit aufgestecktem Seitengewehr, wieg. ;>ft leerem Magazin 5,0 bezwiehungsweise 5,4, bei gefüllte, Magazin 5,0 beziehungsweise 5,8 kg. Die Patrone hat eint Hülse von Messing, die Pulverlabung besteht aus 5 gr neuen Gewehrpulver M./71; das Geschoß ist aus Blcidrayt gepreßt, 25 gr schwer, zylindrisch geformt und mit eint ,,ei> stumpfen Spitze versehen; die fertige Patrone hat ein<2l. Länge von 78 mm und 43 gr. Das Visier kann auf t die Entfernungen von 200 bis 1000 m gestellt werden.
Der Lauf ist aus Stahl gefertigt und zum Schutze gegen » Rostbildung gebräunt, hat ein Kaliber von 11 mm und
a) bei der Post, frei ins Haus . . . Mk.
b) bei unserer Kirchhainer Agentur frei ins Haus............
c) desgl. bei unserer Expedition ... „
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Der Erzähler
erhalten, dieselbe wird in Buchform erscheinen und einen größeren Roman, Novelle oder Erzählung zu ihrem Inhalt haben, sodaß sie gesammelt und gebunden ebenso wie das SonntagSblatt einen Band von bleibendem Werte bildet.
ear Der Nr. 1 k. I. wird ein Wandkalender mit Märkteverzeichnis beigelegt.
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Der Pränumerations-Preis für das Quartal beträgt:
alle Beide kommen. Mir ist etwas ganz Kostbares eingefallen, und gelingt ber Plan, werbt 11 Sie uns in Zukunft wohl zufrttben lassen." — „Was hast Du nur vor?" — „Warte nur ab. Du sollst es bald g-nug erfahren!" — „Doch nichts Böses?" — „Nur einen Schelmenstreich, ber ihnen Betten zum Heil gereichen soll. Unb damit Du erkennst, baß ich Deiner Mama wirklich nicht feinblich gesinnt bin, will ich mit bem Onkel selbst zu ihr gehen, und sie bitten, heute abend zu kommen!" — „Du bist ein guter, lieber Mann^ — „Nun, endlich!', fagie er unter heiterem Lachen.--
Herr Konrad Habermann traf gegen abend bei seinem. Neffen ein. Er lebte als Junggeselle in einem benachbarten kleinen Ort von seinen Geldern ein behagliches Dasein. Er klagte aber auch mitunter, daß er sich gar so verlosten fühle, und in solchen Stunden, in welchen der sonst so rüstige Herr sentimental wurde, suchte er bas Haus seines Neffen auf. Der jungen Frau gegenüber machte er noch eifrige Versuche, als galanter Herr aufjiitreten, was ihm in seinem Alter von vierzig und einigen Jahren gar nicht einmal schlecht stand, und Fran Jenny gewiß für ihn eingenommen haben würbe, wenn er nicht einen Fehler gehabt hätte. Herr Habermann liebte ein gutes Glas Wein und luftige Gesellschaft und pflegte gar zu oft Herbert in ein Weinhaus zu entfuhren, der sich nur zu leicht „verführen" ließ, wie Jmry in ihrem Aerger über den Oheim ihres Mannes behauptete. Das ist bas Charakterportrait bes Herrn Habermann. Was sein Aeußeres betrifft, so bildete er ein würdiges Gegenstück zur Fran „Schwiegermama." Bei ber Hochzeit des jungen Paares hatten Beide noch manchen Tanz zusammen gethan. Wenn die guten Leute Herbert und Jenny auch alles nur.denkbar Gute wünschten, so war dem verliebten Pärchen die häufige Einmischung in ihr HauSweseu doch entschieden nicht angenehm. Herbert opponierte nur mehr der Schwiegermutter, Jenny dem Onkel. Aber