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Rr. 284.

Marburg, Sonnabend, 4. Dezember 1886.

XXI. Jahrgeu«.

der Erd- und Baggerarbeiten abhängig, deren Kosten auf 5 Millionen veranschlagt werden. Für die Arbeiter sollen Baracken in der Größe hergestellt werden, daß die Unter­bringung von 810 000 Personen ermöglicht wird; hier­für werden 2500000 Mark in Anschlag gebracht. Für die Leitung der Bauarbciten sollen 20 Baumeister, 10 Bau­führer und 10 Landmesser angestellt werden, welche unter der Aufsicht der 5 Bauinspektoren stehen sollen, der Kom­mission zugeteilt sind. Die Kosten für die Bauleitung, wozu auch die Beschaffung von zwei Dienstfahrzeugen ge­rechnet wird, sind auf 1970000 Mark angesetzt. Nach dem imReichs-Anzeiger" abgedruckten Wortlaut der Rede des Staatssektssekretärs im Reichsschatzamt, Dr. Jacobi, beträgt der für Ausprägung von egyptischen Münzen eingeschmolzene Teil des vorhandenen Thalerbe­standes nicht 37<, sondern 17« Millionen Mark. In einem eben ausgegebenen Berichte über die Entstehung und Entwickelung der Vereinigungs-Gesellschaft für Stein­kohlenbau im Wurmrevier (bei Aachen) wird eine interes­sante' Erfahrung mitgeteilt, welche man dort bei Bekäm­pfung des übermäßigen Branntwcingenusses. gemacht hat: Ein tiefgewurzeltes Uebel war, wie in so vielen Bezirken, auch im Wurmrevier der übermäßige Branntweingenuß. Namentlich war es allgemein Gebrauch geworden, daß die unterirdisch beschäftigten Arbeiter, welche in die Grube keinen Branntwein mitnehmen dürfen, alsbald nach dem Ausfahren eine _ber zahlreichen Branntweinschänken be­suchten, welche sich in der Nähe aller Gruben angesiedelt hatten. Der Genuß des Branntweins bei leerem Magen und großer Erschöpfung vor der Hauptmahlzeit wirkte aber sehr nachteilig auf die Gesundheit, namentlich der jüngeren Arbeiter, welche, schon um hinter den älteren Kameraden nicht zurückzustehen, sehr häufig sich hieran beteiligten. Dazu kam die immerhin nicht unbedeutende Ausgabe. Es wird daher auf allen Gruben jetzt den Arbeiten unmittel­bar nach dem Ausfahren 7s Liter guten Kaffees und ein Weißbrötchen unengeltlich gegeben und erhält außerdem jeder Arbeiter, welcher am Schluffe des Monatsauf Ehre und Gewissen" die schriftliche Erklärung abgeben kann, sich des Branntweingenuffes gänzlich enthalten zu haben, eine Prämie von 1 Mk. bar ausbezahlt. Diese kleine Prämie soll vor allem dazu dienen, in den Augen der Belegschaft den hohen Wert zu zeigen, welchen die Verwaltung darauf legt, daß der Branntweingenuß aufhört. Die thatsächliche Folge dieser Maßregel ist die, daß 60 Prozent aller Arbeiter seit Jahren sich des Branntweins enthalten, und daß der gesamte Ausschank, sicherem Ver­nehmen nach, um mehr als 50 Prozent abgenommen hat."

An verschiedenen größeren Amtsgerichten wird augen-

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureank kon Haascnsteiu untVogler in Frantsurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt

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aus seinem G-stcht entgegenschaute. Des Wildmeisters Tochter? rief er hohnlacheud aus, die Hennlgin, die Mia?

Ja ja Was ist denn dabei? Mir hals genug Chagrin gemacht, bekannte ste.

Und mir solls ein Gaudium sein, rief er, daß ich darum darum selbst Euch aufgeben könnte, Madam- Frank am hier in meinem Innern meine Rache zu sättigen.

Dieser Ausbruch kam Frau Betty so absonderlich vor, daß sie nach der Ursache desselben zu forscheu bestrebt war. Sie versuchte es, mit allen ihren Künsten, selbst mit Ca­ressen, um den Zusammenhang zwischen Martens, Joel und Mia zu ergründen. Anfangs wollte <s ihr nicht gelingen, aber dann trank sie dem Goldschmi-d immer häufiger zu fie nippte, er trank mit vollem Zuge, und so brachte sie eS denn dahin, daß Martens unter verliebtem Augenblinzeln ihr sagte:

Der General in der Mammonsstraße hat Mia gesehen, er brennt noch in Liebe wie Zunder und Schwefel. Ich bin fein Vertrauter beauftragt, Alles üb-r das Mädchen auszukundschaften. Warum? Gesagt hat er es mir nicht, aber kenne einer die großen Herren I Wozu anders, als daß er die Gelegenheit fände, wie er mit ihr anbinden könnte. Lichterloh brennt er und das wollen wir benutzen. Es ist nicht so ganz ohne, Madame Franke, wenn sie dem MartenS ein wenig über die Backe» streicht.

Das Verhältnis zwischen Betty nud Joel gestaltete sich mit jedem Tage vertraulicher, sodaß schon Vater Jury und die alte Großmutter bedenklich dreinsahen und Rosette, seine Schwägerin, in ihrer rückhaltlosen moralischen Entrüstung ihn eines Tages ganz ernstlich zur Rede darüber stellte. Joel wies alles mit dem Bemerken ab, daß Betty lediglich mit ihm in freundschaftlicher Weise verkehre. Nur sie ver­stehe ihn, wenn sein Schmerz um Mia im Ueberströmen sei.

Wie ein Blitz fiel ein Schreiben des Oberbaudtrektors Langhans in die Familie, dahin lautend, daß mau am Hofe über den langsamen Fortgang der Arbeit am Siegeswagen ungehalten sei, daß der König bei seiner Rückkehr aus dem

Kranz und Kreuz.

Vaterländische Erzählung von Georg Horn.

(Frrtsetzung.)

In demselben Augenblike fühlte er seine Hände von den thrtgen umfaßt und ihre großen grauen Augen thränenfeucht S» zugewandt.Sage mir Alles, Joel! Ich will ja nur Deine Freundin sein, weiter nichts."

Als fie vor dem Brandenburger Thore augekommen warren, wußte Betty Alles.--

Einer der häufigsten Gäste in der Torchianscheu Weiu- und Delikat.ssenstuve war jetzt der Goldschmied Martens. Wahrend man ihn früher wenig beachtete, wurde er jetzt mit einer gewissen respektvollen Scheu behandelt, und wer vielleicht lange nicht tu Potsdam gewesen war, und wem dieser Umschlag in dem Äehabcn gegen den Projektenmacher aufsallen mochte, dem flüsteerte man ins Ohr: Sagt nichts gegen ihn, sagt nichts über die Regierung. Er trägts von hier fort und dann könnte es Euch schlecht bekommen! Diese Mahnungen und Aufklärungen erhielten einen wohlge- grundeten Anhalt au dem vielen Gelde, welches MartenS sehen ließ und in der Weinstube auch verzehrte. Namentlich feit Frau Betty Frank wieder da war, zeigte sich MartenS als täglicher Gast. Des Abends pflegte er zu kommen, toenn wenig oder gar keine Gäste da waren. Dann kam Frau Betty herunter und leistete den Gästen ihres Vaters Gesellschaft. Sie war da, wenn er kam, aber besondere Fortschritte in ihrer Gunst schien er nicht zu machen, sodaß er eines Abends ärrgerlich gegen sie äußerte: Freilich, wenn ich den Schwarzkopf von Mosjö Joel hätte und seine com- plaisante Art, dann würde ich bei Euch wohl besser an­gesehen fein, Frau Frank. Was wollt Ihr damit sagen, Meister? Einstens, ja, da hätte ich den Joel lieber als alle anderen Männer haben mögen, aber nun ist er mir entschlüpft. Wißt Ihr denn nicht, daß et des WildmeffterS Tochter in Gedanken und im Herzen trägt? Bei dieser Enthüllung sprang der Goldschmied von seinem Sitze auf. Betty war ganz erschrocken über die satanische Freude, die

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Für den Monat Dezember werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Be. stellungen auf die

Oberhessische Zeitung

«ebst deren Beiblätter

entgegengenommen.

Ebenso nimmt unsere Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie auch die unterzeichnete Expedition Abonnements für den Monat Dezember entgegen. _______________Die Exped. d. Oberh. Ztg.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Dez. Der Kaiser nahm vormittags eine Reihe militärischer Meldungen entgegen, empfing später den Kronprinzen, den Feldmarschall Graf ,v. Moltke, die Generale d. Waldersee, v. Stichle und v. Albedyll, sowie den Kriegsminister und machte nachmittags eine Spazier­fahrt. Die Kaiserin machte ebenfalls eine Spazierfahrt und empfängt um 4 Uhr die Prinzen und Prinzessinnen des Kömglrchen Hauses. Das Präsidium des Reichs­tages hatte heute nachmittag l3/« Uhr die Ehre, von Ihren Kaiser!, und König!. Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin in Audienz empfangen zu werden. Dir Bud- getkommisston des Reichstags ist heute vormittag in die Be­ratung eingetreten. Es wurde außer dem Etat des Reichs­tags ein größerer Teil derjenigen Kapitel erledigt, welche aus dem Etat des Reichsamts des Innern der Kommission zur Borberatung überwiesen sind. Die Geschäftsord- nungskvmmission des Reichstags besteht zur Zeit aus den Abgeordneten v. Bernuth, Vorsitzender; Ackermann, Stell­vertreter des Vorsitzenden; Eysoldt, Schriftführer; Dr. Hänel, Hasenclever, v. Helldorff, Dr. Grimm, v.Kchler, Freiherr v. Landsberg - Sleinfurt, Graf v. Praschma, Dr. Freiherr Schenk v. Stauffenberg, Dr. Tröndlin, Freiherr v- Unruhe-Bomst, Freiherr v. Wendt. Für den Bau des Nordostsee-Kanals sind im Etat für das Jahr 1887/88 19 Millionen ausgeworfen, davon werden aber 6 Mill, als Beitrag Preußens wieder vereinnahmt; der Rest von 13 Millionen wird aus der Anleihe entnommen. Es sollen, wie aus einer dem Etat beigegebenen Denkschrift hervorgeht, im nächsten Jahre zunächst die Grunderwerbs- Verhanolungen abgeschloffen werden. Für diesen Zweck sind 9 Millionen berechnet. Der Spezialplan des Kanals mit allen Nebenanlagen wird nunmehr in den ersten Monaten des Etatsjahres fertiggestellt fein. Von dem Er- gebmsse der Grunderwerböverhandlungen ist der Umfang

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Wöchentliche Beilage»: Kreis-Blatt f.d. Kreise Marburg ».Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

_________________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch.

blicklich eine Zusammenstellung der seit Einführung der Konkursordnung von den Konkursverwaltern bezogenen Gebühren veranstaltet. Dieselbe steht offenbar im 9u, sammmhange mit der Novelle zum Gerichtskostengesetz und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Thatsächlich handelt es ,rch hier um einen Punkt, welcher bei der Ver­wendung der Gerichtskosten nicht übersehen werden sollte- die Vergütung, welche der Konkursverwalter häufig bei kommt, steht mit seiner Mühe und Arbeit vielfach in gar keinem Verhältnis. Es ist sehr verbreitet, die Vergütung um so hoher zu bewilligen, je größer die Masie ist. Dieser Maßstab ist aber nicht schlechtweg richttg; denn es gibt zahlreiche Konkursverwaltungen mit kleiner Masse, die doch mehr Mühe machen und verwickelter sind, als die Ver­waltung großer Massen. Man begegnet darum auch sehr oft den Klagen des Publikums, daß durch die Kosten der Maffenverwaltung die vorhandene Masse zum größten Teil aufgezehrt werde, sodaß für die Gläubiger nichts mehr übrig bleibe. Außerdem ist cs ein großer Uebelstand, daß bezüglich dieses Punktes im Reiche eine so überaus große Verschiedenheit besteht. Mangels der Fortsetzung eines ge­setzlichen Nlaßstabes ist das schrankenlose Ermeffen der Amtsgerichte für die Bemessung des Honorars des Kon- kursverwalters ausschließlich maßgebend, und so kommt es, daß die praktische Regeliing dieses Gegenstandes nichts weniger als eine glcichheitlichc ist. Es wäre deshalb sehr zu wünschen, daß die Gesetzgebung ein Mittel fände, um de» Uebel,tänden auf diesem Gebiete abzuhelfen. Uebrigens verlautet nach derKöln. Ztg.", daß im Laufe der jetzigen Relchstagötagung der gedachte Punkt, wie überhaupt daS Kostenwesen bei^ Konkursen, das eine viel zu bedeutende Höhe hat, zur Sprache kommen werde. An Stoff zu einer scharfen Kritik der bestehenden Vorschriften fehlt es hierbei gewiß nicht.

Ueber die Militäroorlage und die finanzielle Lei­stungsfähigkeit deö Staats wird demHamb. Korresp". von Berlin geschrieben:Wenn man ein Bild von den­jenigen Mehrleistungen, welche durch die Militärvorlage gefordert werden, machen will, wird man nach der Seite der persönlichen Leistungen die Erhöhung des jährlichen RekrutenkonttngcntS, nach der der finanziellen Mehrbe­lastung die dauernde Vermehrung der Ausgaben für Heeres- zwecke zu Grunde legen müssen. Wenn nach der Begrün, düng der Vorlage die Zahl der in' der Folge jährlich mehr ernzustellenden Rekruten 1314000 Mann beträgt, so beläuft sich die in Aussicht genommene Vermehrung auf 8,69 Prozent des gegenwärtigen Rekrutenkontingents, denn nach dem Stattstischen Handbuch für das Deutsche Reich erreicht die Zahl der gegenwärtig thatsächlich einge Bade von Pyrmont durch das Brandenburger Thor etnau» zlehen beabstchtige und daß zu dieser Zeit der Siegeswageu oben stehen solle. DaS sei nicht möglich, schrieb Meister Jury zuruck. Dieses Verlangen könne nur von Jemanden gestellt werden, der die Mühsamkeit der Arbeit nicht kenne. Sein Sohn habe sich fast krank gearöeit t. Darauf kam Meister Schadow aus Berlin selber, besichtigte das Fertige und sagte zu Joel:Unsinn, so wat zu verlangen. Die da oben wiff-u vill-, wie sich so'» armer Mensch die Brust abarbeeten muß. Drt Allens is ja Durchstecherei. Verstehst Du wohl, mein Sohu? Dahinter steckt der Martens. Der hat versprochen, den ganzen Krempel, wenn man ihn ihm in Entepnse geben wolle, in der geforderten Zeit fertig zu stellen. Na, ick weide man sehen, wat gegen die Brut aus. zurtchten ist,!"

Die Brut war aber so mächtig, daß selbst d-8 jungen Rektors Bemühungen zu Gunsten des Jurys fruchtlos blieben. An neues Rescript stellte an die Jurys die unbedingte Forderung, sich binnen vierzehn Tagen schlüssig zu machen, ob sie die gestellte Frist einhalten könnten, widrigenfalls fie gewärttg sein wüßten, daß ihnen die Arbeit abgenoumen und einem Anderen übertragen würde. Das war der Ruin des Hauses Jury an Gut und auch au Ehre. Als Joel daS Rescript überflog, begann er laut zu weinen. Und dafür meine ganze Kraft einges-tzt, mich in Hoffnung ge- stärkt und nun er konnte nicht vollenden; ein Husten hinderte feine Worte. Es war ein Blutstropfen, der über feine Lippen auf daS Papier kam. Und et schlich sich hinaus in den den Garten, um feiner gequälten Brust Lrttt zu verschaffen. Der Mond kam über die Dächer. Dmben im Nachbarhause sah er Betty ans dem Fenster schauen, mit der ganzen Gestalt in Licht getaucht. Er winkte ihr, jedenfalls hatte fie ihn auch gesehen. Sie kam herab und er flüsterte über daS Staket hinüber:Ich habe Dir viel zu erzählen, Betty.«Komm herüber", sagte ste,ich habe heute zwei Latten los machen lassen. So haben wirs be- quemer. sieche unten durch." Sie zog ihn an sich in die Tiefe des Gartens, in ein Gartenhaus, das an eine Kegel-