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Sk. 276.

Marburg, Donnerstag, 25. November 1886.

XXI. Jahrgang.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis s Blatt f.d. Kreise Marburg «.Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt.

__Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch. °

Achttausend Aus; hoch im Schnee.

(Schluß.)

Der eine zieht das müde Tier kräftig vorwärts, der andere schiebt den Schlitten. Eine kurze Wegstrecke durch Schnee und Eis noch und man ist droben.

Just zur rechten Zeit! Von dort her schallen schon lebhafte Rufe. Der Himmel hat sich umwölkt, ein scharfer Windstoß ist losgebrochen und hat eine Schncewelle von den Felsen herabgefegt auf den Weg oberhalb des Berg­hauses. Der ganze Weg ist verschüttet, die Stelle muß schleunigst freigemacht werden, sie wehrt jedem Passagier, der von dort kommt, die Weiterfahrt. Alles eilt dorthin, nur der alte Martin bleibt im Hause, um den Gast zu be­grüßen. Der schüttelt sich und stampft mit den Füßen, um das Blut wieder flüssig zu machen und blickt dabei auf den eben zuröckgelegten Weg, in das wilde Land hinaus. Es ist ganz trüb' am Himmel geworden, schärfer und deutlicher nur blicken die Schneehörner in die Lust hinein. Und langsam beginnen die ersten Schneeflocken zur Erde zu falle».

Grüß Gott, Herr!", will der alte Martin, der auf dem schmalen Vorbau vor seinem Hause steht, sagen. Da stocken ihm die Worte, die kräftige Gestatt fährt zusammen, und auch der Fremde tritt einen Schritt zurück. Jäher Schreck

Für den Monat Dezember werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Be­stellungen auf die

Oberhessische Zeitung «ebst deren Beiblätter entgegengenommerr./

Ebenso nimmt unsere Agentur in Kirchhain (Herr Buchbinder Rindt), sowie auch die unterzeichnete Expedition Abonnements für den Monat Dezember entgegen.

Die Exped. d. Oberh. Ztg.

Eine interessante Entscheidung hat neuerdings die Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillge in Minden getroffen, indem sie zwei Hand­werkern auf Grund ihrer vorzüglichen Fachleistungen die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst er­teilte, ohne von denselben einen Beweis für ihre wissen­schaftliche Befähigung zu verlangen. Solche Entscheidungen find zwar längst gesetzlich zulässig, aber sie wurden bisher nur bei angehenden Künstlern rc. gefällt. Daß Hand­werkern diese Vergünstigung erteilt worden, ist bisher nicht allgemein bekannt geworden, und um so mehr ver­dient also der Fall in Minden Beachtung. Allerdings ist diese Vergünstigung allgemein betrachtet sehr zweifel­hafter Natur. Wenn auch noch anderen jungen Hand­werkern auf Grund ihrer gewerblichen Leistungen die Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erteilt würde, immerhin würde, der finanziellen Verhältnisse wegen, nur eine kleine Zahl von der Vergünstigung wirklich Ge­brauch machen können. Um diese Bestimmung zu einer wirklich praktischen zu machen, müßten auch Mittel vor­handen sein, welche in jedem Einzelfalle den einjährig- fteiwilligen Dienst ermöglichten. Vielleicht kommt dieser Geldpunkt einmal in einem deutschen Parlament zur Be­sprechung und findet dort Befürworter. Die schlechteste Kapitalanlage würde damit nicht gemacht.

In der Entscheidung der Mindener Kommission ist es aber noch ein Puntt, der vor allem Beachtung verdient und für dessen richtige Erkenntnis Sorge getragen werden muß. Es ist ja eine bekannte, wenn auch nicht erfreu­liche Thatsache, daß, von einem Teil der modernen Ge­sellschaft wenigstens der Handwerkerstand noch sehr über die Achseln und von oben herab angesehen wird. Viele Ettern halten chre Kinder für zu gut, einen gewöhnlichen Handwerkslehrling zu spielen, und die Eltern, welche ihre Söhne einem Handwerker in die Lehre geben, glauben wieder nur zu oft, daß zum Handwerker nicht mehr ge­höre, als Schreiben, Lesen und das Einmaleins. Beiden total verkehrten Anschauungen entspringt auch, zum Tell wenigstens, die fernere Thalsache, daß die Arbett eines Klein-Industriellen vielfach unterschätzt wird. Weil viel-

Geschichtskalender.

25. Nov,ember.

1764. Stanislaus n, August Poniatowsky, empfängt die ^polnische Königskrone.

1795. Derselbe unterzeichnet seine Entsagungsurkunde zu Grodno.

1870.

25. Nov. Angriff der Garibaldiner bei Pasques zurück- geschlagen.

leicht einzelne Artikel von der Groß-Industrie zu nied­rigerem Preise geliefert werden, wird kurzweg über die gesamte Handwerker-Arbeit der Stab gebrochen. Das muß vor allen Dingen anders werden, wenn eine wirkliche und allgemeine Aufbesserung des Handwerkerstandes erfolgen soll, und wir meinen, zur äußeren Hebung des Hand­werkes muß ein Beschluß, wie der in Minden, viel bei­tragen. Der Einjährig-Freiwillige-Dienst galt bisher als das Privilegium der studierten Kreise und der höheren Klassen, sowie des Beamtentums. Handwerker-Einjährig- Freiwilliger vereinte sich bisher nur in seltenen Fällen, denn nicht eben jeder junge Mann, der die Berechtigung zum einjährigen Dienst erworben, hat Neigung, in der Werkstatt den Lehrling zu spielen, und ohne Lehrling be­kanntlich kein Meister. Indessen ist es in einzelnen Fällen doch geschehen und das soll rühmlich anerkannt werden.

Auf der Hand liegt es, daß die Aussicht, nur ein Jahr Soldat spielen zu brauchen, auf junge Handwerker an- spornend und lusterweckend wirken muß, und wenn auch nicht jeder Vater, wie oben gesagt, im Stande ist, feinem Sohne die Mittel zum einjährigen Dienst zu geben, eine Anzahl wird doch immer dazu vermögend sein, und in den anderen Fällen könnte ja etwas Unterstützung eintreten. Vor allem ist aber nötig, daß das Beispiel in Minden Nachahmung findet. Wenn in einer Stadt, wie Minden, in einem Jahre zwei so tüchtige junge Handwerker ge­funden werden, so muß es im Deutschen Reiche eine ganze Zahl nicht geringerer Kräfte geben, man mag nur recht darauf achten. Das wird den Stolz des Hand­werkerstandes, jedes ordentliche Gewerbe muß seine Portion Stolz haben, und dann d e m Publikum, welches dem Hand­werk kühl gegenüber steht, die Augen gründlich öffnen. Die Handwerkerlaufbahn wird mit einem Schlage eine ganz andere, wenn tüchtige Kräfte in ihr es bis zum Ein- jährigen-Dienst bringen können. Die Welt giebt viel, fast alles auf Aeußerlichkeiten, und an solchen fehlte es dem einfachen Handwerk noch sehr. Die Mindener Kommis­sion hat sehr richtig gezeigt, was leicht geschehen kann, um hier eine Aenderung herbeizuführen. Es ist nicht alles, aber doch elwas, und das ist bester, als nichts.

D-irtsch-s Reich.

Berlin, 19. Nov. Der Kaiser empfing heute den Vortrag des Hofmarschalls Grafen Perponcher, nahm eine Reihe militärischer Meldungen entgegen, machte eine Spazierfahrt und empfing die Vorträge der Generale von Caprivi und von Albedyll. Wie dieB. P. N.« berichten, hätte Se. Majestät der Kaiser davon Abstand genommen, die Eröffnung der Reichstagssession in Person zu vollziehen, und würde Staatsminister v. Bötticher in seiner Eigenschaft als allgemeiner Vertreter des Reichs­kanzlers den Reichstag eröffnen. Bei Besprechung des dem Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurfs, betreffend die bedeckt fein hübsches Gesicht.Sie, Sie, Marti»", sagt er.Ja, ja, der Marti»!", antwortet der andere mit dumpfer Stimme,der Vater von der Kathrin, die der Herr von seinem Gutshofe jagte, nun, der Herr weiß schon, warum, der Martin, den der Herr nicht über seine Schwelle ließ und auf den er die Hunde hetzen wollte, als er Rechen- schäft für seine Tochter forderte, der Martin, der geschworen hat, sich fein Recht zu holen, und der cs sich holen wird. Jetzt kommt Ihr zu mir, die Stund ist da. Folgt mir!"

Der andere blieb stehen und streckte abwehrend die Hände aus.Was wollt Ihr von mir? Laßt mich! Ich geb's zu, ich war damals zu heftig gegen Euch. Aber ich will Euch entschädigen, Ihr sollt Geld.*Behaltet Euer verfluchtes Geld", brauste der Alte auf.Recht will ich, hört Ihr. Recht. Seht dort den Felsabhang. Ich bin nicht kräftiger, als Ihr, dort ringen wir Beide mst einander. Wer unterliegt, stürzt in den Abgrund. Das ist ein rechtes Gottesgericht zwischen uns Beiden! So, kommt!"Seid Ihr wahnsinnig?", schrie der Fremde,ich werde um Hilfe rufen. Mein Leben hier aufs Spiel zu setzen, fällt mir nicht ein!"Schreit nur!*, antwortete Martin höhnisch. Die Arbeiter sind zu weit entfernt. Sie hören Euch kaum noch, und bis sie zurückkommen, ist alles entschieden. Vor­wärts, ans Werk!"Nein, nein, so nehmt doch Vernunft au, wie viel Geld wollt Ihr? Tausend, zweitausend, fünf­tausend ...!"Mein Recht will ich," herrschte Martt». Mit festem Griff faßte er seinen Gegner am Arm, ihn fort­zuziehen. Doch da tret ihm aus der Hausthür heraus eine weibliche Gestalt in den Weg. Es war Kathrin. Der Fremde stürzte vor ihr nieder.Kathrin, Du bists, hilf mir, hilf mir vor Deinem Vater!"Gieb den Weg frei, Mädchen," befahl Martin,jetzt kommt die Vergeltung."Laß ihn, Vater," sagte jene, ohne den Knieenden zu beachte»,Du hast Dein Recht beretts; siehst Du, er ist ein Feigling, er

Abänderung von Bestimmungen des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte in den öffent- «chen Blattern ist mehrfach die Ausstellung erhoben, daß eme Anhörung des Anwalistandes über den Entwurf nicht erfolgt sei. Demgegenüber weisen dieB. P. N." darauf hin, daß im Jahre 1881/82 von den Vorständen der An« wattskammern bei sämtlichen 28 Oberlandesgerichten über «ne Revision der Gebührenordnung für Rechtsanwälte Gutachten erfordert und erstattet, und daß diese, zum größten Teil auch durch das Organ des deutschen Anwalts­vereins, dieJuristische Wochenschrift", veröffentlichten Gut- achten bet Ausarbeitung des obigen Gesetzentwurfs benutzt n>orben fiub. - Sie Äöin. Ztg." schreibt bezüglich des deutsch-österreichischen Bundniffes:Was die Wiener Blätter über den Inhalt des Bündnisses melden, wiederholt teils bekannte Einzelheiten und bedarf andererseits der Ergänzung. Daß die Pflicht zur gegenseitigen Verteidigung in erster lünte einen Doppelangriff voraussetzt, aber die Verbürgung

Beistandes damit verknüpft ist, war schon genugsam festgestellt. Oft genug war indeffen bemerkt, daß auch bei einem Einzelangriff der andere Teil im Interesse seiner spater aufzubringenden Opfer thatsächlich zur Stellung­nahme nicht die Niederlage des anderen Teils abwarten werde. Wo die vor der Hand fehlende parlamentarische Zustimmung erörtert wird, sollte man nicht vergessen, daß die unzweifelhafte, vor kurzem halbamtlich bestätigte förm­liche Genehmigung der beiderseitigen Souveräne die ver­tragsmäßige Geltung darbietet. Das Bündnis ist endlich auf den wirklichen Eintritt einer dritten Macht, wie man weiß, nicht angelegt, und so konnte auch der Anschluß Rußlands das Wesen und die Tragweite desselben in Wahr­heit nicht beeinträchtigen.« Wenn diese Informationen authentische sind, so würde das Bündnis eine erheblich wettere Tendenz haben und viel enger gefaßt sein wie bisher angenommen wurde. In betreff der Pharma­kopoe-Kommission, womit sich der Bundesrat beschäftigen soll, hört man, daß die Absicht dahin geht, eine ständige Kommission in Verbindung mit dem Gesundheitsamt zu errichten, um die Bundesratsbeschlüffe über zeitweise herbei­zuführende Ergänzungen der Pharmakopoe vorzubereiten. Die bezüglichen Anträge sollen etwa von zwei zu zwei Jahreil dem Reichskanzler zugehen. Den Vorsitz soll der Direktor des Gesundheitsamts führen, welches auch die Düsenden Geschäfte und die Büreau-Arbeiten besorgt. Die Mitgliederzahl soll außer den zu berufenden Mitgliedern des Gesundheitsamts zwölf betragen, ihre Ernennung er- folgt durch den Reichskanzler und sie sollen Reisekosten und Tagegelder, sowie nötigenfalls besondere Vergütung für besondere Arbeiten und damit verbundene bare Aus- lagen erhalten. Die Kosten werden ans den Mitteln des Gesundheitsamts bestritten. Das heute telegraphisch verbreitete offiziöse Dementi der Nachricht, daß Deutsch- land direkt ober indirekt den Schutz der russischen Unter-

heftete emen langen Blick auf beide.Sie hat Recht," entschied er sich bann,aber meine Schwelle betretet ^hr nicht. Wartet hier, bis die Leute zurückkommen, dann setzt Eucrn Weg fort. Und bittet Gott, daß nicht er mir die Vergeltung abnehme!* Er sprach die Worte mtt furchtbar ernster Stimme.

Der Fremde hatte die Lust zum Weiterfahren verloren, er kehrte mit seinem Schlitten auf demselben Wege heim Zwei Stunden nachher kam aber bereits der Kutscher zurück- das Pferd war an der gefährlichen Stelle gescheut, der Kutscher, der es wieder am Zügel führte, hatte es nicht zu halten vermocht, es war mit Schlitten und Passagier den Abgrund hinabgestürzt. Den Arbeitern gelang es, den Fremden noch lebend auzutreffen. Die rechte Hand war gebrochen.Das ist die Hand, mit der er mir Treue ver- iprack," sagte Kathrin leise. __

Mit Bezug auf den bevorstehenden 90. Geburtstag des Kaisers ift, derMagdeb. Zig.* zufolge, in höchsten Kreisen der Wunsch geäußert worden, e8 möchten Vorbe­reitungen zu der Festfeier nicht etwa schon jetzt getroffen toerben. Es entspräche wohl mehr der Stimmung des Monarchen, biefen Tag in großer Stille zu erwarten nnb, wenn ihm beschieben wäre, ihn zu erleben, die Feier des­selben eine mehr ernste, als lärmende und äußerlich glanzvolle sein zu lassen. Der Gedanke, gerade den nächsten 22. März außerordentlich zu beachten, liege ja nahe, es würde sich auch gewiß eine Form finden lassen, seine Wichttgkeit allen nahe zu legen; allein hierüber schon jetzt Bestimmungen zu treffen, möchte sich wenig empfehlen. Es werde dem Kaiser wohl selber gefallen, in betreff seines nächsten Geburtstages Bestimmungen zu treffen, die bann genau innegehalten werben; nur berechtige nichts zu der Annahme, das Programm für den 22. März werde nach Außen hin irgendwie Unge­wöhnliches enthatten.