Nr. 301.
Marburg, Freitag, 24. Dezember 1886.
XXI. Jahrgang.
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WchkUchk jfituiig.
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Berlin, Hannover u. Pa» is
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. «och.
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Kreisblatt
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Illustriertes Sonntagsblatt
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Der Erzähler
erhalten, dieselbe wird in Buchform erscheinen und einen größeren Roman, Novelle oder Erzählung zu ihrem Inhalt haben, sodaß sie gesammelt und gebunden ebenso wie das Sonntagsblatt einen Band von bleibendem Werte bildet.
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Kreuz und Kranz.
Vaterländische Erzählung von Georg Horn.
(Schluß)
Dort hatten die sechs Wagen Halt gemacht, ehe sie an ihrem Bestimmungsoite im Jagdschloß Grünewald anlangten. Von den Kisten sah man nichts mehr, nur Kränze und Guirlanden und Inschriften, Gedichte und Sinnsprüche, mit denen jede Stadt vom Rheine an die Wagen mit dem kostbaren Gute geschmückt hatte, so daß sie fahrenden Blumen- hüg-ln glichen. Jmy zeigte seiner Frau auch mit Thränen eine weiße Rose, die eine Dame einst im Garten von Paretz gipflückt und auf den ersten der heimk-hrenden Wagen gelegt hatte, daß man in der Siegesfreudr nicht vergesse Derer, die im Kampf um das Vaterland dahin gegangen war. Auch die Kränze zeigte er ihr, welche die Louisen- Töchter und die beiden jüngeren Prinzen auf die Wagen gelegt hatten. Die Prinzen und Prinzessinnen wollten die heimkehrenden Wagen sehen, darum ward in der Pirschhaide Halt gemacht, da sie in Potsdam im Stadtschlosse wohnten.
Und nun erzählte Meister Jury seiner Mia, wie er und Leutnant Machui mit dem teueren Nationalgute in allen Städten des Vaterlandes voll Jubel empfangen worden seien, unter Glockengeläute von Geistlichen uvd Behörden und weiß gekleiditen Jungfrauen, und wie sie in zwei französische» Städten sogar die Thore hätten abbrechen lassen müssen, weil sie sonst mit den hochaufgetürmten Wagen nicht hätten durchkommeu können. Und nicht verschwieg er, wie an manchen Orten aus lauter Patriotismus die französischen Fuhrleute, denen von Paris bis Berlin der Transport verdungen war, „Keile zu besehen hatten." Aber die 21000 Frauken, meinte er, die sie dafür bekommen, waren auch kein schlechtes Schmerzensgeld.
Und als sich Frau Mia an allem sattgesehen hatte, ging er mit ihr einige Schritte vorwärts und deutete auf
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Dez. Der Kaiser nahm heute die Vorträge des Grafen Perponcher und des Geh. Kabinettsrats von Wilmowski entgegen und empfing nachmittags den Prinzen Heinrich. — In der „Nat. - Ztg." lesen wir: „Die Militärkommission hat beschlossen, während der ganzen Dauer der parlamentarischen Ferien ihre Arbeiten fortzusetzen — nämlich die französische Kommission, nicht etwa die deutsche." — Von dem Empfange der Bulgaren bei dem türkischen Botschafter hört man bestätigen, daß er recht freundlich gewesen sei. Der Botschafter Tewfik Bey habe ihnen Vorsicht und Engegenkommen Rußlands gegen über empfohlen, auch auf die ungünstigen Folgen hingewiesen, welche eine andere Haltung für die bulgarischen Interessen und den Frieden haben könnte. So sollen die Mitglieder der Abordnung die Aeußerungen des Botschafters aufgefaßt haben, und es wird das wohl zutreffen. Nach übereinstimmenden Meldungen, auch den von unterrichteter Seite, wurde ihnen auch von deutscher Seite die Verständigung mit Rußland angeraten, wozu sie sich mit dem bekannten Vorbehalt ihrer vertragsmäßigen Selbständigkeit bereit erklärt hätten. Die Frage bleibt darnach unverändert und mancherlei Wechselfällen ausgesetzt. In einigen Blättern, selbst englischen, taucht die Möglichkeit auf, daß, wenn Rußland auf der Kandidatur des Mingreliers beharre und eine andere Lösung verhindern sollte, die Bulgaren aus freien Stücken die Union verkünden und einen eigenen Fürsten erwählen könnten, ähnlich wie es die Moldau-Walachen Ende der fünfziger Jahre gethan, als sie es mit dem Fürsten Cusa versuchten. Damit war Rußland aber zu jener Zeit einverstanden, und es fragt sich, ob cs wirkliche Freunde der Bulgaren sind, die ein solches Auskunftsmittel anregen, oder nicht vielmehr die Krisis dadurch zu ihrem Schaden verschärft werden soll. Man wird sich in Sofia nicht damit übereilen. Während der noch ausstehenden Zwischenzeit muß man sich jedenfalls auf allerlei krause Erfindungen gefaßt machen. Dahin gehört zweifellos die dem „Journal des Däbats" angeblich aus Berlin telegraphierte ganz neue Quadrupel - Allianz zwischen Deutschland, Frankreich, Rußland und der Türkei im Orient, mit einer bedrohlichen Spitze gegen Oesterreich und England. Das deutsch - österreichische Bündnis wäre also gekündigt und Frankreich hätte seinen trostreichen Ersatz gefunden, daß ihm das H.rüberziehen dieser und jener Macht gegen England wegen Egyplenö nicht gelungen ist. So lange aber seine Vereinzelung leider nur durch derartige durchsichtige Preßmanöver gemildert wird, steht es nicht sonderlich gut damit. Die französischen Blätter leiden ohnehin seit Jahren an einer Bündniskrankheit, die sie jeden Morgen neue „Allianzen" und Gruppierungen der Mächte ersinnen läßt. Bei den deutscherseits gepflegten möglichst guten Beziehungen zu Rußland wird oft über-
bie Wildm-.tstcrwotnung, ihr Vater haus, und jagte davet: „Mißt Du noch, Mia, damals wie Du mich heimgc- holt hast? Wer hätte gedacht, daß wir noch solches Glück erleben würden?" — Da ul inte Frau Mia still vor sich hin.
Am 23. August des vorhergkgangencn Jahres hatte Berlin zum letzten Mal den Donner französischer Kanonen gehört. Damals klangen sie herüber von Großbeeren, wo die Krieger vom Kolberger Regiment die Hauptstadt schirmten, wo Bülow, Borstest und Taucntzien den Marschall Oudinot schlugen, seitdem war eine Sicgeskunde nach der andern in die Heimat gelangt, über den Rhein war der schwarze Adler g»flogen bis nach Paris. — Im Augustmovd des Jahres 1814 traf König Friedrich Wilhelm HI. in Berlin ein, still und unerwartet, um dem großen Siegesfeste zu entgehen, das man ihm bereiten wollte. Nur der Armee und ihren Feldherrn wollte er den Triumph bereitet wissen. .Er hatte sich ein Recht erworben, bescheiden zu sein", hat sein edler Sohn, König Friedrich Wilhelm IV. von ihm gesagt.
An dem Tage, da der König in Berlin eintraf, hielt auch Frau Mia Mann und Sohn wieder umschlungen, aber nur für kurze Stunden, dann kehrten sie nach Berlin zurück, wohin ihnen M a folgte, uw am 7. August den feierlichen Einzug der Trupp, n mitanzusehen.
Heiter und wolkenlos brach er an, jener unvergleichliche, einzige 7. August, an dem ganz Berlin sich zum Brandenburger Thor drängte. Zwischen Fahnen und Laubgewinden waren zehn Vikiorieu im Halbkreise errichtet, jede trug einen Schild mit dem Namen einer Siegesschlacht. Droben auf dem Thore aber, da stand etwas Riesiges, Verhülltes, das am Tage und in der Ndcht vorher dort aufgest llt worden war. Ein Schauer — ein wonniger Schauer zuckte durch alle Herzen, manche Hand wies nach oben und leise ging es von Mund zu Mund: „Sie ist wieder da!"
Da donnern die Kanonen, läuten die Glocke», Preußens König führt Preußens siegreiche Truppen durch das Sieges
sehen, daß Deutschland sich damit auch den Einfluß in Petersburg im Interesse des Friedens sichern will. Unverkennbar sind dort noch immer verschiedene Strömungen vorhanden. Privatnachrichten zufolge sollen sich höhere russische Offiziere gegen ein Vorgehen in Bulgarien deswegen ausgesprochen haben, weil dasselbe zu Lande nur durch das von Oesterreich geschützte Rumänien möglich wäre und zur See ein Zusammenstoß mit England zu besorgen stche. Das fällt für den Frieden ins Gewicht. Aber eine gewisse Unsicherheit der Lage wird doch dadurch bezeichnet, daß solche Beweismittel zur Bekämpfung der russischen Kricgspartei notwendig sind.
— Der Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr mit Kunstbutter, lautet: § 1. Die Geschäftsräume und sonstigen Verkaufsstellen einschließlich der Marktstände, in welchen Kunstbutter gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten wird, muffen an in die Augen fallender Stelle die deutliche, nicht verwischbare Inschrift: „Verkauf von Kunstbutter" tragen. § 2. Die Gefäße und äußeren Umhüllungen, in welchen Kunstbutter gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten wird, müssen an in die Augen fallender Stelle eine deutliche, nicht verwischbare Inschrift tragen, welche die Bezeichnung „Kunstbutter" enthält. Wird Kunstbutter in ganzen Gebinden over Kisten gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten, so hat die Inschrift außerdem den Namen ober die Firma des Fabrikanten zu enthalten. Wird Kunstbutter in einzelnen Stücken gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten, so müssen die letzteren von rechteckiger Form fein; auch muß denselben eine die Bezeichnung „Kunstbutter" und den Namen oder die Firma des Verkäufers enthaltende Inschrift eingedrückt sein, sofern sie nicht mit einer diese Angaben tragenden Umhüllung versehen sind. § 3. Kunstbutter im Sinne dieses Gesetzes sind diejenigen der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden auf solche Erzeugnisse der im Absatz 1 bezeichneten Art, welche zum Genuß für Menschen nicht bestimmt sind, keine Anwendung. § 4. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der §§ 1 und 2 werden mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Haft bestraft. Neben der Strafe kann auf Einziehung der diesen Vorschriften zuwider verkauften oder feilgehaltenen Gegenstände erkannt.werden, ohne Unterschied, ob sie dem Verurteilten gehören oder nicht. Ist die Verfolgung oder Verurteilung einer bestimmten Person nicht ausführbar, so kann auf die Einziehung selbständig erkannt werden. — §5. Die Vorschriften des Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 14 Mai 1879 Reichs- gesetzblatt, Seite 145) bleiben unberührt. Die Vorschriften in den §§ 16 und 17 desselben finden auch bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften des gegenwärtigen Ge-
thor m die Staot, seine Prinzen und G.nerale umgeütn ihn, da — eben erhebt der alte Blücher das Haupt — da zieht diobeu ein Mann in preußischer Offiziers- Uniform mit dem eisernen Kieuze auf der Brust — von unten ist er kaum zu erkennen, — die Hülle ab von der riesigen Gruppe — der brausende Jubelruf verschlingt Kanonendonner und Glrckengeläute — Vittoria erhob ihren Siegeskranz mit dem Hohenzollernaar über Berlin, im Kranz aber zeigte sie das heilige Zeichen, in dem Preußen g-siegt hat — das eiserne Kreuz. Noch vor dem Ausmarsch hatte es Jury bzrfertigt und in der eisernen Klste virwahrt. Kranz und Kreuz streckt Viktoria über die geliebte Stadt hin, der sie jetzt das Antlitz znwendet. — Friedrich Wilhelms Augen schauten hinauf, er hat das schwerste Kreuz getragen uud sein Kranz ist nicht ohne Dom — „Louise" flüstert es ringsum, Viktoria ist zurückgekehrt, Louise nicht, aber segnend schwebt ihr Geist über dem Preußenlaude. Droben auf den Stufen aber kniete Leutnant Joel Jury — das war seines Lebens stolzester Tag!
Es war vorher eine große Frage gewesen, ob man den Siegeswagen wieder so aufstellen sollte, wie er zuvor gestanden, mit den Pferden nach der Stadt, oder ob man nicht lieber die Gruppe nmkehren sollte, mit der Front nach dem Tiergarten und nach Charlottenbmg hin. Und da war cS Lude, der bet Jury und dem Direktor Schadow den Ausschlag gab, indem er sagte: „Nee, Herr £tret:or, man »ich, denn sonst loofen uns die Pferde mit dem Wagen nochmal weg. Wir sind froh, bet wir ihr wieder rin habe», aber wieder raus? — Nee, nu halte» wir ihr fest!"
— In Wien hat am Montag das Leichenbegängnis des Generaladjutanten des Kaisers, FZ Baron Monde!, in Gegenwart des Kaisers Franz Joseph, deS Kronprinzen Rudolph und aller E-zherzöge, sowie der Minister, der Generalität rc. stattgefunden.