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Rr. 304.

Marburg, Mittwoch, 29. Dezember 1886.

XXI. Jahrsa»«.

WerhelW jfituno

Anzeigen nimmt, entgegen die^ Expedition b Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux r»n Haasensteiu undLoaler in Frankfurt a. M., kaffei, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Franksunt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M, Berlin, Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Tonn- und Feiertagen. Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 3*/4 Mk.. bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg , Reklamen für die Zeile

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes S-nntagsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Auf das I. Quartal k. I., in dem unser Blatt den 22. Jahrgang beginnt, bitten wir die Bestellungen bei den Post­ämtern baldigst zu machen, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet.

Außer ihren seitherigen Gratisbeilagen

Kreisblatt

für die Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes Sonntagsblatt

wird im neuen Quartal die

Dberheff. Zeitung eine weitere 2 mal monatlich erscheinende Beilage unter dem Titel

Der Erzähler

erhalten, dieselbe wird in Buchform erscheinen und einen größeren Roman, Novelle oder Erzählung zu ihrem Inhalt haben, sodaß sie gesammelt und gebunden ebenso wie das Sonntagsblatt einen Band von bleibendem Werte bildet.

w Der Nr. 1 k. I. wird ein Wand­kalender mit Märkteverzeichnis beigelegt.

Unsere Abonnenten in der Stadt Kirchhain wollen ihre Bestellungen bei unserer dortigen Agentur, Herrn Buch­binder Rindt daselbst, gef. machen.

Bestellungen für hiesige Stadt sind an unsere Expedition oder auch an unsere Träger zu richten.

Der Pränumerations-Preis für das Quartal beträgt: a) bei der Post, frei ins Haus . . . Mk. 2.90. b) bei unserer Kirchhainer Agentur frei ins

Haus........... 2.60

c) desgl. bei unserer Expedition ... 2.25

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Deutsches Reich.

Bertt«, 27. Dez. Der Kaiser empfing heute vor­mittags die Vorträge des Geheimen Kabinettsrats von Wilmowsti Morgen findet bei Ihren Majestäten ein sogenanntes Botschasterdiner statt. Der Kaiser und die Kaiserin und die hier anwesenden Königlichen Prinzen und Prinzessinnen verlebten, wie alljährlich, oas Weih­nachtsfest im engeren Familienkreise. Bei den kaiserlichen Majestäten hatte die Feier des heiligen Weihnachtsabends am Freitag in der hergebrachten Weise stattgefunden. Zu­nächst sahen Allerhöchstdieselben nachmittags 4 Uhr, die Damen und Herren des engeren königlichen Hofes bei sich zum Diner. Nach Aufhebung der Tafel geleitete das Kaiserpaar die Anwesenden vom Balkonsaal, wo das Diner stattgefunden, nach dem kleinen Speisesaal, wo für die­selben auf weißgedeckten und mit Tannenbäumen geschmückten Tischen die Kaiserlichen Weihnachtsgeschenke aufgebaut waren. Nachdem dann die Personen des königlichen Hofstaates etwa um 5S/* Uhr von den Majestäten verabschiedet und das königliche Palais verlassen hatten, erschienen daselbst gegen 81/« Uhr die hier und in Potsdam anwesenden könig­lichen Prinzen und Prinzessinnen, bei denen zuvor schon für die eigenen Familien uno Hofstaaten der Weihnachts- aufbau stattgefunden hatte, zur Bescheerung bei den kaiser­lichen Majestäten. Zunächst nahmen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften, wie stets vor Beginn des feierlichen Bescheerungsaktes gemeinsam im Balkonsaal den Thee ein, und hierauf erst führten der Kaiser und die Kaiserin auch die königlichen Familienmitglieder in den kleinen Speise­saal zur Ueberreichung der für Höchstdieselben bestimmten Weihnachtsgeschenke. Alsdann blieben die Allerhöchsten und die Höchsten Herrschaften noch längere Zeit zum Souper vereint. Am Vormittage des ersten Weihnachtsfeiertages fand zunächst um 11 Uhr im Balkonsaale des königlichen Palais, welcher, wie stets bei solcher Gelegenheit, in eine Kapelle umgewandelt worden war, ein Festgottesdienst statt, welcher vom Oberhof- und Domprediger D. Kögel abge­halten wurde, während Mitglieder des königlichen Dom- chors die liturgischen Gesänge ausführten. Außer dem Kaiser und der Kaiserin wohnten demselben auch der Kron­prinz mit seiner Familie, der Prinz Alexander von Preußen und der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen- Meiningen, sowie einige Damen und Herren des könig­lichen Hofstaates bei. Nach Beendigung des Gottesdienstes nahm der Kaiser dann einige Vorträge entgegen, empfing den General - Feldmarschall Graf von Moltke und die Generaladjutanten, General der Kavallerie von Rauch, General der Infanterie Freiherrn von Loen und General- Leutnant Grafen von Waldersee, sowie die Flügeladju­tanten Obersten von Stülpnagel, von Lindcquist und von Brauchitsch, den General ä Ja suite Generalmajor von Derenthall, sowie den Chef des Zivilkabinelts, Wirkl. Geh.

Rat von Wilmowski, welche Sr. Majestät dem Kaiser ihren Tank für die ihnen zugegangenen Weihnachtsgeschenke aussprachen. Die Kaiserin war den Abend über im königlichen Palais verblieben und hatte dort gegen halb 7 Uhr die Zöglinge der Kaiserin Augusta - Stiftung mit ihrer Oberin und ihren Gouvernanten zur Weihnachts- Bescheerung empfangen. Dieselben waren zu diesem Zwecke aus dem Augustastist im königlichen Wagen nach dem Palais abgeholt und ebenso nach Beendigung des Festes auch wieder nach Charlottenburg zurückbefördert worden. Außer dem Kaiserpaare waren auch der Kronprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen zu diesem Fest­akte erschienen. Durch die Zeitungen ging ein Aus­spruch des General - Feldmarschalls Grafen von Moltke: Als (so heißt es) vor etwa acht Tagen die Kaiserliche Tafel, zu welcher der Fürstbischof von Prag, Graf Schön­born, geladen war, aufgehoben wurde, äußerte der be­rühmte Feldherr zu den ihn umgebenden Generalen und Offizieren gelegentlich einer Unterhaltung über die Chancen eines Krieges gegen Rußland und Frankreich:Sie können versichert sein, daß, so lange unser Kaiser Wilhelm lebt, Deutschland vom Kriege verschont bleibt." Dazu be­merkt dieNeue Preuß. Ztg.":Die obige Mitteiluug wird in tendenziöser Weise ausgebeutet; deshalb sei aus­drücklich bemerkt, daß sie erfunden und unwahr ist."

~ Ausland.

Wien, 27 Dez. Ein von sämtlichen deutschen Ab­geordneten gezeichnetes ManifestAn das deutsche Volk in Böhmen" bespricht die Vorgänge im böhmischen Landtage. Durch den Beschluß vom 22. Dezember habe die Mehrheit die schwerste Verletzung dem nationalen Gefühle des deut­schen Volkes in Böhmen zugesügt. Damit gehe Hand in Hand eine Verletzung der innersten Ueberzeugungen des deutschen Volkes. Von dem in Oesterreich geltenden öffent­lichen Rechte ist es doch nichts Anderes als das sogenannte böhmische Staatsrecht", welches aus dem jüngsten Sprachen­erlaß hervortritt und auf dem die Erwägungen beruhen, welche den Uebergang zur Tagesordnung über unsere auf den Schutz des deutschen Volkes in Böhmen abzielenden Anträge rechtfertigen sollen. Nach Form und Inhalt hat jener Landtagsbeschluß den abermaligen Versuch von uns Vertretern, dem deutschen Volke zu seinem Rechte und Interessen zu verhelfen und dadurch unserer schönen Heimat den ersehnten Frieden wiederzugeben, zu Nichte gemacht und uns dazu gedrängt, die Stätte des böhmischen Land­tages zu verlassen, welcher sich der Beratung unserer wich­tigsten Anliegen verschlossen hat. Voll ermessen haben wir die ernste Tragweite dieses Schrittes und haben ihn gethan, frei von Leidenschaft nach reiflicher gewiffenhafter Prüfung und in der dabei gewonnenen festen Ueberzeugung, daß

1 wir dem Verhalten der Landtagsmehrheit gegenüber nicht

Versöhnt.

Weihnachts-Skizze von Meta Heyden.

(Schluß.)

Dina, ich denke, es wäre nun Zeit, daß Du Vernunft annimmst", sagte er halblaut, daß cs die Kinder nicht hören brauchten,komm, laß den dummen Stolz beiseite und sei wieder lieb, Du hast ja sonst immer gut bürgeilich gedacht und diese alberne Gräfin Speldorf wird es doch nicht fertig gebracht haben"

Er endete nicht, weniger weil sie sich ihm entzogen hatte und ihn mit kalten Augen maß, als weil ein Schrei, ein Fall ihn aufgeschreckt hatte.

Am Boden lag Eesarine und über ihr der Weihnachts­baum in seiner ganzen Herrlichkeit, ein wüstes Durch­einander. Und jetzt, noch ehe er sich uiederbeugen konnte, da flammte es auf, das Kleidchen der Kleinen, das Kino selbst wie in ein Flammenmeer getaucht. Einen furchtbaren, markerschüllernden Schrei stieß die stolze Frau aus,, einen Augenblick lang schien es ihr, als ob alles um sie her umerginge und sie mit, dann brach sie zusammen. Sie sah es nicht mehr, wie ihr Manu das Kind ergriffen und an sich gepreßt hatte, in weniger als einer halben Minute die noch glimmenden Funken der Kleider ausdrückend. Er hatte dabei schwerere Brandwunden erlitten, als das Kind, aber er achtete ihrer kaum und wie hätte er es auch j tzt gekonnt. Er achtete auch kaum des alten Grafen Eintritt, der trotz seiner Ruhe und Selbstbeherrschung einen verwunderten, erschreckten Blick auf das Bild warf, das sich ihm darbot. Der Bankier winkte nur dem Grafen zu, indem er auf die Ohnmächtige deutete, dann verließ er mit dem Kinde im Arm das Zimmer und begab sich nach drüben.

Während der alte Heir die üblichen Mittel anwendete, um die Ohnmächtige ins Leben zurückzurufen, stand der kleine Hans neben ihm und erzählte in dem gewichtigen

Tone, ttn dieser Herne Mann bei seinen Mitteilungen anzuwendrn pflegte:

Ina hat nicht hören dewollt. Js auf Stuhl stiegen, hat Tistbaum umderissen, is alles unter desallen, Ina auch. Hat Tistbaum ardefangen zu brennen und Ina auch. IS Papa bekommen, har Ina ausgelöscht und.Mama is befallen. Papa hat Ina verboten behabt, 'rumzuklettern, aber Mama hat erlaubt."

Als bie schöne Frau aus ihrer Ohnmacht erwachte, fiel ihr Blick auf ben Grafe», der des Knaben Haupt liebkosend streichelte und sagte: ,S)u bist ein kluger, kleiner Mann."

Mein Kind, Ina!"

Sie fuhr empor und wollte hinaus, er aber drückte sie sanft nieder.

Bleib, Dein Mann ist bei ihr, auch der Arzt ist schon dagewesen, es hat nichts zu bedeuten, das heißt für Cesarine, er hat sich bie Hänbe gehörig verbrannt unb ben Bart auch. Das letztere ist nicht schlimm, baS erstere hätte schlimmer werben können, wenn er seine Geistesgegenwart verloren hätte."

Sie war totmüde, der Schreck war ihr in die Glieder gefahren, aber sie wollte sich aufraffen, hinüber zu ihrem Kinde.

Bleib", sagte der alte Herr wieder,ich weiß nicht, ob Du hinüber darfst."

Ich muß, ich muß zu meinem Kinde."

Wenn sie jetzt in sein Gesicht gesehen hätte, dann hätte sie gewußt, baß ber alte Graf zwar nicht viel sagte, aber jedenfalls scharf beobachtete unb bann hätte sie ihm seine Gebanken von ben M,jenen abgelesen:

Ich weiß nickt, ob Du es noch verdienst!"

Einen Augenblick starrte sie ihn bleich und verstört an, dann kam ihr die Erinnerung zurück an ihren Eigensinn, ihre Thorheit, ihre Ueberspanntheit. O Gottlob, noch war ja alles wieder gutzumachen! In lautes Schluchzen brach

sie aus, baß Der kleine Haus einmal »Der bas anberemal die Mama bat, doch nicht zu weinen, dann stand sie ans und ging hinüber, aber zaghaft, pochenden Herzens. Und dann trat sie ein, geräuschlos, daß er, der ihr den Rücken znwendete, nicht einmal umblickte. In den Kissen lag dar Kind, friedlich, still, schlummernd. Ihr Mann saß davor, bie linke Hand verkünden.

Sprachlos trat sie zu ihm, die Hanb auf bie Lehne beS Stuhles legend.Sie fiebert ein wenig, sie wird aber morgen schon wieder wohlauf sein."' Er sagte es ruhig, vorwurfslos, aber auch, ohne zu ihr aufzublicken. Da war es ihr als schnitt ihr Etwas ins Herz, ein unendliches Weh erfaßte sie, auf die Kniee stürzte sie vor ihm, seine Hänbe mit Küssen bebeckend, schluchzenb aufgelöst in Thränen. Er strich über bas Haar ber Weinenden, er zog sie an sich. Keines von Beiden sprach ein Wort, sie hatten sich ver­standen ohne Worte.

Nun haben wir doch tusammen einen Tistbaum, ich und Ina", sagte bedächtig ber kleine HanS, ber Mama nachgeschlichen war. ,

Der Weih» ichtsengel rauschte durchs Zimmer, wie von Engelschören tönte es: Friede auf Erben._______________

In ber Nacht zum Sonntag ist bas Statlonsgebäube am Arnsdorfer Bahnhof (Kgr. Sachsen), Kreuzungspunkt ber Strecken Dresben Görlitz, Pirna-Arnsdorf, Arnsdorf. Kamenz, ntebergebrannt. Nur ber östliche Flügel ist teil­weise erhalten. , rjtI .

Der Petersburger Senat hat entschieben, baß acht livländische Pastoren, welche der Verführung von Angehörigen ber russischen Kirche zum Lutherthum angeklagt waren, vor ein geistliches Gericht gestellt werben sollen. Die Ange­legenheit wirb dem evangelisch lutherischen Generalkonststerinm überwiesen.