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Nr. 266

Marburg, Sonnabend, 13. November 1886.

ObrrMche Beitrag

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. h. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaqsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. "

Geschichtskalender.

13.. N o v ui d i i.

1598. Philipp H. von Spanien stirbt im ELkurial, ihm folgt sein Sohn Philipp HI.

1805. Napoleon zieht in Wien ein.

1823. Der König Ferdinand VII. von Spanien kehrt unter dem Schutze der Franzosen nach Madrid zurück und hebt die Konstitution auf.

Gefalle«.

Historische E.zählung von F. Arneseldt.

(Fortsetzung.)

Unter ihren Klängen öffneten sich die Thüren und die Herren eilten herbei, um jeder der Damen, welcher er für die Dauer des Festes als Kavalier zugewiesen war, den Arm zu bieten m»d sie in den Saal zu führen.

Hier wartete der Gäste eine neue Ueberraschuug, sie glaubten sich urplötzlich in das Reich des Meergottes versetzt; die Wände schimmerten von Muscheln, Krystallen und Halb­edelsteinen. Aus dem aus kostbarer Mosaik bestehenden Fußboden erhob sich inmitten einer Einfassung von Korallen und wundersam geformten Seegewächsen ein Springbrunnen, dessen strahlen sich in dem sonnnenlichte brachen, welches, durch die runden hochliegenden Fenster hereiufluthend, den ovalen Saal erleuchtete, während die Tafel doch so aufge­stellt war, daß kein Strahl sich allzu vordringlich einem Ge­sichte nahen konnte, das eine allzu grelle Beleuchtung nicht gut vertragen konnte.

Für Athenais von Luynes hätte es allerdings einer solchen Vorsicht nicht bedurft, sie gehörte zu jenen Schön- hetten, deren Freude der Tag und das Sonnenlicht ist. Die de» Kopf bedeckende Foutagne ließ trotz des Puders durch die Locken an de» Schläfe« und die lang herunter hängen­de» Locken an beiden Seiten noch genug von ihrem präch­tigen, von Natur aschblonde» Haar sehen, um den Neid aller

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Nov. Der Kaiser empfing heute vor­mittags 10V» Uhr den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern, nahm später die Vorträge des Kricgsministers, des Generals von Albedyll und des Ministers von Putt- tarnet entgegen, machte nachmittags dem Prinzen Ludwig von Bayern einen Besuch und konferierte nachmittags 3/s Uhr mit dem Reichskanzler. Um 4'/, diniert der Kaiser mit dem Prinzen von Bayern, dem Kronprinzen und dem Prinzen Wilhelm. Die Abreise des Kaisers zur Jagd nach Letzlingen erfolgt morgen nachmittag. Der Kron­prinz, Prinz Wilhelm und Prinz Ludwig von Bayern sind heute, abends 6 Uhr, nach Letzlingen zu den Jagden gereist. Die Kaiserin wird, derNat.-Ztg." zufolge, am 20. d. Mts. von Koblenz abreisen, in Weimar über­nachten und am 21. d. Mts. in Berlin zum bleibenden Aufenthalt eintreffen, die Kronprinzessin reist am Donners­tag von Italien ab und gedenkt auf der Rückreise einen kurzen Aufenthalt in Bozen und München zu nehmen. Die Ankunft in Berlin soll spätestens am 18. d. Mts. erfolgen. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist mit seiner Gemahlin Mittwoch abend 6 Uhr, wie mitgeteilt, aus Varzin in Berlin eingetroffen. Der Aufenhalt des Reichskanzlers in Berlin soll jedoch nur ein ganz vorüber­gehender sein und eine Umsiedelung nach Friedrichsruhe bald stattfinden. Daß man an das unerwartete Eintreffen des Reichskanzlers hochpolitische Vermutungen anknüpft, bedarf kaum der Erwähnung. Eine Berliner Mitteilung derPolit. Korresp." bemerkt: Aus dem Umstande, daß Fürst Bismarck nächster Tage in Berlin eintrifft, dürfte wahrscheinlich die Schlußfolgerung gezogen werden, daß die Ereigniffe eine Wendung genommen, welche die Anwesen­heit des Reichskanzlers in der Hauptstadt notwendig mache; dem gegenüber wird festgestcllt, baß in den leitenden Krei­sen nach wie vor eine pessimistische Auffassung der bul­garischen Frage durch die wahre Situation nicht für be­gründet erachtet werde. Andererseits ist es klar, daß ein direkter Verkehr des Kanzlers mit den Vertretern der Großmächte in diesem Augenblicke nur von entschiedenem Nutzen fein und die Erreichung des allseitig erstrebten Zieles der Verständigung nur fordern kann. Uebrigens hat auch Feldmarschall Graf von Moltke am Sonnabend fein Gut Kreisau verlassen, um nach Berlin zu reisen, obgleich er für Sonntag feine Anwesenheit bei dem Rad- sahrerfest in Schweidnitz bereits zugesagt hatte. In dem beim Bundesrat eingegangenen preußischen Militär- Etat werden die fortdauernden Ausgaben veranschlagt auf 267577000 Mk., also 4226000 Mk. mehr als im Vor­jahre, einmalige auf 27811000 Mk., also 12476000 Mark mehr; von diesem Plus entfällt die Hälfte auf die Kompletiernng des Waffenmaterials und der Munitions-

in den letzten Manifestationen formulierte Politik zu er­warten sei. Italien werde Hand in Hand mit jenen

welche die Wahrung des Vertragsrechtcs auf ihre Fahne geschrieben. Von einer Seite, die unterrichtet sein kann wird uns als thatsächlich versichert, daß Rußland wirklich den pursten von Mingrelien den Mächten auf' !l-ncJ?y <r0$e seinen Kandidaten bezeichnet habe. Da die Ablehnung des von der Sobranje gewählten Prinzen Waldemar für sicher gilt, glaube man, daß die Wahl des russischen Kandidaten sich ohne Schwierigkeiten durchsetzen und daß sich auch eine Form für dieselbe finden lassen werde, die Rußland nicht zur direkten Anerkennung der jetzigen Sobranje zwingt. Nur von England erwartet TV??-?6 EN Widerspruch, den man aber leicht glaubt beseitigen zu können.

Magdeburg,11. Nov. Gestern wurde hier das ^bnkmal Dr. Martin Luthers feierlich enthüllt. Das Standbild von Hundrieser geschaffen, ist von Erz und befindet sich vor der Johanniskirche, von Heren Kanzel herab Luther am 26. ^uut 1524 den Magdeburgern das Evangelium verkündete. Stadtverordneten-Vorsteher Liste­mann übergab das Denkmal der Stadt zum Eigentum, in deren Namen der Oberbürgermeister v. Bötticher dankte Die Stadt war geschmückt. Nach der Enthüllung fand in derJohaniuskirche ein Festgottesdienst statt, bei welchem k $'reu dw Eingangs- und Herr Superinten­

dent Hildebrandt die Schlußliturgie, die Festpredigt aber der Superintendent a. D. Faber hielt. Der granitene Sockel des Erzbildes ist geschmückt mit der Inschrift' Gottes Wort mit uns in Ewigkeit. 1 *

München, 11. Nov. Die Kreisregierung von Ober­bayern vei fugte in zweiter Instanz die Ausweisung de» Regierungsbaumeisters Keßler (des bekannten Sozial­demokraten) aus dem Königreiche. 8

Ausland.

"'Nov. DasFremdenblatt" schreibt: Die Rede Lord Salisburys könne nicht den Zusammenhang zwischen den österreichischen und englischen Interessen haben herstellen wollen; sie könne nur die Gemeinschaftlichkeit der Friedensbestrebungeil zwischen Oesterreich-Ungarn und Eng- lnb' sowie den Glauben an das gemeinsame Einstehen aller Machte für die Verträge bestärken.

Nov. Der Ausschuß der ungarischen Dele- gcttion fur dle äußeren Angelegenheiten nahm nach unwesent­licher Debatte das Budget des Ministeriums des Aeußern an und beschloß, in der Sitzung am Sonnabend von dem Ministerpräsidenten Kalnoky ein zusammenhängendes Bild ber politischen Situation zu verlangen. Ministerpräsident Kalnoky wird am Sonnabend in der ungarischen Dele- dation Erklärungen über die auswärtige Politik abgeben, lenen Blick ülur dieses wunoerbare Bild schweifen lnß- Sie wissen denFrühliug und denSommer zusammenzufassen." Konnte ich das!" sagte Pomponne mit einem leichte» ^eU!ierrirunb ?*?9te bie auf feinem Arme ruhende kleine Hand leise an feine Brust zu drücken,es würde das aller­dings nicht das Werk eines Zauberers, sondern das einer Zauberin fern."

einer graziösen Bewegung handhabte sie den Falten- sacher, sich auf diese Weise ganz unauffällig von ihm los, ^»b, und plauderte mit harmlosem Lächeln weiter: Veilchen und Tuberose», Hyazinthe» und Jasmin, die Bluthen der verschiedene» Jahreszeiten, habe» Sie hier vereint."

Gefiele es Ihnen länger zu verweilen, Sie sollten jede» Tag neue Wunder sehen, versetzte er lebhaft.

Stellen Sie mich nicht auf die Probe," erwiderte sie. warnend den Finger erhebend.Wenn ich bliebe?"

Sie würden mich zum glücklichsten der Sterbliche» machen."

_ »Vielleicht auch zum unruhigsten," entgegnete sie mit schalkhaftem Doppelsinn.Ihr ©arten hat das Ansehen, über Nacht eine Fee hiudurchgegangen und habe ihm ein Kleid von funkelnden Edelsteinen angezogen, wie wollten Sie da noch neue Wunder schaffen können?

Versuchen Sie es, und Sie sollen erfahren, wie er, stnderisch ein Kopf ist, der durch das Herz inspiriert wird" fugte er leiser hinzu, und nun brach sie tu ein silberhelles Lachen au8:

Stein, nein," entgegnete sie, und trippelte mit den hohe» mit roten Absätzen geschmückten Steckelschuhen, der anderen Gesellschaft, die sich aus Gefälligkeit gegen den liebenswür- hgen Wirt etwas abseits gehalten hatte, entgegen,kommen Sie, meine Freunde, und bewahre» Sie mich vor der Ge- fahr, auch nur tu Gedanken einen Verrat an Sr. Majestät ttufernt allergnädigsten König zu begehen."

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowied Annoncen-Bureaux von Haafenstein undBogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin,Münchenund Köln; G. L. Daube und Co. n Frankfurt a. äft-, Birlin, Ha notier u. Paris.

Vorräte. Der außerordetitliche Etat wird veranschlagt auf 25 323 OOq Mk., also mehr 2 555 000 Mk, hierunter befindet sich abermals die PositionUnteroffizier-Vorschule Breisach." DieRordd. Allgem. Ztg." sagt gegenüber den Bemerkungen einiger Blätter, daß die königliche Bestätigung der Wahl von Dr. Redner zum Bischöfe von Culm noch auf sich warten lasse: Die landesherrliche Ailerkennung Redners fei bis jetzt überhaupt noch nicht nachgesucht worden; dieselbe konnte daher auch noch nicht erteilt werden. Bischof Kopp hat, dem Vernehmen derN. Fr. Pr." nach, die Stelle als Koadjutor des Fürstbischofs von Breslau ange­nommen. Bei der heutigen Landtagswahl im 1. Ber­liner Wahlkreis erschienen 831 von den 936 aus der Urwahl hervorgegangenen Wahlmännern. Infolge geltend gemachter Proteste wurden 5 Mandate, 3 fortschrittliche, 2 konservative, für ungültig erklärt. Die Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen betrug somit 826. Es erhielten der Dr. Hermes 545, Landesdirektor v. Levetzow 222, Baurat Kyllmann 56, Kammergerichtsrat Schröder 3 Stimmen. Dr. Hermes ist somit gewählt. Derselbe war anwesend und erklärte sich bereit, die Wahl anzunehmen. Bei der Wahl im vorigen Jahre erhielten Ludwig Löwe 599, Hr. v. Levetzow 228 und der nationalliberale Kandidat Hr. Meitzen 65 Stimmen, während 1882 687 fortschritt­liche und 243 konservative Stimmen abgegeben wurden. Der Afrikareisende Fischer ist heute hier am Gallen­fieber gestorben. Das Landesökonomie-Kollegium erörterte heute die Geld-, Kredit- und Wucherfrage und nahm die Anträge Miaskowski und Korn an, dem Minister für die bisherigen Erhebungen zu danken und denselben zu ersuchen, die Ermittelungen weiter ergänzen zu lassen, sämtlichen landwirtschaftlichen Vereinen das Studium geeigneter Maß­regeln anzuempfehlen, Aeußerungen von Staatsanwälten, Rechtsanwälten und anderen Sachverständigen über die Wirksamkeit der bisherigen Wuchergesetze zu veranlassen und das gesammelte Material dem deutschen Landwirt- schaftsrate zuzuweisen, welcher die Beratung der Wucher­frage mit Berücksichtigung der süd- und mitteldeutschen Gesetzgebung über die gewerbsmäßige Güterzerstückelung in der nächsten Sitzungsperiode veranlassen wird.

Es gilt als feststehend, daß die Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Berlin, der heute bereits längere Zeit mit dem Kaiser konferierte, direkt durch die aus An­laß der bulgarischen Krisis schwebenden diplomatischen Ver­handlungen veranlaßt ist. Die Einwirkungen der Mächte auf Rußland dürften in den letzten Tagen doch lebhafter und auch einmütiger gewesen fein, als man bisher wußte. So läßt sich unter anderem dieKreuz-Ztg." aus Rom melden, daß die italienische Regierung die in der öster­reichischen Thronrede ausgesprochenen Ideen teile und daß ein Anschluß Italiens an die von Oesterreich und England zu e.regen, w.lche für düsen herrlichen, ihnen verjagten Schmuck künstliche» Ersatz suche» müssen. Die ans hellblauer und dunkelgrüner Seide zusammengesetzte Seidenrobe, nach der herrschenden Mode mit Schleifen und Spitzen überladen, hatte eine hohe Taille, aus welcher die blendend weißen Schultern und der schlanke Hals wie die Krone der Lilie emporwuchsen; die weiten Aermel fielen graziös von den schöngeformten weißen Händen mit den rosigen Nägel zurück. Als habe sie geahnt, daß ihr Wirt sie in eine Meeresgrotte führen werde, bestand ihr Schmuck aus Perlen und Sma­ragden, ihr Gesicht selbst hatte jedoch nichts von einer Nymphe, sondern stellte in seiner reifen, voll erblühten Schönheit mit dl» frischen Farben, der steilen Nase, dem schön gerundeten Kinn und dem nelkenroten Munde so recht die Verkörperung einer begehrenswerten Erdentochter bar.

Und dieser liebliche Mund plauderte und lächelte in der verführerischsten Weise. Es währte nicht lange, so herrschte '« der Heinen Tafelrunde die heiterste, an Ausgelaffenheit grenzende Stimmung. Die leckersten Speisen wurden auf« getragen, die seltensten Weine perlten in den schön ge­schliffenen Kelchgläsern, die Klänge der Musik, mit welcher das noch immer unsichtbare Orchester die Tafelfreuden zu erhöhen bestrebt war, wurden bald übertäubt von dem Ge­plauder, dem Lachen, den Scherzreden, die wie Raketenfeuer aufblitzten und zündeten.

Die Sonne warf bereits schräge Schatten, als man sich von der Tafel erhob und hinabstieg in den mit Marmor- statue» geschmückten Park, welcher sich bis zum Flusse hinzog. an dessen Ufern sich terrassenförmig Blumenparteres erhoben, Die Lust athmete hier eine erfrischende Kühle und war durchwürzt von dem Gerüche der Veilchen, Orangen, Tube­rosen, des JaSmines, des Heliotrops, der Hyazinthen und Narzissen, die in ihrer Anordnung die eigentümlichsten und mannichfalttgsten Figuren bildeten.

Herr Marquis, Sie sind ein Zauberer!" rief Athenais, indem sie den Arm ihres Begleiters lorließ und den trun«

Erscheint täglich außer au Berftagen nach Sonn- und Wtiettagen. Quartal» UbormementS-Preis bei bet Expedition 31/« Mk., bei bat Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). JusertionSgebühr für bie «svaktene Zeile 10 Pfg. Reklamen für bie Zeile 25 Pfg.