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Marburg, Sonntag, 5. Dezember 1886

Rr. 285

XXI. Jahrgang

OlmWsche ZeitllW

- Zlliistricrtcs Sonatagsblatt.

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da beide sehr be- war aber nur bei­der Ort der That schon in das Ge- als unter der Mi­

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Große Aufregung in der ganzen Stadt, kannte Persönlichkeiten waren. Martens wundet worden. Das Uebrtge traf zu, und der Thäter. Schleihahn sei auch fängnis eingeliefert woroen. Er wurde

Darum hatte mir der General am Abend seinen Besuch an­gekündigt, mit mir über die Sache zu sprechen und meinem Widerwillen zu begegnen. Schleihahn wußte davon, er sollte das Gatter offen halten. Aber anstatt des Generals kam sein Helfershelfer und dieser erhielt den Stich, der dem General zagedacht war. Aber das Gericht nahm an, daß es auf den General gemünzt war! Martens sagte auch aus, daß Schleihahn, wie er das große Messer nach ihm geführt habe, den Namen des General genannt habe. Dazu sei noch gekommen, daß man Schlethahn geheimer Künste bezichtige und so werde er exekutiert. Exekutiert? Es was Joels Stimme, der in die Stube getreten war und Alles gehört hatte. Wie, exekutiert?

Er muß Gassen laufe». Ich kannS nicht sehen. Der alte Mann! wandte flch der Wildmeister schaudernd ab.

Wo, wo?* rief Joel.

Im Lustgarteu. Eben jetzt.*

Joel stürzte fort. Als er in die Nähe des Schlosses kam, hörte er die Trommeln wirbel», sah die Gasse der aufgestellten Soldaten und zwischen ihnen die lauge Gestalt des EnteufäogerS, die sie alle überragte. Als er auf den Platz kam, sah er eine Blutlache aus dem Boden und in dieser Schleihahu liegend, der in wildem Schmerze mit den Händen um fich schlug. Im Nu hatte er den Cordon durch, brachen, der die Exekution umgab, und kniete an der Seite des Gefallenen nieder, dem das Blut vom ganzen Körper 1 rann. Was wollt Ihr hier? rief ihn der wachthabende Offizier au. Protest erheben im Namen der Menschlichkeit gegen einen solchen Akt der Barbarei, Wehe und Schuld auf das Haupt deS Schurken laden, welcher diesen Tod ans seinem Gewissen hat. Er hatte Martens bemerkt, wie dieser von ferne stand und d-m Akte zusah, und diese Wahrnehmung hatte seine ganze moralische Entrüstung ent­fesselt. Ihr seid arretiert, rief der Offizier ihm z« und gab zwei Soldaten den Wink, den Zivilisten festzunehmru.

Geben fie sich keine Mühe, ich werde mich selbst zum Arrest stellen. Ich bin der und der und ganz Potsdam ist so gut mit Kordons gegen Deserteure versehen, daß ich Ihnen nicht entkommen kann. Gewähren sie mir nur eine

litärgerichtsbarkeit stehend betrachtet und von dieser abge- urtetlt. Die Verwundung war aber nicht so schwer, als man anfangs gedacht hatte. MarteuS war in seine Woh­nung gebracht worden. Nachdem ihn der Arzt beruhigt und ihm sein Leben versichert hatte, trug der Erkrankte dem Krankenwärter auf, für olle seine Besucher seinen Zustand als lebensgefährlich darzustellen und daß er wohl kaum den anderen Tag erleben würde. Mit dieser Nachricht schickte er den Wärter zu Madame FraE und ließ um die Ver- gunst ihres letzten Besuches bttteu.Meine liebe Frau Betty,* begann er zu ihr,bis morgen bin ich ein todter Mann. Ich habe Euch geliebt, obwohl ich keine Gegenliebe bet Euch fand. Damit ich Euch aber meine Liede noch in der Todesstunde beweise, so will ich Euch meinen Namen und mein Vermögen htnteilasfiu, wenn Ihr Euch entschließen könntet, Euch mir auf dem Totenbette anttauen zu lassen, damit ich Euch auch so zeige, wie gut ich Euch bin.* Frau Betty warf einen Blick aus den Mann, der scheinbar in den letzten Zügen lag. Wenn sie sich auch nichts aus seinem Namen machte, so that doch die Erwähnung seines Ver­mögens die beabsichtigte Wirkung. Sie stammelte einige Worte der Rührung, es kamen auch einige Thräneu und mit halbgebrochenem Tone sagte fie:Wenn es Euch eine Beruhigung ist, Meister Martens, so will ich nichtNein* sagen und nach dem Herrn Prediger schicke», damit er thue, was Ihr wollt.* Nach zwei Stunden wurden sie vor dem vermeimllichen Totenbette des Goldschmieds getraut. Die junge Gattin blieb pflichtgemäß an deffen Lager, um de«

der Zollintraden nicht vorgesehen, der Ertrag der Stempel­steuer trotz der durch die Vermehrung der preußischen Lotterie bedingten namhaften Erhöhung des Lotteriestempels infolge des Fehlbetrages der Börsensteuer sogar herabgesetzt werden mußte, während die Matrikularumlagen sich er­höhen. Nachdem nunmehr der Abschluß des preußischen Etats nach dieser Seite hin ermöglicht ist, werden, wie die Berl. Pol. Nachr." melden, die letzten noch zwischen dem Finanzminister und den einzelnen Ressortchefs schwebenden Einzelfragen ungesäumt zum Abschluß gebracht werden, damit in der nächsten Zeit der Etat zusammengestellt und nebst seinen Anlagen, welche für das laufende Jahr drei stattliche Bände füllen, zum Druck gegeben werden können. Die Drucklegung dieses umfassenden Materials erfordert bekanntlich eine geraume Zeit und es wird umsomehr Wert darauf gelegt, daß der Etatsentwurf unmittelbar nach dem Zusammentritt deS Landtags vvrgelegt werden kann, als der Zeitpunkt für diesen sich bis nahe an den letzten verfassungsmäßig zulässigen Termin verschieben dürfte In dem heute begonnenen Schwurgerichts- Prozeffe gegen den Vorstand deS Vereins zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen, Frau Dr. Hoffmann und Genossen, wozu die Verteidigung die Vorladung des Mini­sters v. Puttkamer, des Polizeipräsidenten und des Polizei- Direktors Krüger als Zeugen beantragt hatte, wurde ein Schreiben des Ministers ü. Puttkamer verlesen, worin er sich für sein Nichterscheinen auf einen Befehl des Kaisers beruft und dem Polizeipräsidenten, dein Polizeidirektor Krüger und dem Kriminalkommisfar Schöne die Erlaub­nis versagt, sich im Prozesse als Zeugen vernehmen zu laffen. Seitens der Anklage sind 25 Polizeioffiziere, sei­tens der Verteidigung neben anderen auch die Abgeord­neten Windthorst, Rickert, Heinze und Singer, sowie Frau Hofprediger Stöcker geladen.

In dem Etat über den Reichsinvalidenfonds für 1887/88, welcher in Einnahme und Ausgabe auf Mark 26,846,098 angesetzt ist, beträgt die Summe der infolge des Krieges von 1870/71 zu zahlenden Jnvalidenpensionen M. 21,638,621, und zwar entfallen von dieser Summe auf das Reichsheer M. 21,620,386, auf die Kaiserliche Marine M. 18,235. In der für das Reichsheer ge­forderten Summe sind für Preußen M. 16,100,000, für Sachsen M. 1,038,000, für Württemberg M. 567,020 und für Bayern M. 3,915,366 angesetzt. Die Summe der infolge der Kriege vor 1870 zu zahlenden Pensionen beträgt M. 3,705,324. Davon entfallen auf Preußen M. 2,757,000, auf Sachsen M. 144,057, Württemberg M. 31,730, Bayern M. 390,655, auf die Kaiserliche

Marine M. 1882, auf die Angehörigen der vormaligen schleswig-holsteinischen Armee M. 380,000. Für Ehren- znlagen an die Inhaber des eisernen Kreuzes werden M. 39,240, für Pensionen für ehemalige französische Militärpersonen M. 45 '.,281 gefordert, aus dem Dispositions­fonds des Kaisers sollen für Wittwen und Kinder der infolge des Krieges von 1870/71 für invalid erklärten und demnächst verstorbenen Personen M. 350,000 gezahlt werden. Für Jnvalideninstitute werden verlangt in Preußen M 454,633, in Württemberg M. 12,083, an Bayern sind für diesen Zweck M. 62,168 zu zahlen. Der PenflonS- stand infolge des Krieges von 1870/71 war Ende Juni 1886 in Preußen folgender: eS empfangen 37,864 Soldaten vom Feldwebel, Oberfeuerwerker, Wachtmeister an abwärts einen Jahresbetrag von M. 8,895,945, 2312 Offiziere und Aerzte einen Jahresbetrag von M. 5,760,306, 1 Auditeur M. 3000, 159 Militärgeistliche und Ver­waltungsbeamte M. 252,395, an 686 Hinterbliebene der Oberklassen werden jährlich M. 461,100, an 8231 Hinterbliebene der Unterklassen M. 1,329,174 gezahlt. In Sachsen empfangen 1909 Soldaten vom Feldwebel u. f. w. einschließlich abwärts einen Jahresbetrag von Mark 542,826, 157 Offiziere und Aerzte einen Jahres­betrag von M. 415,180, 2 Auditeure Mk. 6984, 12 Militärgeistliche und Verwaltungsbeamte M. 16698, 31 Hinterbliebene der Oberklassen M. 20550, 287 Hinter­bliebene der Unterklaffen M. 50454. In Würtemberg empfangen 955 Soldaten einen Jahresbetrag von M. 296 075, 74 Offiziere M. 246307, 2 Verwaltungsbeamte M. 6798, 15 Hinterbliebene der Oberklaffen M. 13275, 82 Hinter- bliebene der Unterklassen M. 13 950. In Baiern empfangen 6777 Soldaten einen Jahresbetrag von M. 1883 766, 813 Offiziere und Aerzte M. 1711648, 2 Auditeure M. 7157, 74 Militärgeistliche und Verwaltungsbeamte M. 128308, 80 Hinterbliebene der Oberklaffen M. 57000, 568 Hinterbliebene der Unterklassen M. 90 738. Der Pensionsstand der Kaiser!. Marine infolge des Krieges von 1870/71 war Ende Juni 1886 folgender: 18 Sol­daten empfangen einen Jahresbetrag von M. 4194, 7 Offiziere, Aerzte und Deckoffiziere M. 11359, 11 Hinter­bliebene M. 2682. Der Pensionsstand infolge der Kriege vor 1870 war Ende Juni 1886 folgender: 7984 Sol­daten empfangen einen Jahresbetrag von M. 1 357 570, 542 Offiziere und Aerzte M. 1079543, 63 Militärgeist­liche und Verwaltungsbeamte M. 78963, 145 Hinter­bliebene der Oberklaffen M. 82883, 1243 Hinterbliebene der Unterklassen M. 191278. In Sachsen empfangen infolge der Kriege vor 1870 510 Soldaten einen Jahres-

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dez. Der Kaiser wohnte gestern der Vorstellung im Opernhause bei, empfing heute den Divi­sionskommandeur Prinzen Reuß XIII, später die zwölf Generalsuperintendenteu der allen Provinzen, welche hier in einer Sitzung getagt hatten, alsdann den Grafen Hoch­berg und machte daraus eine Spazierfahrt. Nachmittags 3s/e Uhr ist der Staatssekretär Graf Herbert Bismarck zum Vorträge befohlen. Um 5 Uhr findet Familiendiner statt, woran die kronprinzliche Familie und Prinz Wilhelm teilnehmen. Die Kaiserin empfing gleichfalls obige General- superintendenten, sowie den Grasen Hochberg und machte eine Spazierfahrt. Dem Bundesrat ist ein Gesetzent­wurf, betreffend einige auf die Marine bezügliche Abän­derungen und Ergänzrrngen des Gesetzes über die Pensio­nierung und Versorgung der Militärpersonen, zugegangen. Der Gesetzentwurf bezweckt eine doppelte Anrechnung der Dienstzeit der Marinemannschaften, welche außerhalb der Ost- und Nordsee zugebracht wird, und bei der Pensio­nierung die doppelte in Anrechnung zu bringende Zeit für die Mannschaften, welche länger als ein Jahr in außer­europäischen Ländern Verwendung gefunden haben. Es soll dies auch auf Zivilbeamten der Marine Anwendung finden, sowie auf Schiffsjungen der Marine, welche durch ihre Beschäftigung im Dienste dienstunfähig werden, sowie endlich auf Loolfen der Marine. Der preußische Staats­haushaltsetat wird von dem Reichsetat in doppelter Weise beeinflußt. Die Ueberweisungen aus dem 130 Mill. Mk. übersteigenden Ertrage der Zölle und Tabaksteuer, wie des Ertrages der Stempelsteuer auf der einen, und die Matri­kularumlagen auf der anderen Seite, sind für das Fazit des preußischen Voranschlags von Bedeutung. Nach beiden Richtungen sind Verschlechterungen gegen das laufende Jahr eingetreten; da in dem Neichsetat eine Vermehrung

Kranz nnd Kreuz.

Vaterländische Erzählung von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Martens ist ermordet worde»! ging noch denselben Abend das Gerücht durch die Stadt. In der Pirschhmbe ists ge­schehen und der Sntenfdnger Schlethahn ist der Thäter!

Ifl* Für den Monat Dezember werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Be­stellungen auf die

Oberhessische Zeitung

«ebft deren Beiblätter

entgegengenommen.

Ebenso nimmt unsere Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie auch die unterzeichnete Expedition Abonnements für den Monat Dezember entgegen.

Die Exped. d. Oberh. Ztg.

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Wöchentliche Beilage»: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg ». Kirchhain

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.

letzten Seufzer ihres Gatten zu empfangen. Aber dieser kam nicht. Im Gegenteil, die kirchliche Zermonie schien so kräftigend auf Martens gewirkt zu haben, daß er sich von Stunde zu Stunde erholte und der Arzt nach ein paar Tagen der darob bestürzten Gattin erklärte, daß alle Gefahr vorüber sei und ihr Gatte am Leben bleiben würde. Schon nach einer Woche konnte Martens über den Thatbestand vor dem Militärgericht vernommen weiden.

Alle diese Vorfälle übten, wie sich denken läßt, auf die Familie Jury ihre Wirkung. Standen sie doch so oder so in Beziehung zu den handelnden Personen, stieg doch in Joels Seele eine Ahnung auf, daß die That mit Mia tu einem kausalen Zusammenhänge stünde. Mit einem gewissen Grad von Erstaune» sah Meister Jury eines Tages den Wildmeister bei sich eintreten. Beide hatten sich lange nicht gesehen,, sodaß dem alten Jury das vergrämte Gesicht deS Wildmeisters auffiel und auch dessen Behaben. Ohne zu sprechen ging Mias Vater im Zimmer umher, bann ans Fenster und starrte auf die Straße.Es geht bei uns hübsch her und er wird wohl wie ein augeschoffener Tiger verbluten.*Von wem sprecht Ihr, Herr Wildmeister? Von Schleihahn. Ich komme eben vom Auditeur.* Ein gräßlicher Fluch entrang sich halblaut seinen Lippen und bann würbe seine Stimme wieber weich, als wenn er weinen wolle.Ja, er hat sich hinreißen lassen unb ihm aufgelauert. Es war aber nicht auf be» Kujon abgesehen, auf ben Martens, sonbern auf einen höheren, auf ben Ge­neral in ber Mammonstraße, seinen hohen Gönner. O! wen» ber König das Alles wissen könnte! Der ist gerecht unb gut. Und wißt Ihr, warum die That geschah? Um meine Mia. Der General stellte ihr »ach und dieses Aas, ber Martens, half babei. Der Herr General hatte fie mal in Berlin gefehe», als sie mit Euch unb Rosette bort war, unb um seinen Nachstellungen sie zu entziehen, habe ich sie fortgebracht zu meinem Schwager, bem Hegemeister in Letz­lingen. Der wohnt tief im Walde, da ist fie geborgen. Aber ich sollte gezwungen werden, ihren Aufenthalt zu nennen, unter bem Vorwande, daß die junge Kronprinzessin eine Jungfer suchte unb ihr Ange auf meine Mia gefallen sei.

Anzeigen nimmt, entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Burecux von Haasensteiu undVorlcr in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Mvffe in Frankfurt a. M., Berlin München und

Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Porig.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- AbonnementS-Preis bei der Expedition 2/t Mk., bei den Postämter 2 Mk 51 Pfg- (erd. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.