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Marburg, Donnerstag, 9. Dezember 1886. -1 t r
XXI. Jahrggiig.
GklMchk Jcitiino
Berlin, 7. Dez. Der Prinzregent von Bayern, welchem der bayerische Gesandte bis Leipzig entgegenge- fahren war, ist heute vormittags um 10 Uhr am Anhalter Bahnhofe eingetroffen, wo ihn der Kaiser, der Kronprinz, die Prinzen Wilhelm und Alexander, der Erbprinz von Meiningen und andere Fürstlichkeiten, die ganze Generalität, der Gouverneur, der Polizei-Präsident, die Mitglieder der bayerischen Gesandtschaft und der Hofstaaten, sowie alle hiesigen bayerischen Offiziere empfingen. Eine Ehrenkompanie des zweiten Garderegiments zu Fuß mit der Musik und der Fahne war am Lahnhofe aufgestellt. Die Musik intonierte die Nationalhymne. Die Begrüßung des Prinzregenten durch den Kaiser, den Kronprinzen und den Prinzen Wilhelm war eine äußerst herzliche durch wiederholte Umarmung und Kuß. Nach Abschreitung der Front der Ehrenkompanie uud Begrüßung der bayerischen Offiziere erfolgte die Vorstellung des Gefolges nnd der anwesenden Generalität. Hierauf fuhren der Kaiser und der Prinzregent in einem Wagen, von dem Kronprinzen und den übrigen Prinzen gefolgt, nach dem königlichen Schloß. Auf dem ganzen Wege dorthin standen dichtgedrängte Menschen- maffen, welche unter Tücher- und Hüleschwenken den Kaiser und seinen hohen Gast mit stürmischen Hochrufen begrüßten. — Der Prinzregent von Bayern wurde bei seiner Ankunft im Schlosse von der Kaiserin begrüßt, die sich vorher dahin begeben hatte. Der Kaiser verweilte etwa dreiviertel Stunden bei dem Prinzregenten und kehrte dann ins Palais zurück. Um 12 Uhr stattete der Prinzregent dem kaiserlichen Paare, hierauf dem kronprinzlichen Paare uud den übrigen Fürstlichkeiten seinen Besuch ab und empfing deren Gegenbesuche. Um 5 Uhr fanv Familiendiner bei dem Kaiser und Marschalltafel im Schlöffe statt. Nach dem Besuche des Prinzregenten nahm der Kaiser den Vorttag des Generals von Albedyll entgegen. — Auf dem für die Anwesenheit des Prinzen Luitpold aufgestellten Festprogramm steht dann noch: Am Mittwoch, am Festtage Mariä Empfängnis, wird der Prinzregent dem Gottesdienst in der St. Hedwigskirche beiwohnen, welchen der Münchener Ehrenkanonikus i r. Trost abhalten wird, nachmittags ist große Tafel im königlichen Palais, darauf Besuch der Oper, wo das Ballet Sardanapal gegeben wird, und alsdann Abendgesellschaft beim Kronprinzen. Für Donnerstag hat Prinz Luitpold eine Einladung des bayerischen Ge. sandten, Grafen v. Lerchenfeld-Köfering angenommen.
Kranz und Kreuz.
Vaterländische Erzählung von Georg Horn. (Fortsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Dez, Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt folgenden Begrüßungsartikel, worin sie den Prinzregenten von Bayern, Luitpold, in der Reichshauptstadt willommen heißt: Seit sich das deutsche Volk des neuen Deutschen Reiches erfreut, ist der preußische Königshof vielfach von Fürstenbefuchen geehrt worden. Die zivilisierten Staaten der Welt suchten und fanden, nachdem Deutschland die ihm zukvmmende Stellung in der Reihe der Völker eingenommen hatte, Anknüpfungen mit diesem, welche dann naturgemäß auch den Wunsch persönlicher Berührung zwischen den fürstlichen Lenkern der befreundeten Staaten nahe legten. An allen diesen Fürstenbesuchen hat das deutsche Bolk und besonders die Bewohnerschaft der Reichshauptstadt lebhaften Anteil genommen; aber keiner der Fürsten, welche als Besucher unseres Kaiserhofes erscheinen, dürfte sich eine« wärmeren Willkommens, auch aus dem Volke heraus, zu erfreuen haben, als Se. Königl Hoheit der Prinz-Regent Luitpold von Bayern, welcher heute in Berlin eintrffft, um in Person die Begrüßungen zu erwidern, welche wiederholt und namenlich im Laufe des letzten Jahres ihm und der bayerischen Königsfamilie von Sr. Majestät unserem Kaiser und König, Sr. Kaiser!, und Königl. Hoheit dem Kronprinzen und anderen Mitgliedern unseres kaiserlichen Hauses in München gewidmet worden sind. Das ganze deutsche Bolk hat mit inniger, aufrichtiger Teilnahme die Heimsuchungen mitempfunden, von denen Bayern im Frühling dieses JahreS sich schmerzgetroffen fühlte, und nicht minder freudig und dankbar als in Bayern selbst wurde aller Orten im Reiche die hohe Weisheit empfunden, mit welcher die besonnene und feste Hand des Prinz-Regenten sein Land und sein Volk durch eine Episode schwerer Trübsal und Verwirrung hindurch zu geleiten verstanden hatte. Ist ja doch Bayern als lebendiges Glied des Deutschen Reiches in Leid und Freud mit diesem ewig verbunden und besitzt in den unvergänglichen Verdiensten, welche Bayerns Herrscherhaus ebenso, wie die tapferen Söhne dieses Landes sich um die Schöpfung dieses Reiches erworben haben, ein verdoppeltes Anrecht auf Liebe und Treue vom Reiche. Und Liebe und Treue, sie quellen den Brüdern im Düden heute aus der nordischen Hauptstadt des Reiches um so reicher entgegen, je freudiger man hier in dem Besuche des erlauchten Regenten ein neues Unterpfand der Einigkeit begrüßt, in welcher die deutschen Stämme, einigen Sinnes mit ihren Fürsten und Führern, allein den Mut und die Kraft zur Erfüllung der.hohen Aufgaben unserer Nation zu finden im Stande sind.
De» Königs Züge wurden strenger, er ließ sich in einen Sessel nieder, Mia stand in respektvoller Entfernung vor ihm, aber ihre Augen ruhte» unverwaudt auf dem Monarchen. Sie wagte dieselben nicht wegzuwenden, weil sie sonst auf die Spiegel trafen und die aus denselben ihr entgegen» blickenden Zerrbilder sie ei schreckten.
„Gerechtigkeit, mein Kind", entgegnete der König mit jener Würde, die ihm stets da eigen war, wo er sich als Herrscher fühlte, „erbittet man nicht, die kann jeder meiner Untergebenen von mir fordern, bitten kann man nur um Gnade. Ich zweifele aber daran, daß in meinem Lande Leute ungerecht verurteilt werden. Spreche Sie jetzt!"
Und Mia sprach, anfänglich noch befangen, daun ruhiger, sicherer; der König war zuerst bet dem Nameu Jury unwillig aufgefahren, aber die schönen Augen des Mädchens hatten ihn so flehentlich angeschaut, daß er Mia weiterreden ließ. Nun enthüllte sie ihm offen das ganze Gewebe von Jntriguen, mit denen man die Jurys umsponnen hatte, berichtete ihm den Tod Schlethahns und wiederhoste ihm die Worte, die Joel wirklich gesprochen hatte. Sie berief sich für das erstere auf Schadows Zeugnis, für die letzteren auf das des Auditeurs. Alles aber trug so sehr das Gepräge der Wahrheit, daß der König nicht daran zweifeln könnt. Nur eins war ihm noch unklar, und er fragte deshalb: „Weshalb aber wollte Schleihahn den General ermordens"
Ma strich sich mit der Hand durch die Stirn, »m die aufsteigende Röte zu verbergen.
„Er wähnte, der General stelle mir nach", flüsterte sie. Der König preßte die Lippen zusammen, dann sagte er rasch: „Auch das soll untersucht werden. Aber nun sage Sie mir, wie kam sie dazu, sich an mich zn wenden, wer sagte Ihr das?"
Hochans richtete sich das Mädchen. „Majestät", sagte sie unerschrocken, „ich bin eine Preußin uud daher weiß ich, daß ich meinem geliebten Könige vertrauen darf!"
„Liebe, Vertrauen l" rief Friedrich Wilhelm und seine
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Atzung des Battenbergers zurück. Nur die internationale Klarstellung der bulgarisch - rumelischen Verhältnisse könne eine stabile Ordnung begründen, die Zerreißung der faktischen Union zwischen Bulgarien und Ostrumelien sei undenkbar. — Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: Dre bulgarische Deputation drückte dem Könige Milan de» Dank der Regierung und des Volkes von Bulgarien |“r Entgegenkommen bei der Erneuerung der freundschaftlichen Beziehungen aus, welche mit der ernsten Situation des Landes zusammenfiel, wo es sich um die Verteidigung der Unabhängigkeit handelte. 8
®ie bulgarische Deputation, bestehend aus Grekoff etoiloff und Kaltscheff, traf hier heute nach- m'tta3 um 1 Uhr 40 M. ein, am Bahnhofe von einem zahlreichen Publikum, darunter die Univcrsitäts - Jugend begrüßt. Nachdem namens der letzteren ein Student eine Ansprache an die Deputation gerichtet hatte, dankte Grekoff für die Kundgebung, welche, wie er wifle, nicht ihm und den andern Mitgliedern der Deputation, sondern dem bulgarischen Volke und der bulgarischen Sache gelte. Bulgarien habe den Kampf um seine Rechte und seine Unabhängigkeit ausgenommen. Die gegenwärtige Lage hätten die Bulgaren nicht verschuldet; ihnen falle die Verantwortung für dieselbe nicht zu. Das bulgarische Volk acceptiere jede Garantie, welche die konstitutionelle Unabhängigkeit Bulgariens verbürge und fühle sich glücklich, daß die Sympathieen der edlen ungarischen Nation es inmitten seiner schweren Kämpfe begleiteten. Dies werde das bulgarische Volk nie vergessen. Grekoff schloß mit einem Hoch auf die ungarische Nation und Ungarn. Die Deputation reiste um 2 Uhr 40 Minuten nach Wien ab.
Bern, 7. Dez. Der Nationalrat erklärte mit 88 gegen 43 Stimmen das kirchliche Verbot, betreffend die Benutzung der Simultankirchen durch Katholiken und Altkatholiken, als für die Staatsbehörden nicht maßgebend und wies den Rekurs der Regierung von Luzern gegen die bezügliche Entscheidung des Bundesrats zurück.
Paris, 7. Dez. Präsident Grevy empfing heute vormittag den Präsiocnten des Senats Le Royer. Man spricht noch immer von der Bildung eines neuen Kabinett« durch den Präsidenten der Deputiertenkammer Floquet.
Washington, 7. Dez. Der dem Kongreß von Manning vorgelegte Bericht empfiehlt die Abschaffung be8 Gesetzes betreffs der Zwangskäufe von Silber; seitens de« Kongreffes soll erklärt werden, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, mit Deutschland, Frankreich und England sich zu verbinden, um die Vorräte zur freien Ausprägung des Silbers und Goldes nach einem durch internationales Ein - See war Friedrich Wilhelm einst ins Wasser gestürzt und durch den treuen Ajax gerettet worden; zum Andenken daran hatte er die Sandsteinfigur errichten lassen. Jetzt stand der König am Wasser und wirklich saß dort auf der Bank unter der Weide der General. Er zeichnete Figuren in den Sand und fuhr auf, als er den Schritt des Königs vernahm.
„Bleiben Sie sitze», General," rief ihm Friedrich Wilhelm zu und lehnte sich an einen Baumstamm, „ich will t8." Offenbar that er es, um auf de» Gcu.ral herunterzublickeu; dann sagte er in etwas scharfem Ton, wie ihn der all. mächtige Günstling selten hörte: „Würden Sie mir ein paar Fragen beantworten, General, und der Wahrheit gemäß beantworten?"
„Ich glaube, Euer Majestät stets nach meinem beste» Wissen und Gewissen geantwortet zu Haden, erwiderte der General erstaunt und gekränkt.
Der König sah ihn mit fast durchbohrenden Blicken an: „Welche Pläne haben Sie mit der Tochter meines Wildmeisters, mit Maria Henning?"
„Mit Maria Henning?" wiederholte der General. „Muß ich diesen Namen, der wir beinahe den Tod gebracht hatte, aus dem Munde Eurer Majestät hören in einem Tone, der einer Anklage gleich kommt?"
„Scheint Ihnen eine Anklage darin zu liegen, so der- teidigcn Sie sich," besahl der König, ich will die Wahrheit wissen."
„Nun denn, so will ich sprechen und ich gebe Euer Majestät mein Wort, was ich j tzt sage, ist Wahrheit. Es ist Ew. Majestät bekannt, daß mich, obwohl ich einer kur- sächstschen Familie entstamme, die Glorie des großen Königs unter Preußens Fahne zog. Es war schon nahe dem Frieden von Hubertsburg in einem der letzten Kantonnements. quartiere, als ich bei einem Lehrer die Bekanntschaft der zwettältesten Tochter desselben machte. Halten Ew. Majestät zu Gnade», wenn ich hier von meinen innersten Herzensangelegenheiten spreche, aber es muß sein, um jeden unwürdigen Verdacht von mir abzulenkeu. Ich war Susanne aus vollem Herzen zugethan — ich war jung und der Feind
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain
________ Expedition. Markt 21- — Redaktion, Druck und «erlag von Joh. Aug. «och.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Franifurt ♦ a. Berlin,München und
Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Ausland.
Wie«, 7. Dez. Das offiziöse „Fremdenblatt" weist ebenfalls die Petersburger Befürchtungen wegen Wieder- großen Augen, die Auge» der Hoheuzollern leuchteten auf, „Du droben, erhalte Preußens Königen die Liebe und das Vertrauen ihres Volkes in alle Zeit! Sie aber, mein Kind", wandte er sich an Mia, „Sie soll sich nicht getäuscht Haden in ihrem Könige. Verlasse Sie mich jetzt und harre Sie in Geduld, bis Sie von mir hört!"
Er reichte ihr die Hand zum Kusse, dann fügte er hinzu: »Wie kam Sie hierher? Mich dünkt, Sie nahm einen wunderlichen Weg?"
„O ich kenne das Geheimnis dieses unterirdischen Ganges von meinem Bräutigam, dem jungen Jmy. Die Grotte steht auf dem Grundstücke, welches früher dem Kommerzienrat Tamm gehörte, daran stieß der Garten Vater JutyS und als Kinder kamen die Tamms uud Jurys öfter zusammen. Die Tamms wurden kurz gehalten und die Jurys steckten ihnen Eßwaren zu. So wußte ich um den unterirdischen Sang." — Bei dieser Eröffnung legte sich eine Wolke über bes Königs Angesicht. Als sie geendet, sagte er: „Sie soll den Weg nicht »och einmal machen, der Gang soll überhaupt zugeschüttet werden. Komme Sie!"
An des Königs Hand verließ sie die Eremitage, Friedrich Wilhelm brachte sie an eine Pforte, zu welcher er den Schlüssel immer bei sich trug. Weder Wachen noch Lakaien sollten das Mädchen sehen, um kein Gerede hervorzurufen; er selbst schloß die Pforte hinter der wie ein Pfeil Dahineilenden ab unb schlug langsam einen Weg ein, der nach dem Heiligen See führte. Er wußte, daß dort hart am Wasser eine Bank stand unter einer überhängenden Weide, auf der gegen Sonnenuntergang der General gern zu sitzen pflegte. Der Weg führte den König an dem Sandsteinbilde eines Hundes vorbei; er blieb vor demselben stehen und legte feine Hand auf den Kopf der Figur. „Ajax, mein treue« Tier", murmelte er, „Du hast's nicht gehört, was mir heut das Herz so froh macht. Mein Volk liebt mich und vertraut mir, — mögen mich auch noch so Viele täuschen und be- trfigen, mein Volk ist treu und wahr!"
Ein Windhauch fuhr durch die Bäume, so daß eS fast aussah, als habe der Hund zu den Worte» des Königs genickt. Auf einer einsamen Kahnfahrt über den heiligen