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Marburg, Donnerstag, 30. Dezember 1886.
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WerheWe Zeitmiz
- Illustriertes Sonntagsblatt
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain
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Villaume, über den die bekannten Gerüchte zirkulieren, hat an seine Angehörigen in Potsdam depeschiert, daß er sich durchaus wohl befinde.
— Unter den Landmessern (Feldmessern) ist — anscheinend infolge der früher bestandenen Einrichtung, wonach die Ablegung der Feldmesserprüfung ein Vorstadium in der Ausbildung der höheren Baubeamten war — die Ansicht verbreitet, daß das Ministerium der öffentlichen Arbeiten das mit der Sorge für die Landmesser und für die Regelung ihrer Verhältnisse vorzugsweise berufene und zuständige Ressort sei. Daher werden Wünsche, welche Beziehungen zum öffentlichen Dienste betreffen, Anträge, welche die Bedingungen ihres Engagements für staatliche Rechnung, oder ihre Anwartschaften zum Gegenstände haben, Ansprüche auf Pension oder Unterstützung, welche auf längere Dienstleistungen in staatlichen Verwaltungen begründet werden, der Regel nach an die Adresse dieses Ministeriums gerichtet. Dies geschieht, was Pensiontz- odcr Unterstützungsgesuche betrifft, vielfach auch in solchen Fällen, wo die Beschäftigung, auf welche der Anspruch gestützt wird, überhaupt nicht im Bereiche der diesem Ministerium unterstellten Arbeitsbetriebe stattgesunden hat. That- sächlich hat aber das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, wie das „Zentralbl. d. Bauverw." bemerkt, nur in verhältnismäßig wenigen Fällen Gelegenheit, von dm Diensten der Landmesser (Feldmesser» bei Vorarbeiten uudBauausführungen Gebrauch zu machen, und ist nur selten in der Lage, denselben eine feste Anstellung zu gewähren. Es fehlt demselben daher, was beachtet werden sollte, an den organischen Beziehungen zu den Landmessern - Feldmeffern), welche andere Verwaltungen, wie insbesondere die Kataster- und die landwirtschaftliche Verwaltung rücksichtlich ihrer auf unmittelbare Mitarbeit derselben an staatlichen Aufgaben hinweisenden Geschäfte besitzen, und es sind somit vielfach die Voraussetzungen dafür nicht vorhanden in eint erschöpfende Beurteilung von Fragen, welche allgemeine Berhältniffe der Landmesser (Feldmesser) betreffen, einzutreten.
Pose«, 28. Dez. Der Abgeordnete Kantak ist heute ftüh 6 Uhr gestorben. sKasimir Kantak, Partikulier aus Posen, geb. 22. März 1824, war sowohl im Reichstage wie im Abgeordnetenhause, welch letzterem er seit 1862 angehörte, einer der Hauptführer der polnischen Fraktion. Er verteidigte neben allgemeinen namentlich heimische Interessen und verteidigte vor allem die Rechte der polnischen Ration auf allen Gebieten der Kirche, der Schule und des Staates wie auch des sozialen und wirtschaftlichen Lebens.)
Gera, 27. Dez. Der kurz vor Weihnachten vertagte Landtag des Fürstentums Reuß j. L. hat in seiner letzten Session, die vom 31. Oktober bis 20. Dezember währte, eine Reihe von Beschlüsse gefaßt, die auch über die Grenzen des kleinen Landes hinaus Interesse erregen werden.
De«ttch-s Reich.
Berlin, 28. Dez. Der Kaiser nahm heute vormittags die Vorträge des Polizeipräsidenten v. Richthofen und des Generals von Albetyll entgegen. Nachmittags fünf Uhr findet das Botschaftsdiner statt, wozu der Hof, die Chefs des Militär- und Zivilkabinetts, die Botschafter Italiens, Oesterreichs, Englands, Rußlands, Frankreichs und der Türkei mit den Militärbevollmächtigten und Militärattaches geladen sind, ferner haben Einladungen erhalten der Oberzeremonienmeister Graf Eulenburg, oer Feldmarschall Graf Moltke und ein Vertreter des Auswärtigen Amtes. — Der Direktor im Reichsjustizamt, Hanauer, ist zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikate „Exzellenz" ernannt worden. — Dem Kaiser sind an den beiden Weihnachtsfeiertagen vor seinem Palais stürmische Huldigungen dargebracht worden. Auch am ersten hatte sich trotz der nicht günstigen Witterung große Menschenmassen an dem Denkmale Friedrichs des Großen angesammelt; begeisterte Zurufe empfingen den Monarchen, als er in aufgeknöpftem Militärüberrock, unter dem die weiße Weste sichtbar war, an das Fenster des Konferenz- Zimmers trat und seinen Blick zunächst auf die mit „angefaßtem Gewehr" und „Augen rechts" defilierenden Grenadiere des Regiments Alexander, die diesmal einen besonderen Umweg gemacht halten, um dem obersten Kriegsherrn gerade am ersten Feiertage die gewohnte Musik nicht entbehren zu lassen, richtete. Erst als die letzte Sektion seinen Augen entrückt war, verneigte sich der hohe Herr unablässig gegen das Publikum, bis er sich unter einem dreimaligen Hoch der Menge zurückzog. Eine gleiche Huldigung wurde dem Kaiser am zweiten Feiertage dargebracht, als die Füsiliere desMiscr-Frairz-Regiments beim Palais vorbei auf die Wache zogen. Gerade in diesem Moment brach zum ersten Male die Sonne durch die Wolken und sandte ihre strahlen auf das Schauspiel herab, welches sich vor der Wohnung des Kaisers abspielte. — Die „Kreuz.-Ztg." schreibt: „Wie verlautet, widmet Prinz Wilhelm, bei der verhältnismäßigen Winterruhe im Militärdienst, sich seit Wochen mit Eifer u. a. den Angelegenheiten des Auswärtigen Amtes. Derselbe nimmt seit etwa acht Tagen regelmäßig Vorträge in diesem Amte entgegen." — Tie Anberaumung der nächsten Sitzung der Militärkommission des Reichstages auf Mittwoch den 5. Januar ist durch den Vorsitzenden Grafen Ballestrem erfolgt, dem die Kommission in dieser Beziehung freie Hand gelassen hat. Das Plenum des Reichstages wird an diesem Tage keine Sitzung abhalten. Ob die Kommission die zweite Lesung in einer Sitzung erledigen wird, ist sehr fraglich — Ter preußische Landtag wird am 13. Januar eröffnet werden und der Etat wird an demselben Tage dem Abgeordnetenhause zugehen. — Der deutsche Militärbevollmächtigte in Petersburg, Major von
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Rudolf Wofle in Frankfurt ♦ a. M-, Berlin.München und
Köln; G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris.
(Nachdruck verboten)
Sylvester.
Eine launige Geschichte.
Ein moderner Salon! In einem Fauteuil zur Linken des Sophas sitzt eine junge Frau von fiebenzehn bis acht- zehn Jahren. Das hübsche Gesicht ist gerötet, die kleinen Hände find zornig geballt, und die dunklen Augen blicken nichts weniger, als friedfertig. Auf dem als Pendant dienenden Fauteuil fitzt eine noch recht stattlich aussehende Dame, so gegen achtzig Jahre alt, im Vertrauen mitgeteilt; denn in Wahrheit sieht sie wirklich nicht so alt aus, als sie Jahre zählt. Auch ihr Gesicht ist gerötet, aber die Röte der Freude ist es ebensowenig, wie bei der anderen, jüngeren Dame. Tie dritte Person irn Zimmer ist ein schlanker junger Mann, etwa sechs- bis achtundzwanzig Jahre alt. Im Sturmschritt geht er auf dem weichen Teppich auf und '. nachdem er eben erst die Zigarre zornig in einen Winkel * - fen. Dann steht er am Fenster und trommelt mit
111 gegen die Scheiben.
ueen dre wirklich Ihr letztes Wort, Herr Schwieger- men Handelst- die ältere Dame mit scharfem Tone und Kaufleuten, der dren Blicke auf den ihr den Rücken zu- on Soden bettel *r sich jetzt langsam umdreht, ihren dir westLfrsikanUchexvmpagn.^EA» taltiflfltig fugt: „Mein nehmen lassen; in dem ? so w h b
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von ihrem Manne fort und zu ihrer Mutter hinüber, der sie sich schluchzend in die Arme wirft. Herbert geht zu einem kleinen Tische, entnimmt einem auf demselben stehenden Kästchen eine neue Zigarre und zündet sie während des Schluchzens der beiden Damen an. Jetzt bläst er wohlgefällig blaue Wölkchen gegen die Decke empor und geht ruhig auf dem Teppich aus und nieder. Keine der beiden Damen achtet aus ihn, sie flüstern leise mit einander. Dazwischen wieder ein Schluchzen Frau Jennys. Herberts Gesicht überzuckt ein spöttisches Lächeln.
„Möchtest Du nicht so gut fein, Jenny, und der Köchin sagen, daß ich sehr hungrig bin, damit sie sich mit dem Essen beeilt?" Dabei streift er gleichmütig die Asche von der Zigarre.
Frau Jenny schnellt herum. Die Thränen versiegen wunderbarer Weise im Augenblick.
„Du denkst an Essen, an Hunger, ruft sie, „wo Du meine Mama von meiner Seite reißen willst, Dich wie ein Barbar gegen uns zeigst? Das steht Dir wirklich ähnlich. Liebst Du mich denn gar nicht mehr? Hast Du alles bet» gessen, was Du vor der Hochzeit mir gesagt?"
„Daß ich meinen, Gott sei Dank, recht gesunden Appetit abschwören will, davon habe ich meines Wissens nichts gesagt. Ich liebe Dich doch mit dem Herzen, Jenny, aber nicht mit dem Magen", antwortet er lächelnd.
„Spotte nur I", lautet die Antwort, ich befitze Menschenkenntnis genug, nm Dich zu durchschauen. Du bist meiner überdrüssig, ich soll au8 dem Hause —."
„Hör' einmal, Jenny", sagt er ernst, „wenn Du mir Gardinenpredigten halten willst, bitte Deine Mama, in das Nebenzimmer zu gehen. Dabei sind wir beide genug!"
„Du willst mich von der Mama trennen!", klagt Frau Jenny wieder.
„Fällt mir gar nicht ein. Ich habe mich nur geweigert,
als Deine Mama mir ankündigte, sie gedenke Wohnung bei uns zu nehmen. Daraus wird nichts! Ich bin mit Dir verheiratet, nicht mit ihr."
„Aber jede junge Frau braucht die Ratschläge ihrer Mutter!", fällt Jennys Mutter, Frau Witwe Dorothea Kaufmann ein.
„Jede junge Frau muß vor allen Dingen lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Bedarf sie Ihres Rates, so ist der Weg zu Ihnen nicht weit!"
„Aber die Mutter gehört zu ihrem Kinde!", ruft Frau Dorothea zornrot.
„Wenn sie alt und schwach ist, jawohl. Aber Sie, verehrte Frau Schwiegermama, find noch eine blühende stattliche Fran, die es recht wohl unternehmen kann, einem zweiten Mann das Leben zu versüßen."
„Empörend!", rufen Mutter und Tochter zugleich aus. Herbert bricht zur Antwort aber nur in ein munteres Lachen aus und sagt dann: „Wenn Du nicht gehen willst, Jenny, werde ich also selbst der Köchin das Nähere wegen des Miitagsesseus sagen und zu essen beginnen. Komme nur bald!" Frau Dorothea schreckt bei diesen Watten zusammen, schließt ihre Tochter nochmals in die Arme, ruft: „Adieu, mein unglückliches, armes Kind", und ist hinaus zur Thür. Herbert hat nicht einmal mehr Zett, sich zu verabschieden. Jenny will sprechen, aber sie besinnt sich und eilt rasch an Herbert vorüber auf die Thür zu, die zur Küche führt. Lachend schaut der Zurückgebliebene sich um: „Das Feld behauptet und den Gegner besiegt. Aber es war ein harter Kampf und an diesen Jahresschluß will ich denken. Aber dem Feind muß auch die Rückkehr verleidet werden, und dafür fällt mir ein Mittel ein. Wir wollen el doch erproben!"
(Fortsetzung folgt)
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