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Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile lu Vfq, Aerlamen für die Zeile 25 Pfg. A.
Ausland.
Bern, 11. Dez. Der Nationalrat beschloßt über die Vorschläge des Bundesrats über die Zollerhöhungen erst in nächster Session zu verhandel«. — Die Uebereinkunft mit Frankreich betreff- der Erhöhung des ÄlkoholzolleS wurde genehmigt.
Rom, 11. Dez. Die Quarantäne für die Provenienzen aus dem gesamten österreichisch-ungarischen Küstengebiet, wurde aufgehoben. (Teputiertenkainmer.) Der Ministerpräsident und der Präsident der Kammer widmeten dem verstorbenen Minghetti Nachrufe. Die Kammer beschloß, zum Zeichen der Trauer die Sitzungen auf 3 Tage auszusetzen, vierzehr Tage hindurch auf dem Parlamentsge- büude die Trauerfahne zu hissen, die Präfidententribüne mit Trauerflor zu umhüllen, die Marmorbüste Minghettis in den Sälen der Präsidentschaft aufzustellen und seine
Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d Blatt«-, sowie d.Annonccn-Bureaux von Haasensteiu undVoaler in Franlfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in granf frort a. Sfr., Berlin,München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris.
reich die Marseillaise populär wurde, drang in Preußen „der Berliner Volksgesang",. unter welcher lieberschrist dos Gedicht zurrst in der Spener'schen Zeitung erschien, in alle Häuser und Herzen.
Meister Schadow hatte es fich nicht nehmen lasse», und dem jungen Paare die Hochzeit selbst in Berlin ausgerichtet. Mutter Regina mußte Hausfrau und Brautmutter spielen, was ste denn auch mit aller für eine solche Rolle nötigen Würde that. Was Jury hieß oder zu ihnen gehörte, war eingeladen, auch Rosette; die beiden Wohlers fehlten nicht und nicht der wackere Eyodowiecki, der namentlich von Frau Regina so entzückt war, daß er ihren Kopf ganz eilig in sein Notizbuch zeichnete. Ju der kleinen französischen Kirche in der Klosterstraße, die der Berliner die Melonenkirche nennt, statt Wallonenkirche, wie fie ursprünglich hieß, ward der Franzosenkopp mit seiner Mia getraut. <
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal» Abonnements-Preis bei der i Expedition 2*/4 Mk., bei den Postämter 2 Mk. bO s
Lkrauz unv Kreuz.
Vaterländische Erzählung von Georg Horn.
tFirtsetzung.)
Endlich, endlich stand das ganze Kunstwerk vollendet da, ein donnerndes Hoch erscholl von unten, der lange Ede stieß einen lauten Schrei aus und wand sich in so furchtbaren Zuckungen, daß man Mühe hatte, ihn fest zu halten. Langsam trugen ihn zwei Gefährten hinab und brachten ihn in die Charire, wo er schon nach wenige« Tagen, ohne das Be- wußtsern wieder erlangt zu haben, den Geist aufgab. Nach alter Sage fordert jedes Kunstwerk ein Ntenichenlebeu, auch die Viktoria Halle das ihrige bekommen. Man munkelte stark, die Gegner der Jurys hätten den Unseligen zu einem Teuselswerk angestiftet, die obersten Sprossen der Leiter seien durchsägt, das Kupferband im Innern der Figur sei durchfeilt gewesen, um die Katastrophe herbeizuführen. Im Augenblick der Ausführung des Verbrechens aber habe den in solchen Freveln noch Ungeübten das Gewissen gepackt, sein Berilaud habe sich umdüstert und Augst und Reue seinen Tod herbeigeführt. Andere meinten, er sei ein Säufer gewesen und einfach am Delirium gestorben. Klarheit kam nie in die Geschichte, nur soviel ist gewiß, daß am Tage vorher der Goldschmied Marlens aus Potsdam abgereist war, angeblich nach Halle; dort traf er aber nie ein und kehrre auch nicht nach Potsdam zurück. Seine Gläubiger harten das Nachsehen, denn e. ^ae nichts zurück gelassen, als wertlosen Plündert
Als die Jurys in Begleituug von Meister Schadow auf die Tribüne kamen, brauste ihnen abermals ei» freudiges „Hoch!" entgegen, man drängle sich um sie und schüttelte ihnen glückwünschend die Hände, Mia aber war aus ihrer Ohnmacht erwacht und hing, unbekümmert um die vielen Zeuge», am Halse des Verlobte». Die Hochrufe nahmen kein Ende, Niemand verwandte ein Auge von der Götti», die auf ihrem Stegeswagen mit ihre» mächtigen Rossen hinauszuwolleu schien in Krieg und Steg, todesmutig und kawpfessreudig, aber sie sah auch darein, als wollte sie die feindliche» G«ralte» des Umsturzes, die fich überall regten, zurück-alt. n vom Eindringen in die Königsstadt der Hoheu-
die geforderten 12000 Mk. zur Ausführung außerordentlicher Bauarbeiten aus dem Dienstgrundstücke des Reichs« amts des Innern und die Kosten für die mit der Volkszählung zusammenhängenden Arbeiten des statistischen Amtes mit 8923 Mk. (6593 Mk. mehr) bewilligt. — Die heutige Sitzung der Militärkommisston des Reichstags wurde um 11 */. Uhr eröffnet. Das Wort nahm zunächst der Buudeskommissar Major v. Haberling Derselbe gab eine nähere Uebersicht über die Kriegsstärke der deutschen, französischen und russischen Armee. Die einzelnen Zahlen müssen als „vertraulich" betrachtet werden. Doch sei mitgeteilt, daß danach die Kriegsstärke von Deutschland und Frankreich fast gleich, die Rußlands sich etwas höher stellt. Zu Ungunsten Deutschlands aber spreche ganz erheblich, daß in Frankreich nur 6000 Wehrpflichtige sich im durchschnitt der Kontrolle entziehen, in Deutschland aber 40000. In Rußland werde auch die vorher festgestcllte Ziffer der Aushebung vielfach überschritten. Zu Ungunsten der Heeres- stärke Frankreichs teilte Redner mit daß die im Etat ver» anschlagten Rekruten immer erst das folgende Jahr eingestellt würden, während dieEinstellung der Rekruten inDeutschland in demselben Jahre geschehe. In Rußland falle ins Gewicht, daß die weibliche Bevölkerung die männliche um 1200000 Köpfe übersteige, so daß dort bei der Aushebung die männliche Bevölkerung bei 0,92 pCt. ebenso angespannt werde, wie in Deutschland die Bevölkerung bei einer Aushebung von 1 pCk. Ferner falle ins Gewicht, daß bei der dürmgcsätm 'Bevölkerung in Rußland die Aushebung eines arbeitstüchtigen Mannes in wirtschaftlicher Beziehung viel uü- günstiger sei, alö in Deutschland und Frankreich bei größerer Bevölkerungsdichtigkeit. Der Herr Regierungskommissar wies ferner darauf hin, daß bei den vergleichenden Zahlen zwischen Deutschland und Frankreich meist außer Acht gelassen werden die »mnnigfachen Institute, die unter anderem Namen eigentlich doch dem Armeeverbande angehörten, wie die Gendarmerie und die Marinetruppen, welche im Kriegsfälle direkte Militärdienste auch zu Lande leisteten. Im Weiteren stellte der Regierungskommissar die russischen Heeresverhältnifle, unter Heranziehung umfassenden statistischen Materials, in sehr günstiges Licht. Die österreichische Heeresftärke stellte der Redner ganz im Sinne des Kriegsministers dar. — Der Kriegsminister nahm darauf das Wort, um noch einige Angaben des Kommissars von Haberling als besonders vertrauliche zu Zeichnen, namentlich soweit dieselben die Kriegsstärke der russischen Armee betreffen. Hierauf trat eine Pause ein. — Die ’ heutige Delegirtenversammlung sämtlicher deutschen Anwaltskammern erklärte, daß der Gesetzentwurf über die
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. 6. Kreise Marburg u. Kirchhain.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Sug. Loch.
zolle: n. Dunkel fühlten Alle, was die Viktoria da oben bedeutete und ein alter Mann stieß fiine Flau an, während er ihr zmief: „Siehst Du ihr, bet is dem a'ten Fritzen seine Frau!"
Die Gefährtin der preußischen Könige ist die Viktoria gewesen in alle Wege, aber die rechte Viktoria ist doch die Liebe, das dachte Joel Jmy, als er mit seiner Mia am Arm dem bescheidenen Gasthofe zuwanderte, in dem sie alle Quartiere genommen hatten.
Uebrigeus emschied sich der akademische Senat gegen die Vergoldung, zur Freude Schadows, dem auch mehr daran lag, daß die natürliche Farbe erhalten blieb.
„Und nun führe ich Dich heim, meine Mia", flüsterte Joel der Hocheriötenven ins Ohr, „die Prüfungszeit ist um. Die Viktoria ist fertig, aber noch nicht ganz, noch fehlt ihr der Kranz, und den soll sie au unserem Hochzeitstage erhalten." —
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Fühl' in des Thrones Glanz Die hohe Wonne ganz Liebling des Volks g» fetal Heil, Herrscher, Dir!
Wie Joel es gesagt hatte, so geschah es; rüstig arbeitete er am Mantel und an der Trophäe, aber noch ehe er fertig war, wurden die Pforten des Brandenburger Thors zum ersten Mal geöffnet; siegreich zog Friedrich Wilhelm II. durch dasselbe ein, seine Feldherren hatten bei Pirmasens und Kaiserslautern den Feind geschlagen; ihm selbst hatte sich das stolze Mainz ergeben und die Welt hatte erkannt, daß der König von Preuße» »och derselbe war, dessen glänzende Bravour im Felde einst den große» Friedrich z» de» Worte» begeistert hatte: „Umarmen Sie mich, mein Prinz, Sie sind nicht mehr mein Neffe, Sie find mein Sohn!" Als aber der König ein zog durch das Brandenburger Thor und seinen Blick hinauf wandte zu Schadows Meisterwerk, da klang es ihm entgegen in feierlichen Tönen:
Heil Dir im Siegeikranz Herrscher des Vaterlands! Heil, König, Dir!
/ /k Deutsches Reich. X.
Berlin, 11. Dez. Der Kaiser nahm heute vormittags zahlreiche militärische Meldungen sind hierauf den Vortrag des Generals von Albedyll entgegen und machte . nachmittags eine Spazierfahrt. Um 5 Uhr findet zu Ehren des Fürstbischofs von Prag ein größeres Diner statt, wozu gegen 30 Personen geladen sind. — Zur Neubildung des französischen Kabinetts und der Schwierigkeit, das Portefeuille des Aeußern unterzubringen, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg ": Diese Verlegenheit in Ansehung eines so bedeutungsvollen Ressorts ist eigentlich kaum darnach angethan, dem moralischen Kredit des neuen Kabinetts Vorschub zu leisten, trotzdem Herr Gvblet desselben um so bedürftiger erscheint, je feindseliger mächtige parlamentarische Parteien sich zu seinen staatöleitenden Bestrebungen zu stellen Miene machen. Zu derselben Frage äußert die „Kreuz-Ztg": Die ablehnende Antwort, welche Herr von Courcel auf das Anerbieten, die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in. dem neuen französischen Ministerium zu Übernehmen, erteilt hat, kann nur dazu beitragen, das geringe Verttanen, welches man dem Kabinett Goblet von vvrnhercm entgegenbringen mußte, noch mehr zu erschüttern. Mit der Weigerung Conrcels erleiden die D Aussichten auf eine gemäßigte Politik Frankreichs einen schweren Stoß, da wohl kein Diplomat wie Baron Courcel, besonders Deutschlanv gegenüber, wo er während seines Berliner Aufenthaltes bekanntlich persona grata geworden war, im Stande sein dürfte, die- zwischen beiden Ländern immer schärfer zutage lretende Spannung in ein friedliches Verhältnis umzugestalten. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht die ihrem Inhalt nach bereits bekannten Beschlüsse des Bundesrats hinsichtlich der Behandlung der Zollerlasse aus Billigkeitsrücksichten. — Die Budgelkom- mission des Reichstags beriet gestern die für die Errichtung einer physikalisch - technischen Reichsanstalt bestimmte Position im Etat des Reichsamts des Innern. Die Refe- renten Kalle und Dr. Witte befürworteten dieselbe lebhaft, ebenso Staatssekretär von Bötticher und Dr. Baumbach. Die Abgeordneten v. Huene und Dr. v. Frege bekämpften die Forderung, da die Errichtung einer solchen Anstalt nicht Reichssache sei. Die Beratung dieses Gegenstandes wurde vertagt, und wurden im Extraordinarium des Reichs- amts des Innern die Erhöhung des Beitrags zu den Kosten der Fischzuchtanstalt zu Huiüngen um 500 Mk. | (also auf 25 350), die letzte Rate zur Wiederherstellung ■ der Katharinenkirche zu Oppenheim a.Rh. mit 34 000 M., ; die Kosten für die Reichskommission mit 8000 Mk., die i sechste Rate für den Reichslagsbau mit 500000 Mark, ‘
Es hatte das mancherlei Schwierigkeiten verursacht, weil ->J5y Braut und Bräutigam ja eigentlich gar nichts mit Berlin zu thnu hatte», aber schließlich wars loch gegangen. Das tzochzeitsmahl gab Schadow in dem Saale des Hotels zur Stadt Rom unter den Linden, einem der vornehmsten z» Berlin. a)er wackere Meister brachte die Gesundheit des Brautpaares ans und zwar in ordentlichem, feierlichem Hockdeutsch; seine Worte rührten die anwesenden Flauen zu Thronen und auch ttr manchem Männerauge sah manS verräterisch blinke». Vater Jury und Vater Henning warm erst sehr gegen diese Hochzeit außerhalb Potsdams gewesen. Man hatte am Tage vorher sehr früh mtt der Jonrnalitzre aus Potsdam wegfahren »nd sogar »och eine Extra-Post nehme» müssen, und war bann im blauen Stern in der
Klosterstraße abgestiegen. Mia war das Ankleiden im Gasthauszimmer auch nicht recht gewesen, aber jetzt war baS Alles vergessen und eine große Ehre wars doch, hier in der | Stadt Rom zu fitze». Die Veruandtscha't wollte noch eine Nacht im blauen Stern zubringen und bann am anderen Morgen früh 7 Uhr heim nach Potsdam fahre». Das Brautpaar aber hatte sich eine Extrapost bestellt, die fie durch die laue Mondnacht in ihr Heim führe» sollte. Als fie em» stiegen, gab Schadow dem Postillon einen Wink »nd setzte
Gebührenordnung in der. vorgelegten Form unannehmbar fei, und beschloß eine Petition an den Bundesrat um Ablehnung des Gesetzes. Im Wesmtlichen behielt die Ansicht die Oberhand, welche bereits der Vorstand der Berliner Anwaltskammer vertreten hat, jedoch mit dem Unterschied, daß die projekrirte Ermäßigung der Schreibgebührm jeden- falls in Fortfall zu bringen fei. Rechtsanwalt Hänle ist beauftragt, eine ausführliche Begründung für die ablehnende Haltung des Delegirtcntages auszuarbeiten.
Dresden, 11. Dez. Der Prinzregent von Bayern besuchte Vormittags die Ateliers der Bildhauer Schilling und Hänel und begab sich sodann zum Dejeuner nach der königlichen Villa in Strehlen. Rachmittags 5 Uhr findet in den Paradesälen des Residenzschloffeö eine Hoftasel statt, woran außer den Mitgliedern der königlichen Familie und dem Prinzregenten die Minister und Hofstaate», der bayerische Gesandte und das Gefolge des Prinzregenten Teil nehmen. Der König verlieh dem Prinzregenten Luitpold das dritte sächsische Infanterieregiment Nr 102 (Zittau). Der Oberst desselben, 2 Hauptleute und ein Premierleutnant überbrachte» bereits heute dem Prinz- Negentew . die Huldigung des Regiments. Nachmittags stattete der Regent dem bayerischen Gesandten einen Besuch ab und besichtigte , das Panorama. Die Abreise erfolgte Abends 8 Uhr mit .einem Extrazug über Regensburgs, Von der Königin und der Prinzessin Mathilde verabschiedete sich der Regent im Schloß. Der König, die Prinzen Georg, Friedrich und August begleiteten den Re- 'S grnten auf den Bahnhof, wo ste sich sehr herzlich verab- S schiedeten. Eine Deputation des Zittauer Regiments war am Bahnhofe anwesend.
Mavburg, Dienstag, 14. Dezember 1886.
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