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Nr. 288.

Marburg, Dienstag, 16. November 1886.

XXI. Jahrgan«.

Urschrint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal» Lbonnements-Preis bei bet Expedition 21/« Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Sg. (ejd. Bestellgeld).

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ObklhMe jfitiiiio

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, sowied Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und

Köln; G. L. Daube und

So. n Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreis s Blatt s. d. Kreise Marburg u. Kirchhain.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch.

- Illustriertes Sonntagsblatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Novbr. Der Kaiser ist abends um 9 Uhr von Letzlingen zurückgekehrt. Der Kaiser und die Kaiserin haben eine EhejubiläumsMedaille gestiftet, welche von Sr. Majestät an würdige, einer Unterstützung nicht bedürftige Ehepaare in Preußen und in den Reichslanden zur Erinnerung an die Feier ihrer goldenen oder dia­mantenen Hochzeit verliehen wird. Die Medaille, in Silber geschlagen, trägt auf der einen Seite die Bildnisse des Kaisers und der Kaiserin, auf der anderen Seite den Bibelspruch:Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trüb­sal, haltet am Gebet. Röm. 12, 12." An Angehörige außerpreußischen Staaten Deutschlands, mit Ausnahme der Reichslande Elsaß-Lothringen und der Freien Städte, wird die Medaille der Regel nach nicht gewährt. Die Medaille soll nur solchen Ehepaaren, zu Teil werden, welche sich stets durch einen sittlich reinen, friedlich from­men Wandel ausgezeichnet und sonach in einer über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Weise durch ihr eheliches Leben, wie auch durch einen häuslichen wirtschaftlichen Sinn vor anderen sich besonders vorgethan haben, so daß sie durch eine solche musterhafte Führung als ein Vorbild in der Gemeinde betrachtet werden können. Es soll aber eine Berücksichtigung solcher Ehepaare ausgeschlossen sein, deren Zubelfeier bereits stattgefunden hat. Der Fürst Reichskanzler empfing im Laufe des Donnerstag den Prinzen Ludwig von Bayern, den Prinzen Wilhelm und den Kronprinzen. DieKöln. Ztg." schreibt: Fürst Bismarck ist nach dem Urteil aller, welche ihn gesehen haben, in erfreulicher Kräftigung zurückgekehrl. Auch das Aussehen der Frau Fürstin soll nicht mit den ungünstigen Nachrichten üdereinstiminen, welche über deren'Gesund­heitszustand noch kürzlich verbreitet waren. Der Fürst wird zunächst dem Kaiser Vortrag halten und u. a. nun auch die persönliche Bekanntschafr des französischen Bot­schafters Herbelte machen, der, entgegen anderweitigen An­gaben, nicht in Varzin gewesen ist. Die Voraussetzuna, daß Fürst Bismarck auch bei kürzestem Aufenthalte in Berlin Gelegenheit nehmen würde, mit den hier befind­lichen Botschaftern zu beraten, dürfte sich als zutreffend erweisen; dagegen soll die Annahme irrig sein, daß der Fürst durch die augenblickliche Lage der auswärtigen Poli­tik zu seiner jetzigen Reise nach Berlin veranlaßt worden wäre. Die dem Reichshaushaltsetat beigcfügte Ueber- sicht über die Etatsstärke des deutschen Heeres pro 1887/88 ergiebt folgende Ziffern: Offiziere 18138, Unteroffiziere 51402, Zahlmeister - Aspiranten 791, Spielleute 13440, Gefreikd und Gemeine 347 975, Oekonomiehandwerker 10135 und Lazarettgehülfcn 3531, zusammen 427274 Köpfe. Die Zahl der Militärärzte ist auf 686 normiert. Die Gesamt - Ausgaben des Reiches im Etatsjahr 1885

Gefchichtskalenver.

16. November.

1632. Die Schweden siegen über Wallenstein bei Lützen, Gustav Adolf fällt in der Schlacht und der Feldmarschall Pappenheim stirbt Tags darauf in Leipzig an seinen Wunden.

1870.

16. Nov. Montmedy zerniert. Ausfall von Belfort zurückgeschlagen.

Gefallen.

Historische Erzählung von F. Arneseldt.

(Fortsetzung.)

Seine Erwähnung in diesem Augenblicke war eine Uugeschick- lichkett, wenn nicht gar eine Bosheit, denn Frau von Salidre hatte es sehr ungern gesehen, daß Athenais die Einladung des Marquis angenommen hatte, sie fürchtete, seine Be, Werbung könne doch Erfolg haben und sie wieder von dem ihr sehr zusagenden Posten einer Ehrendame der schönen Witwe entfernen.

Mehr als alle Uebrigeu fühlte Pompouue die in der Aeußerung der alten Dame liegende Feindseligkeit, aber gerade um deffentwilleu mochte er sich nicht merken lassen, daß ihr Pfeil getroffen habe; in der unbefangensten Weise sagte er deshalb:Ach, Sie haben die Feste in Baur mitgemacht, meine Gnädigste dann freilich muß Ihnen die kleine Lustbarkeit, welche ich in Fernon zu veranstalten ver­mochte, armselig ersckeiueu."

O, durchaus nicht", beeilte sich nun Frau von Sabli«re mit ihrer süßesten Miene zu versichern,ich stelle nur eins der Feste in Paux dem heutigen an die Seite.

Welches?"

«Es war das letzte, was Fovquet veranstaltete, zu welchem er den König selbst geladen und wo er, wie mau

bis 1886 betragen nach der Einnahmen- und Ausgaben- Ueberstcht Mk. 72083724491; hiervon gehen ab die aus der französischen Kriegskostenentschädigung zu deckenden Restausgaben Mk. 1069165.53 und Fehlbetrag von 1883-1884: M. 1705858.48, so daß M. 718 062 220 90 verbleiben. Hierzu ist für Rechnung aller Bundesstaaten zu bestreiten: Fortdauernde Ausgaben Mk. 578 009 405 90; einmalige Mk. 105304310.50, zusammen M. 683 313 716. Hiervon ab Einnahmen, welche für Rechnung der Gesamt­heit aller Bundes-Staaten zur Reichs-Kasse fließen: Mk. 467 598 972.37, mithin blieben aufzubringen Mk. 215 714 743.63. Nach Abzug der Matrikularbei- träge Bayerns, Württembergs, Badens, Elsaß-Lothringens und mchrerer Einnahmepositionen noch für 18851886 sind aufzubringen Mk. 91732641, welcher Betrag sich durch Anteile am Fehlbeträge von 18831884 um Mk. 812 860 erhöht, so daß im ganzen Mk 92545501 auf­zubringen waren. Gemäß des Etats von 1885-1886 sind erhoben Mk. 79989839, mithin nachzuzahlcn Mark 12555662. Der Reichsetats-Entwurf 1887/88 schlägt eine Anleihe im Betrage von 72 Millionen vor. Im Militäretat wird wieder die Erhöhung der Haferrationen für alle Pferde und die Erhöhung der Kommandozulagen für die Offiziere gefordert, was beides im Vorjahre nur teilweise bewilligt wurde.

Wilhelmshaven, 13. Nov. Heute mittag 1 Uhr hat die feierliche Einweihung der zweiten Einfahrt in den Kriegshafen stattgefunden. Hafenbaudircktor Rechtem hielt die Festrede Die Einfahrt des KriegsschiffesFriedrich Karl" in den neuen Hafen vollzog sich trotz des schlechten Wetters in sehr gelungener Weise. Der Chef der Ad­miralität, Generalleutnant v. Caprivi, schloß die Feier mit einem auf Seine Majestät den Kaiser ausgcbrachten Hoch.

KottbNs, 13. Nov. Im Prozesse wegen Landfriedens, bruch bezw. Aufruhr und Auflaufs in Spremberg ge­legentlich der diesjährigen Nekrutcngestellung verurteilte die Strafkammer des Landgerichts von den angeklagteu Personen: Rubendunst, Täuscher, Maltusch, Hoffmann zu 10 Monaten, Kara, Burkert, Platzk, Laucke zu 1 Jahr 2 Monaten, Lange 1 Jahr, Appell, Handrick, Radefeld, Rothert, Richter, Heinze, Brosig, Dunst, Sachs, Ernst Schmidt, Brund zu 3 Monaten, Hermann Schmidt, Greischel, Behnisch zu zwei Monaten, Fleischermeister Witte zu 6 Wochen Gefängnis. Der Tuchmacher Schmidt und Sommer werden freigesprochen. Rübendunst, Täuscher, Hoffmann, Kara, Platzk, Laucke, Lange und Burkert wur­den sofort verhaftet.

Ausland.

Budapest, 13. Nov. Der Minister Kalnoky erklärte in der ungarischen Delegation bezüglich der bulgarischen allgemein behauptet, sich unterfangen hatte, cs Sr. Majestät an Glanz und Pracht znvorzuthun; wenige Wochen darauf erfolgte sein Sturz."

Der so tief war, daß keiner seiner Freunde wagte, nur ein Wort beim Könige zu seinen Gunsten zu sprechen", fugte der Chevalier hinzu.

Erbärmlich!" rief Athenais, indem sie sich von ihrem Sitze erhob und die großen grauen Augen blitzten im edlen Zorn.Von allen, die er mit verschwenderischer Frcigebig- fiü bewirtet, die er beschenkt, befördert, gehoben und ge­tragen hatte, Nimand, der sich seiner annahm?"

»Doch, Einer!" erwiderte Frau von Sablivre.Lafontaine ; er ichrieb das GedichtDie Nyvphen von Baur" und über­reichte es dem Könige."

Ein goldenes Herz, ein echter Dichter!" rief Athenais begeistert.Ich könnte nie einen Freund, der im Unglück ift, verleugnen, ich würde zu ihm stehen und sollte ich selbst darüber zu Grunde gehen."

Powponne ergriff ihre Hand und führte sie ehrfurchts­voll an feine Lippen; es war im plötzlich, als habe man nicht über Fouquets G-schick, sondern über sein eigene? ge- sprolpen. Unwillkürlich legte er die Hand auf die Tasche, in welcher er bte am Morgen empfangene Depesche bewahrte. Der Vorgang mit dem Kurier, der ihm gänzlich aus dem Gedächtnis entschwunden gewesen, fiel ihm wieder ein und es wollte ihn wie eine Ahnung nahenden Unheils beschleichen; aber energisch schüttelte er diese Stimmung von sich ab' Hatte die alte Schwätzerin wirklich die Absicht gehabt, ihm die Freude an dem heutigen Tage zu stören, so sollte sie ihren Zweck doch nicht erreichen. Diese Nacht schlief AthenaiS unter feinem Dache und morgen, das gelobte er sich, sollte sie Fernon nicht verlassen, ohne daß er ihr seine heiße Liebe gestanden hatte; jetzt aber wollte er fröhlich sein.

©tne schmetternde Fanfare von Blasinstrumenten gab letzt das Zeichen, daß daS Schauspiel auf dem Wasser sein Ende erreicht hatte. Pompouue führte die Gesellschaft nach

Frage, man müsse unterscheiden zwischen jenem, was daran rein bulgarisch, und jenem, was europäisch ist und' unser Interesse tangiert. Unser Interesse sei nur dort berühr^ wo es sich um Prinzipienfragen oder um Vertragsrecht handelt. Die Monarchie sei durch ihr Wesen und ihre Statur angewiesen, den durch den Berliner Vertrag ge­schaffenen Rechtszustand unversehrt aufrecht zu erhalten und an dem Grundsatz festzuhalten, daß nichts daran ge­ändert werden dürfte ohne Zustimmung sämtlicher Signatar­mächte. Durch die jüngsten Vorgänge in Bulgarien, namentlich durch das Auftreten von Kaulbars sei die öffentliche Meinung mit Recht irritiert; aber man müsse auch hier das Bleibende von dem Vorübergehenden unter­scheiden. Bisher habe Kaulbars nichts erreicht, als daß in Bulgarien die Einwirkung Rußlands in unangenehmer Weise sich fühlbar machte und die Sympathien Europas, welche ursprünglich nur dem Prinzen von Battenberg galten, nun auch sich den Bulgaren zuwandten. Bezüglich der bleibenden Gestaltung der Dinge in Bulgarien accepliert Graf Kalnoky vollständig das vom ungarischen Minister. Präsidenten Tisza entwickelte Programm. Jedoch sei zu bedenken, daß wir zwar Interessen im Orient haben, aber nlchl nur im Orient, und daß wir keine Balkanmacht sind. Wir müssen uns daher gut überlegen, ehe wir einen Schritt thun, welcher zu europäischen Verwicklungen führen und fünf Millionen Soldaten mobil machen könnte. Bisher hätten die diplomatischen Mittel ausgereicht, um solche Akte abzuwehren, welche die bulgarische Frage zu einer europäischen hätten machen können. Hätte Rußland einen Kommissär entsendet, welcher die Regierung in die Hand genommen hätte^ oder wenn die Okkupation seitens Rußlands sei es der Seeplätze, fei es des Landes in Aussicht genommen ober versucht worden wäre, so würde das uns veranlaßt haben, einzugreifen. Für den Moment ist diese Gefahr so ziemlich abgewendet und so wie die Dinge jetzt stehen, ist eine friedliche Lösung, ohne daß unsere ober europäische Interessen verletzt werden, nicht nur möglich, sondern sogar in hohem Grade wahrscheinlich. Das Verhältnis zu allen auswärtigen Mächten ist das beste, was nicht blos als Phrase zu gelten hat. Wir genießen Ansehen und Ver­trauen durch das klare und uneigennützige Programm unserer Politik und wenn wir in gewissen Momenten mit Energie Plfzutreten genötigt sein sollen, werden diesem Programm Freunde und Unterstützer nicht fehlen. Tas Fundament des Verhältnisses zu Deutschland besteht nicht in Worten oder Buchstaben, sondern in dem gegenseitigen Gefühle, daß beide Staaten als Großmächte neben einander bestehen und sich daher in ihren Existenzbedingungen gegen­seitig unterstützen müssen. Wassimmer in der deutschen Presse gesagt wird, wenn es sich um große Fragen handel', wird dieses gegenseitige Gefühl immer seine Wirksamkeit äußern und einem anderen Teile des Parkes, wo eine neue Ueveriaschung bereitet war, und so ging es in buntester Abwechselung forr. Hier führten Schäfer und Schäferinnen ländliche Tänze auf, dort kam eine morgenländische Karawane, welche köst­liche Stoffe, Wohlgerüche, Waffen und Geschmeide an den Hof des allerchristlichsten Königs bringen sollte, unterwegs aber Halt gemacht hatte, um Geschenke an die Gäste in Fernon zu verteilen.

Die laue, würzige Juninacht ging schnell und unvermerkt zu Ende, weiße Streifen im Osten und eine vom Flusse herwehende schärfere Luft verkündet das Nahen des Morgen», als das Fest fein Ende erreichte und die Teilnehmer sich in die für sie bereiteten Gemächer zurückzogen. Die Soune stand am nächsten Tage schon recht hoch am Himmel und Fernon lag noch im tiefsten Schlafe. Geräuschlos wie die Schatten glitten die Diener und Arbeiter einher, welche beschäftigt waren, jede Spur des gestrigen Festes im Schlöffe und im Parke zu tilgen, die Wege und Plätze wieder glänzend sauber zu walzen und zu Harken, die Blurneu- gruppen auf den Beeten vollständig neu zu arrangieren, sowie die Tafel für das Frührnahl zu richten.

Die lautlose emsige Geschäftigkeit ward durch die An- kunft eines reitenden Boten unterbrochen, der sofort zu dem Minister geführt zu werden verlangte und durch keine Vor­stellung seitens des herbeigerufeneu Kammerdieners, daß Seine Excellenz noch schlafe, von seiner Forderung abzu- bringen war, da er einen Befehl des Königs zu über- bringen hatte.

Nicht ohne Zagen ging der Kammerdiener daran, seinen Herrn zu wecken. Noch im Bette liegend, empfing Pomponne den Boten, nahm das Schreiben, las es, erbleichte, winkte dem Manne sich zu entfernen und sprang hastig von seinem Lager empor. So lange Zeit und so große Sorgfalt er am vorhergehenden Tage seiner ToUette gewidmet hatte, so eilfertig mußte der Kammerdiener heute damit fertig werden.

(Fortsetzung folgt.)